Die soziale Wohnungswirtschaft wird systematisch abgeschafft

  • Auf dem Immobilienmarkt sind Investhaie als Vermittler unterwegs (z.B. Exporo), die dem ohnehin schon gut Betuchten Investitionen in Immobilien einschließlich der von unseren Regierungen bereitwillig geöffneten Steuerschlupflöcher vermittelt.


    Am anderen Ende stehen praktisch rechtlose Mieter vorzugsweise mit niedrigen Einkommen, die aus bestehenden Mietverträgen durch technisch fragwürdige Baumaßnahmen an seit Jahren bewusst verfallen gelassenen Objekten heraussaniert werden, um anderen Mietern Platz zu machen (z.B. Vonovia und Deutsche Wohnen).


    Nicht nur, dass die genannten Regierungen besagte Steuerschlupflöcher geöffnet haben. Hand in Hand mit denen haben Kommunen ihr Tafelsilber - größtenteils Wohnobjekte in Sozialbindung - an Vonovia und Co. verhökert, um kommunale durch Ego-Projekte ruinierte Haushalte dürftig zu sanieren.


    Die selben Ego-Shooter preisen sich dann, sie hätten die Stadtfinanzen wieder auf Kurs gebracht.


    Unberührt davon, weil von zwischengeschalteten Finanzhaien moralisch vom dadurch entstehenden Mieterelend abgepuffert sitzen breit und bräsig die gierbürgerlichen Privatinvestoren und streichen Dividende ein:


    Exporo Werbung


    - "… und die Rendite?"
    - "bis zu 6%."
    - "Waaaas?"


    Und wie fühlen sich die raussanierten Mieter? Sie fühlen sich abgehängt, aber dann tun sie genau das Falsche. Sie wählen AfD, deren Führungskader solchem unsozialen Gebaren per Parteiprogramm Vorschub leisten.

  • (Das ist ja das Elend. Kein AfD-Wähler liest das Programm, in dem auch die Atomkraft wieder angepriesen wird.)


    Bayern hat 330.000 Wohnungen verkauft, um "die Landesbank zu retten".


    Süddeutsche Zeitung vom 16. Juli 18:


    Zitat


    Der Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft GBW an einen privaten Investor ist nach wie vor umstritten. Die zentrale Frage lautet: Hätte der Freistaat damals zumindest versuchen sollen, seiner Landesbank die Wohnungen abzukaufen?


    Im Januar 2012 hatte der damalige Finanzminister öffentlich erklärt: "Die EU-Kommission verbietet, dass der Freistaat die Wohnungen kauft."


    In einem der SZ vorliegenden Papier heißt es dagegen: "Ein ausdrückliches Verbot des Anteilserwerbs durch den Freistaat hat die EU-Kommission nicht ausgesprochen."



    Zitat

    [FONT=&amp]Von Klaus Ott
    [/FONT]
    [FONT=&amp]Der Vermerk, der Ministerpräsident Markus Söder im Streit um die Privatisierung von rund 33 000 Wohnungen in Bayern in Bedrängnis bringt, datiert vom 31. Januar 2012. Die vier Seiten gingen quer durch das Finanzministerium, dem Söder damals vorstand. Am Ende landete die Notiz, laut Eingangsstempel, auch im Ministerbüro.[/FONT]
    [FONT=&amp]Das der Süddeutschen Zeitung vorliegende Papier lässt Söders Version, wie es zum umstrittenen Verkauf der Wohnungsbaugesellschaft GBW an einen privaten Investor gekommen war, zweifelhafter denn je erscheinen. Dem Vermerk zufolge hatte die Brüsseler EU-Kommission dem Freistaat nicht förmlich untersagt, die GBW der eigenen, seinerzeit finanziell angeschlagenen Landesbank abzukaufen.[/FONT]
    [FONT=&amp]"Ein ausdrückliches Verbot des Anteilserwerbs durch den Freistaat hat die EU-Kommission nicht ausgesprochen", steht in dem Papier. Das nicht ist im Original fettgedruckt und unterstrichen. Damit es auch niemand übersehen kann. Söder hingegen hatte im Januar 2012, inmitten von Turbulenzen um die Landesbank und deren GBW, öffentlich erklärt: "Die EU-Kommission verbietet, dass der Freistaat die Wohnungen kauft."[/FONT]

    3 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: Formatierungsfehler geglättet

  • Mit der Zeit fällt es mir immer schwerer, mich mit unserer Gesellschaft als angeblich beste aller denkbar schlechten freiheitlichen Gesellschaften zu identifizieren …


    Eine ethisch tragbare Anleitung zu meinem weiteren Umgang mit dieser Gesellschaft liefert mir hoffentlich die Beantwortung dieser großen Fragen:


    Was kann ich wissen?
    Was darf ich hoffen?
    Was soll ich tun?

