Schrottvolkswirtschaft: Senkung des Handelsbilanzüberschusses durch Investitionen

  • ...die Inlandsnachfrage bedienen…


    Hier liegt der Kern der Wahrheit zwischen all dem Stochern im Nebel.
    Das einfachste Konjunkturprogramm besteht darin, allen Geringverdienern, Transferleistungsempfängern - vor allem auch den Kleinrentnern - mehr für die Ausgaben des täglichen Bedarfs zu überlassen.
    Eine Anhebung der offiziellen Sockelbeträge - beispielsweise für die Existenzsicherung (Existenzminimum) -, würde bereits ausreichen. Das schafft sofort Wirkung im unteren Einkommensbereich - und erfahrungsgemäß geht dieses Geld sofort in den Umlauf.
    Selbst der Mittelstand der Beschäftigten hat noch etwas davon, denn der Grundfreibetrag würde sich entsprechend erhöhen und damit unmittelbare Wirkung auf den Durchschnittsteuersatz entfalten.
    Und auch dieses Geld geht zum größten Teil wieder zurück in den Kreislauf. Ein Teil fließt als Polster in die Altersrücklagen, also in Beteiligungen verschiedener Art und Sorte, weil ja inzwischen auch die Letzten bemerkt haben dürften, dass es für die Bezüge und damit den Lebensstandard in der Rente nur eine Richtung geben kann, wenn das System nicht komplett neu strukturiert wird: steil nach unten.


    Fließt das zusätzliche verfügbare Geld in den Umsatz, werden dafür erwartungsgemäß in erster Linie die Güter, die zur Deckung des täglichen Bedarf benötigt werden, gekauft, Ersatzinvestitionen - in beispielsweise Weisse Ware und Basis-Entertainment-Geräte, Möbel, Kleidung etc. Das wiederum führt zu Nachfragesteigerung nach diesen Gütern im Inland und im Ausland (und damit auch zu einer Milderung der Leistungsbilanzungleichgewichte), Umsatzsteigerungen im Online- wie im Stationären Handel, denn das gesamte Delta dieser Mittel wird dem Erwartungswert zufolge in den Haushalten der Geringsverdiener und Transferleistungsempfänger 1:1 in Konsum umgesetzt. Das auf diesem Weg in den Kreislauf zurück gepumpte Geld ist eben kein Spekulationsblasen-Aggregat, sondern unmittelbar wirksam im Regelkreislauf. Zudem fließt ein erheblicher Teil unmittelbar zurück - über die Mehrwertsteuer, die zusätzliche Beschäftigung und die Investitionsanreize für die Unternehmen, um die entstehenden Nachfrageschübe zu decken. Die Investitionen wachsen dadurch quasi organisch mit.
    Das ist der klassische Ansatz der Nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik.
    Da 'die andere' Methode der Wirtschaftsirren offensichtlich nicht wirklich richtig funktioniert, die Probleme wachsen ja nur immer weiter, ist es wohl an der Zeit, wieder mit dem Sachverstand der reinen Lehre der Nachfrageorientierung zu Punkten und vor allem die Probleme der Verelendung weiter und wachsender Teile der Gemeinschaft gleich mit anzupacken.


    Es liegt in der Natur der Sache, dass so eine Impulssetzung auch Beschäftigungsrelevanz mit sich bringt, weil mehr Nachfrage mehr Umsatz und damit Ertrag bedeutet und mehr Bedarf an Mitarbeitern ausgelöst wird, um diese Nachfrage und den daraus resultierenden Umsatz auch abarbeiten zu können...

    14 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: d

  • Hier liegt der Kern der Wahrheit zwischen all dem Stochern im Nebel.
    Das einfachste Konjunkturprogramm besteht darin, allen Geringverdienern, Transferleistungsempfängern - vor allem auch den Kleinrentnern - mehr für die Ausgaben des täglichen Bedarfs zu überlassen.
    ...
    Es liegt in der Natur der Sache, dass so eine Impulssetzung auch Beschäftigungsrelevanz mit sich bringt, weil mehr Nachfrage mehr Umsatz und damit Ertrag bedeutet und mehr Bedarf an Mitarbeitern ausgelöst wird, um diese Nachfrage und den daraus resultierenden Umsatz auch abarbeiten zu können...


    Das ist alles sehr schön hergeleitet. Nur das erfahrungsgemäß ist leider falsch. Denn "erfahrungsgemäß" läuft das nicht so mit einem makroökonomischen Aufschwung.
    Schon in England am Anfang der industriellen Revolution wurde erst in die Angebotsseite "investiert". Eisenbahnen bringen höhere Renten, aber höhere Renten bringen keine Eisenbahnen.
    Das ist in allen mir bekannten anderen Aufstiegen von Ländern genauso gewesen. Deutschland, Japan, Südkorea, USA keines der mir bekannten Beispiele war nachfragegetrieben.
    Du kannst jetzt gerne mal einige Beispiele bringen, in denen nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik einen nachhaltigen makroökonomischen Aufschwung erzeugt hat. Dem ist nicht so. Die mir bekannten Regierungen, die das versucht haben, haben entweder wegen Erfolglosigkeit abgedreht und/oder sind aus dem gleichen Grund abgewählt worden und zwar nicht nach sonderlich langer Zeit (Mitterand, Schröder erste Legislaturperiode, Wilson).


    Das hat wahrscheinlich was mit der einfachen Tatsache zu tun, das man nichts konsumieren kann, was nicht zuvor produziert wurde.


    Gruß
    Verbalwalze

    2 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: VZ gekürzt

  • […] Das einfachste Konjunkturprogramm besteht darin, allen Geringverdienern, Transferleistungsempfängern - vor allem auch den Kleinrentnern - mehr für die Ausgaben des täglichen Bedarfs zu überlassen. […]

    Für einen geringfügigen Einmaleffekt wäre dies die richtige Maßnahme; das Problem ist, dass dieser tägliche Bedarf sich daraufhin an diese Realeinkommenssteigerung "anpassen", vulgo: verteuern, würde.

    […] Eine Anhebung der offiziellen Sockelbeträge - beispielsweise für die Existenzsicherung (Existenzminimum) -, würde bereits ausreichen. […]

    In der Tat würde diese Anhebung von Freibeträgen die kalte Progression mindern. Das Bundesfinanzministerium liebt diese kalte Progression jedoch, beschert sie die prächtigsten Einnahmen ganz automatisch. Und die Chefvolkswirte der Bundesbank dürfen dann noch hinsichtlich der hierzulande doch traditionell gefürchteten Inflationsrisiken Entwarnung geben…

  • […] Das hat wahrscheinlich was mit der einfachen Tatsache zu tun, das man nichts konsumieren kann, was nicht zuvor produziert wurde. […]

    Sicher kann man - nicht umsonst gibt's bei größeren Anschaffungen durchaus Lieferzeiten - bzw. Vorbestellungsfristen. Konrad hatte jedoch auf die Dinge des täglichen Bedarfs hingewiesen, auch wenn er hierzulande übliche Haushaltsgeräte da mit 'reingerechnet hat.
    Wie die im letzten Kalenderjahr medial doch so gern erwähnte Aussortierung noch verzehrfähiger Lebensmittel (wegen abgelaufenen Mindesthaltbarkeitsdatums) zeigt, ist bei diesen Artikeln täglichen Bedarfs nun wirklich kein Produktionsrückstand zu verzeichnen… diese Ãœberproduktion sättigt bloß nicht unbedingt jedermann - und der Gang zur örtlichen "Tafel" ist, wie Du in einem anderen Thread nachlesen kannst, auch nicht jedermanns Sache.

  • Für einen geringfügigen Einmaleffekt wäre dies die richtige Maßnahme…


    Wenn das Existenzminimum angehoben wird, ist das kein Einmaleffekt, sondern eine dauerhafte Hebung der Kaufkraft. Und zwar über die gesamte Breite des unteren bis mittleren Spektrums der Einkommens- und Leistungsbezieher. Die einen bekommen erhöhte Transferleistungen und Renten (Grundsicherung), bei den anderen vermindern sich die Steuerzahlungen und Sozialabgaben im Zuge der erhöhten Freibeträge. Monat für Monat.

  • Das ist alles sehr schön hergeleitet. Nur das erfahrungsgemäß ist leider falsch.
    ...


