Der leidige Buchhandel

  • Schade, dass der Schwerpunkt des kulturellen Wertes der Literaturgeschichte und der Kulturgeschichte des Buchdrucks sich im Zeitgeiste nach der darauf absetzenden Staubschicht bemisst… so war der Thread ursprünglich keineswegs gedacht - aber ich beginne so langsam einzusehen, dass es illusorisch wäre, darauf zu hoffen, es werde sich, in welchem Thread auch immer, noch ein ernstzunehmendes Wechselgespräch ergeben…

    Das Buch als Hausschatz liegt längst außerhalb der durchschnittsmenschlichen Vorstellungskraft, in den Händen unserer Zeitgenossen ist das gelesene Buch, einer leergetrunkenen Flasche nicht unähnlich, nur noch potentieller Müll und bestenfalls als kreativ umfunktionierter Kerzenhalter brauchbar…


    So ist es kein Wunder, dass, wer noch 'was zu schreiben hätte, dies sowieso nicht mehr zur sofortigen Publikation Verlegern anbietet, sondern seiner Schublade für nichtrealisierte Werkpläne anvertraut, und ggf. als Vorlass dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar stiftet.

  • … so war der Thread ursprünglich keineswegs gedacht - aber ich beginne so langsam einzusehen, dass es illusorisch wäre, darauf zu hoffen, es werde sich, in welchem Thread auch immer, noch ein ernstzunehmendes Wechselgespräch ergeben…

    Und jetzt frage ich mich, ob dein bockbeiniges Verhalten in den Threads, die sich um Klimawandel und entsprechende Aktivitäten von Schülern drehen, schlicht die Auswirkungen dieses Frusts sind, oder ob du da bewusst nur kleine stinkende Häufchen nach dem Motto hinterlässt "wie du mir, so ich dir" ?

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Nanu, war die "allegorische" Deutung der Beiträge missfallender User als […]

    […] kleine[n] stinkende[n] Häufchen […]

    […] nicht die typische Handschrift des vormaligen Retters und zeitweiligen Inhabers dieses Forums? Sowas gehört nicht einen Thread wie diesen, also eröffne bitte einen Diskussionsstrang über Sanitärtechnik.

  • Dabei geht's hier thematisch gar nicht um die persönlichen Präferenzen innenarchitektonischer Gestaltung, sondern um den Buchmarkt, das heißt also: Ums Kaufverhalten der schrumpfenden Leserzahlen, die der ortsansässige Einzelhandel mittlerweile über Social-media-Aktivitäten zurückzugewinnen sucht, und mithin das marktbeherrschende Einerlei aus Krimis, Fantasy, Kinderbüchern und Promi-Memoiren auch online nochmals verstärkt in die Welt hinausposaunt…

    Wenn es (Dir) um den Buchmarkt geht, dann verstehje ich nicht, dass Du das "merktbeherrschende Einerlei" so verächtlich niedermachst. Glaubst Du im Ernst, der Buchmarkt würde sich auf Schwingen erheben, würde man Rilke, Flaubert oder Wittgenstein in die Regale stellen?

  • Wenn es (Dir) um den Buchmarkt geht, dann verstehje ich nicht, dass Du das "merktbeherrschende Einerlei" so verächtlich niedermachst. […]

    Es ist eher das marktbeherrschende Einerlei, das den Buchhandel schrumpfen und das Interesse an der Literatur aussterben lässt. Das Buch ist zu einer unbedeutenden Facette eines umfassenden Entertainment-Angebotes geworden, und verliert genau deswegen an Bedeutung. Lesungen mögen derzeit noch gut besucht sein - das dazugehörige Buch wird dann hingegen nur als dickere Version einer Autogrammkarte auch erworben…

  • Das ist die alte Frage nach Henne oder Ei. Würden andere Bücher nachgefragt, würden sie auch erhältlich sein. Man kann von den Buchhandlungen nicht verlangen, Bücher, sagen wir: Deines Geschmacks, vorzuhalten, wenn niemand danach fragt. Es geht doch niemand in eine Buchhandlung und sagt: "Und wo ist die Ecke mit den guten Büchern?"

  • […] Würden andere Bücher nachgefragt, würden sie auch erhältlich sein. […]

    Um überhaupt nachgefragt zu werden, müsste erst einmal angeboten werden, was der Buchmarkt derzeit "vorsichtshalber" gleich gar nicht erst bereithält. Der Buchmarkt, der auf massenkompatible Bestseller allein setzt, muss sich nicht wundern, wenn die Gesamtzahl der Leser rückläufig ist, und wenn auch jene von Jahr zu Jahr seltener zum Buch greifen. Denn die wirklich als unverzichtbare Lektüre geltenden Bücher, die innerhalb einiger Jahre eine Millionenauflage erreichen, sind letztlich nun auch nicht im Vierteljahrestakt unter den Neuerscheinungen auszumachen…


    Als die Buchhändler von ihrem Geschäftsmodell noch leben konnten, war die Zahl der Gelegenheitsleser groß genug, dass auch Bücher kleinerer Auflagen und spezieller Interessen insgesamt ausreichend viele Abnehmer fanden.

  • Als die Buchhändler von ihrem Geschäftsmodell noch leben konnten, war die Zahl der Gelegenheitsleser groß genug, dass auch Bücher kleinerer Auflagen und spezieller Interessen insgesamt ausreichend viele Abnehmer fanden.

