Antisemitismus in Deutschland

  • Seit Mai diesen Jahres gibt es in der BRD einen vom Bundesministerium des Inneren bestellten Antisemitismusbeauftragter Dr. Felix Klein, der mit der Funktion und Aufgabe betraut ist, antisemitistische Strömungen in diesem Lande zu bekämpfen und möglicherweise - wenn sie Straftatbestände darstellen- auch ahnden zu lassen. Der Anlass des Kippa tragenden Israelis,der in Berlin von einem Syrer attackiert worden ist, mag auch zur Verschärfung der gesamten Situation beigetragen haben. Die Medien berichteten ausführlich darüber. Der Syrer steht gegenwärtig vor Gericht und muss sich für diese Tat verantworten. Es gibt hingegen einige Dinge, die mir Kopfschmerzen bereiten:


    - Was mich verunsichert, ist der Umstand, dass einige Zeit später einer Muslima in Berlin das Kopftuch vom Kopf gerissen wurde, ohne dass sich die Medien die Mühe machten, diese Tat in Analogie zum Kippa tragenden Israeli zu sehen. Abgesehen davon, dass auch der Antisemitismusbeauftragte Dr. Felix Klein diesem Vorfall offensichtlich keine öffentliche Bedeutung beimaß. Der mutmaßliche Täter steht allerdings nicht vor Gericht.


    - Interessant ist die Feststellung, dass es einen zeitlichen Kontext gab zwischen dem brutalen Vorgehen der IDF gegen palästinensische Zivilisten am Gaza-Streifen zur Grenze Israels und einem angeblich grassierenden Antisemitismus in Deutschland. On y soit qui mal y pense!


    - In einem Interview sagte Dr. Klein einmal, die AfD trüge dazu bei,dass antisemitische Klischees in unserem Lande gedeihten. Ich mag falsch liegen, aber so, wie sich die AfD geriert, hat sie beste Beziehungen zu Israel, steht doch der gemeinsame Feind ganz woanders. Migrantenströme nach Deutschland -meistenteils moslemisch geprägt - sind das Feindbild der AfD - Einwände aus Israel oder vom Zentralrat der Juden Deutschlands gab es keine. Wen wunderts.


    - Ein weiterer Punkt, der mich umtreibt. Wie wird in diesem Lande Antisemitismus differenziert und überhaupt begriffen? Für mich persönlich sind antisemitischte Ausschreitungen gegen Juden, gegen jüdische Einrichtungen oder jüdische Bürger ein ganz klarer Verstoß, die mit Recht auch verurteilt werden müssen. Herr Dr. Klein hat sich bisher noch nicht darüber geäußert, ob eine konstruktive und nützliche Kritik an Israels völkerrechtswidriger Politik gegenüber den Palästinensern gestattet ist und auch nicht als antisemitisch zu werten ist.Stattdessen habe ich den Eindruck, dass grundsätzlich jedwedeKritik an Israel mit dem Totschlaginstrument 'Antisemitismus' im Keime erstickt werden soll. Wo bleibt hier die Ausgewogenheit?

    - Eine Frage in Ehren an alle Foristen. Warum wird nicht auch den Palästinensern eine Stimme gegeben, die in unserem Lande überhaupt keine Lobby haben? Warum fällt es der hiesigen Politik, den Politikern - vor allem auch Herrn Dr. Klein - so schwer, die durch die Besatzungspolitik der Israelis bedingten extrem schwierigen Lebensbedingungen im Westjordanland - und vor allem im Gaza-Streifen - kritisch zu hinterfragen?
    - Ist es wirklich nicht nachvollziehbar, dass Palästinenserim Gaza-Streifen die Nase voll haben, dass man ihnen jedwede Lebensperspektive durch eine brutale und restriktive Besatzungspolitik nimmt. Ist es nicht zu verstehen, dass Zivilisten im Gaza-Streifen zur Grenze von Israel ihren Zorn gegen ihrer Besatzer zum Ausdruck bringen? Wie bitte soll das Selbstverteidigungsrecht einer hochgerüsteten israelischen Armee mit Flugzeugen, Panzern und Infanterie durch brennende Papierdrachen, die auf israelischemStaatsgebiet landen, infrage gestellt werden? Mir fehlen die Worte: Wie kann man überhaupt diese hilflosen Aktionen palästinensischer Zivilisten, die weder über Panzer, geschweige denn über eine Armee,Marine oder Flugzeuge verfügen, als Terror hinstellen? Auf zynische Art wird hier Täter- und Opferrolle ins Gegenteil gekehrt.


    - Wieso bleibt es unkritisiert, dass eine angeblich hochmoralische israelische Armee sich nicht zu schade ist, auf unbewaffnete Zivilisten zu schießen - wohlweislich Kippa tragende Scharfschützen der IDF. Selbst auf klar erkennbare Sanitäter.


    Bin ich etwa ein unbelehrbarer Antisemit, nur weil ich diese unmenschlichen Dinge kritisiere?




