Der leidige Buchhandel

  • Hier eine schöne Analyse über den "jüdischen Pausenclown" Broder und sein Dilemma. Daraus ein Ausschnitt:


    Zitat

    An Henryk M. Broder zeigt sich das Dilemma einer Kritik, die auf herme­tische Verhältnisse stößt. Sie will Gehör finden und Wirkung zeitigen, aber sie findet keinen handlungsfähigen Empfänger. Dies als Dauerzustand über Jahrzehnte durchzuhalten, sich also von der Macht der anderen und der eigenen Ohnmacht, wie es bei Adorno heißt, nicht dumm machen zu lassen, braucht es mehr als nur ein wohltemperiertes Gemüt. Denn die Ohnmacht ist objektiv: Gesellschaftskritik – in ihren verschiedenen Spielarten – schafft es kaum mehr, die Verhältnisse auf die Begriffe zu bringen, und sie versagt notwendig, will sie zum Eingreifen anstiften. Infolgedessen neigt der Kritiker zu in der Kindheit durchaus mit Erfolg erprobten Methoden: Will man ihn nicht hören, wird er lauter und lauter; das Rechthaben regrediert zur infantilen Rechthaberei; die Polemik als Mittel, durch Zuspitzung das Elend hell auszuleuchten, schlägt um in groteske Übertreibung, die die Wirklichkeit entstellt.

  • Da können sich also in der bayerischen Kleinstadt Eggenfelden Kunden statt Grillfleisch und -zubehör Bücher aus dem Automaten ziehen. Und was findet der geneigte Leser dort? Bestseller wie Monika Grubers „Und erlöse uns von den Blöden“. Also genau das, was für den Niedergang deutscher Literatur steht. Was gäbe es also Besseres zu tun, als den Automaten in die Luft zu sprengen ...

  • Und was findet der geneigte Leser dort? Bestseller wie Monika Grubers „Und erlöse uns von den Blöden“. Also genau das, was für den Niedergang deutscher Literatur steht. Was gäbe es also Besseres zu tun, als den Automaten in die Luft zu sprengen ...

    Ich mag deine Toleranz. Näheres unter Sanktionen.

  • Nun, dieser Thread widmet sich schwerpunktmäßig eher dem Problem, dass das Buch als Handelsware seinen vormaligen Wert als Kulturgut zusehends einbüßt, und das Lesen längst nicht mehr zwangsläufig mit Bildungsaffinität einhergeht. So ist es denn wohl angebracht, an dieser Stelle und in diesem Moment, auf Burkhard Spinnens Hommage an das Buch hinzuweisen. Im Schöffling-Verlag erschienen und von der Gesellschaft der Bibliophilen in empathischer Weise gewürdigt.

  • Da können sich also in der bayerischen Kleinstadt Eggenfelden Kunden statt Grillfleisch und -zubehör Bücher aus dem Automaten ziehen. Und was findet der geneigte Leser dort? […]

    Was würd's denn nützen, stellte der Buchhändler in den leihweise erhaltenen Automat die Ladenhüter aus seinem Vorrat im geschlossenen Verkaufsraum stellte? Er muss doch wohl, gerade in schwierigen Zeiten wie diesen, dann schon anbieten, was vorbeikommende Passanten dann auch wahrnehmen und kaufen. Die Buchkultur lebt nicht vom Automaten - vor vielleicht 45 Jahren zog man noch Boulevardzeitungen aus Automaten… in meiner Nachbarschaft hat ein Fahrradhändler neben der Ladentür einen Automaten hängen, aus dem bei Bedarf Fahrradschläuche gezogen werden können.

  • Die FAZ berichtet, dass, ein schwacher Trost für die Mainzer Karnevalsfreude, deren 1837 gegründete "Ranzengarde e.V." diese Tradition begründete, wenn schon keine Karnevals- oder Rosenmontagsumzüge stattfinden werden, in Buchform das 188 Jahre währende närrische Treiben dokumentiert, illustriert und gewürdigt wird. Erstaunlicherweise verfügt der Verlag, die Winter Publishing Company in Heusenstamm, über keine eigene Homepage, sondern lediglich über die im Anschluss an die FAZ-Artikel genannte e-Mail-Adresse. Da auch keine ISBN genannt ist, scheint das Buch nicht über den Buchhandel verkauft zu werden, sondern lediglich über den Herausgeber, vulgo: Die e-Mail-Adresse. Dort sollte allerdings der vier Jahre zuvor erschienene Bildband im Magazinformat, "Die Mainzer Fastnacht" (Theiss Verlag, Darmstadt) zwar nicht vorrätig, aber bestellbar sein.

  • Es war natürlich zu erwarten, aber dennoch ist es ein harter Schlag für die Branche: Die Leipziger Buchmesse fällt aus. Das war schon im letzten Jahr der Fall. Mit wohlgesetzten Worten resigniert auch der Börsenverein auf diese Nachricht… es gibt aber, wie stets, auch Krisengewinner, etwa Ravensburger - Kinderbücher und Familienspiele sind, auf dem Online-Bestellweg, jedenfalls gut verkauft worden.

  • Der Chef der Frankfurter Messe, Juergen Boos, verkündet vorerst, in diesem Herbst die Buchmesse in der am Main gelegenen Bankenmetropole als Präsenzveranstaltung realisieren zu können… bekanntlich ist die Hälfte des Geschäftslebens ja Psychologie, aber den allmächtigen Bremsklotz "Politik" sollte er nicht so leichtfertig ignorieren… auch die Literatur unterliegt der AHA-Regel: Altmeiers Hilfszahlungen Abwarten…