Die Mentalität des Vergessens, der Umgang mit der Geschichte und der Wandel von Freizeit- und Konsumgewohnheiten

  • Nach marxistischer Auffassung sind die Klassenkämpfe, das was die Weltgeschichte in Bewegung hält - aus deren Persektive zurecht. Allerdings hofften alle Marxisten auf den technischen Fortschritt, der die Produtivkräfte so entfesselt, dass es schlechthin ein Paradies auf Erden entstehen muss. Was sind nun wirklich die Subjekte der Geschichte?


    Ich weiß es nicht, aber mein Vertrautes, also meine Kneipe um die Ecke , macht das Leben lebenswert! Alles andere ist Gift für diese kleinbürgerliche, bequeme Welt der Gemütlichkeit.

    Das wird man doch wohl noch Fragen dürfen!!


    Uneingeschränkte Solidarität für Israel - gegen Antisemitismus und Antizionismus.



    So geht Internet heute

  • Richtig - aber es sind wohl weniger geworden…

    Tavern morghulis... - Alle Kneipen müssen sterben - so auch im Mutterland des Exit und des gepflegten Feierabendsaufens. Der Guardian hat sich umgehört und die Taxifahrer denken es liegt am Rauchverbot. Es könnte aber auch an der Konzentration liegen. Nein, nicht an der mangelnden Aufmerksamkeit, die Pubs werden größer. So sterben die kleinen Pubs massenhaft dahin, weil sie sich die Nutzungsrechte privater Fernsehsender nicht leisten können und keiner mehr rauchen darf, aber die Großen saugen das freigesetzte Personal wieder auf. Daran sollte sich auch Deutschland ein Beispiel nehmen. Es braucht einfach größere Kneipen mit größeren Fernsehern. Das hat man bei der Handball WM ganz klar verpasst.

    Übrigens und nur nebenbei bemerkt, diese Art des Bejammerns von liebbgewonnen und vertrauen Einrichtungen wird jeder wirkliche und wahrhaftige Marxist als kleinbürgerliche Gefühlsduselei auf das Schärfste verurteilen.

    Man möchte aber auch immer mal wieder gerne die Empörungsrituale wahrhaftiger Marxisten und anderer "Wissenden" auf das Schärfste bejammern... :hehehe:

  • […] die Pubs werden größer. So sterben die kleinen Pubs massenhaft dahin, weil sie sich die Nutzungsrechte privater Fernsehsender nicht leisten können und keiner mehr rauchen darf, aber die Großen saugen das freigesetzte Personal wieder auf. […]

    So mag der SPIEGEL die Tendenz ja deuten - der britische Guardian indes hat unlängst berichtet, dass seit 2001 ein Viertel aller Pubs von der Bildfläche verschwunden ist - und dass mit dem Kneipen einher eine weitere Entwicklung sich abzeichnet… die zunehmende Abstinenz (nicht nur gegenüber alkoholischen Getränken) die gerade von jüngeren Menschen wiederentdeckt wird…

  • So mag der SPIEGEL die Tendenz ja deuten - der britische Guardian indes hat unlängst berichtet, dass seit 2001 ein Viertel aller Pubs von der Bildfläche verschwunden ist - und dass mit dem Kneipen einher eine weitere Entwicklung sich abzeichnet… die zunehmende Abstinenz (nicht nur gegenüber alkoholischen Getränken) die gerade von jüngeren Menschen wiederentdeckt wird…

    Nun, in Großbritannien kann das eigentlich nur zu begrüssen sein, falls diese Progonose wirklich stimmt. Was dort an "Druckbetankungen" bei Jugendlichen während der, im Vergleich zu Deutschland kurzen Öffnungszeiten (damals) der langläufigen Pubs erlebbar war , kannte ja kaum Grenzen.

    Das war weit entfernt jeglicher German Gemütlichkeit. Während meiner Aufenthalte dort in Devon in den 90ern musste ich mich erstmal von meinem Kumpel aufklären lassen was das genuschelte " Do ya wanna shack" von irgendeiner vollstrammen Göre ( nicht nur singulär erlebt ) zu bedeuten hatte....

