Architektur - das Lebensumfeld in effigie

  • Eigentlich dachte ich, die Zielrichtung der Frage wäre klar, aber bitte:


    Was ist an diesem Baustil so wichtig für den Erhalt unserer Kultur, dass man es erhalten und unter Denkmalschutz belassen sollte?

    Erklärung:

    Nachfolgenden Generationen zeigen, wie man es nicht machen sollte?

    Allemagne? C'est un grand Bordel néolibéralement conservateur Merkel'scher l'empreinte


    AMERIKA......oder..... Alles was die Welt nicht braucht....oder....Spiel nicht mit den Schmuddelkindern....



  • […] die Sozis wollten den "wilhelminischen Mief" aus der Stadt haben. […]

    So ist das halt, wenn man die "Vision" des künftigen Menschen in einer von allen gewachsenen Traditionen "befreiten" neuen Gesellschaft hegt, in die der Mensch (auch der von heute) widerstands-, willen- und konturenlos sich schon mal einfügen soll.


    Allerdings waren in den 1950er Jahren "die Sozis" irgendwie noch gar nicht federführend - und Deine persönlichen Aversionen gegen Frankfurts Nachkriegs-Oberbürgermeister Walter Kolb sind an dieser Stelle nun auch nicht sonderlich wichtig.


    Aber in der Tat ist die Nachkriegsmoderne, historisch übrigens eng verflochten mit den Idealen der bereits etwa 50 Jahre zuvor bereits vorgezeichneten aber seinerzeit nicht realisierten Reformarchitektur, die erst ab 1919 die ersten Gartenstädte durchzusetzen vermochte, eine bauhistorisch bedeutsame Epoche. Lehrende und Zöglinge des Bauhaus und des Werkbund waren noch mit den Materialien vertraut, mit denen sie arbeiteten… dies also im Gegensatz zur Beliebigkeit der Postmoderne.

  • Allerdings waren in den 1950er Jahren "die Sozis" irgendwie noch gar nicht federführend - und Deine persönlichen Aversionen gegen Frankfurts Nachkriegs-Oberbürgermeister Walter Kolb sind an dieser Stelle nun auch nicht sonderlich wichtig.

    Ich weiß, ich weiß, wichtig sind einzig und allein deine Beiträge.

    Du scheinst aber nicht mitbekommen zu haben, dass die BRD kein zentralistisch regiertes und gleichgeschaltetes Land ist und der Wiederaufbau weitestgehend von den Kommunen bestimmt wurde.

  • Auch andere Staatsformen, Gesellschaftssysteme und Ökonomien haben nur allzugern vernichtet, abgerissen, planiert, was an ihre Vorzeit zu erinnern verdächtig war… die sozialistische Hemisphäre hat beispielsweise Sakralbauten verfallen lassen, das Christentum hat bei seine Ausbreitung bevorzugt die vormaligen heidnischen Kultstätten mit ihren Kirchen überbaut… der Kapitalismus müsste folglich die Prunkbauten früherer Zeiten durch Bankpaläste ersetzen, aber die Filialnetze der Banken schrumpfen, die Kirchen geben eigene Liegenschaften auf, Burgen und Schlösser rentieren sich allenfalls noch als Hochzeitsfeier-Locations oder als Escape-Room-Spielveranstaltungsstätte… selbst von der großen Zukunftsshow "EXPO 2000" steht ja kaum noch einer der Pavillons, die die damaligen Visionen nachhaltigen Bauens visualisierten…

    Das Leben ist nun mal vergänglich und es bleibt eine Utopie, alles erhalten zu wollen. In ein bis zwei Millionen Jahren wird kaum noch was vorhanden sein, was heute die Gemüter erregt. Und es gab mal eine Fernsehserie, die das Geschehen verdeutlichte, wenn der Mensch sich selbst aus der Evolution infernalisch verabschiedet hätte: Nach schon rund 50 bis 100 Jahren wären fast alle Spuren menschlicher Aktivitäten verfallen und nach tausend Jahren kaum noch nachweisbar.

  • Jaja, der Denkmalschutz ... dafür erhält man lieber Primitiv- und Brutalismusbauten der Nachkriegszeit.

    Apropos Reiseabstinenz: Vielen Baudenkmälern kommt es zugute, wenn nicht so viele Leute darauf herumlatschen.

  • Jaja, der Denkmalschutz ... dafür erhält man lieber Primitiv- und Brutalismusbauten der Nachkriegszeit.

    Dafür hat der :substi: keinerlei Verständnis, der findet die übelsten Bau-Klötze hervorragend, sofern man ihm einredet, das sei Bauhaus.



    "Oh Tor, im Unglück ist Trotz nicht förderlich!" (Sophokles: Ödipus auf Kolonos)

  • Jaja, der Denkmalschutz ... dafür erhält man lieber Primitiv- und Brutalismusbauten der Nachkriegszeit.

