Die Mentalität des Vergessens, der Umgang mit der Geschichte und der Wandel von Freizeit- und Konsumgewohnheiten

  • ....Aber die Sozis wollten den "wilhelminischen Mief" aus der Stadt haben. Ergebnis waren Neubauten, die nicht nur architektonisch nichts hergaben, sondern vor allem ohne Rücksicht auf vorhandene Bausubstanz hingek(l)otzt wurden und offenbar nur der Selbstbefriedigung einiger Architekten dienten. Und dabei ging es vielfach gar nicht einmal um die "autogerechte" Stadt.

    Der schlechte Witz ist das fast die selbe Generation von Architekten - ebenso in der Doku gezeigt worden - das Ganze ab Ender der 60er, beginnend der 1970er das ganze Spiel wieder umgedreht haben. Aufeinmal war die vorher verpönte Kleinteiligkeit wieder angesagt, Fussgängerpassagen und Meilen sollten wieder die Innenstädte "zieren", es sollte aufeinmal "gemütlich" werden. Nur war das passende Ambiente dazu schon vor Jahren auf dem Laster.....

  • Der schlechte Witz ist das fast die selbe Generation von Architekten - ebenso in der Doku gezeigt worden - das Ganze ab Ender der 60er, beginnend der 1970er das ganze Spiel wieder umgedreht haben. Aufeinmal war die vorher verpönte Kleinteiligkeit wieder angesagt, Fussgängerpassagen und Meilen sollten wieder die Innenstädte "zieren", es sollte aufeinmal "gemütlich" werden. Nur war das passende Ambiente dazu schon vor Jahren auf dem Laster.....

    ….aber wenn's denn der Bauindustrie hilft (und dem Architekten)??

    Kopp hoch und wenn der Hals ooch dreckig ist!

  • Aha. Die Meinung des britischen Thronfolgers kritiklos zu teilen, wäre dagegen die Bildung eines eigenständiges Urteils… Prince Charles irrt übrigens, wenn er die Nachkriegsarchitektur pauschal ablehnt - erstens hat auch diese bislang kaum ein Menschenalter umfassende Ära recht unterschiedliche Baustile hervorgebracht, und zweitens sind die jüngsten Erzeugnisse und "kreativen Leistungen", auch zahlreiche der preisgekrönten, in weitaus stärkerer Weise stadtbildschädigend.

    Es ist mein eigenständiges Urteil, DIESE Meinung des Thronfolgers kritiklos zu teilen. Er hat recht.

    Und dass ich Dir in dem Zusammenhang eine eigenständige Meinung absprach, liegt daran, dass Du bislang alles, was irgendeiner als Kunst bezeichnet hat, gläubig als eine solche hingenommen hast. Ich erinnere nur an den legendären Dunghaufen, dessen hochtrabende Interpretation Du nicht mal als Satire erkannt hast.

    Was die 50er-und 60er-Jahre -Architektur betrifft, so sieht sie nicht nur billig und schäbig aus, sie war es auch. Genau so wie es die Möbel waren.

  • Was die 50er-und 60er-Jahre -Architektur betrifft, so sieht sie nicht nur billig und schäbig aus, sie war es auch. Genau so wie es die Möbel waren.

    Ganz so hart würde ich es nicht ausdrücken wollen, speziell bei letzteren, den Möbeln gibt es schon Ausnahmen z.B. wie einiges aus Skandinavien...


    Es nicht ja auch nichts gegen ein jeweiligen architektonischen Zeitgeist einzuwenden sonst würden wir ja uns bestenfalls in einem ewigen Retro wiederfinden,

    nur haben die damaligen Planer und Architekten aufgrund Ihrer Machtfülle ihre ganz persönlichen Abneigungen freien Lauf gelassen. Die Arroganz, die Abgehobenheit und die Hybris es besser zu wissen in welchen Habitus Menschen zu leben haben war damals halt leider Grenzenlos.

    Anstatt zu restaurieren oder den Austausch mit den Menschen zu suchen wurde halt gnadenlos abgerissen. Ich erinnere an Bilder wo alte Zechensiedlungen mit den üblichen Taubenställen etc. planiert und alle Bewohner in 12 Stöckige, sterile Hochhaussiedlungen verfrachtet wurden. Das feierte man damals, aus planerischer Sicht. Das die wenigsten dort glücklich wurden, das vorher soziale Miteinander verödete, diese wegzogen etc. diese neuen Siedlungen schon nach relativ wenigen Jahren verslumten interessierte die stadtplanerische Kuratel überhaupt nicht....

  • (Im alten Forum gab es mal eine Diskussion um eine alte Fachwerkmühle, die zugunsten eines hässlichen, klobigen und gesichtslosen Neubaus abgerissen worden war. Erstaunlicherweise waren hier "Kulturbeflissene" auf der "recht so!"-Seite.)


    Es kann sein, dass skandinavische Möbel aus besserem Material waren, aber das, was ich sonst an Möbeln der 60er und 70er Jahre sehe, ist immer knapp am Sperrholz vorbei, dünne Tisch- und Regalplatten, spitze Füße, schlimm.

  • (Im alten Forum gab es mal eine Diskussion um eine alte Fachwerkmühle, die zugunsten eines hässlichen, klobigen und gesichtslosen Neubaus abgerissen worden war. Erstaunlicherweise waren hier "Kulturbeflissene" auf der "recht so!"-Seite.)


    Es kann sein, dass skandinavische Möbel aus besserem Material waren, aber das, was ich sonst an Möbeln der 60er und 70er Jahre sehe, ist immer knapp am Sperrholz vorbei, dünne Tisch- und Regalplatten, spitze Füße, schlimm.

    Natürlich. Den damaligen Zeitgeist habe ich irgendwo noch manifestiert in einer Black & Decker Heimwerkerfiebel. Dort wurde im Detail beschrieben wie man aus einem alten Vertiko ein wunderbares, schwarzlackiertes Schleiflack Möbel zurecht vergewaltigen kann...

  • […] dünne Tisch- und Regalplatten, spitze Füße […]

    Die mit dem Wirtschaftswunder sich einstellende neue Leichtigkeit des Wohnens musste sich selbstverständlich im Möbelbau niederschlagen - mit dem Einzug von Tiefkühltruhe, Kochbeutelreis und sonstiger verpackter und somit lagerbarer Lebensmittelvorräte in die privaten Haushalte, verringerte sich das Problem, dass die Speisekammer als Ratten- und Mäusebiotop fungierte - mithin konnten auch Tischbeine verschlankt werden…

  • Du meinst also dahergehend mit der Ratten und Mäuseplage damals wurden an den Möbeln seinerzeit diese...


    s-l225.jpg


    ..mit Metallfüssen versehen ? Auch ne Erklärung.

    Falsch. Um schädliche Nager daran zu hindern, das Mobiliar zu erklimmen, drechselte man in vorindustrieller Zeit Tischbeine mit kugelrunden Verdickungen in halber Höhe. Das diente keineswegs als "Zierrat", sondern hatte einen praktischen Nutzen.

  • Aktuell, nach Verfehlung der ehrgeizigen Zielsetzungen für das laufende Geschäftsjahr, klagt jetzt auch die Unternehmensgruppe, zu der der OTTO-Versand gehört, über Amazon, wegen deren Erfolgs der stationäre Einzelhandel ja schon seit Jahren seine Existenzgrundlage schwinden sieht. Dabei wächst das Firmenkonglomerat des einzig übriggebliebenen Versandhandels mit Sitz in Deutschland ja unverändert - und investiert kräftig, auch wenn das Marktumfeld schwierig geworden ist.

    Heute war ja gerade Bilanzpressekonferenz, und diese Gelegenheit hat die Chefetage aufgegriffen, um eine "Wertedebatte" anzustoßen, in die der Wirtschaftsressortchef des Hamburger Abendblattes sogleich freudig mit einstimmt.

  • Ich hab's doch kommen sehen - kaum ist Mallorcas Touristenmagnet, der Ballermann, behördlich gesäubert, will kaum noch jemand hin - die gegenwärtigen Touristenzahlen werden, wenn dieser Trend anhält, jedenfalls die Zahl der Beherbergungs- und Bewirtungsbetriebe dort vermindern. In zwei, drei Jahren wird das einstmals als "siebzehntes Bundesland" verspottete Inselchen zum Geheimtip für Low-Budget-Backpacker downgegraded sein…