Der leidige Buchhandel

  • Das Verlagssterben und der Schwund der Angebotsbreite, die die Buchkultur doch erst zu dem gemacht hat, was sie in ihren Blütezeiten war, wird im Tagesspiegel freundlicherweise thematisiert. Die Krise des Zwischenhandels trägt natürlich ebenfalls dazu bei - wir erinnern uns: KNO musste in der ersten Jahreshälfte ja auch Insolvenz anmelden und gerettet werden.

    :smilewinkgrin: Pluralis majestatis?




    „Drecksack-Antifakindern bekiffter Eltern gehört eine verpasst und sie in den Dreck geworfen. Ihnen gehört gedroht, dass sie nächstes Mal unter der Erde liegen!“ Egbert Ermer, AfD

  • :smilewinkgrin: Pluralis majestatis?

    Wieder mal nüscht zum Thema? Die Bonpflicht schlägt übrigens auch dem Buchhandel auf's Gemüt. Aber keine Sorte: Der Reihen lichten sich… und selbst die Diversifizierung der angebotenen Produkte, selbst wenn sich daraus ein florierendes Nebengeschäft ergibt, stößt bisweilen auf Schwierigkeiten. Werden die "non-books" jetzt im Stammgeschäft verkauft, schrumpft die Fläche für's Sortiment der vorrätigen Bücher.

  • Dem hiesigen Thema wäre eher gedient, etwa auf einen interessanten Artikel der NZZ hinzuweisen, in dem Felix Philipp Ingold der Frage nachgeht, wie weitgehend das Interesse an literarischem Nachleben geschwunden ist… Literatur ist Verbrauchsware geworden, ebenso vergänglich wie das musikalische Repertoire, das die Spartensender des Rundfunks ausstrahlen oder das Verpackungsdesign der Waren und Gerätschaften des täglichen Gebrauchs. Oder das Mobiliar insgesamt, das heutzutage ja rascheren Produktionszyklen unterworfen ist als in früheren Zeiten. Aber eigentlich ist die Schriftkultur als solche längst verklungen…

  • Literatur und Musik waren schon immer Verbrauchsware. So mancher Autor oder Komponist ist in Armut gestorben, vergessen und erst später wieder entdeckt worden.

    Das Problem ist, dass in der gegenwärtigen Epoche und instärkerem Maße noch in Zeitalter unserer Nachwelt diese Wiederentdeckungen ausbleiben werden… auch Felix Philipp Ingold erreicht nicht die Auflagen, die Voraussetzung wären, außerhalb des Kreises von Germanisten und Literaturwissenschaftlern nicht in baldige Vergessenheit zu geraten…

  • Es dürften in jeder Epoche weit mehr Künstler und Schriftsteller vergessen worden sein als zu Ruhm gelangten, geschweige denn "unsterblich" im Sinne von unvergesslich wurden.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Es dürften in jeder Epoche weit mehr Künstler und Schriftsteller vergessen worden sein als zu Ruhm gelangten, geschweige denn "unsterblich" im Sinne von unvergesslich wurden.

    In den letzten etwa 500 Jahren, also seit Bücher gedruckt werden, statt nur in handschriftlichen Exemplaren vorzuliegen, sind selbst relativ selten gelesene Autoren kaum in vollständige Vergessenheit geraten, weil Bibliotheken und Antiquariatskataloge zumindest einen Teil der Auflage für die Nachwelt aufbewahrt und verzeichnet haben… und genau dies ist innerhalb der letzten ca. 30 Jahre nach und nach "eingespart" worden. Und das Interesse am Schrifttum vergangener Zeiten schwindet in wachsender Geschwindigkeit - in den on-screen-Kurzmeldungs-Wechselbildern in Hamburger U- und S-Bahnen stand in den letzten Tagen zu lesen, dass die Mehrheit heutiger Teenager nicht mal mehr weiß, was ein "Walkman" ist bzw. war. Ebenso führt die Frage im Buchhandel nach weniger bekannten Autoren, deren Werke vor vielleicht 40 Jahren noch in jedem Geschäft vorrätig waren, bestenfalls zu einem Schulterzucken. Weitere zehn Jahre in die Zukunft geblickt, werden bereits die heute populären Literaturpreisträger vergessen sein - zumal ja auch die Zahl der Zeitungsredaktionen rückläufig ist, und folglich deren Archive ebenfalls dem Zahn der Zeit zum Opfer fallen. Ein Zeitalter, das allein auf Aktualität fixiert ist, oder auf "Zukunftsvisionen", wird umfassendere (oder, wie man heute bevorzugt sagen würde, nachhaltigere) Zerstörungen hinterlassen als die Städtebombardements des 2. Weltkriegs.