  • […] Was dort an "Druckbetankungen" bei Jugendlichen während der, im Vergleich zu Deutschland kurzen Öffnungszeiten (damals) der langläufigen Pubs erlebbar war , kannte ja kaum Grenzen. […]

    Eine gewisse Tristesse und Aussichtslosigkeit mag die Jugendzeit in der Gesellschaft des Mutterlandes des Kapitalismus stets überlagert oder überschattet haben - das war wohl schon zu Lebzeiten Charles Dickens so, und gegen Ende der 1950er Jahren dürften Skiffle und Blues, woraus schließlich die späteren Formen britischer Pop- und Rockmusik hervorsprießten, eine kleine Flucht aus dem trostlosen Alltag geboten haben, was spätestens in der zweiten Hälfte der 70er Jahre (nach kurzer Blüte des Punk) und der darauffolgenden Jahre des Thatcherismus dann endgültig zum Binge-Drinking führte… aber das Binge-Drinking dürfte, schon aus Kostengründen, nicht unbedingt Bestandteil der Pub-Kultur sein.

    Und dass andererseits manch Trinker Vergessen sucht, haben schon Generationen zuvor bemerkt und zur Spruchweisheit erhoben. Das Binge-Drinking schlägt ja gewissermaßen eine Verbindung zwischen sportlichem Wettstreit und dem Streben nach Besinnungslosigkeit - insofern ist also nur konsequent, wenn in einem gesellschaftlichen Umfeld, das Wetten als Volkssport kultiviert hat, der Wettstreit ums Delirium sich ebenfalls durchsetzt.

  • […] Marktwirtschaft hält sich nicht mit der Glorifizierung vergangener goldener Zeiten auf.

    Auch Marktwirtschaft rutsch bisweilen von einer Pleite in die nächste… mittlerweile überflügeln die Umsätze der Computerspieleindustrie die der Filmbranche bereits. Natürlich kann man eine solche Entwicklung begrüßen, hinsichtlich des bisweilen im Film anzutreffenden Kunstcharakters und der zahlreichen Arbeitsplätze, die mit den Traumfabriken Hollywoods und Babalsbers länger als ein Menschenleben lang verbunden waren, darf man derartige Anzeichen eines Untergangs allerdings mit demselben Recht bedauern.

  • Der Rest wird auch noch verschwinden - wer braucht im Internet-Zeitalter noch Kaufhäuser?

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Neben Videotheken und der im städtischen Leben vertrauten Eckkneipe dürfen wir seit geraumer Zeit auch den Typus des Warenhauses von der Bildfläche verschwinden sehen… die Fusion der übriggebliebenen Kaufhof und Karstadt wird, wie eine aktuelle Pressemitteilung informiert, wohl 2.600 Arbeitsplätze kosten.

    Hinzu kommen die Insolvenzen von namhaften Herstellern. In diesem Fall meldet Gerry Weber, Mode, Insolvenz her. Gerry Weber gehört dem gehobenen Modebereich an, ist aber noch erschwinglich.


    Gleichzeitig hatte sich das Unternehmen mit der Eröffnung zahlreich Filialen übernommen. Gerry Weber hatte bereits im November einen gravierenden Stellen- und Filialabbau angekündigt. So sollen weltweit 900 von 6500 Arbeitsplätzen und bis zu 200 Filialen wegfallen.


    https://www.tagesschau.de/wirt…-weber-insolvenz-101.html


  • […] wer braucht im Internet-Zeitalter noch Kaufhäuser?

    Nun, die Städte benötigen die zentrumsnahen Einkaufsmöglichkeiten als Besuchermagneten - das Internet ist eben kein Ersatz für's reale Leben und die soziale Interaktion. Und in Eingangsbereichen von Online-Stores (also der Startseite von Amazon etwa) wärmen sich bislang auch keine Obdachlosen auf.

    Natürlich wäre vituelles "cornern" via Facebook oder yelp heutzutage ebenfalls eine Option.

  • Der Rest wird auch noch verschwinden - wer braucht im Internet-Zeitalter noch Kaufhäuser?

