Reizüberflutung und Überforderung - der Mediennutzer im Katastrophenmodus

  • Es ist bezeichnend, auf welch reges Interesse dieses Diskussionsthema unter den hiesigen Usern stößt… gestern titelte ja übrigens die Hamburger Morgenpost, dass nächsten Samstag ein Meteoriteneinschlag in der Nähe von La Rochelle zu erwarten sei, und heute lese ich, dass noch andere Boulevardblätter sich praktisch desselben Eyecatchers bedienten, um einer Pay-TV-Fernsehserie die "nötige" AUfmerksamkeit zuzuschanzen…

    einzig die Frankfurter Rundschau rät, dass der Presserat sich mit dieser Selbstentwertung journalistischer Publikationen beschäftigen solle.

  • Bei den derzeitigen Entwicklungen in Deutschland, Europa und der Welt scheint das halt kein großes Thema zu sein.


    Ich sehe das - für sich allein stehend - auch nicht als großes Problem. Neue Technologien, also auch neue Informationsquellen und breiterer Zugang zu Information und Technologie, kann ja an sich nicht falsch sein. Das Oberthema wäre Abhängigkeit davon und deren Auswirkungen. Das ist schon eher ein greifbares Problem.

  • Außerdem ist das ein Thema, in dem erfahrungsgemäß mächtig ob der Handysucht Jugendlicher und Fernsehüberflutung Dreijähriger - alles auf Kosten guter Bücher selbstverfreilich - gebarmt wird. Hatten wir schon.

  • Ach herrje, vorhin war ich doch nochmals kurz unterwegs, weil ich das Bedürfnis nach doch noch ein paar überzähligen Kalorien hatte, und so führte mein Weg mich zu einem Discounter, dessen personelle Ausstattung jedes Mal Gelegenheit zu einer Wartezeit im Kassenbereich gibt…


    Und was sehe da? Nu auf dem Zeitschriftenmarkt erscheint "Pilawa", dem Untertitel nach das erste deutsche Quizmagazin (dem Anschein nach mit einer klaren Zielgruppenvorstellung)… vor dem diese Neuerscheinung anpreisenden Display war zu viel andere Aktionsware aufgetürmt, so dass es mir nicht möglich war, einen Blick in eines der ansonsten griffbereit dargebotenen Hefte zu werfen.


    Witzigerweise kündigt die Öffentlichkeitsarbeit die Markteinführung für den 4. Mai an, also Samstag. Hinsichtlich der Erscheinungsweise (zweiwöchentlich? monatlich? vierteljährlch?) haben Bauer-Verlag und Rdaktion sich offenbar bislang nicht festgelegt.

  • Außerdem ist das ein Thema, in dem erfahrungsgemäß mächtig ob der Handysucht Jugendlicher und Fernsehüberflutung Dreijähriger - alles auf Kosten guter Bücher selbstverfreilich - gebarmt wird. Hatten wir schon.

    Wenn das Thema mit Bildung, dann kommt Saturn. BTW: 4x4=16

    :S

    „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

  • Das Thema hat insoweit […]

    […] mit Bildung […]

    […] zu tun, als der nachrichtenübersättigte Mensch von heute dazu tendiert, sich in eine Art schützender Blase einzurichten, was einen Trend zur gesellschaftlichen Segregation in gesinnungsgleiche Gruppen fördert. Die Einen stärken sich durch Zusammenrottung, die Anderen suchen Zuflucht in den Illusionsräumen "heiler Welt", die gerade marktgängig sind…

  • […] (Böhmermann)

    Schlimm genug, dass so einer in dieser Gesellschaft als großes Vorbild oder als "Denker" wahrgenommen wird - und wenn man sich schon Sorgen um die Pressefreiheit machen will, ist es irgendwie heuchlerisch, das Hauptaugenmerk auf Ungarn, Polen oder die Türkei zu richten - Journalisten werden weltweit bisweilen daran gehindert, ihrer Arbeit nachzugehen, und die Stellung der Presse hat doch gerade beim Durchschnittsmenschen hierzulande die eines Ärgernisses eingenommen…

  • Schlimm genug, dass so einer in dieser Gesellschaft als großes Vorbild oder als "Denker" wahrgenommen wird

    Lächerlich. Er ist ein - manchmal ganz guter - Satiriker, mehr nicht.

    ... ist es irgendwie heuchlerisch, das Hauptaugenmerk auf Ungarn, Polen oder die Türkei zu richten

    Laut "Reporter ohne Grenzen" ist die Lage in Ungarn, Polen und der Türkei schlechter als in Burkina Faso. Immerhin gehören Polen und Ungarn zur EU, und die Türkei wäre uns wahrscheinlich egal, wenn nicht ständig "Deutschtürken" betroffen wären.

