Der leidige Buchhandel

  • Aus den im Altbestand der Politopia-Beiträge in Threads über Literatur dürfte mein ambivalentes Verhältnis zum Buchmarkt und zur Lesekultur bereits bekannt sein - aktuell berichtet das Hamburger Abendblatt, dass, geschädigt durch Hamburgs rege Bautätigkeit, jetzt der Bücherstube Stelterfoht buchstäblich das Wasser abgegraben wird, weil der Kundschaft erschwert wird, den Laden aufzusuchen.

    Das Abendblatt berichtet ebenfalls über das 90-jährige Jubiläum der lokalen und erfolgreich expandierenden Buchhandelskette Heymann, deren Filialen der Nahversorgung ihrer Kunden dienen.

    Warum ist der Buch-Handel eigentlich "leidig"?

  • Der Buchmarkt, ohnehin längst zum Marktgeschrei literarischen Niveaulimbos mutiert, präsentiert uns jetzt die deutschsprachige Übersetzung der Memoiren Barack Obamas… ich habe gar nicht gewusst, dass er schon einmal als Autor in Erscheinung getreten sein soll… der recht euphorische FAZ-Artikel Stephan Bierlings verklärt die Plattitüden der Ghostwriterstaffel des Ex-US-Präsidenten in erschreckender Weise. Am Ende der Amtszeit seines Nachfolgers erscheint der Amtsvorgänger als Pop-Titan, der ja auch die Wählergunst, eine zweite Amtszeit im Weißen Haus zu verweilen, zu gewinnen vermochte… und wenn der Verlag USD 65.000.000,- Vorschuss gezahlt hat, muss natürlich die Werbetrommel gerührt werden… und bedenkt man, wie viele namhafte Verlage mittlerweile unter'm Konzerndach Random House/Bertelsmann/Penguin gelandet sind, muss man beinahe ein schlechtes Gewissen haben, Bücher dieser Gruppe zu boykottieren…

  • unter'm Konzerndach Random House/Bertelsmann/Penguin gelandet sind, muss man beinahe ein schlechtes Gewissen haben, Bücher dieser Gruppe zu boykottieren…

    Na ja, solange der KOPP Verlag noch nicht dabei ist, hat man doch ein beruhigtes Gewissen....obwohl, wer Bertelsmannausgaben kauft, der frisst auch kleine Kinder....

    Allemagne? C'est un grand Bordel néolibéralement conservateur Merkel'scher l'empreinte


    AMERIKA......oder..... Alles was die Welt nicht braucht....oder....Spiel nicht mit den Schmuddelkindern....


    Ich bin zum Glück KEIN Europäer.....



  • Aktuell erleben wir ja gerade eine Zeit, die wir uns, als sie noch in der Zukunft lag, rosiger vorgestellt haben mögen… immerhin bietet der erzwungene Rückzug ins Private, ähnlich seinem historischen Vorbild, der Ära des Biedermeier, Gelegenheit sich wieder verstärkt Büchern zuzuwenden.
    Stefano Massini liefert in seinen Miniaturen einiger Lebensgeschichten eine angenehme Abwechslung inmitten des marktbeherrschenden Einerlei. Erschienen ist "Das Buch der fehlenden Wörter" im Hanser-Verlag.

  • Dass es um die Buchkultur nicht so gut bestellt ist, beklage ich ja seit etlichen Jahren - dem Buchhandel geht's bekanntlich ebenso mies.

    Seit längerem bediene ich mich nur noch an den herabgesetzten Büchern bei Hugendubel. So bekomme ich für ca. 25,-- Euro fünf dicke Krimis. Ich lese Bücher als letztes am Tage. Alles andere lese ich im Internet, außer der lokalen Zeitung morgens.

  • Mach Sachen! Ich staune, dass Du Dich nicht am Inhalt der herbagesetzten Büchern störst. Oft sind das ja Krimis. Die werden herabgesetzt, wenn sich herumgesprochen hat, wer der Täter ist...

         



    Höflichkeit ist wie ein Luftkissen - scheinbar ist nichts drin, aber es mildert die Stöße.

