Schrottvolkswirtschaft: Senkung des Handelsbilanzüberschusses durch Investitionen

  • Kann mir das mal einer erklären ...



    http://www.spiegel.de/wirtscha…tisch-sind-a-1198237.html


    Zitat von Fratzscher

    All das macht es wenig attraktiv für Unternehmen, in Deutschland zu investieren. Geringere Investitionen führen in der Folge zu niedrigeren Importen


    Wie genau soll das den Handelsbilanzüberschuss jetzt senken, wenn ein Unternehmen seine Kapazitäten und/oder Produktqualität durch Investitionen in Deutschland verbessert?
    Das Unternehmen drückt dann mehr, besseres und preisgünstigeres Zeug raus.


    Also, was ist mit dem Fratzscher und dieser Strömung los?

    • sind die wirrrrrrrr?
    • ist das eine Verschwörung, um Fehlinvestitionen a la BER (wo ja nichts rausgedrückt wird) zu befördern, damit die deutsche Wettbewerbsfähigkeit endlich sinkt und so der Handelsbilanzüberschuss ebenfalls?
    • ist das eine Verschwörung, um unter falscher Flagge tatsächlich die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, eben mehr, besseres und preiswerteres Zeug herzustellen und zu exportieren und dann aber eine Ausrede zu haben?


    Wenn wir aus dem wirtschaftsfreundlichen Lager im Allmachtsrausch das fordern würden (noch Kohle nachschippen, mehr POWER, jetzt ja nicht nachlassen), wäre das logisch, aber für angebliche Handelsbilanzausgleicher ist das debiler Blödsinn.


    Gruß
    Verbalwalze

  • Der schreibt wirres Zeug. Ich wundere mich nicht. Makroökonomen kommen mit der realen Wirtschaft und den wirklichen Abläufen, außerhalb der Modelle und formelhaften Gesetzmäßigkeiten, meistens nicht wirklich gut zurecht. Die haben nämlich eine wesentliche Größe des wahren Lebens meist nicht auf dem Schirm: den Menschen und seinen Hang zu irrationalen Entscheidungen und Fehlern, weit weg von der theoretischen Reinform. Daran hat sich seit meinem Studium offensichtlich nichts geändert.


    Was beunruhigen könnte ist der Umstand, dass wir hier das abwegige Elaborat eines Beraters der Bundesregierung lesen. Andererseits erklärt das auch das eine oder andere.

    2 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: s

  • Höhere Löhne und mehr Investitionen in Deutschland als Empfehlung kann ich nicht schlecht finden, also kein wirres Zeug. Wenn die Handelsbilanz dafür als Begründung hergenommen wird, soll es mir recht sein und es gibt sicher genügend Investitionen in die Infrastruktur die nicht sofort die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen steigert, also könnte die Rechnung sogar aufgehen. Und höhere Löhne zum runterfahren des Ãœberschusses fordert Flassbeck doch schon seit zweitausend Jahren, also nichts Neues. Wenn jetzt das DIW in das gleiche Horn stößt wird vielleicht endlich alles gut, wo wir jetzt auch noch wieder richtig regiert werden. :erol:

  • Wenn das Ergebnis stimmt ist die Herleitung egal, hat schon in der Schule nicht funktioniert, Herr BudSpencer.
    Das sieht doch sehr nach abschreiben aus, und keinerlei Ahnung davon, wie das Ergebnis zustande gekommen ist... ;)


    Wenn Sie mir erzählen wollten, Sie bräuchten nur einen Topf auf den Herd stellen und da irgend etwas rein werfen, am Ende kommt dann irgend ein wunderbares Drei-Gänge-Menu heraus, wäre das Ergebnis auch vorhersehbar, selbst dann, wenn sich auch Wasser im Topf befindet, was bekanntlich nie ganz falsch ist... :erol:

  • ...


    Wenn Sie mir erzählen wollten, Sie bräuchten nur einen Topf auf den Herd stellen und da irgend etwas rein werfen, am Ende kommt dann irgend ein wunderbares Drei-Gänge-Menu heraus, wäre das Ergebnis auch vorhersehbar, selbst dann, wenn sich auch Wasser im Topf befindet, was bekanntlich nie ganz falsch ist... :erol:


    Wieso wollen Sie in letzter Zeit dauernd mit mir kochen Herr Konrad ? :kopfkratz: Wenn ich da nur an ihre überkandiddelten Hamburger denke. Da verhungert man ja, vor dem Essen und der Kaffee wird bei Ihnen auch ewig nicht fertig. :lol: Aber von mir aus können wir mal einen Eintopf. Sie glauben gar nicht was man da alles verrühren kann. :erol:


    Warum soll ich mir über die Rechnung Gedanken machen, wenn das Ergebnis stimmt ?? Sind wir in der Schule ? Nein Herr Konrad, wir handeln mit Trump. Und dabei geht es rau zu. Wenn sich darüber die Lager unserer Volkswirte endlich mal einig werden mit den höheren Löhnen und Inlandsinvestitionen, dann kann da nur die Walze einen Herzkasper kriegen und den übersteht sie. Ganz sicher. :lol:

  • Das Problem an derartigen Szenarien ist, dass sie für moderne Quartalsidioten keinen Sinn ergeben. Entweder rechnet sich eine Investition bei einem der nächsten Quartalsabschlüsse, oder sie war eben Mist. Staaten müssen aber in Dekaden denken, und nicht quartalsfixiert. Schule dauert nun mal, Studium ebenfalls, das sind Zeiträume, bei denen wird BWLern schwindlig.

  • Ich versuche meine Diktion an die Gesprächspartner anzupassen, Herr BudSpencer.
    In der Veranschaulichung liegt schließlich bei so Manchem der Schlüssel zur Verständigung. :cornut:


  • Warum soll ich mir über die Rechnung Gedanken machen, wenn das Ergebnis stimmt ?? Sind wir in der Schule ? Nein Herr Konrad, wir handeln mit Trump. Und dabei geht es rau zu. Wenn sich darüber die Lager unserer Volkswirte endlich mal einig werden mit den höheren Löhnen und Inlandsinvestitionen, dann kann da nur die Walze einen Herzkasper kriegen und den übersteht sie. Ganz sicher. :lol:



    Das Problem daran ist, dass das Ergebnis mit Wunschdenken und Ãœberraschung aus der Wundertüte vergleichbar ist.
    Und es ist nicht sehr schlau, sich von einem Wunschergebnis leiten zu lassen und dabei zu vergessen, dass man da ja irgendwie auch hinkommen können muss. Und wenn der "Rechenweg" nicht zum Ergebnis passt, ist es müssig, sich über Ergebnisse zu unterhalten, die nie auf diesem Weg eintreten können.
    Wenn sie an den Gardasee wollten, sollten sie sich auch über das Verkehrsmittel Gedanken machen, mit dem sie den Weg hinter sich bringen wollen und können. Und wenn in dem Angebot des Reiseplaners steht "Wird je nach Bedarf und Verfügbarkeit gewählt" und sie sehen nur Fahrräder im Prospekt, sollten sie sich über die Konsequenzen und die Auswahl ihres Gepäcks Gedanken machen - besser ist das... ;)

  • Das Problem an derartigen Szenarien ist, dass sie für moderne Quartalsidioten keinen Sinn ergeben. Entweder rechnet sich eine Investition bei einem der nächsten Quartalsabschlüsse, oder sie war eben Mist. Staaten müssen aber in Dekaden denken, und nicht quartalsfixiert. Schule dauert nun mal, Studium ebenfalls, das sind Zeiträume, bei denen wird BWLern schwindlig.


    Nicht nur den Erbsenzählern. Die "Anleger" und die Kapitalsammelstellen, die Fonds und Konstrukte, auf denen immer mehr Menschen ihre Altesbezüge aufsetzen, machen Druck, wollen Ergebnisse, kurzfristige Erträge. Forderungen, die die Erbesenzähler dann umzusetzen haben. Und wer die Ziele nicht erreicht (Kapitalrentabilität), wird gefeuert.

  • Das Problem daran ist, dass das Ergebnis mit Wunschdenken und Ãœberraschung aus der Wundertüte vergleichbar ist.
    Und es ist nicht sehr schlau, sich von einem Wunschergebnis leiten zu lassen ...besser ist das... ;)


    Reden wir noch von Ergebnis=Inlandsinvestitionen+Lohnerhöhungen Herr Konrad ? Oder meinen Sie etwas anderes, aber dann hätten Sie Ihre Diktion schlecht angepasst. :erol: Also wenn ich so ein Ergebnis erhalte, dann schaue ich dem Gaul nicht ins Maul um bodenständig zu diktionieren. Dann würde ich eher sagen dass Planung eben doch nichts anderes ist, als das Ersetzen des Zufalls durch den Irrtum und dass man mit dem Zufall öfter Glück hat als ein Betriebswirt denkt. :lol:

  • Ich rede von der normativen Kraft des Faktischen. So lange wir hier eine Disparität bezüglich der wirtschaftlichen Realitäten - einerseits die Unternehmen und deren Führung, andererseits die Sozialsysteme und Ewartungswerte, beispielsweise bei den Rentenlücken - haben, sind simple Lösungs-Modelle, die diese grundlegenden Verwerfungen nicht explizit berücksichtigen und lösen, einfach nur Sandkastenspielereien.
    Papier ist geduldig, da kann man alles drauf schreiben. Wenn aber die Lösungswege ausgelassen oder von der Realität nicht gedeckt werden, ist das nur der Bau von weiteren Luftschlössern.
    Fordern und sich wünschen kann man viel. Ich bin sofort dabei, bei ein paar Bierchen einen großen Wurf der Weltenplanung auf den Tresen zu malen, aber es ist kein Zeichen von Kompetenz, das in einem veröffentlichten Beitrag so luschig hinzuwerfen und dann zu meinen, das machte Sinn.
    Ich schreib, das sei "wirres Zeug" - eben deshalb.
    Das ist kein Konzept, sondern ein potemkinsches Dorf. Nichts davon steht auf dem Boden der Realität, sondern ist abgekoppeltes Manmüsstemal-Proklamieren. Schade um die Zeit, die damit vergeudet wird, sich über Zielvorstellungen als angebliche "Lösungen" zu unterhalten, ohne den Weg dahin auch so zu zeichnen, dass das entworfene Konstrukt auch funktional wird.

    2 Mal editiert, zuletzt von A3243 ()

  • .................... wird vielleicht endlich alles gut, wo wir jetzt auch noch wieder richtig regiert werden. :erol:


    Wann in den Jahren nach der "Wende" ist Deutschland je "richtig regiert" worden? Ich kann mich an keinen Tag erinnern, wo die Regierungstätigkeit als "richtig" zu bewerten wäre. Und derzeit in einen neuen "Kalten Krieg" mit hineinzuschlittern, ist sogar grundsätzlich falsch und dazu gefährlich!

  • […] Wie genau soll das den Handelsbilanzüberschuss jetzt senken, wenn ein Unternehmen seine Kapazitäten und/oder Produktqualität durch Investitionen in Deutschland verbessert? […]

    Ganz einfach: Zunächst einmal bedeutet Investitionstätigkeit eine Vermehrung des in den Geldkreislauf des eigenen Währungsraumes fließenden Geldes, und wie Herr Fratzscher bereits einwart: Der Handelsbilanzüberschuss steht ja unmittelbar damit im Zusammenhang, dass in Relation zum Exportvolumen zu wenig importiert würde - im Ãœbrigen sind es ja nicht allein die hauptsächlich exportierenden Unternehmen, die jetzt investieren sollen, sondern wohl auch solche, die die Inlandsnachfrage bedienen… die stagnierte nämlich, nachdem die deutsche Wirtschaft hauptsächlich exportorientiert ist. Und diese Stagnation macht ja auch so unattraktiv, überhaupt zu investieren… als wird Liquiditätsüberschuss meist nur zum Aufkauf von Konkurrenzunternehmen aufgewendet - und die einzige Investitionstätigkeit ist die für "Umstrukturierungen", die in den meisten Branchen eher Produktionskapazitäts- und Personalabbau begleiten.

  • Höhere Löhne und mehr Investitionen in Deutschland als Empfehlung kann ich nicht schlecht finden
    […]

    Als Präsident des DIW wird Marcel Fratzscher ganz gewiss keine Erhöhung des Lohnniveaus für den gewöhnlichen Arbeitnehmer im Sinn gehabt haben… vertritt er doch hauptsächlich die Interessen von Unternehmern.

    […] es gibt sicher genügend Investitionen in die Infrastruktur die nicht sofort die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen steigert […]

    Investitionen in die Infrastruktur wären Angelegenheit des Staates, bisweilen der Kommunen. Wurde sonst nicht von Seiten namhafter Wirtschaftsverbände und "Wirtschaftsweiser" gefordert, dass die öffentliche Ausgabenbereitschaft gebremst werden müsse? Böse Zungen könnten auf die Idee kommen, dass der Autor des verlinkten Artikels eine Art versteckten "Rettungspakets" an seine Unternehmerfreude anleiern will…

  • Ganz einfach: ...