    Spätestens dann, wenn die Porto-/Versandkosten höher sind als die Preise für die Produkte ansich. Aber, und das ist das Fatale, dann sind die Innenstädte mit ihren Kaufhäusern Geschichte. Ähnliches passiert gerade mit dem Medikamenten-Online-Handel. Alle springen auf die große Freiheit, dass jeder alles und sofort beziehen können muss und hinterher wundern wir uns, dass die lokalen Apotheken verschwinden, die Medizin gepanscht bzw. krass teurer wird, weil sich nur noch einige Großkonzerne darum kümmern dürfen. Wir sind tatsächlich so blöd und müssen erst alles mehr oder weniger gegen die Wand fahren, bevor wir gegensteuern. Scheint in unseren Genen zu liegen.X(


    Frdl. Grüße

    Christiane

  • Spätestens dann, wenn die Porto-/Versandkosten höher sind als die Preise für die Produkte ansich. Aber, und das ist das Fatale, dann sind die Innenstädte mit ihren Kaufhäusern Geschichte. ..

    Dio stellt sich halt Innenstädte vor, in denen keine Autos mehr fahren, außer DHL und Taxis, wo Millionen Singles in ihrem Wohnklo mit Kochnische mittels Gehirnschnittstelle an die zentrale KI angeschlossen sind und künstlich ernährt die wenigen Ressourcen nutzen die ihnen noch zustehen und ihnen an die Wohnklotür gebracht werden. Dazu braucht man dann eigentlich keine Städte, aber das merkt dann auch keiner mehr. So kann man sicher hundert Jahre länger durchhalten und dann ist der Rest sowieso verkümmert. :hehehe: ;)

  • Dio stellt sich halt Innenstädte vor, in denen keine Autos mehr fahren,...

    müssen, weil es intelligentere, leisere, umweltschonendere und bessere Möglichkeiten gibt, 75 kg Mensch durch die Gegend zu bewegen als in einer 1,5 bis 2,5 Tonnen schweren Blechbüchse..

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Dio stellt sich halt Innenstädte vor, in denen keine Autos mehr fahren, außer DHL und Taxis, wo Millionen Singles in ihrem Wohnklo mit Kochnische mittels Gehirnschnittstelle an die zentrale KI angeschlossen sind und künstlich ernährt die wenigen Ressourcen nutzen die ihnen noch zustehen und ihnen an die Wohnklotür gebracht werden. Dazu braucht man dann eigentlich keine Städte, aber das merkt dann auch keiner mehr. So kann man sicher hundert Jahre länger durchhalten und dann ist der Rest sowieso verkümmert. :hehehe: ;)

    Und so müssen wir jetzt ganz schnell in den Philosophie-Faden, um zu sinnieren, was der "Rest" ist? <3

  • Der Rest wird auch noch verschwinden - wer braucht im Internet-Zeitalter noch Kaufhäuser?

    Ich. :)


    Einkaeufe in der Stadt verbinde ich, Beispiel Buecherei, und bei schoenem Wetter wird geradelt. Ansonsten bleiben noch die Einkaufszentren am Stadtrand, hier handle ich auf dem Heimweg.


    Internetbestellungen muesste ich sowieso auf der 10 km entfernten Post holen, die muesste ich evtl. fahren ohne andere Erledigungen damit zu verbinden.


    Nebenbei sehe ich gerne was ich kaufe.

  • Spätestens dann, wenn die Porto-/Versandkosten höher sind als die Preise für die Produkte ansich. Aber, und das ist das Fatale, dann sind die Innenstädte mit ihren Kaufhäusern Geschichte. Ähnliches passiert gerade mit dem Medikamenten-Online-Handel. Alle springen auf die große Freiheit, dass jeder alles und sofort beziehen können muss und hinterher wundern wir uns, dass die lokalen Apotheken verschwinden, die Medizin gepanscht bzw. krass teurer wird, weil sich nur noch einige Großkonzerne darum kümmern dürfen. Wir sind tatsächlich so blöd und müssen erst alles mehr oder weniger gegen die Wand fahren, bevor wir gegensteuern. Scheint in unseren Genen zu liegen.X(


    Frdl. Grüße

    Christiane

    Sehe doch das Positive, der Onlinehandel oeffnet Tueren und Tore fuer billige Arbeitskraefte die teilweise weit unter Mindestlohn verdienen. Wird Zeit das der gewerkschaftlich organisierte Einzelhandel endlich verschwindet. Die ( ehemaligen) Mitarbeiter koennen sich einen Transporter kaufen und einen Sklavenvertrag mit einem Paketdienst abschliessen.