  • Lächerlich. […]

    In der Tat ist Böhmermann lächerlich - und als Satiriker hat der allenfalls die Stellung der Satire auf das Niveau eines Mario Barth und damit kompatibel für's deutsche Fernsehpublikum abgesenkt…

    Übrigens: Das Angebot an Presseerzeugnissen in Burkina Faso ist doch recht überschaubar - eigene Medienangebote scheint's da gar nicht erst zu geben.

  • Nur zur Info: Bei der Rangliste von "Reporter ohne Grenzen" geht es um die Lage der Pressefreiheit, nicht um das Angebot an Presseerzeugnissen.

    Und über das Niveau von Böhmermann vs. Barth streite ich mit dir nicht. 8)

  • Schlimm genug, dass so einer in dieser Gesellschaft als großes Vorbild oder als "Denker" wahrgenommen wird - und wenn man sich schon Sorgen um die Pressefreiheit machen will, ist es irgendwie heuchlerisch, das Hauptaugenmerk auf Ungarn, Polen oder die Türkei zu richten - Journalisten werden weltweit bisweilen daran gehindert, ihrer Arbeit nachzugehen, und die Stellung der Presse hat doch gerade beim Durchschnittsmenschen hierzulande die eines Ärgernisses eingenommen…

    Es ist meines Erachtens ein großer Unterschied, ob der Durchschnittsmensch die Presse gelegentlich als Ärgernis wahrnimmt, weil einige der Veröffentlichungen nicht seinem Geschmack oder seiner Meinung entsprechen, oder ob Journalisten verhaftet und verurteilt werden, weil sie ihre Meinung veröffentlicht haben, meist zusammen mit Tatsachen, die zu dieser Meinung geführt haben. Es ist nicht heuchlerisch, sich des dauernden "die aber auch" zu enthalten, sondern die Dinge zu benennen, wenn sie geschehen und wo man sie sieht.

  • […] ob Journalisten verhaftet und verurteilt werden, weil sie ihre Meinung veröffentlicht haben […]

    Nun besteht die Kernaufgabe des Journalistus wohl eher darin, möglichst objektiv und wertungsfrei über das tatsächliche Weltgeschehen zu berichten - Journalisten, die hauptsächlich ihre Meinung veröffentlichen, haben ihren Beruf verfehlt, und die, die eine fiktive Meinung veröffentlichen, von der sie wollen, dass der übliche Zeitungsleser jene teilt oder zu "seiner eigenen" macht, arbeiten manipulativ…

    und wenn jenes Bestreben dann noch zu dem Zwecke eingesetzt wird, die öffentliche Ordnung eines Staates oder das demoskopische Kräfteverhältnis zu beeinflussen, also eine Regierung zu stürzen bzw. den Rückhalt, den diese bei einer relativen Mehrheit des von ihr regierten Volkes genießt, zu sabotieren, dann kann man das durchaus als justiziabel ansehen…

  • Solange Bericht und Meinung klar voneinander getrennt sind, dürfen Journalisten auch eine Meinung vertreten.

    Aber es geht in der Hauptsache um die Arbeitsbedingungen in einem Land, auch für ausländische Journalisten; z.B. dürfen sie sich frei bewegen, dürfen sie über alles berichten, dürfen sie kritisch berichten usw.

  • Mir ging es um das Wort "heuchlerisch", das der Substi für die Leute benutzt, die sich um die Pressefreiheit in Ungarn, Polen oder der Türkei Sorgen machen, obwohl doch "Journalisten weltweit bisweilen daran gehindert werden, ihrer Arbeit nachzugehen, "und die Stellung der Presse hat doch gerade beim Durchschnittsmenschen hierzulande die eines Ärgernisses eingenommen…"

    Also ist die Pressefreiheit seiner Meinung nach überhaupt kein Grund, sich aufzuregen, und wer´s tut, ist ein Heuchler.

  • A propos Reichüberflutung: Hatte nicht unser streitbarer Freund der Werbeversprechen und der Jobangebote für Studenten sich nicht auch schon über die journalistische Qualität einzelner Kundenmagazine echauffiert? Der NDR attestiert jenen so zahlreichen, praktisch in sämtlichen Supermärkten und Drogeriefilialen ausliegenden Gratis-Hochglanzblättern, sie setzten auf Servicetipps und auf wertige Artikel… nur leider verschwimmt mit der Popularität dieser Mitnahmeartikel der feine Unterschied zwischen Journalismus und Content-Marketing… ist der nicht aber auch bei klassischen Medienprodukten schon, äh, emulgiert worden?