  • Nur weil etwas auf Papier gedruckt nicht überall erhältlich ist, heißt es noch lange nicht, dass man es nicht lesen kann. Mit dem Wachstum der Bevölkerung der Erde wachsen naturgemäß auch die Veröffentlichungen, und es ist gut, dass heute nicht mehr jeder Scheiß auf gefällte Bäume gedruckt werden muss.


    Wozu soll ich eigentlich eine Bibliothek aufsuchen, wenn ich das gleiche Ergebnis bequem mit einem Wisch auf meinem Smartphone oder einer Suche in Online-Bücherkatalogen erreichen kann?

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Nur weil etwas auf Papier gedruckt nicht überall erhältlich ist, heißt es noch lange nicht, dass man es nicht lesen kann. […]

    Du kapierst gar nichts, nicht wahr? Selbst Bibliotheken (die Nationalbibliothek in Frankfurt am Main mal ausgenommen und vielleicht noch das "Literaturarchiv" in Marbach am Neckar) halten in ihren Beständen fast nur noch "aktuelle" Bücher, nach denen auch relativ beständig verlangt wird… daraus folgt, dass weit schneller vergessen wird, was nicht häufig genug entliehen wird. Und da, was wenig bekannt ist, auch seltener auf Nachfrage trifft, ist das Schicksal so manch lesenswerten Buches rasch besiegelt, während der bestsellertaugliche Trash einige Jahre überdauert.


    Im Sommer 1990 hatte ich im damals noch auf Karteikarten geführten Katalog der Landesbibliothek Hannover ein 1821 bei Osiander in Thüringen publiziertes Büchlein zur Vorlage im dortigen Lesesaal verlangte, war dessen Seitenschnitt noch nicht einmal geöffnet, d.h. das Buch hatte mehr als 170 Jahre unangetastet dort im Regal gestanden. Ähnliches ist heutzutage in wohl kaum einer Bibliothek deutschlandweit mehr möglich, seit auch Bibliotheken überwiegend nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten geführt werden und ihre Bestände regelmäßig "aktualisieren".

  • Da hab ich am längsten dran gelesen....


    Der Archipel Gulag von Solschenizyn in ungekürzter Taschenbuchausgabe von RoRoRo....ist 40 Jahre her....


    Ansonsten hab ich mir tatsächlich die Ausgaben von "Tadellöser und Wolff" von Walter Kempowski angetan....nachdem ich die Verfilmung gesehen habe ("ne, wie isses denn schön" oder "Was macht meine Haut".....)

    Allemagne? C'est un grand Bordel néolibéralement conservateur Merkel'scher l'empreinte


    AMERIKA......oder..... Alles was die Welt nicht braucht....oder....Spiel nicht mit den Schmuddelkindern....



  • ... Ähnliches ist heutzutage in wohl kaum einer Bibliothek deutschlandweit mehr möglich...