    "Erfahrungsgemäß" haben die Marktradikalen die Karre bis zu den Naben in den Dreck gefahren.
    Um das Ganze vor dem Kollaps zu bewahren, pumpt die EZB jeden Monat dreissig Milliarden (bis vor Kurzem waren es noch sechzig Milliarden monatlich) an "druckfrischem" Buchgeld (Schuldgeld) als Spekulationszuschüsse in die Spekulationsblasen und bläst das Ganze von unten an, damit der scheinsolide Papierdrache nicht abstürzt.
    Würde dieses Geld den Verbrauchern zufließen, gäbe das wenigstens einen soliden Boden für gesunde lokale Wirtschaft und Wohlstand für die breiten Schichten. Nur, so weit denken die Marktradikalen leider nicht. Die sind lieber mit ihren Luftnummern und potemkinschen Dörfern befasst.

  • […] Die einen bekommen erhöhte Transferleistungen und Renten (Grundsicherung), bei den anderen vermindern sich die Steuerzahlungen und Sozialabgaben im Zuge der erhöhten Freibeträge […]

    Welch wundersames Rechenexempel! Und woher erfolgt die Mittelherkunft für die genannten Transferleistungen und Renten? Auch ja! - Ãœber die sprudelnden Mehrwertsteuereinnahmen aus der so geweckten Kauflust!

  • Wenn das Existenzminimum angehoben wird, ist das kein Einmaleffekt, sondern eine dauerhafte Hebung der Kaufkraft. .


    Aber,aber,aber,
    woher soll denn in Zukunft das Geld für die Rettung (angeblich)maroder Banken kommen??

  • Welch wundersames Rechenexempel! Und woher erfolgt die Mittelherkunft für die genannten Transferleistungen und Renten? Auch ja! - Ãœber die sprudelnden Mehrwertsteuereinnahmen aus der so geweckten Kauflust!


    Aber,aber,aber,
    woher soll denn in Zukunft das Geld für die Rettung (angeblich)maroder Banken kommen??


    Ja, es ist in der Tat immer wieder interessant zu erleben, wie kurz das Gedächtnis so mancher Zeitgenossen ist...;)

  • "Erfahrungsgemäß" haben die Marktradikalen die Karre bis zu den Naben in den Dreck gefahren.


    Den stelle ich Dir auf umstritten. In Griechenland waren das nicht die Marktradikalen, in Italien auch nicht.


    Zitat von Konrad

    Um das Ganze vor dem Kollaps zu bewahren, pumpt die EZB jeden Monat dreissig Milliarden (bis vor Kurzem waren es noch sechzig Milliarden monatlich) an "druckfrischem" Buchgeld (Schuldgeld) als Spekulationszuschüsse in die Spekulationsblasen und bläst das Ganze von unten an, damit der scheinsolide Papierdrache nicht abstürzt.
    Würde dieses Geld den Verbrauchern zufließen, gäbe das wenigstens einen soliden Boden für gesunde lokale Wirtschaft und Wohlstand für die breiten Schichten. Nur, so weit denken die Marktradikalen leider nicht. Die sind lieber mit ihren Luftnummern und potemkinschen Dörfern befasst.


    Das Geld fließt "den Verbrauchern" zu, oder dem Teil von denen, die Guthaben in Staatsanleihen bestimmter Länder haben bzw. deren Guthaben durch Kredite "gedeckt" sind, die so ein ganz klein wenig Not leiden.


    Ach ja und Du hast jetzt exakt Null Beispiele gebracht, wo das mit den Renten und dem Nachfragedings funktioniert hat. Das sind genausoviele wie ich habe.


    Gruß
    Verbalwalze

  • Auch in diesem Thread wird wieder klar, dass es sich bei der Volkswirtschaft nicht um eine Wissenschaft im naturwissenschaftlichen Bereich handelt, bei dem man sich festlegen kann, sondern um Vodoo oder delphische Voraussagen.
    Ich glaube in keinem anderen Bereich gibt es so viel Ungewissheit in der "reinen Lehre", wie in der Makroökonomie.Dies ist allein dem Umstand geschuldet, dass dort Menschen und verschiedene Kulturbereiche involviert sind, in dem die Lebensumstände extremst unterschiedlich sind.