  • Sehe doch das Positive, der Onlinehandel oeffnet Tueren und Tore fuer billige Arbeitskraefte die teilweise weit unter Mindestlohn verdienen. Wird Zeit das der gewerkschaftlich organisierte Einzelhandel endlich verschwindet. Die ( ehemaligen) Mitarbeiter koennen sich einen Transporter kaufen und einen Sklavenvertrag mit einem Paketdienst abschliessen.

    Nun fragen wir uns ganz einfach mal, wo die Hebel sind, um genau an dieser Stelle die Dinge in eine gute Bewegung zu versetzen. Mir fallen da mindestens zwei Schwerpunkte ein:

    1. Erhöhung des Mindestlohns und schärfere Überwachung und Kontrolle der Unternehmen, um Betrügereien und Umgehung desselben zu verhindern und bei Bedarf so empfindliche Geldbußen zu verteilen, dass sich jedes Unternehmen sehr genau überlegt, ob es Verstöße riskiert.


    2. Organisation der Beschäftigten - Ja, auch die könnten ihren Teil beitragen. Gewerkschaften und Betriebsräte sind ja ein wenig aus der Mode gekommen, aber man könnte ja auch hier seitens der Politik mal einhaken. In Österreich gibt es nicht nur die Zwangsmitgliedschaft der Unternehmen in der Wirtschaftskammer, wie hier bei der IHK, sondern ein entsprechendes Pendant auf der Arbeitnehmerseite, die Arbeiterkammer. Wer nicht in einer Gewerkschaft ist ist dort automatisch Pflichtmitglied.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Wer nicht in einer Gewerkschaft ist ist dort automatisch Pflichtmitglied.


    Zum ersten Teil stimmen wir überein. In dem oben genannten nicht. So weit kommt es noch. Wenn Gewerkschaften erheblichen Mitgliederschwund zu beklagen haben, dann ist das sinnvoll wohl nicht mit gesetzlich verordneter Zwangsmitgliedschaft zu bekämpfen, sondern wird Ursachen haben die es zu bekämpfen gilt. Wenn ich mir so ansehe, was einige der quasi SPD- geführten Gewerkschaften in den letzten Jahren so an Ergebnissen produziert haben... Letzteres gilt auch für die IHK. Außer, dass da nicht die SPD das Sagen hat. Ist dann halt eine andere Farbe.

  • Nun fragen wir uns ganz einfach mal, wo die Hebel sind, um genau an dieser Stelle die Dinge in eine gute Bewegung zu versetzen. Mir fallen da mindestens zwei Schwerpunkte ein:

    1. Erhöhung des Mindestlohns und schärfere Überwachung und Kontrolle der Unternehmen, um Betrügereien und Umgehung desselben zu verhindern und bei Bedarf so empfindliche Geldbußen zu verteilen, dass sich jedes Unternehmen sehr genau überlegt, ob es Verstöße riskiert.


    2. Organisation der Beschäftigten - Ja, auch die könnten ihren Teil beitragen. Gewerkschaften und Betriebsräte sind ja ein wenig aus der Mode gekommen, aber man könnte ja auch hier seitens der Politik mal einhaken. In Österreich gibt es nicht nur die Zwangsmitgliedschaft der Unternehmen in der Wirtschaftskammer, wie hier bei der IHK, sondern ein entsprechendes Pendant auf der Arbeitnehmerseite, die Arbeiterkammer. Wer nicht in einer Gewerkschaft ist ist dort automatisch Pflichtmitglied.

    Hoert sich ja gut an. Nur in Deutschland? Da fehlt die Solidaritaet, wer seinen Hintern im trockenen hat streikt nicht fuer andere.


    Bei uns muessen uebrigens die Loehne der Leiharbeiter angepasst werden, gleiche Arbeit gleicher Lohn.

    D.h. der Leiharbeiter erhaelt den gleichen Lohn wie der Festangestellte in der Firma.


    Unser Vorteil, wir koennen auch politisch streiken.