    Das ist Unfug. Die Handelsbilanz heißt Handelsbilanz, weil sie die Bilanzierung der gegenseitigen Handels vollzieht.
    "Wir" kaufen weniger im Ausland ein, als "wir" dort hin verkaufen. So einfach ist das. Daher kommt der Ãœberschuss.
    Und wenn im Inland durch Investitionen Geld in Investitionsgüter gebunden wird, wird alleine dadurch nicht für ein Jota mehr im Ausland eingekauft. Falls die Produktionsmittel, in die investiert wird, aus dem Ausland stammen, allerdings schon, um genau den Betrag der aus dem Ausland eingeführten Produktionsmittel.


    Aber... wie sieht der Erwartungswert denn tatsächlich aus?
    Was ist es denn, was die deutsche Industrie überwiegend ins Ausland verkauft?
    Genau, Invetitionsgüter.
    Wenn also ein größerer (aufgrund der größeren Investitionsvorhaben) Teil davon aus dem Inland nachgefragt würde und hier verbliebe, könnte dieser Teil nicht ins Ausland verkauft werden. So weit so klar.
    Das bedeutet aber nicht, dass auch nur für einen Euro mehr aus dem Ausland gekauft würde.
    Der Handelsbilanzüberschuss verringert sich also rechnerisch allein um das Delta der nicht ins Ausland verkauften Produktionsmittel. Das Ausland hat davon so gut wie nichts, das Problem wird also nicht gelöst, nur kaschiert.

    Einmal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: k

  • Höhere Löhne und mehr Investitionen in Deutschland als Empfehlung kann ich nicht schlecht finden, also kein wirres Zeug. Wenn die Handelsbilanz dafür als Begründung hergenommen wird, soll es mir recht sein und es gibt sicher genügend Investitionen in die Infrastruktur die nicht sofort die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen steigert, also könnte die Rechnung sogar aufgehen. Und höhere Löhne zum runterfahren des Ãœberschusses fordert Flassbeck doch schon seit zweitausend Jahren, also nichts Neues. Wenn jetzt das DIW in das gleiche Horn stößt wird vielleicht endlich alles gut, wo wir jetzt auch noch wieder richtig regiert werden. :erol:


    Höhere Löhne gibt es ja schon und es ist ja auch richtig, sich einen Schluck aus der Pulle zu gönnen, wenn es so gut läuft.
    Der Flassbeck fordert immer höhere Löhne, egal wie es gerade in der Wirtschaft aussieht. Dann hat er auch ungefähr die Hälfte der Zeit recht.


    Gruß
    Verbalwalze

  • Wenn das Ergebnis stimmt ist die Herleitung egal, hat schon in der Schule nicht funktioniert, Herr BudSpencer.


    Doch, das ist ein gutes Konzept, funktioniert aber nur rückwirkend.
    D.h., wenn es gut gelaufen ist, ist es wurscht, warum.
    Nur sind die Chancen, dass es gut läuft gering, wenn man die Zusammenhänge nicht verstanden hat.


    Gruß
    Verbalwalze

  • Reden wir noch von Ergebnis=Inlandsinvestitionen+Lohnerhöhungen Herr Konrad ?


    Wir erhöhen also die Konsum- und Investitionsquote gleichzeitig und schieben 105% ein?
    GEIL!


    Geht aber nicht.


    Wäre aber kein Problem mal mehr auf den Konsum zu schieben, und auf der Investitionsseite "nur" Effizienzgewinne zu heben, also z.B. die Inklusion in der Bildung sein zu lassen. Mit mehr Konsum kann mehr Mittelmeerurlaub eingekauft werden und dann sinkt der Zahlungsbilanzüberschuss wirklich.


    Gruß
    Verbalwalze

  • Und diese Stagnation macht ja auch so unattraktiv, überhaupt zu investieren… als wird Liquiditätsüberschuss meist nur zum Aufkauf von Konkurrenzunternehmen aufgewendet - und die einzige Investitionstätigkeit ist die für "Umstrukturierungen", die in den meisten Branchen eher Produktionskapazitäts- und Personalabbau begleiten.


    Wo lebst Du denn.
    Wie zum Geier glaubst Du Vollklops soll man bei Kapazitätsabbau ständig mehr Waren exportieren?
    Und Personalabbau gibt es nur, wenn Du Dir die Statistik falschrum anschaust, aber so dass Du die Achsenbeschriftungen nicht lesen kannst.


    Gruß
    Verbalwalze

  • […] Wie zum Geier glaubst Du Vollklops soll man bei Kapazitätsabbau ständig mehr Waren exportieren? […]

    Exportiert man denn mehr Waren? Oder bloß kostspieligere?