Der leidige Buchhandel

  • […] Einfach genial oder, wie können die das so ohne weiteres tun ? […]

    Das ist der Nachteil bei Datenpaketen - man erwirbt nicht das Eigentum daran, sondern lediglich ein vorübergehendes Nutzungsrecht. Und genau dies ist das grundlegende Problem der Elektronisierung von Literatur, Medien, Kunst - ihre Archivierbarkeit, mithin ihre Verweildauer zur Nutzung auch durch die Nachwelt, schwindet. Das geschriebene Wort ist von Alters her, was vom Verfasser für Jahrhunderte zu bleiben prädestiniert war, während es heutzutage zum Sofortverbrauch (wie die Frühstücksstulle oder der Coffee to go) diminuiert.

  • Gerade Bücher möchte ich besitzen […]

    Auch das käuflich erworbene und auf Papier gedruckte Buch ist, schon wegen der nicht vom einzelnen Leser zu bewältigenden Menge jährlicher Neuveröffentlichungen zum kurzlebigen Wirtschaftsgut geworden. Als der private Buchbestand generationenüberdauernd (wie das Wohnungsmobiliar) war, sah das noch anders aus - und weil Bücher heutzutage Saisonware sind, wird das geschriebene Wort auch nicht mehr wichtiggenommen (außer vielleicht noch im Vertragswesen und in Gerichtsprotokollen)


    Wo sind aber die Bücher hin, die eine wiederholte Lektüre lohnten?

  • Es ist keine Frage der überpersönlichen Bewertung, ob es sich lohnt, ein gedrucktes Buch zu besitzen. Vielleicht hältst Du das gar nicht für denkbar, aber es könnte sein, dass andere Leute Bücher wiederholt lesen, die Du nicht für wert genug erachtest, ja, geradezu für Mist.

    Der literarische Wert ist überhaupt nicht die Frage.

  • Und genau dies ist das grundlegende Problem der Elektronisierung von Literatur, Medien, Kunst - ihre Archivierbarkeit, mithin ihre Verweildauer zur Nutzung auch durch die Nachwelt, schwindet.

    Tatsächlich? Meine sämtlichen CDs habe ich auf einen 128 GB USB-Stick gespeichert. Wie hätte ich das im Zeitalter der Schallplatten bewerkstelligen sollen?

  • Tatsächlich? Meine sämtlichen CDs habe ich auf einen 128 GB USB-Stick gespeichert. Wie hätte ich das im Zeitalter der Schallplatten bewerkstelligen sollen?

    Nun haben Musik-CDs in einem eher mehr der Schriftkultur gewidmeten Thread nichts verloren… aber deren platzsparende Nachfolgetechnologie, der Speicherstick, zeigt immerhin eine analoge Entwertungstendenz… im Zeitalter des Albums verband die in der ersten Hälfte der 1980er Jahre eingeführte Compact-Disc für Otto Normalverbraucher die klangliche Qualität der LP mit der leichteren Handhabbarkeit der CompactCassette mit dem Versprechen, abnutzungsfreier Abtastung - Immerhin wurden dann etwa zwei Jahrzehnte lang noch Alben erfolgreich verkauft, solange dem Kunden noch am Eigentum des Tonträgers gelegen war. Selbst dem vielbeschworenen Vinyl-Revival gelingt es jedoch nicht, den vertrauten Schallplattenhandel mit seiner breitgestreuten Auswahl unterschiedlichster Stile und Musikrichtungen wieder aufleben zu lassen.


    Und ähnlich wie auf dem Buchmarkt die Verlagssortimente sich zunehmend auf die gerade aktuelle Produktion zusammenschrumpfen (in drastischerem Maße als die Eisschollen auf den Polarmeeren) retten sich die verbleibenden Schallplattenhändler, von Jahr zu Jahr auf den Record Store Day hoffend, in Marktnischen.

  • Mag sein, aber auch das ist nicht das Thema.

