Der leidige Buchhandel

  • […] Aber wurscht.

    In der Tat fehlen auf dem Buchmarkt eine Enzyklopedie der Vielfalt der Wurstspezialitäten, die verschiedenste Regionen im Laufe ihrer Geschichte hervorgebracht haben - und eine Bibliographie der Verwurstung traditioneller oder klassisch gewordener literarischer Motive im Zeitalter des Taschenbuchs und der Schriftstellerei im Zeitalter ihrer Konfektionierung…

  • Der war gut… *schenkelklopf* - Fleischprodukte im Spiegel ihrer rechtlichen Verordnungen als umfangreiche Loseblattsammlung in (bislang) drei dicken Sammelmappen… das Werk ist sicher in Betrieben der Fleischverarbeitung als Standardnachschlagewerk griffbereit vorhanden, denn wer Wurst herstellt oder vertreibt muss sicher höllisch aufpassen, nicht in die Mühlen der Justiz zu geraten.


    So ähnlich, wie manches, was als Schinken verkauft wird, ein mit Bindemittel aus kleineren Fleischstücken zusammengepuzzeltes zusammengesetztes "Kunstbein" ist, findet sich auch im Buchhandel so manches, das, genauer betrachtet, bestenfalls ein Plagiat ist.

  • Nicht nur der Buchhandel, auch die Zukunft der Bibliotheken verheißt nichts gutes… für die Zukunft gerüstet zu sein bedeutet heutzutage wohl, die Originalzeugnisse der Vergangenheit im verschlossenen Keller einzubunkern, von wo sie auf Anfrage bereitgestellt werden können, was natürlich bedeutet, dass sie immer seltener nachgefragt werden, weswegen dieser Service aus Kostengründen dann bald eingespart werden kann… auch die Idee, die Bibliothek als "Begegnungsort" (ein Zwischending aus Aufwärmstätte, Spielfläche, Café und Veranstaltungsraum) zu verstehen, garantiert, dass niemand die Ruhe finden wird, dort mit den geschriebenen Texten in Beziehung zu treten, sondern die Besucher in ihrer persönlichen Filterblase (die existiert nämlich längst auch offline) zu verharren Gelegenheit haben: Im Smalltalk, im "Dialog" mit ihrem Smartphone, den Literaturvorschlägen, die auf den Bildschirmen der büchereieigenen Computer je nach ausgewählten Texten angezeigt werden, oder den in die Raumbeschallung integrierten Werbebotschaften… mit anderen Worten: Büchereien und Bibliotheken werden künftig nicht mehr sein, was Klaus Staeck ihnen noch 1978 unterstellte, zu sein: Show?author=Staeck%2C+Klaus&callnumber=BG+A31%2F151&size=small&title=Bibliotheken+sind+eine+gef%C3%A4hrliche+Brutst%C3%A4tte+des+Geistes.&oclc=943999271&pid=30051000468121&publication=pictoright

  • Der Buchhandel bzw. der Börsenverein, in dem die mit dem Buchhandel beschäftigten Anbieter organisiert sind, freut sich: "Gedruckte Bücher bleiben gefragt - Tendenz leicht rückläufig". Die rückläufige Tendenz nach einer Reihe "gesundschrumpfender" Jahre zeigt deutlich, wie gefragt gedruckte Bücher bleiben - die wievielte Harry Potter Fortsetzung ist's noch, die neben den in den letzten Wochen preisgekrönten Autoren für Nachfrage sorgt? Und von der oft versprochenen Qualität und Vielfalt, die durch die Preisbindung gewährleistet sein soll, ist auch immer seltener was zu merken. Aber immerhin entdeckt der Buchmarkt so langsam den Trend zum do-it-yourself.