    Das hat auch und gerade in der "alten" Zeit noch nie funktioniert. Bücher zu Themen, deren Verlag und Vertrieb zu unsicher war, sprich keinen hinreichenden Profit versprachen, hatten keine Chance. Heutzutage veröffentlicht man dergleichen auf Amazon. Klar, da ist viel Schrott dabei. Da wird auf Lektoren verzichtet, handwerkliche Grundlagen sind einigen fremd etc. Und trotzdem sind Perlen dabei, die sonst nie den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hätten. Das deutsche (Groß-) Verlagswesen hat nach dieser Entwicklung ganz laut gerufen. Und war nicht in der Lage, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Amazon verdient an Kindle für Autoren prächtig und die Führungskräfte + Aktionäre kommen vor Lachen nicht mehr in den Schlaf. Aber macht ja nichts, dafür gibt es bald die §§ 11 und 13 des neuen EU- Urheberrechtes. Damit werden ja zumindest noch ein paar Pfründe gerettet, wenn man schon sonst nichts tut.

  • Das hat auch und gerade in der "alten" Zeit noch nie funktioniert. […]

    Weißt Du, ein Blick in 30-40 Jahre alte Verlagskataloge genügt, um zu belegen, dass es um die thematische Vielfalt des Buchangebotes seinerzeit besser bestellt war als heutzutage - und dass die früher mal auf Papier gedruckte Ausgabe des VlB es Kunden wie Händlern erleichtert hat, was weder beim Händler noch beim Grossisten vorrätig oder gelistet war, als immerhin bestellbar zu ermitteln.

    Dass Du ein Fan von diesem Self-publishing-Modell von Amazon bist, sei Dir ja gegönnt - der Buchkultur ist mit diesen BoD und Druckkostenzuschussverlagen allerdings nicht gedient.

  • Ach weißt Du, alles Jammern hilft ja nix, es ist, wie es ist, und besser, Du findest Dich damit ab, dass es mal eine gute alte Zeit gab, die vorbei ist.

    Es geht nicht darum, dass es vielleicht bessere Zeiten gegeben hat - es geht wohl eher darum, dass die Gegenwart und ihre Zukunftsaussichten nicht jenen strahlenden Glanz zeigen, der ihren technologischen und ökonomischen Möglichkeiten entspräche - und schlimmer noch: Dass der soziokulturelle status quo sich in keiner Weise den tatsächlich verfügbaren Bidungsmöglichkeiten und dem de facto jedermann zugänglichen Informationsstand orientiert…


    Wenn, wie Du da postulierst, was ist, wie es ist, unabänderlich und somit nicht zu beklagen ist, dann gälte dies doch auch für die "Diskussionen" über Donald Trump, den Klimawandel, irgendwelche Schadstoffgrenzwerte, ob sie nun eingehalten werden oder nicht usw.

    Aber wenn der Mensch, als Einzelner, in den Möglichkeiten seiner politischen Durchsetzungsfähigkeit an Grenzen stößt, mag das hinnehmbar sein - seine kulturelle und moralische Selbstverortung hingegen liegt in seinen eigenen Händen. Und das Buch und seine Nutzung sind per se Manifestierungen höchster Individualität. Gerade diese Qualität ist in der Massenware Buch aber längst verlorengegangen.

  • Es geht nicht darum, dass es vielleicht bessere Zeiten gegeben hat - es geht wohl eher darum, dass die Gegenwart und ihre Zukunftsaussichten nicht jenen strahlenden Glanz zeigen, der ihren technologischen und ökonomischen Möglichkeiten entspräche - und schlimmer noch: Dass der soziokulturelle status quo sich in keiner Weise den tatsächlich verfügbaren Bidungsmöglichkeiten und dem de facto jedermann zugänglichen Informationsstand orientiert…


    Wenn, wie Du da postulierst, was ist, wie es ist, unabänderlich und somit nicht zu beklagen ist, dann gälte dies doch auch für die "Diskussionen" über Donald Trump, den Klimawandel, irgendwelche Schadstoffgrenzwerte, ob sie nun eingehalten werden oder nicht usw.

    Aber wenn der Mensch, als Einzelner, in den Möglichkeiten seiner politischen Durchsetzungsfähigkeit an Grenzen stößt, mag das hinnehmbar sein - seine kulturelle und moralische Selbstverortung hingegen liegt in seinen eigenen Händen. Und das Buch und seine Nutzung sind per se Manifestierungen höchster Individualität. Gerade diese Qualität ist in der Massenware Buch aber längst verlorengegangen.

    Das ist ja alles wahr, hat aber wenig mit dem beklagenswerten Zustand des Buchhandels zu tun. Wenn das so wäre, müsstest Du dafür plädieren, dass vor allem Bücher im Handel zu finden sind, die im weitesten Sinne politisch und/oder naturwissenschaftlich sind und sich mit Psychologie und Soziologie befassen. Das würde evtl. das Wissen vergrößern, das man für die <zukunft braucht. Du forderst aber "kulturelle und moralische Selbstverortung", gleichsam als Ersatz für die individuellen Möglichkeiten, seinen soziokulturellen Status selbst zu beeinflussen. Und welcher Art Bücher schweben Dir dafür als zugängliche und verfügbare Bildungsmöglichkeit vor? Die alten Philosophen? Doch wohl im Grunde alles, was dem Individuum außer möglicherweise (!) persönlichem Vergnügen nichts an die Hand geben würde, die "technologischen und ökonomischen Möglichkeiten" für seine Zukunft zu nutzen.

    Komm mir nicht mit meiner eingeschränkten Interpretation von Bildung. Natürlich ist es wünschenswert, wenn jeder auch am Denken großer toter Dichter teilhaben würde, aber ich kann verstehen, dass es für viele Leute neben ihren Jobs einfach zu anstrengend ist.

    Die Lebenswirklichkeit ist heute eine andere als zu der Zeit, die man "geruhsam" nannte, obwohl die Ruhe oft durchbrochen war.