  • Argo, Dein Zitat deckt den Eingangsbeitrag vollständig ab. Kannst Du da mal dran drehen?


    Eingangsbeitrag


    Danke, Argo.

    2 Mal editiert, zuletzt von Wieben Klas ()

  • Seltsamer Formatierungsfehler; einer von der Sorte, die niemalsnicht enträtselt werden wird...
    Hab's weg gemacht ...

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Die Immobilienspekulanten schaffen eine weitere Parallelgesellschaft, die sie wahrscheinlich aus den weichen Sesseln ihrer Wohlsituiertheit bei "den Ausländern" schon beklagen.

  • Na, das passt ja wie die Faust auf's Auge:


    http://www.spiegel.de/wirtscha…auprojekte-a-1222616.html


    Zitat

    2017 etwa scheiterte der Bau von vier Dutzend Wohnungen auf einer Wiese im wohlhabenden Randbezirk Trudering. Eine Bürgerinitiative hatte unter anderem mit einem Bürgerbegehren gedroht, um den Bau zu verhindern. Die Stadt stoppte am Ende ihre Pläne. Dengler moderierte damals eine Infoveranstaltung. Die Stimmung sei "aufgeheizt und aggressiv" gewesen, berichtet er. Er sei gefragt worden, wie er die Nachbarschaft vor "seinen Mietern schützen will" - mit Polizei, Security oder einem Zaun? Dengler wirkt immer noch aufgebracht, als er davon erzählt. "Was ist das für ein Menschenbild?", fragt er.

  • Was für eine Stadtadministration ohne Eier in der Hose ist das, die entgegen allen sozialen Geboten unserer Verfassung und sogar des konservativ-christlichen Weltbildes einknickt, nur damit die Optik einiger Wohlstandshanseln ja nicht beeinträchtigt wird.


    Wodurch sind die Entscheider in den Ämtern korrumpiert, das sie im Konflikt mit ihrem Amtseid so entscheiden?


    Die Hanseln sollten sich klar darüber sein, dass sie zu großen Teilen ihren Wohlstand denen verdanken, die in prekären Verhältnissen arbeiten, um shareholder values zu maximieren, wobei shareholders mit den Hanseln gleichzusetzen sind.

    Einmal editiert, zuletzt von Wieben Klas ()

  • Ich finde es etwas zu plakativ naiv, zu glauben, dass so eine kommunale Administration sich den Honorarschiorn verweigern kann. Das sollte doch ein enger Vertrauter von ehemaligen Mitgliedern und maßgeblichen Influencern des Bau- und Wegeausschusses besser wissen... ;)

  • Na, das passt ja wie die Faust auf's Auge:


    http://www.spiegel.de/wirtscha…auprojekte-a-1222616.html


    Na, da haben ja wohl einige Leute von ihren gesetzlichen Rechten Gebrauch gemacht...


    Als sie bei uns das "Zeltlager" endlich, nachdem es nicht genutzt wurde, abgebaut hatten, kamen auch ein paar Verrückte im Stadtrat auf die Idee, man könnte auf dem freigewordenen Grund und Boden nun auch ein paar "Willkommenswohnungen" bauen...man hatte allerdings nicht mit dem Aufbegehren der Siedlungsgemeinschaft gerechnet.


    Nach einigen Auseinandersetzungen bis hin zu unverholenen Drohgebärden wurde dann von dem Plan Abstand genommen...jetzt baut man dort eine große Kita, die schon etwas länger benötigt wird, aber nie gebaut wurde (angeblich waren die Gelder nicht verfügbar)...


    Womit sich nun der Wille des Bürgers durchgesetzt hat...

  • ....Womit sich nun der Wille des Bürgers durchgesetzt hat...


    Du meinst der Wille der NIMBs (not in my backyard). Klar, Sozialwohnungen fordern, aber bitte nicht hier bei mir. Baut die schön woanders, wo mich der Plebs nicht belästigt. Widerliches Menschenpack das.

  • Ich finde es etwas zu plakativ naiv, zu glauben, dass so eine kommunale Administration sich den Honorarschiorn verweigern kann. Das sollte doch ein enger Vertrauter von ehemaligen Mitgliedern und maßgeblichen Influencern des Bau- und Wegeausschusses besser wissen... ;)


    Oooch,gegen die Zahlung eines gewissen Sümmchens ist in gewissen Kreisen an vielen Orten Vieles wenn nicht sogar Alles möglich -odrrr??