  • […] Ich staune, dass Du Dich nicht am Inhalt der herbagesetzten Büchern störst. […]

    Welche Bücher es sind, die Userin "FrauLuna" in der Hugendubel-Grabbelkiste gefunden hat, stand im Beitrag, auf den ich geantwortet habe, ja nicht zu lesen… Was allerdings im Sortimentsbuchhandel preisreduziert verkauft wird, sind ausschließlich Mängel- oder Restexemplare, also Titel, die Hugendubel regulär im Sortiment führte, jedoch keinen Käufer gefunden haben; teilweise mögen's Bücher sein, die von der Kundschaft aufgeblättert, dann aber knickspurig ins Regal zurückgestellt wurden, oder solche, die Transportschäden aufweisen…


    In Einzelfällen mag's auch vorkommen, dass ein Buch kundenseitig bestellt wurde, dann jedoch im Laden verblieb, weil der Kunde innerhalb der Lieferzeit verstorben oder umgezogen ist, und es deswegen nie abgeholt hat…


    Einen gegensätzlichen Fall habe ich auch einmal erlebt: 1994 etwa bestellte ich ein Buch, dessen Erscheinung angekündigt war, sich jedoch verzögerte, und zwar so lange, dass zwischenzeitlich erst die Buchhandlung, in der ich mindestens ein Vierteljahrhundert lang Stammkunde war, für immer die Pforten schloss, und zweitens auch der Verlag aufgeben musste… auch als Subskribent habe ich erleben müssen, dass nicht alle Teile einer geplanten und angekündigten Werkausgabe auch erschienen sind.


    Und auch in der von mir in den letzten Jahren hauptsächlich frequentierten Buchhandlung habe ich einen Titel (eines kleineren und deswegen im Handel nicht bevorrateten Verlagssortiments) bestellt, und kann nur hoffen, dass ich's werde nach Lockerung oder Aufhebung des Shutdowns auch werde abholen können…

  • […] Oft sind das ja Krimis. Die werden herabgesetzt, wenn sich herumgesprochen hat, wer der Täter ist...

    Das ist natürlich Blödsinn, denn die meisten gut verkäuflichen Krimis sind sowieso verfilmt und werden gerade deswegen, weil die "Leser" den Film gesehen und für gut befunden haben, zum Bestseller…

  • Das ist natürlich Blödsinn, denn die meisten gut verkäuflichen Krimis sind sowieso verfilmt und werden gerade deswegen, weil die "Leser" den Film gesehen und für gut befunden haben, zum Bestseller…

    Ich kaufe Mängelexemplare, Krimis. Dick müssen sie sein. Am liebsten kaufe ich schwedische Schriftsteller, amerikanische u.a. Ob sie "mein Stil" sind, versuche ich durch Anlesen herauszufinden.

  • Das ist natürlich Blödsinn, denn die meisten gut verkäuflichen Krimis sind sowieso verfilmt und werden gerade deswegen, weil die "Leser" den Film gesehen und für gut befunden haben, zum Bestseller…

    Du kannst es nicht lassen, ohne jede Kenntnis irgendetwas zu behaupten, nur um zu widersprechen. Ich kenne Hugendubel sehr gut, natürlich haben die in den Grabbelkisten Krimis.

         



    Höflichkeit ist wie ein Luftkissen - scheinbar ist nichts drin, aber es mildert die Stöße.

  • […] natürlich haben die in den Grabbelkisten Krimis.

    Selbstverständlich. Allerdings werden nur jene Krimis und Thriller aus dem aktuellen Sortiment entnommen und in die Grabbelkiste gefüllt, wenn der jeweilige Verlag diese Titel fortan nicht mehr anzubieten wünscht. Beispielsweise, weil die Verkaufszahlen nicht mehr den vormaligen Erwartungen entsprechen. Oder wenn Autor und Verlag sich getrennt haben…

  • Selbstverständlich. Allerdings werden nur jene Krimis und Thriller aus dem aktuellen Sortiment entnommen und in die Grabbelkiste gefüllt, wenn der jeweilige Verlag diese Titel fortan nicht mehr anzubieten wünscht. Beispielsweise, weil die Verkaufszahlen nicht mehr den vormaligen Erwartungen entsprechen. Oder wenn Autor und Verlag sich getrennt haben…

    Ehrlich gesagt, habe ich bei Hugendubel noch keine "Grabbelkiste" gesehen. Die verbilligten Bücher liegen auf ganz normalen Regalen.