Landtagswahl in Hessen 2018

  • Vorläufige Ergebnisse der Landtagswahl 2018


    1. CDU 776 254 Wählerstimmen 27,0 % Bundestagswahl 2017 bei 30,9 %
    2. Grüne 570 260 Wählerstimmen 19,8 % Bundestagswahl 2017 bei 9,7 %
    3. SPD 570 166 Wählerstimmen 19,8 % Bundestagswahl 2017 bei 23,5 %
    4. AfD 378 376 Wählerstimmen 13,1 % Bundestagswahl 2017 bei 11,9 %
    5. FDP 215 642 Wählerstimmen 7,5 % Bundestagswahl 2017 bei 11,5 %
    6. Linke 181 263 Wählerstimmen 6,3 % Bundestagswahl 2017 bei 8,1%


    Quelle: https://statistik-hessen.de/l_…18.pdf?0.7265997083619669


    Die Grünen haben mit einen Vorsprung von 94 Wählerstimmen den 2. Platz der Landtagswahl erreicht


    Im 20. hessischen Landtag gibt es 137 Sitze absolute Mehrheit 69


    CDU 40
    Grüne 29
    SPD 29
    AfD 19
    FDP 11
    Linke 9


    Schwarz- Grün erreicht genau die absolute Mehrheit von 69 Sitzen ebenso wie eine Mini-Groko als auch "die Ampel" aus SPD Grüne und FDP "die Schwampel" aus CDU Grüne und FDP eine stabile Mehrheit von 80 Sitzen.

  • Ich weiß nicht so recht. Es hilft ja nicht, Unfähige durch andere solche zu ersetzen................


    In der gesellschaftlichen Entwicklung ist zu verzeichnen, dass die Dinge kulminieren, wenn Unfähige über eine bestimmte Zeit die Fakten ignorieren. Was evolutionär nicht bewältigt wird, staut sich auf und dann gibt es halt die revolutionärer Umwälzung, die entsprechend fähige Leute in die Positionen bringt, die die Zeichen der Zeit erkannt haben. 28 Jahre verschenkter Chancen in der europäischen Integration sind mehr als genug, dazu fatal angesichts der Entwicklung in den USA.

  • Ein nicht überraschendes, jedoch immer noch erschreckendes Ergebnis. Man könnte diese Sitzverteilung als deutlichen Indikator der Demokratie in Zeiten des postmündigen Bürgers betrachten…

  • Ich meine der unvergleichliche Untergang der hessischen SPD begann mit der Landtagswahl vom 27. Januar 2008 und der parteiinternen Verhinderung von Andrea Ypsilanti als hessische Ministerpräsidentin.



    Die SPD stand bei der Landtagswahl am 27. Januar 2008 mit 36,7 % bei kräftigen Gewinnen von 7,6 % auf Augenhöhe mit der CDU 36,8 % die Erdrutschartige Verluste 12 % hinnehmen musste.



    Von den 110 Sitzen des 17. Hessischen Landtag erreichten CDU und SPD jeweils 42



    Die SPD 42 Sitze + Grüne 9 + Linke 6 hatten mathematisch eine Mehrheit von 57 Sitzen Andrea Ypsilanti hatte mit der Linken Mehrheit aus Rot/Grün/Rot die Mehrheit zur Wahl der Ministerpräsidentin.



    Am 3. November, einen Tag vor der geplanten Wahl Ypsilantis zur Ministerpräsidentin, kündigten neben Dagmar Metzger, die ihre Zustimmung bereits länger öffentlich verweigert hatte, mit Jürgen Walter, Carmen Everts und Silke Tesch drei weitere Mitglieder der SPD-Fraktion Ypsilanti die Unterstützung auf. Ypsilanti trat daher zur Wahl am nächsten Tag nicht mehr an, die Bildung der rot-grünen Minderheitsregierung war gescheitert..



    Das war bis heute die letzte Möglichkeit für die SPD den Ministerpräsident*in in Hessen zu bestimmen..



    Bei den (Neu)Wahlen zum 18. Hessischen Landtag am 18. Januar 2009 stürzte die SPD im freien Fall um 13 % ab und schlug bei aus heutiger Sicht sehr guten 23,7 % auf, damit konnte sich die 1999 begonnene Ära der CDU geführten hessischen Landesregierungen fortsetzen.



    Seit 19 Jahren also seit 1999 sitzt die SPD in Hessen in dem Bundesland in dem die SPD von 1946 -1999 mit einer Ausnahme von 1987 -1991 (Walter Wallmann, CDU) immer den MP gestellt hatte, in der Opposition. Roland Koch wurde am 7. April 1999 als Nachfolger Hans Eichels zum Ministerpräsidenten des Landes Hessen gewählt. Aufgrund des Wahlergebnis des 20. Hessischen Landtag bei der die SPD nur noch den dritten Platz hinter CDU und Grüne erreichen konnte, wird sich die Ära der CDU geführten Landesregierung augenscheinlich um weitere 5 Jahre fortsetzen.



    Wer Mehrheiten nicht nützt, versinkt eben in der Opposition.

  • Und die Nichtteilnahme ist ein Siegermerkmal? […]

    Zumindest zeigt die Verweigerung der Teilnahme an der Wahl ein gewisses mehrheitsfähiges Desinteresse - und irgendwie empfindet eine größere Anzahl der Bürger, dass von all den Listen und Parteien, die da zur Wahl antreten, niemand wirklich des Normalbürgers Interessen vertritt… die Wahl in Hessen ist gelaufen, irgendwie hat sie weniger öffentliche Debatten nach sich gezogen als die kurz zuvor erfolgte Wahl in Bayern, aber jetzt das Wahlergebnis vor und es bleibt wohl bei Schwarz-Grün. Die Mehrheit wäre dann zwar knapp, aber die mögliche Ampelkoalition würde auch nur auf 69 Sitze kommen.

  • Das ist mir zu schlicht gestrickt und stellt bei genauerer Betrachtung auch ein mit einer Menge Alibi gewürzes Armutszeugnis dar. Eine "Du kommst aus der Verantwortung für Dein Leben frei"-Karte. Eine Bescheinigung, mit der es nicht weiter geht, die schon abgeknipst ist, die zu selbstverantwortlichen Handlungen fähige Individuen auf eine stumpfe Rechengröße reduziert.


    Es gäbe genügend "Alternativen", um dem Ausdruck zu verleihen, wobei es dabei vorgeblich ginge, wäre das Motiv richtig beschrieben. Doch das ist es nicht. Tatsächlich bestehen die diesbezüglichen Probleme überwiegend aus Bequemlichkeit und Desinteresse.
    Und das wird in allen diesen Aussagen und Ausreden weiträumig umsegelt. Diese Klarstellung ist ja auch ein wenig peinlich und schlecht vermittelbar.... Offensichtlich existieren keine vollkommenen Systeme und Gesellschaften. Wie können sich also so viele Leute darauf ausruhen, dass wir ein System mit Fehlern und Schwächen haben, das eine Mitsprachemöglichkeit nur begrenzt zulässt, und es lieber dabei belassen, zu nörgeln, anstatt ihre Mitsprachemöglichkeiten, so begrenzt sie sind, auch auszuüben, weil vorgeblich keine Möglichkeit besteht, etwas zu bewirken?

    Das ist eine Loser-Haltung. Passivität zum Selbstzweck und Rückzug als Schutzmantel für die eigene Bequemlichkeit und Rechtfertigung fürs Selbstmitleid.
    Dabei ist es seit jeher ein ungeschriebenes Gesetz, das Erfolg von Misserfolg trennt, Durchsetzung von Kleinbeigeben, und Sieg von Niederlage. Wenn es eng wird, muss man nicht weniger tun, sondern mehr, mit den verfügbaren Mitteln. Und sind die Mittel nicht optimal, müssen die Anstrengungen größer werden, nicht zurück genommen.
    Wo wären wir heute als Menschheit, wenn sich stets diejenigen durchgesetzt hätten, die lieber passiv bleiben, als sich einer Aufgabe zu stellen und sie zu lösen?
    Und wenn sich das in den Köpfen der Leute als Erkenntnis manifestieren würde, gäbe es auch andere Wahlergebnisse, andere Politik und ein echtes Gegengewicht zu den etablierten Verhaltensmustern der politischen Kasten.
    Im Umkehrschluss ist die Zuverlässigkeit diese Verhaltens, des Rückzugs und Desinteresses, der beste Verbündete derjenigen, die sich das zunutze machen wollen und können. Niemand auf dieser Ebene jammert allen Ernstes darüber, dass die politische Kaste die Verteilung unter sich ausmachen kann und darf, welche Farbe deren Fahne auch immer hat.
    Das Desinteresse und die Passivität derjenigen, die eigentlich in höchstem Maße interessiert sein müssten, ist der zuverlässige Garant für die Stabilität der Verhältnisse. Wenn 30-50% der potenziellen Wähler ohnehin nicht abstimmen, müssen die auch nicht überzeugt werden, was es einfacher macht, sich auf diejenigen zu konzentrieren, deren Stimme überhaupt auf der Liste der Verfügbaren steht...

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  • Diese Interpretation ist schlicht und einfach falsch und die entscheidenden Informationen fehlen.
    Vor der Landtagswahl vom 27.01.2008 hat die SPD eine Koalition unter Beteiligung der Linkspartei explizit ausgeschlossen. Diese Information ist ganz sicher in die Wahlentscheidung eingeflossen.
    Nach der Landtagswahl dann doch eine Koalition mit der Linkspartei eingehen zu wollen ist Wahlbetrug. Und genau das hat in den Umfragen zu einem sofortigen Absturz der SPD geführt.
    Die Wiederholungswahl hat mit dem Wissen um die Möglichkeit einer Koalition mit der Linkspartei stattgefunden und die SPD hat das verdiente Ergebnis bekommen.
    Man soll nicht von sich auf andere schließen, die Wechselwähler auf der Kante mögen so etwas ganz und gar nicht, auch wenn es weiter links egal oder gar gewünscht ist.


    Gruß
    Verbalwalze

  • […] Nach der Landtagswahl dann doch eine Koalition mit der Linkspartei eingehen zu wollen ist Wahlbetrug. […]

    Eigentlich ist es nur die flexiblere Reaktion auf die sich verändert habenden Kräfteverhältnisse und Gegebenheiten, die eben, um den Wählerwillen, die mehrheitlichen Wählerstimmen als Auftrag zur Regierungsbildung wahrzunehmen, genau diese, vor der Wahl nicht absehbare und ursprünglich wohl auch nicht erwünschte Koalition mit der Linkspartei als bleibende Option zu nutzen. Und ein Teil der SPD-Stammwähler ist doch wohl heute noch davon überzeugt, dass die SPD traditionell eher in der linken Hälfte des politischen Spektrums ihre Heimat hat.

  • Eigentlich ist es nur die flexiblere Reaktion auf die sich verändert habenden Kräfteverhältnisse und Gegebenheiten, die eben, um den Wählerwillen, die mehrheitlichen Wählerstimmen als Auftrag zur Regierungsbildung wahrzunehmen, genau diese, vor der Wahl nicht absehbare und ursprünglich wohl auch nicht erwünschte Koalition mit der Linkspartei als bleibende Option zu nutzen.


    Es wurde vorher keine Flexibilität kommuniziert, sondern eine Koalition unter Beteiligung der Linkspartei ausgeschlossen. Damit ist das Wahlbetrug.
    Als Folgefrage kann man noch stellen, wie relevant das für die SPD-Wähler gewesen ist. Wenn man die von links nach rechts durchläuft, so haben wohl diejenigen, die fast schon selbst Linkspartei gewählt haben, gehofft, dass das nicht so gemeint ist, der Mitte ist es vielleicht egal. Aber diejenigen, die fast CDU gewählt haben, haben vielleicht darauf gezählt. Die SPD hat also nicht alle ihre Wählerstimmen veruntreut, aber genau diejenigen Wählerstimmen, die die Koalition mit der Linkspartei rechnerisch überhaupt erst möglich gemacht haben - und genau die sind dann bei der Wiederholung auch abgesprungen und die Option war weg.


    Und wir wollen doch eigentlich alle, dass wir auf fairer Grundlage unsere Entscheidung treffen können, oder soll das jetzt plötzlich OK sein zu bescheißen, wenn das "richtige" dabei rauskommt.


    Gruß
    Verbalwalze