  • Ein bisschen Sorgfalt und ein bisschen Aufräumen könnte ja auch schon helfen, Grundstücke zu bebauen und dann anzubieten, damit Steuerzahler, der die beiden Kirchen hier im Land mitfinanziert, nicht befürchten muss, auf der Straße zu liegen, weil Tod und Teufel es nicht nötig haben, sich ordentlich um ihre Besitztümer zu kümmern.
    http://www.carstenfrerk.de/wb/…vermoegen-der-kirchen.php


    Das ist doch nicht zu glauben im Land der Ämter und Regeln.


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • … Widerliches Menschenpack das.


    Naja, eine gewisse Logik der Gegner solcher Siedlungen in ihrer Nähe lässt sich ja nicht abstreiten. Bislang begann das immer mit der Planung von Bauten, die ein Privater am selben Ort niemals genehmigt bekommen hätte und deren Ausführung nur bei sehr großzügiger Auslegung der Baugesetzgebung überhaupt beginnen konnte. Und es endete fast immer in Dreck, Müll, Kriminalität, ausufernden Bierkästen Grillpartys vorm Haus ab Mitternacht, regelmäßigen Polizeieinsätzen (so die tatsächlich noch vorbeischaut), Schmierereien und ähnlichem mehr. Natürlich sind das nicht alle Mieter der Sozialwohnungen, aber ein Dutzend reicht ja schon. So bilden sich Ghettos. Sorry, ich halte das für keine gute Lösung. Da ist jede dezentrale eine bessere. Und vielleicht sollte auch mal wieder erwähnt werden, dass es ein Recht auf eine menschenwürdige Unterkunft gibt. Kein Recht auf eine an einem gewünschten Platz.

  • Vorrang der formaladministrativen Spezlwirtschaft vor Sozialwohnungen, …


    … so weit ist es schon gediehen.


    Wenn das dann noch von AfD Propagandisten gutgeheißen wird, sollte das einen sozial abgehängten potenziellen AfD Wähler doch nachdenklich werden lassen.


    Die führenden AfD Kader schicken sich an, zu persönlichem Nutzen elitäre Strukturen auszubilden, die ihr Wahlvieh mit sozialer Spaltung füttern und so bei Laune halten.

  • VZ


    Ich liebe diese Selbstentlarvung sozialdarwinistischer Schwachköpfe.


    @Edith:


    Wer es nicht mindestens zu einer Eigentumswohnung oder eigenem Häuschen gebracht hat, ist eben ein Untermensch, kriminell, versaut die Umgebung und macht Lärm oder stinkt.
    Da zeigt sich die Arroganz des arrivierten Beamten ggü. dem einfachen Volk.

    Einmal editiert, zuletzt von Diogenes2100 ()

  • Es sollte einen gewissen Reiz haben, den Geldadel in den Reihen der AfD namhaft zu machen, einschließlich der sozialpolitischen Äußerungen der einzelnen Kandidaten.

  • Ich liebe diese Selbstentlarvung sozialdarwinistischer Schwachköpfe.


    Mag sein. Nur ist das nun mal die reale Entwicklung. Vielfach beobachtbar, insbesondere in den Brennpunkten der Städte - und das meint zunehmend nicht nur Großstädte. Die aus der bisherigen Praxis resultierenden Probleme sind ja wohl nicht wegzuleugnen. Und die haben nichts mit:


    Wer es nicht mindestens zu einer Eigentumswohnung oder eigenem Häuschen gebracht hat, ist eben ein Untermensch, kriminell, versaut die Umgebung und macht Lärm oder stinkt.
    Da zeigt sich die Arroganz des arrivierten Beamten ggü. dem einfachen Volk.


    zu tun. Wenn man weiß, dass eigenes Handeln immer dieselben negativen Folgen bewirkt, muss man es halt ändern. Davon ist allerdings nichts zu sehen. Natürlich ist das auch nicht leicht angesichts der schieren Masse an Sozialwohnungen, die benötigt würde. Schließlich reden wir von einer 100.000 EW Stadt, die jährlich an Sozialwohnungen hochgezogen werden müsste. Aber irgendwann muss man ja anfangen. Da mag die vermeintliche Lösung naheliegen: Paar Blöcke hingestellt (unter "kreativer" Anwendung selbst gegebenen Rechtes), Sozialarbeiter eingestellt oder (viel billiger) einen Verein beauftragt und gut ist. Oder eben auch nicht. Es kann nur dezentral laufen, wie ich schon geschrieben hatte. Was in der Praxis bedeutet, Sozialwohnungen gehören über die ganze Stadt verteilt und nicht in 5 Blöcken konzentriert. Wie man das in der erforderlichen Masse hinbekommt steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber wo ein Wille ist...