Ruanda - ein Vorbild für Afrika?

  • Ruanda hat sich seit dem Völkermord 1994 ziemlich gemausert, hier mal einige Eckdaten und Informationen:


    Der Staatspräsident Paul Kagame hat nach dem Genozid tiefgreifende Reformen erlassen, die Ruanda eine starke wirtschaftliche Entwicklung beschert haben.


    Zitat

    Das Land hat heute ein gut ausgebautes Straßensystem, in der Hauptstadt Kigali sind überall Bauarbeiten im Gange, und freie drahtlose Internetverbindungen sind in den Restaurants und Cafés eine Selbstverständlichkeit. Einer der größten Devisenbringer des Landes ist der Tourismus, weil die Regierung früh den Wert von Wildtier-Tourismus erkannt hat und Reisen zu den Berggorillas geschickt vermarktet. 800 Dollar kostet ein zweistündiger Besuch bei den großen Primaten, und die Wartelisten sind lang.


    Ruanda hat eine Einschulungsrate von nahezu 100 Prozent und ein Krankenversicherungssystem, das mit Hilfe der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelt wurde und heute 91 Prozent der 13 Millionen Einwohner abdeckt. Das ist einmalig in Afrika. Die durchschnittliche Geburtenrate je Frau ist von 5,6 auf 4,5 Kinder gesunken - dank mehr Aufklärung, der kostenlosen Verteilung von Verhütungsmitteln und nicht zuletzt der allgemeinen Entwicklung des Landes auch über den flächendeckenden Internetzugang.


    Die Zahl der Ruander, die in völliger Armut leben, sank von 44 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2011 auf 39 Prozent im Jahr 2014, während das durchschnittliche Wirtschaftswachstum von 2001 bis 2015 bei satten 8 Prozent lag. Diese Erfolgsgeschichte wird vor allem dem Präsidenten des Landes, Paul Kagame, zugeschrieben. Der hatte einst als Rebellenführer den Völkermord beendet und regiert seither mit harter Hand.


    http://www.faz.net/aktuell/wir…eitsfehlern-14592400.html


    Zitat

    Vor Jahrzehnten investierte Volkswagen in China, als kaum jemand an China glaubte. Jetzt eröffnet der größte Autobauer der Welt eine Fabrik in Ruanda. Er hofft auf die moderne afrikanische Jugend.


    http://www.manager-magazin.de/…sche-traum-a-1188990.html


    Kagame regiert mit harter Hand. Eine freie Presse gibt es ebensowenig wie eine echte Opposition.
    Diskriminierung oder Anstiftung zu Hass zwischen den Volksgruppen, ist unter harten Strafen verboten.
    Ruanda ist in Sachen Gleichberechtigung sogar weltweit ein Vorreiter. Es gibt mehr weibliche Vertreter in der Regierung, als in Schweden. Das Parlament hat einen Frauenanteil von 61,3% (Stand 2018).
    Nach dem Völkermord und der völligen Zerstörung der Wirtschaft des Landes, schickte Kagame Delegationen in verschiedene Länder, die sich von Entwicklungsländern, zu Industrienationen entwickelt hatten - und kopierte deren Reformen. Z.B. Singapur und China.



    http://rwandadiasporagermany.c…ika-singapur-als-vorbild/


    Wie seht ihr das? Ist Ruanda ein Vorbild für Afrika? Sind "aufgeklärte Despotien" der Weg für Entwicklungsländer in eine freie und demokratische Gesellschaft?
    Wie wird sich Afrikas Entwicklung in Zukunft gestalten?

  • Beim "Guten Diktator" läuft mir ein Schauer der Abscheu über den Rücken...
    Aber ... wenn es tatsächlich mal einen gibt...
    Es wird sich zeigen, wie weit das trägt.


    Ich kann mir allerdings den Ãœbergang in eine freiere Kultur nur sehr schwer vorstellen.
    Was dann passiert, wenn Generationen entmündigt werden und sich nur nach dem richten, was von oben vorgekaut wird, die eigenen Impulse und Ambitionen sich nicht weiter als zur Gartenpforte trauen, wenn immer erwartet wird, dass der "Gute Diktator", oder sein Pendent, schon die nötigen Ansagen machen wird, nach denen sich gerichtet werden kann, das haben wir ja selbst hier vor der Haustür. Ob das ein gutes Ende nimmt, steht bestenfalls auf "fraglich"

  • Beim "Guten Diktator" läuft mir ein Schauer der Abscheu über den Rücken...


    Mir auch. Ich glaube nicht, das es gute Diktatoren oder Alleinherrscher gibt. Diktaturen oder autokratische Systeme sind allgemein ineffizienter als Demokratien, weil deren Herrscher sich nicht auf den Prüfstand stellen lassen müssen und nicht effizient sein "müssen". Die müssen gar nichts. Und dementsprechend machen sie oft auch gar nichts (ausser sich bereichern).
    Selbiges gilt für Monarchien etc.
    Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, wie Ruanda nach dem Genozid anders hätte funktionieren können. Da gab es jede Menge böses Blut. Das konnte man vermutlich nur mit einem eisernen Griff unter Kontrolle halten.