    Auch nicht mal "Miljöschutz".... bin gestern gerade an einem netten Gründerzeitensemble vorbeigefahren ( mit dem Fahrrad ! ) was gerade auf dem Laster landete weil genau dort und in Wurfnähe zu den anderen, üblichen Discounterverdächtigen ein Rewemarkt entstehen muss.

    Dafür hat der :substi: keinerlei Verständnis, der findet die übelsten Bau-Klötze hervorragend, sofern man ihm einredet, das sei Bauhaus.

    Eckig und Quadratisch ist halt nicht gleich Bauhaus. Gestrige Fahrradtour führte uns auch durch einige ältere Wohnviertel, ehemals Einfamilienhäuser in Vorkrieg/Nachkriegstruktur an welchen teils jetzt die Erbengemeinschaften zwecks Renditeoptimierung nagen. Was da an falsch verstanden Architektenträumen realisiert wird ist schon grotesk lächerlich, nur noch getoppt von dem Handwerkernachbarn der sein Renovierungsobjekt mit jeder Menge Edelstahl Ornamentik versieht. So eine Kombi nebeneinander ist echt was fürs Auge.....

  • Eine merkwürdige Lehre aus der Corona-Krise zieht Christoph Mäckler, Architekt, Stadtplaner und Direktor des Deutschen Instituts für Stadtbaukunst in Frankfurt:


    Die Stadt braucht Dichte


    Es geht dabei um eng bebaute Stadtviertel in Blockrandbebauung mit Hinterhöfen, mit einer hohen Wohndichte, wie sie in der Gründerzeit üblich war. Beispielhaft nennt er Stadtviertel wie das Nordend, Sachsenhausen oder Bornheim in Frankfurt, Charlottenburg oder Mitte in Berlin, das Gärtnerplatzviertel in München oder den Stühlinger in Freiburg. Von Übel dagegen sind "die lockere Hauszeilenbebauung, die keine städtische Dichte hat und damit keinen Straßenraum einfassen kann".

    Zitat

    Die Erfahrung sozialer Isolation durch die Pandemie hat in den vergangenen Wochen noch einmal verdeutlicht, wie wichtig der öffentliche Straßen- und Platzraum der Städte für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist. In den Medien war von dem „seltenen Moment des Miteinanders“ die Rede, der seinen Ausdruck im gemeinsamen Singen und Händeklatschen an den geöffneten Fenstern in den Straßenräumen der Städte gefunden hat.

    Konnte man das in unseren Neubauvierteln erleben? Nein, denn diese locker bebauten Viertel kennen keinen gefassten Straßenraum, der zur Bühne für seine Bewohner werden könnte.

    Es wäre etwas gemein, Mäckler auf dieses Zitat zu reduzieren; er führt als Hauptnachteile heutigen aufgelockerten Städtebaus größeren Flächen- und Energiebedarf, stärkere Versiegelung der Böden, mehr Verkehr und Staus sowie soziale Verödung an.


    Für meinen Geschmack ist das alles zu einseitig. Ich kenne dicht bebaute alte Wohnviertel in Frankfurt, in denen tagsüber und abends tote Hose herrscht. Ich bin in einer Siedlung Baujahr 1948 aufgewachsen mit lockerer Bebauung und viel Grün, in der es trotzdem viele soziale Kontakte gab. Das Nordend in Frankfurt ist in der Tat eine sehr beliebte Wohngegend für Yuppies geworden (Bornheim und Sachsenhausen sind eher etwas für Äppelwoi-Kneipengänger). Um zu verstehen warum, muss man es gesehen haben: schöne alte Archtektur, ruhige Straßen, viele Bäume. Besonders beliebt ist der Friedberger Platz, wo sich (vor Corona) jeden Freitag Abend nach dem Wochenmarkt Hundertschaften junger Leute getroffen haben, worüber die Anwohner nicht besonders amused waren; nicht nur wegen des Lärms, sondern weil sie denen auch in die Vorgärten uriniert haben.


    Laut Mäckler führt erst Verdichtung zu mehr sozialem Zusammenhalt. Wäre es so, dürften gerade die Hochhaussiedlungen keine sozialen Brennpunkte sein.

  • Das Nordend in Frankfurt ist in der Tat eine sehr beliebte Wohngegend für Yuppies geworden <...> Um zu verstehen warum, muss man es gesehen haben: schöne alte Archtektur, ruhige Straßen, viele Bäume. Besonders beliebt ist der Friedberger Platz, wo sich (vor Corona) jeden Freitag Abend nach dem Wochenmarkt Hundertschaften junger Leute getroffen haben, worüber die Anwohner nicht besonders amused waren; nicht nur wegen des Lärms, sondern weil sie denen auch in die Vorgärten uriniert haben.

    Völlige Zustimmung. Die das Stadtbild verödende Schuhschachtel-Architektur macht dem Stadtleben schneller den Garaus als alles andere. Ob in Trash-Hochhäusern oder weißen Vierstöckern mit Marmoreingängen und glattem Rasen zwischen den Kästen, ist fast egal. Es ist ein Elend.



