Der leidige Buchhandel

  • Beispielsweise, weil es Leser geben könnte, die zufällig nicht grad die Neue Zürcher Zeitung gelesen haben, und denen deswegen die Anregung entgangen ist, von dieser Buchneuerscheinung Kenntnis zu erhalten…

    Für jemanden, der sich für diesen Autor interessiert ist es schwierig, 7200 Google Suchergebnisse zu übersehen ....

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Wie groß mag die Zahl der Buchhandelskunden sein, die […]

    […] sich für diesen Autor interessier[en, …]

    […] und folglich gezielt ein Exemplar der Tagebuchedition verbindlich bestellen? Wie steht es eigentlich um den Bekanntheitsgrad des Autors außerhalb Russlands? Sollten Verfassername und Buchveröffentlichung im Rundfunk und in einer TV-Literatursendung zeitnah mal genannt werden, könnte günstigstenfalls einige wenige Interessenten animiert werden, eine Buchhandlung aufzusuchen - da das Buch aber nicht vorrätig ist, und somit keine Chance besteht, einen ersten Blick hineinzuwerfen, um den möglichen Kaufimpuls auszulösen, würde selbst diese Chance schon wieder vertan sein.


    Da das literarische Schaffen Prischwins dann aber doch eine bestimmte Zielgruppe anspricht, die Tagebücher jedoch eine völlig andere, ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass die Tagebücher für seine "Stammleser" von Interesse sind.

  • Wie groß mag die Zahl der Buchhandelskunden sein, die […]

    sich heutzutage über eines der diversen Literatur und Kulturportale, Blogs und durch Newsletter ihrer bevorzugten Verlage über Neuerscheinungen informieren? Wer sich wirklich für Buchkultur interessiert kann auch eines der vielfältigen Literaturmagazine abonnieren, es gibt Buchclubs, Lesungen und selbst bestimmte Gaststätten haben sich auf diesen Bereich spezialisiert.

    Die Möglichkeiten sich zu informieren sind weitaus vielfältiger und komfortabler als vor 30 Jahren. Wer natürlich gedanklich in dieser Zeit stehen geblieben ist, bekommt das gar nicht mit.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Otto Normalleser, der sich […]

    […] "informiert", dürfte eher Fischer, Suhrkamp, Insel, Rowohlt, vielleicht noch Hanser, Goldmann, Heyne und - seit Harry Potter- auch Carlsen im Sinn haben.

    Also geht es nicht um Otto Normalleser, sondern um Substi Spezialleser?

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Es geht in diesem Thread um den gesellschaftlichen und den kulturellen Wert von Literatur, und um derer beiden Niedergang, wie er sich in den Verlagssortimenten abzeichnet, aber auch in der Bestandspflege von Bibliotheken, die schließlich ebenfalls "marktwirtschaftlich" handeln wollen oder von der Öffentlichen Hand dazu gezwungen werden…

    die causa Rowohlt/Illies ist ein überaus facettenreiches Beispiel für eben diese hastig sich dem Zeitgeist anbiedernde Branche, die so ihrer baldigen Bedeutungslosigkeit entgegenstrebt.

  • ... diese hastig sich dem Zeitgeist anbiedernde Branche, die so ihrer baldigen Bedeutungslosigkeit entgegenstrebt.

    Ich bezweifle sehr, dass du das auch nur annähernd beurteilen kannst. Bei durchschnittlich 70.000 Neuerscheinungen jährlich auf dem deutschen Buchmarkt alleine dürfte dies selbst ausgesprochenen Bücherwürmern mit entsprechender Ausbildung schwer fallen. Es ist allenfalls deine subjektive und unmaßgebliche Meinung, für die du eventuell sogar einige mit ähnlicher Meinung aus dem Literatur- und Kulturbereich findest, genau wie andere mit genau gegenteiliger Meinung.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • […] Bei durchschnittlich 70.000 Neuerscheinungen jährlich auf dem deutschen Buchmarkt […]

    […] ist es durchaus zu bedauern, wenn es sich um etwa 70.000 durchschnittliche Veröffentlichungen handelt, die allesamt keinen geistigen Mehrwert bieten, sondern nur nach den üblichen Erfolgsrezepten zusammengerührt wurden. Man bräuchte sich nur einmal vorzustellen, wenn ein James Joyce (oder meinethalben ein George Orwell) ein Manuskript in heutiger Zeit einem Verleger zuschickte…

  • Es gibt Leute, deren Selbstbewusstsein so fragil ist, dass sie dringend irgendwas und irgendwen verachten müssen. So kommt es zu pauschalen Urteilen wie etwa der minderen Qualität von 70.000 Neuerscheinungen. Es kann schon sein, dass viel Mist dabei ist, wie bei allem, von dem es viel gibt. Das heißt doch aber nicht, dass sie durchweg überflüssig sind - davon abgesehen, dass "Mist" durchaus der Beurteilung der sehr unterschiedlichen Leser unterliegt. Ich meine, man kann es erfreulich finden, dass überhaupt so viele Leute lesen, das war ja nicht immer so.

  • […] Es kann schon sein, dass viel Mist dabei ist, wie bei allem, von dem es viel gibt. Das heißt doch aber nicht, dass sie durchweg überflüssig sind […]

    Soweit ist Deiner Aussage schon zuzustimmen. Das Problem ist, dass neben diesen 70.000 neuerschienenen Titeln, von denen ein Teil Leser findet, jene 5-6 Neuerscheinungen fehlen, die mangels Marktchancen gar nicht erst aufgelegt werden, und die - wenn auch möglicherweise erst Generationen später - als lesenswert erkannt würden. Noch bedauernswerter ist freilich, was alles nicht ins Deutsche übersetzt wird, wenn es doch immerhin auf dem französischen, britischen, schweizer oder beispielsweise lateinamerikanischen Heimatmarkt wenigstens in kleiner Auflage erschienen ist…

  • Eine sehr gute Aussage, die darauf fußt, dass wenigstens Du diese drei oder vier Neuerscheinungen benennen kannst, die den Verlagen durch die Lappen gehen. Du hast sie im Original gelesen, für gut befunden und dann ihr Fehlen unter den 70.000 schmerzlich bemerkt. Sehr gut!

  • […] Du hast sie im Original gelesen, für gut befunden und dann ihr Fehlen unter den 70.000 schmerzlich bemerkt. […]

    Die Bücher, die ich im Original oder in englischsprachiger Übersetzung gelesen habe, weil eine deutschsprachige Ausgabe auf dem Markt fehlt, sind nicht unbedingt neu; und von den potentiellen Neuerscheinungen, die letztlich keinen Verleger gefunden haben, und somit nicht veröffentlicht werden, kenne ich nur eine Handvoll, zumeist aus den Nachlässen längst verstorbener Autoren, soweit ich Gelegenheit hatte, Einsicht in die Skizzen, Entwürfe, Manuskripte und Briefkorrespondenzen zu nehmen.