    Ich habe Walzes Argument, in Bezug auf Angebot/Nachfrage, auch nicht ganz verstanden, da die westlichen Industrienationen nicht aufholen müssen, sondern den Standard definieren.Ab einem bestimmten Punkt bricht der Konsum ein, da eine Gesellschaft in bestimmten Bereichen (Möbel, Auto?, technische Geräte etc.) einfach gedeckt ist und die Lust am permanenten Kauf durch Alter und Ãœbersättigung gedeckt ist.Natürlich gibt es weiterhin Konsumjunkies (die sich sogar überschulden) aber das ist nicht die Mehrheit der Bevölkerung.Die weltweite Produktion hat jetzt schon die Kapazität uns mehrfach grundauszustatten.
    Was ich hier wieder höre ist die Ideologie des ständigen Wachstums, welches aber einer Gesellschaft nicht verordnet werden kann!Auch der technische Fortschritt wird niemals alle Menschen dazu animieren, in Bezug auf das Konsumverhalten, immer up to date zu sein.Besonders dann nicht, wenn eine Gesellschaft älter wird.
    Nur bei den besonders teuren Anschaffungen und dem Grundbedürfnis des täglichen Lebens nimmt Geld dann eine exorbitante Rolle ein, wie z.B.die Mietwohnung, Eigentumswohnung, Auto oder eigenes Haus.


    Unsere Gesellschaft hat einen völlig neuen Level erreicht.Wo es zwar auch um Konsum geht, der aber eine völlig andere Qualität hat (auch mental), als der z.B. in China oder Indien.Den Menschen "im Westen" treiben ganz andere Sachen um, der eher darauf bestrebt ist das der Wohlstand so bleibt und sich einpegelt (Ausgleich).Das zeigen ja wohl alle Wahlen in unserer Hemissphäre.Gerne darf es auch Fortschritt geben, aber bitte im Einklang mit unserem schon hohen Niveau.


    Ich kann nur eins erkennen, egal welche ideologische Wirtschaftströmung aus dem vorletzten Jahrhundert angewendet wird, zeigen sich sofort die Pro- und Contra-Stimmen, da die Welt und ihre Wirtschaft niemals im Einklang ticken (wird).Und darum ist es auch egal welcher ideologischen Strömung man "kurzfristig" frönt, denn die normative Kraft des Faktischen wird einen zwingen permanent an den Schrauben zu drehen, da der Rest der Welt ebenso handelt.


    Ich denke das es in D aber an der Zeit ist, den innepolitischen Druck aus der Flasche zu lassen und gleichzeitig mit dem Ausland ins Reine zu kommen, wie auch in unsere Zukunft zu investieren.

  • Du sagst es Schopi, diese Diskussion verläuft an den alten Grenzlinien entlang auf dem schon seit über 150 Jahren bestehenden Spielfeld. Was auch sonst? Das sind Teile unserer Umgebungsvariablen, die unsere Entscheidungen beeinflussen, denn sie sind Teil davon und können nicht wegdiskutiert werden.
    Natürlich könnten wir uns auch in eine Blase zurückziehen und dort über ein Manmüsstemal-Land diskutieren, indem wir von Grund auf die Rahmenparameter anders stecken.
    Doch werden wir damit scheitern. Denn wenn wir das Hier und Jetzt konkret betrachten und Lösungen für die drängenden Probleme des Heute benötigen, dann müssen wir uns mit der normativen Kraft des Faktischen befassen und mit den konkreten Menschen und ihren Möglichkeiten, die auch tatsächlich und realistisch zur Wahl stehen, weil sie vollzogen werden könnten - nicht nur theoretisch.
    So lange wir im Netz der normativen Kraft dieser Realitäten gewachsener Strukturen fest sitzen, ist kein Alleingang möglich. Und der koordinierte Umstieg einer breiten konsenualen Mehrheit der Menschen des Planeten ist nicht in Sicht.


    Also müssen mit kleinen Verstellungen an den Schräubchen, mit Wirkung auf die gelebte Realität der Einzelnen, in einem begrenzten Raum, zunächst langsame Kurskorrekturen vollzogen werden.
    Wie Du ja ganz treffend feststellst. Die Einstellungen an die Realitäten anpassen und die Realitäten im Umkehrschluss langsam durch veränderte Einstellungen verändern.


    Demnach ist die entscheidende Frage diese: was (genau) ist das Ziel?
    Erst wenn das geklärt ist, macht es Sinn sich darüber Gedanken zu machen, welche der möglichen Einstellungen vorgenommen werden, um mit welcher Methode eine andere Richtung einzuschlagen; also welcher Kurs zu diesem Ziel angelegt werden soll, und in welcher Geschwindigkeit sich der Dampfer darauf zu bewegt...


    Es sind die Entscheidung im Detail. Die Navigationsanlage eines Dampfers ist viel kleiner als dessen Maschinen - und doch bestimmt diese kleine Einheit, welchen Kurs die Rudermaschine und damit das riesige Schiff einschlägt.
    Und dieser Kurs sollte sich an den Menschen, auf deren Mitmachen es ankommt, orientieren.
    Wenn ich Wärme und Licht in ein riesiges dunkles Haus bringen will... sollte ich nicht auf die größten Feuer noch mehr Scheite werfen, sondern muss viele kleine Feuer anzünden... und in Gang halten.

    5 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: e

  • Auch in diesem Thread wird wieder klar, dass es sich bei der Volkswirtschaft nicht um eine Wissenschaft im naturwissenschaftlichen Bereich handelt, bei dem man sich festlegen kann, sondern um Vodoo oder delphische Voraussagen.
    Ich glaube in keinem anderen Bereich gibt es so viel Ungewissheit in der "reinen Lehre", wie in der Makroökonomie.Dies ist allein dem Umstand geschuldet, dass dort Menschen und verschiedene Kulturbereiche involviert sind, in dem die Lebensumstände extremst unterschiedlich sind.


    Der Grund, warum das so ist, ist dass es sich um einen Gleichgewichtsprozess handelt, der dynamisch ist. Es gibt also z.B. kein perfektes Konsum-/Invesitionsverhältnis für alle Fälle. Je nach den eigenen Prioritäten und Umständen mag es das geben, aber dann kennt es keiner.
    Man kann aber schon Muster erkennen. Und wenn hier die Nachfrageorientierung als Wachstumsstrategie gezogen wird mit "erfahrungsgemäß", aber leider KEIN einziges Beispiel genannt werden kann, wo das funktioniert hätte. Dann fällt das unter geringe Erfolgschance.
    Die Nachfrage folgt dem Angebot. Wenn (im Sinne von falls) man wachsen will, dann muss man auf das Angebot setzen. Aber jetzt kommt die Gleichgewichtsfußangel, dass Angebot darf natürlich nicht beliebig weit vorauslaufen, die Nachfrage muss eng folgen. Wenn es nicht so gut läuft, kann sowohl prinzipiell sowohl das Angebot als auch die Nachfrage im Ãœbergewicht sein. Seltsam ist, dass die meisten Volkswirtschaftler über längere Zeiträume und an unterschiedliche Länder immer die gleiche Diagnose stellen. Was auf eine Steuerungsstrategie ohne Feedback schließen lässt.


    Zitat von Schopenhauer

    Ich habe Walzes Argument, in Bezug auf Angebot/Nachfrage, auch nicht ganz verstanden, da die westlichen Industrienationen nicht aufholen müssen, sondern den Standard definieren.


    Das ist erstens heute schon etwas gewagt zu behaupten und ich glaube auch nicht, dass es einen Konsens für einen Ãœbergang in die Horizontale gibt.


    Zitat von Schopenhauer

    Ab einem bestimmten Punkt bricht der Konsum ein, da eine Gesellschaft in bestimmten Bereichen (Möbel, Auto?, technische Geräte etc.) einfach gedeckt ist und die Lust am permanenten Kauf durch Alter und Ãœbersättigung gedeckt ist.Natürlich gibt es weiterhin Konsumjunkies (die sich sogar überschulden) aber das ist nicht die Mehrheit der Bevölkerung.Die weltweite Produktion hat jetzt schon die Kapazität uns mehrfach grundauszustatten.


    Aber das ist dann die Grundausstattung bei der heute der Heulkrampf wg. Armut einsetzt. Und ich kann jetzt noch nicht beobachten, dass großflächig kein Futz mehr eingekauft wird.


    Zitat von Schopenhauer

    Was ich hier wieder höre ist die Ideologie des ständigen Wachstums, welches aber einer Gesellschaft nicht verordnet werden kann!Auch der technische Fortschritt wird niemals alle Menschen dazu animieren, in Bezug auf das Konsumverhalten, immer up to date zu sein.Besonders dann nicht, wenn eine Gesellschaft älter wird.
    Nur bei den besonders teuren Anschaffungen und dem Grundbedürfnis des täglichen Lebens nimmt Geld dann eine exorbitante Rolle ein, wie z.B.die Mietwohnung, Eigentumswohnung, Auto oder eigenes Haus.


    Das halte ich für eine Fehldiagnose, die Gesellschaft (die Mehrheit der Menschen) hat noch den Anspruch, dass es ihr immer besser gehen soll. Da braucht man sich ja nur die Entwicklung der Ausgabestellen materiellen Zeugs anzusehen. Oder welche Handelsunternehmen es zuletzt gebratzelt hat. Das sind nämlich die Anbieter im unteren Preissegment gewesen.


    Zitat von Schopenhauer

    Ich kann nur eins erkennen, egal welche ideologische Wirtschaftströmung aus dem vorletzten Jahrhundert angewendet wird, zeigen sich sofort die Pro- und Contra-Stimmen, da die Welt und ihre Wirtschaft niemals im Einklang ticken (wird).Und darum ist es auch egal welcher ideologischen Strömung man "kurzfristig" frönt, denn die normative Kraft des Faktischen wird einen zwingen permanent an den Schrauben zu drehen, da der Rest der Welt ebenso handelt.


    Das kann man gar nicht genug betonen, dass man ständig an den Schrauben drehen muss.


    Zitat von Schopenhauer

    Ich denke das es in D aber an der Zeit ist, den innepolitischen Druck aus der Flasche zu lassen und gleichzeitig mit dem Ausland ins Reine zu kommen, wie auch in unsere Zukunft zu investieren.


    Total unkonkret.
    In D ist jetzt Zeit für Konsum, makroökonomisch läuft es hervorragend und da wir ein selbst regelndes System eingerichtet haben, wird das auch gemacht, siehe Metalltarifabschluss. Das wird wahrscheinlich überschießen aber wenn es soweit ist, muss in die andere Richtung korrigiert werden. Mit etwas Pech kommt die SPD genau dann dran. So das es heißt entweder Sozialabbau, oder makroökonomisches Versagen mit noch mehr Sozialabbau.


    Gruß
    Verbalwalze

  • Typische Scheuklappenargumentation.


    Unser derzeitiges Geld- und Wirtschaftssystem ist wie ein Patient im Endstadium, der nur noch durch Maschinen und künstliche Beatmung, externe Herzschrittmacher und Sanitärbeutel am Leben erhalten wird.
    So lange dafür bezahlt wird, haben alle, die darum herum laufen, einen Job.
    Die Ärzte, die Schwestern, die Pfleger, die Putztruppe, der Hausmeister usw. Der Strom wird bezahlt, die Miete, das Wasser, die Gehälter...

    Der Patient liegt zwar im Koma und braucht Hilfe von aussen, um nicht das Zeitliche zu segnen, aber dann verlören alle um ihn herum ihren Daseinszweck. Also wird der Patient am Leben erhalten und für "lebendig" erklärt.
    Und so lange die Mittel dafür von aussen ins System gepumpt werden, funktioniert das auch. Lebenserhaltung auf Pump - im wahrsten Sinne - ist das.


    Versiegt aber der Geldstrom - und das wird er unweigerlich, die Frage ist nur: wann? -, ist es vorbei, für alle, weil dann der Strom abgestellt wird und anschließend die Räumung erfolgt.
    Und da nichts ewig währt, ist es nur ein Frage der Zeit, bis die Versicherung die entscheidenden Fragen stellt: wie lange noch? Wie ist die Perspektive? Kommt der Patient jemals wieder auf die Beine? Und wer zahlt eigentlich zukünftig die Prämien...?


    Die fälligen Rechnungen türmen sich inzwischen haushoch...

    5 Mal editiert, zuletzt von A3243 ()

  • Der Grund, warum das so ist, ist dass es sich um einen Gleichgewichtsprozess handelt, der dynamisch ist. Es gibt also z.B. kein perfektes Konsum-/Invesitionsverhältnis für alle Fälle. Je nach den eigenen Prioritäten und Umständen mag es das geben, aber dann kennt es keiner...VZ


    Gruß
    Verbalwalze


    Mit dem Angebot kann ich das soweit nachvollziehen, wenn es sich dabei um völlig neue Sachen handelt, die das Leben der Konsumenten deutlich verbessern und in einem sinnvollen Kosten-Nutzen-Faktor stehen.Dieser Kosten-Nutzen-Faktor steht aber bei immer mehr Menschen im sogenannten Westen auf der Kippe.Durch unsere unteschiedlichen politischen Strömungen, insbesondere der Grünen, fragen sich immer mehr Menschen "brauche ich das wirklich".
    Wir sind schon gedanklich wieder einen Schritt weiter als es die aufholenden Schwellenländer und neuen Industriegiganten gerade sind.Das bedeutet nicht, dass wir der Technik oder dem Fortschritt abschwören, ganz sicher nicht, aber wir lassen vermehrt einfließen ob es sich bei einem Fortschritt um die Verbesserung der gesamten Gesellschaft handelt (z.B. Medizin, Bildung, Umweltschutz, Forschung, Bürgerrechte etc.) oder eher um die eigene Bedürfnisbefriedigung durch Konsumgüter die ihren "Glücklichmacheffekt" und Glitzer irgendwann verlieren, weil man schon alles hat oder es nicht benötigt.Und da ist eine Bewegung im Gange, die immer stärker wird.


    Das heißt nicht, dass wir die Augen vor realen sozialen Problemen verschließen und ökonomische Ungleichgewichte (Einkommen/Vermögen) verleugnen, sondern das wir unsere Prioritäten erweitern und nicht nur den schnöden Mammon zum Glücklichsein brauchen, sondern auch Freizeit, eine gewisse ökonomische Sicherheit die etwas breiter aufgestellt ist, eine bessere Umwelt die das Leben schöner und gesunder macht und Rechte die den Einzelnen und die Gesellschaft stärken.


    Und da setzt auch deine Aussage an, dass wir immer noch nach der Prämisse leben das es der nächsten Generation besser gehen soll.Aber was ist besser und wer definiert das?Ich mache das nicht nur am Verdienst fest, sondern auch an den Punkten die ich oben genannt habe.Was die Leute aber ganz sicher nicht glücklich macht, ist der enorme Druck unseres Wirtschaftssystems, der von Jahr zu Jahr schlimmer wird, immer mehr psychotische Krankheiten produziert, und am Ende doch keine "glücklichmachenden" Verbesserungen bereithält und in der Gesamtbetrachtung auch keine besseren Sicherheiten.


    Und man merkt das die Menschen in unseren Gefilden sich dagegen auflehnen und nach anderen Antworten suchen.Und an diesem Punkt werden die Chinesen wahrscheinlich in 50 Jahren auch sein.Denn dann haben sie den gleichen Prozess durchlaufen wie die Männer und Frauen des Westens.


    Zitat

    In D ist jetzt Zeit für Konsum, makroökonomisch läuft es hervorragend und da wir ein selbst regelndes System eingerichtet haben, wird das auch gemacht, siehe Metalltarifabschluss. Das wird wahrscheinlich überschießen aber wenn es soweit ist, muss in die andere Richtung korrigiert werden. Mit etwas Pech kommt die SPD genau dann dran. So das es heißt entweder Sozialabbau, oder makroökonomisches Versagen mit noch mehr Sozialabbau.


    Und wie willst du das der deutschen Seele verordnen?Viele haben durch den niedrigen Zins jetzt eine größere Investition in das Eigenheim gewagt, da der Zins und die politische Weltlage dies befördert.Ich hoffe das dies bei den meisten auf lange Sicht glatt läuft (wenn die Zinsen steigen und die Laufzeiten der Kredite 10/20 Jahre auslaufen (Anschlußfinanzierung)).Aber dias Konsumverhalten der Deutschen wird niemals die Formen eines US-Amerikaners annehmen- so ticken wir nicht.Besonders dann nicht, wenn die Zukunft in Bezug auf Rente, Pflege und andere Widrigkeiten des Lebens eher düster aussehen, an denen die Politik maßgeblich Anteil hat, da sie immer wieder eher negative Aussichten plakatiert.Bei einem eher rationalen, pragmatischen, verhaltenen und pessimistischen "Volk" animiert das nicht "über seine Verhältnisse zu leben" und dem unbeschwerten Konsum zu frönen;).

  • ...
    Viele haben durch den niedrigen Zins jetzt eine größere Investition in das Eigenheim gewagt, da der Zins und die politische Weltlage dies befördert.Ich hoffe das dies bei den meisten auf lange Sicht glatt läuft (wenn die Zinsen steigen und die Laufzeiten der Kredite 10/20 Jahre auslaufen (Anschlußfinanzierung)).


    Wer sich als junger Käufer oder Bauherr eine optionale (und mögliche) dreissigjährige Laufzeit bei 2,5% (auf 90% des Beleihungswertes) nicht langfristig gesichert hat, muss dann eben in den sauren Apfel beissen. Gegen schlechtes Urteilsvermögen ist sowieso kein Kraut gewachsen.

    Einmal editiert, zuletzt von A3243 ()

  • .............Und wie willst du das der deutschen Seele verordnen?................Bei einem eher rationalen, pragmatischen, verhaltenen und pessimistischen "Volk" animiert das nicht "über seine Verhältnisse zu leben" und dem unbeschwerten Konsum zu frönen;).


    Wer lebt denn in Deutschland wirklich über "seine Verhältnisse"??? Wohl nur jene, die in Verkennung ihrer realen Einkommensverhältnisse sich auf immer neue Teilzahlungsangebote einlassen, sich überschulden und danach zahlungsunfähig die Schuldnerberatungen als letzten Anker vor der Privatinsolvenz benötigen. Die Mehrheit der Deutschen muss sorgfältig rechnen, um jeden Monat über die Runden zu kommen, allein Mieten, Energie, Mobilitätserfordernisse und notwendige Versicherungen fressen die Hälfte der Nettoeinkommen auf, nachdem Steuern und Abgaben auch schon die Hälfte der Bruttoeinkommen beansprucht haben. Und die wenigen Prozent der Bevölkerung, die ihr Vermögen in Millionen Euro beziffern können, können kaum über ihre Verhältnisse leben, denn so viel kann man kaum konsumieren. Und der zweite Rolls Royce und vierte Ferrari machen auch nur vorübergehend Glücksgefühle.

  • In den kleinen Kästchen der Besitzstandswahrer kommt an der Richtigkeit des eigenen Handelns niemals ein Hauch von Zweifel auf.


    Das 'eigentliche' Problem sind per se immer "die anderen"... :cornut:

  • Wer sich als junger Käufer oder Bauherr eine optionale (und mögliche) dreissigjährige Laufzeit bei 2,5% (auf 90% des Beleihungswertes) nicht langfristig gesichert hat, muss dann eben in den sauren Apfel beissen. ...............


    Eventuell wäre die Ãœberlegung sinnvoller, zu prüfen, was man sich bei verfügbarem, auch sicherem Familieneinkommen leisten kann. Dann kann man auch mit einem Kredit bei Laufzeiten von 10/20 Jahren und höherer Tilgung erheblich sparen, wenn solche Kredite mit Zinsen unter 2 % verfügbar sind. Bei 30 Jahren Kreditlaufzeit bezahlt man sein Haus mindestens doppelt und nicht zu vergessen sind die anfallenden Werterhaltungsmaßnahmen, die auch ins Geld gehen. Von Wertsteigerung der Investition auszugehen, ist auch fraglich, denn in 30 Jahren sind die Lebensgewohnheiten und Ansprüche völlig andere.

  • Wenn ich weniger Zinsen zahlen muss, ist das das beste Geschäft. Und wenn ich langfristige Sicherheit diesbezüglich habe, kann ich ruhiger schlafen und langfristig planen. Selbst ist der Mann. Die eingesparten Zinsen können durch höhere Tilgungsleistungen bei entsprechenden Möglichkeiten genutzt werden, das ist üblich, man muss nur die Sondertilgungsrechte entsprechend vorsehen, und das ist im Normalfall keine Hürde, sondern eine gängige Option.
    Eine eingetragene Grundschuld kann entsprechend der freien Anteile neu genutzt werden, beispielsweise, wenn im Lauf der Jahre höhere Ausgaben für Erhaltungsinvestitionen (z. B. Heizung oder Dach etc... ) anfallen, ohne die Eintragungskosten ein weiteres Mal einpreisen zu müssen.


    Es gibt keine Nachteile bei der Nutzung einer günstigen Gelegenheit, es sei denn, man weiss nicht, was man tut, oder wie es geht. Dafür gibt es Fachleute. Wer die Kosten scheut, die sich später x-fach auszahlen, ist selbst Schuld. Aber manche basteln schließlich auch an den Bremsen ihres Autos und haben keine Ausbildung oder wirklich ausreichende Kenntnis.
    Was soll ich sagen? Menschen suchen sich ihre Fehler schon zusammen, die sie machen wollen.
    Nötig oder unvermeidlich sind die eher selten.

    3 Mal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: u