    Das ist richtig, denn, wie ich schon schrieb, wächst mit der Erdbevölkerung natürlich auch die Menge an veröffentlichtem Schrifttum. Würden Bibliotheken heute versuchen, damit Schritt zu halten müssten wir wohl Gebäude dafür vorsehen, gegen welche die Pyramiden wie Spielzeug wirken dürften.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • […] Würden Bibliotheken heute versuchen, damit Schritt zu halten müssten wir wohl Gebäude dafür vorsehen, gegen welche die Pyramiden wie Spielzeug wirken dürften.

    Vor allem müsste der Öffentlichen Hand die Bereitstellung bzw. Erhaltung des Schriftgutes die Investition in entsprechend dimensionierte Bibliotheken wert sein. Allein daran haperts, man investiert lieber in mobile Blitzgeräte und Fahrrad- oder Umweltspuren zur künstlichen Verengung des Verkehrsraums für den motorisierten Verkehr. Und in innerstädtische Brachen, in denen Ladengeschäfte und Büroräume leerstehen, und in deren Straßen die "verbesserte Aufenthaltsqualität" den Stadtbewohnern nahelegt, dort nicht mehr spazieren zu gehen…

  • Vor allem müsste der Öffentlichen Hand die Bereitstellung bzw. Erhaltung des Schriftgutes die Investition in entsprechend dimensionierte Bibliotheken wert sein.

    Blödsinn, in Zeiten in denen ein Buch nur ein paar Megabyte Speicher beansprucht ist das Bullshit hoch drei. Sollte es zu einem wie auch immer gearteten Ereignis kommen, welches jegliche Elektrik und Elektronik auf diesem Planeten killt, wird die Menschheit ganz andere Probleme als Bibliotheken haben. Deren Bestände würden dann eher als Heizmaterial dienen als als Lesestoff.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Dass es Dir eine Freude wäre, Bücherverbrenner zu sein, ist mir schon klar.

    Nach einer massiven Sonneneruption, welche elektrische und elektronische Systeme weltweit vernichtet wäre das mein und unser geringstes Problem. Dann fangen wir nämlich wieder im Mittelalter an.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Allein daran haperts, man investiert lieber in mobile Blitzgeräte und Fahrrad- oder Umweltspuren zur künstlichen Verengung des Verkehrsraums für den motorisierten Verkehr. Und in innerstädtische Brachen, in denen Ladengeschäfte und Büroräume leerstehen, und in deren Straßen die "verbesserte Aufenthaltsqualität" den Stadtbewohnern nahelegt, dort nicht mehr spazieren zu gehen…

    Und wenn man auf den Käse antwortet, regt er sich wieder darüber auf, dass man ständig vom Thema abweicht. :)

  • Und wenn man auf den Käse antwortet, regt er sich wieder darüber auf, dass man ständig vom Thema abweicht. :)

    Themenferne scheint Kern und Hauptbestandteil Deiner"Diskussionsbeiträge" zu sein - in diesem Thread geht's um die kulturelle Bedeutung des Buches - und deren, der Marktkonformität geschuldeten Tendenz zum Niedergang selbiger… das von Diogenes2100 gehypte eBook ist übrigens keine Lösung, denn die Lebendauer technischer Standards (der Lesegeräte und ihrer Software) ist letztlich noch rascher vergänglich als die eines Sommerhits… in der SZ ist ein netter Beitrag zur Unordnung privater Bibliotheken zu finden. Und leider muss man sich fragen, ob der Text nicht eher im "Mentalität des Vergessens"-Thread noch treffender platziert wäre, weil künftige Lesergenerationen nicht einmal mehr wissen werden, was ein Regal ist.

  • … das von Diogenes2100 gehypte eBook ist übrigens keine Lösung, denn die Lebendauer technischer Standards (der Lesegeräte und ihrer Software) ist letztlich noch rascher vergänglich als die eines Sommerhits…

    Wenn du dich in diesem Forum doch nur zu Dingen äußern würdest, von denen du etwas verstehst - das wäre eine Wohltat. Ist dir der Begriff "Konvertierung" geläufig?

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca