Was machen eigentlich die Griechen?

  • Sie streiten sich zurzeit mit einem Nachbarstaat über das virtuelle geschichtliche Erbe Alexanders des Großen. Es scheint absurd. Haben die nichts Besseres zu tun?


    Und doch - es ist tatsächlich nur zu verständlich. Nicht die Sache als solche, aber das Aufbegehren. Es bedurfte nur eines verbindenden Anlasses. Um das zu verstehen, muss man sich nur vergegenwärtigen, was die Griechen hinter sich haben, verstehen wollen, was das eigentliche Drama in der Sache ist.


    Die demütigenden Jahre haben ihre Spuren hinterlassen, die geschundene griechische Seele sucht nach einem Ventil und nach einem Aufhänger für das Wiedererlangen des Gefühls der eigenen Wertigkeit. Darum geht es.


    Das Thema als solches ist eher zum Schmunzeln. Ãœberspitzt heisst es...
    "Mazedonien, die niederträchtigen Emporkömmlinge, will uns Alexander wegnehmen, den größten aller Griechen!"


    Und das geht natürlich ganz und gar nicht. Soweit so klar, oder?
    Das Problem ist im Grunde das gleiche wie hier und anderswo mit denjenigen, die sich entwürdigt fühlen. Und darin besteht auch die Gefahr. Wenn das Irrationale aus Opportunismus und Angst vor dem Volkszorn un dessen Auswirkungen auf zukünftige Wahlergebnisse in Politik umgesetzt wird, kommen schnell die Hardliner aus den Löcher und schütten Benzin ins Feuer. Und in Griechenland ist die Wut groß und weit verbreitet, das sollte niemand unterschätzen. Es reichen nichtige Gründe, um aus Wut Hass und Vergeltungsdrang werden zu lassen.


    Mazedonien...? Kosovo ist nicht weit. In der Gegend passieren die seltsamsten Dinge und am Ende weiss niemand mehr, wie es so weit hat kommen können, wenn keiner rechtzeitig auf die Bremse tritt.



    2 Mal editiert, zuletzt von A3243 ()

  • ................über das virtuelle geschichtliche Erbe Alexanders des Großen. .....................


    Wieso soll das geschichtliche Erbe Alexanders des Großen "virtuell" sein. Seine geschichtlichen Taten sind belegt und eindeutig den Griechen zuzuordnen. Nichtsdestotrotz ist der Namensstreit Blödsinn, die sollten sich lieber der Einigung des Balkans zuwenden, um in der EU endlich eine vernünftige übernationale Mitarbeit zu gewährleisten.

  • Du hast natürlich Recht, aber "das Problem" ist eben nicht-greifbar. Daher die Wortwahl, die aber - zugegeben - nicht genau treffend wirkt.


    Und doch - es ist eben eine reine Fiktion, sich heute über diese Fragen zu empören.
    Genauso sinnlos, als würde ich meine heutigen Umstände geringer gewichten als das Andenken an Karl den Großen oder Arminius.


    Wenn sich Gelehrte darüber streiten wollen, meinetwegen, mich betrifft das nicht, und seien die Ahnen noch so bedeutend gewesen. Ähnlich ist es mit der Bedeutung des Alexanders für das Leben der Griechen heute. Das meine ich mit "virtuell".
    Aber ich erkenne die Ventilfunktion - und sehe mit Besorgnis, wie geringfügig die Anlässe bei aufgestautem Volkszorn sein können/müssen, um eine Menge in Wallung zu versetzen.
    Es besteht die Gefahr, dass sich daraus wirkliche, "echte" Probleme entwickeln - die aus diesen Ãœbersprungreaktionen der Aufregung über virtuelle und imaginäre Steine im Schuh sogar zu ernsthaften Konflikten werden können.

    4 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: "

  • Viele Griechen leben in der Vergangenheit und lenken sich mit solchen Nebenkriegsschauplätzen von der Misere heutzutage ab.

  • Viele Griechen leben in der Vergangenheit und lenken sich mit solchen Nebenkriegsschauplätzen von der Misere heutzutage ab.


    ....und dokumentieren gleichzeitig,wie ausgeprägt der hellenische Nationalismus ist.Hellas first?????

  • Und schon richtet sich die Aufmerksamkeit etwas weniger auf die sozialen Sauereien - man braucht nur einen externen "Feind" ....

  • Und schon richtet sich die Aufmerksamkeit etwas weniger auf die sozialen Sauereien - man braucht nur einen externen "Feind" ....


    Stimmt schon, aber das war vor 20 und mehr Jahren schon ein Thema.
    Ich hatte auf der Oberschule einen griechischen Freund, dessen Vater ich bei einem Tobsuchtsanfall erlebte, als der in einer Berliner Zeitung über Mazedonien laß und das es nicht Teil Griechenlands sei.
    Das war das erste mal, dass ich von dem "Problem" hörte.


  • ...als würde ich meine heutigen Umstände geringer gewichten als das Andenken an Karl den Großen...


    Für die Franzosen ist er Franzose und für die Deutschen halt Deutscher...Sein angebliches Schwert steht im Louvre und sein Thron in Aachen.Deswegen gehen wir uns aber nicht an die Gurgel...


    Wenn ich es richtig verstehe geht der Streit um die Vermarktung der Person Alexanders (bringt halt Geld) und "mögliche" Gebietsansprüche in Griechenland aufgrund der Namensgebung.Meine Güte, sowas ist heute nicht möglich rechtlich zu klären?


    Als Niedersachse rege ich mich doch auch nicht darüber auf, dass den Ostelbgermanen der herzögliche Titel der Sachsen gegeben wurde (von einem Luxemburger) und diese sich jetzt alle Sachsen nennen.Frankreich hat ja wohl auch keinen Rechtsanspruch auf Franken.
    Und die Russen werden jetzt wohl auch nicht den "Alten Fritz" zum Russen machen, weil ein Teil von Preußen jetzt zu Russland gehört.
    Wenn es um Public Relations für ein Kulturerbe geht, um damit Geld zu machen (Tourismus), dann wird man sich unter zivilisierten Völkern doch wohl einigen können- oder nicht?