    "Oh Tor, im Unglück ist Trotz nicht förderlich!" (Sophokles: Ödipus auf Kolonos)

  • Völlige Zustimmung. Die das Stadtbild verödende Schuhschachtel-Architektur macht dem Stadtleben schneller den Garaus als alles andere. Ob in Trash-Hochhäusern oder weißen Vierstöckern mit Marmoreingängen und glattem Rasen zwischen den Kästen, ist fast egal. Es ist ein Elend.

    Dieser architektonische Würfelhusten ist in der Tat ein Grauen und eine Plage. Und es grassiert überall, selbst in Familienhaussiedlungen im charmanten Altbaubestand kommen echt heute noch Leute auf die Idee so eine Vergewaltigung der Sinne dahin zu knallen, am besten noch mit Billigkiesauffahrt und Steingarten.

  • Völlige Zustimmung. […]

    Na bitte: eine Meinung, und die die mehrheitstaugliche Spießigkeit führt sich bestens aufgehoben… und wer schon Gründerzeit, Jugend- und Heimatstil nicht unterscheiden kann, applaudiert pflichtschuldigst… ach ja: Was heißt eigentlich Nachverdichtung in Albauvierteln mit Blockrandbebauung? In erster Linie doch wohl, dass die bislang dort genutzten Kleingewerbeflächen (der Tante-Emma-Laden, das Kellergeschäft eines Flickschusters, der Glaser im Hinterhof und die dortigen Anwohnergaragen in Wohnraum umgewandelt werden - auch die nicht mehr benötigte Teppichklopfstange nebst den verwaisten Kinderspielgeräten abseits des Verkehrsflusses muss weiteren Mietobjekten weichen… schließlich ist die Fläche viel zu kostbar…

  • und wer schon Gründerzeit, Jugend- und Heimatstil nicht unterscheiden kann, applaudiert pflichtschuldigst…

    Woraus schließt du, dass wir hier nicht die Begriffe Heimatstil, Gründerzeit und Jugendstil unterscheiden können?

    Und wenn du den Artikel in der FAZ gelesen hättest, wüsstest du, dass es in ihm nicht um Nachverdichtung in Altbauvierteln mit Blockrandbebauung ging. Also erst lesen, dann eine Meinung äußern, über die sich zu diskutieren lohnt.

  • […] wenn du den Artikel in der FAZ gelesen hättest […]

    Habe ich. Allerdings den vollständigen Artikel, nicht nur den von Dir verlinkten ersten Drittels… die Frage ist natürlich, welche Bedeutung der öffentliche Raum für's öffentliche Leben ungeachtet der Bausubstanz noch besitzt - und inwieweit Corona jene "Flächennutzung" als kollektive Auslaufzone ins Rampenlicht stadtplanerischer Aufgaben gerückt hat…

  • Allerdings den vollständigen Artikel, nicht nur den von Dir verlinkten ersten Drittels…

    Du hast es also geschafft, die Links zu den Seiten 2 und 3 jeweils am Seitenende zu finden. Wahnsinn.


    Aber du hast genau die richtige Frage gestellt, wenn auch offenbar keine Antwort parat ... naja, sich festzulegen ist nicht deine Sache ... und der Bezug zwischen der Bebauungsdichte und dem gemeinsamen Corona-Singen macht den Artikel in meinen Augen so albern ...

  • Dieser architektonische Würfelhusten ist in der Tat ein Grauen und eine Plage. Und es grassiert überall, selbst in Familienhaussiedlungen im charmanten Altbaubestand kommen echt heute noch Leute auf die Idee so eine Vergewaltigung der Sinne dahin zu knallen, am besten noch mit Billigkiesauffahrt und Steingarten.

    Wenn´s noch ein SteinGARTEN wäre, aber es sind auf Folie ausgelegte Steine in Farbmustern. Albtraum!



    "Oh Tor, im Unglück ist Trotz nicht förderlich!" (Sophokles: Ödipus auf Kolonos)

  • <...> die Frage ist natürlich, welche Bedeutung der öffentliche Raum für's öffentliche Leben ungeachtet der Bausubstanz noch besitzt - und inwieweit Corona jene "Flächennutzung" als kollektive Auslaufzone ins Rampenlicht stadtplanerischer Aufgaben gerückt hat…

    Das hab ich jetzt ein paarmal gelesen und muss gestehen, dass ich das Wortgeklingel, auch im Zusammenhang mit den unterschiedlichen Baustilen, überhaupt nicht verstehe. Was will uns der Dichter eigentlich mitteilen?


    Ein weiß ich aber seit einer vor Jahren mit dem :substi: geführten Debatte, dass er jeden viereckigen Klotz für Bauhaus und modern hält.



    "Oh Tor, im Unglück ist Trotz nicht förderlich!" (Sophokles: Ödipus auf Kolonos)