    Das Thema umfasst den gegenwärtigen Buchhandel, der aktuelle Gesprächsabschnitt das eigentlich ja vorauszusehende frühe Ende des eBook-Hypes, und dass das Hosting elektronischer Bücher für Microsoft sich nicht als sonderlich gewinnbringend erwiesen hat, wenn schon nach zwei Jahren der Stecker gezogen wird… das elektronische Buch ist also nicht die Zukunft des Buches, sondern die Auslöschung seiner Gegenwart… dafür hat sich der Branchenverband der Buchhändler eine neue Werbekampagne einfallen lassen, um wenigstens für Momente Leser zu gewinnen… nächste Woche geht sogar eine neue Domain online, deren Wirkung sicher wie schon bei ähnlichen Aktionen in den Vorjahren als Flaute, wo man doch auf etwas Rückenwind hoffte, erweisen wird… aber wenn die Werbestrategen auf Foto-Motive statt auf die Macht des Wortes setzen, wo doch erst der textliche Inhalt ein Buch zum Buch und die Lektüre desselben vergnüglich und zu einer Erfahrung macht, kann man die Protagonisten dieser "Marktentwicklung" nicht einmal mehr bedauern.

  • Dass einer der vielen Anbieter von E-Books dicht macht, ist noch längst kein Hinweis darauf, dass die gesamte Branche keine Zukunft hat, im Gegenteil. Microsoft ist erst spät, eher zu spät in diesen Markt eingestiegen und hatte eher geringe Marktanteile, in Deutschland waren sie winzig. Dass MS jetzt daraus Konsequenzen zieht ist gar kein Problem.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • […] Dass MS jetzt daraus Konsequenzen zieht ist gar kein Problem.

    Für Microsoft mag es gegenwärtig kein Problem sein - für die enttäuschten Kunden könnte es Anlass sein, sich auch bei anderen Produktlinien künftig verlässlicheren Anbietern zuzuwenden - falls es dergleichen im digitalen Zeitalter überhaupt noch geben wird…

  • Nun, ich habe derzeit etwa 5500 Ebooks, und nicht eines davon wird mir jemand wie MS nehmen können, da alle ohne DRM erworben sind bzw. aus kostenlosen Bibliotheken stammen.

    Man sollte also schon darauf achten, ob man nur eine Lizenz oder ein vollwertiges Ebook erwirbt.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • […] darauf habe ich hingewiesen.

    In erster Linie weisen Deine Wortmeldungen in diesem Thread darauf hin, dass Dir am Thema nichts liegt. Dabei haben es Gespräche über Literatur und über den Buchmarkt in heutiger Zeit doch wahrlich schwer genug… und wohin schwindet die Sprache, wenn über Literatur, die nicht mehr wichtiggenommen wird, nicht einmal mehr ein Gespräch entsteht? Wo mag das enden? Die Figur des Bosse-de-Nage gibt ja bereits eine Vorahnung

  • Da mich heute gerade mein Weg wieder in eine Buchhandlung führte, eine übrigens, in der ich vor Jahren regelmäßig noch Käufe getätigt habe, genügte der Anblick der stolz präsentierten Buchneuheiten und Neuauflagen bekannterer Titel, um eigentlich gleich alle Hoffnung fahren zu lassen, dass sich, im Sortiment stöbernd, lohnenswerte Entdeckungen machen ließe… und da der von mir gesuche Titel nicht vom Großhandel gelistet ist, sondern beim Verlag direkt bestellt werden muss, kann es sein, dass das Buchhaus sich weigern wird, die gewünschte Lektüre zu beschaffen. Immerhin soll ich informiert werden, wie sich die Geschäftsleitung entscheidet…


    In diesem Jahr jährt sich die Einrichtung Öffentlicher Bücherhallen in Hamburg (also Leihbüchereien) zum 100. Mal - großspurig veranstaltet man Vorträge und Lesungen, u.a. unter dem Motto "Ein Leben ohne Bücher? - Undenkbar!". Aber schon die Lesegewohnheiten der Bevölkerungsmehrheit und die sukzessive Schließung von Büchereistandorten zeigen deutlich, dass so undenkbar keineswegs ist, auf Printmedien zu verzichten, ohne als Mangel aufzufassen… und zu den wenigen entdeckenswerten Schätzen des Buch- und Bibliothekswesens zählen die aus Bibliotheksbeständen aussortierten Titel. Bücher, die zu wenige Leser gefunden haben…

  • […] die alter Leier […]

    Es würde sich jedenfalls lohnen, bei einer eventuellen Buchveröffentlichung über die Erfolgsgeschichte der Leihbüchereien an die aufgegebenen Standorte und zahlreiche der nach und nach aussortierten Bücher oder auch an den längst vergessenen karteikartenbasierten Katalog zu erinnern… der gegenwärtige Buchmarkt ist jedenfalls irgendwie nicht so recht geeignet, bisherige Nichtleser für's Lesen zu begeistern oder auch nur bisherigen Lesern die Freude am Hobby zu bewahren…