  • Ich steig mal in den Ring und gebe Dir völlig Recht. Allerdings muss man sehr achtgeben, dass man nicht die Regierung des Landes Israel und "die Juden" gleichsetzt. Das Problem ist, dass im Verhältnis nur wenige Menschen differenzieren und hierzulande wegen unserer Geschichte lieber nichts gegen isralische Politik sagen.
    Du wirst ja wohl hier gelesen haben, dass auch der graue Kater völlig Deiner Meinung ist, was für einen in der weiland DDR mit ihrem Zwang zur Frontenexistenz geprägten Menschen nicht allzu erstaunlich ist. Im Grunde ist die Sache mit der Prägung in der weiland BRD nicht sehr viel anders gewesen, nur waren "die Westdeutschen" auf Amerika als den großen guten Freund geprägt, dessen Freundschaft ihnen zu Recht weit angenehmer erschien als das, was sie von der anderen Seite der Zonengrenze zu sehen bekamen. Dass die deutschen Juden einen Dr. Klein zur Seite gestellt bekommen, mag Dir ungerecht erscheinen, aber bedenke, welchen Lärm die muslimischen Verbände wie Ditib machen.


    Dass die AfD antisemitisch ist, sehe ich auch nicht, im Ãœbrigen ist es im Grunde unwichtig, ob und was sie ist. Viele ihrer Mitglieder stehen den Identitären nahe und sind gegen alles, was ihnen irgendwie undeutsch, ergo ungermanisch vorkommt. Bei sehr vielen von ihnen ist es wohl vor allem unreife Wichtigtuerei und Geschäftemacherei, was aber das von Grund auf beleidigte Fußvolk nicht sieht.


    Dass das Verhalten der israelischen Armee unkritisiert bleibt, stimmt natürlich insgesamt nicht. Und dem körperlichen Angriff auf einen Kippaträger und das Herunterreißen eines muslimischen Kopftuches ist zwar die Absicht gemeinsam, nicht aber die Herkunft der Täter. Ob Täter oder Opfer - das ist eine Wellenbewegung. Ich gebe Dir aber recht, dass JEDE Gewalt geahndet werden muss.


    Wieviel einfacher und friedlicher wäre die Welt, wenn Religion nicht in die säkulare Zivilgesellschaft getragen würde, hie wie da. Aber wahrscheinlich würden sich dann andere Fronten auftun.

  • ..................., dass auch der graue Kater völlig Deiner Meinung ist, was für einen in der weiland DDR mit ihrem Zwang zur Frontenexistenz geprägten Menschen nicht allzu erstaunlich ist. ...............................


    Nur soviel dazu: der graue kater ist nie gezwungen gewesen, sich in der DDR einer "Frontenexistenzprägung zu unterziehen". Das Denken war auch in der DDR und im ganzen Ostblock frei, mir standen neben den offiziellen DDR-Medien auch die Westmedien voll zur Verfügung. Zudem war das Bildungswesen auf die Ausprägung des dialektisch-logischen Denkens ausgerichtet, zumindest an den Universitäten und Hochschulen, denen nicht nur stramm linientreue Professoren, Dozenten etc. vorstanden.
    Zudem gibt es bei allen denkenden Menschen sowas, wie ein Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden, ein natürliches Gefühl für Ethik und Moral. Einem ganzen Volk das Land zu rauben, es über rund 100 Jahre zu terrorisieren und ihm seine natürlichen Lebensgrundlagen zu verweigern, um einen rassistischen Apartheidsstaat militärisch aufrecht zu erhalten, kann keinen Beifall finden.

  • Lieber Grauer Kater: da scheinen wir mal wieder auf gleicher Linie zu liegen. Etwa wie zwei Brüder im Geiste?
    Immerhin gebe ich Dir in vielen Dingen Recht, wenngleich die DDR eigentlich nicht das Thema meines neu eingestellten Themas 'Antisemitismus in Deutschland' war.


    Du sprichst von Gefühl für Ethik und Moral. Einem ganzen Volk das Land zu rauben. Ich nehme an, Du sprichst hier das palästinensische Volk an. Landraub ist völkerrechtswidrig, Knechtung und Besatzungsdiktatur ist sogar noch übler. Jedoch alles keine Dinge, die in unserem Lande eine Rolle spielen. Wie soll's auch. Palästinensern ein Gehör in der BRD zu verschaffen, ist nicht das, was beispielsweise die hiesige Politik interessiert und schon mal gar nicht dem Zentralrat der Juden in Deutschland, müsste er sich doch dezidiert mit der unmenschlichen Problematik auseinandersetzen, was letztlich dazu führen würde, dass ihm die pro-israelischen Argumente ausgehen.
    Stattdessen hat man das politische Machtinstrument 'Antisemitismus', mit dem man wunderbar um sich schlagen kann und jedweder sachlichen Auseinandersetzung aus dem Wege geht. Wie sehr muss man das Thema fürchten, wenn sich der Zentralrat und vor allem die BRD-Politik dieser Sache verweigert und nicht einmal zu einem konzilianten und ausgewogenen Gespräch bereit ist.


    Für mich allemal ein Armutszeugnis.


    Nur soviel dazu: der graue kater ist nie gezwungen gewesen, sich in der DDR einer "Frontenexistenzprägung zu unterziehen". Das Denken war auch in der DDR und im ganzen Ostblock frei, mir standen neben den offiziellen DDR-Medien auch die Westmedien voll zur Verfügung. Zudem war das Bildungswesen auf die Ausprägung des dialektisch-logischen Denkens ausgerichtet, zumindest an den Universitäten und Hochschulen, denen nicht nur stramm linientreue Professoren, Dozenten etc. vorstanden.
    Zudem gibt es bei allen denkenden Menschen sowas, wie ein Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden, ein natürliches Gefühl für Ethik und Moral. Einem ganzen Volk das Land zu rauben, es über rund 100 Jahre zu terrorisieren und ihm seine natürlichen Lebensgrundlagen zu verweigern, um einen rassistischen Apartheidsstaat militärisch aufrecht zu erhalten, kann keinen Beifall finden.