• Die Franz-Nölken-Retrospektive habe ich mir angeschaut, die gezeigten Werke aus dem zeitlichen Abschnitt von ungefähr 1908 bis 1916 waren solides Handwerk mit sichtlichem Streben, die Farbigkeit und Leichtigkeit der Impressionisten mit dem mehr flächigen Farbauftrag des Expressionismus zu verbinden. Der die Ausstellung begleitende Katalog soll schon ausverkauft sein und wird nicht ein weiteres Mal aufgelegt. Das ist natürlich bedauerlich.


    Nicht weit von Hermann F. Reemtsmas Atriumbau, der als Ernst-Barlach-Haus bekannt ist, weil ein Querschnitt durch das figürliche Werk Barlachs dort beheimatet ist, befindet sich das Eduard-Bargheer-Museum, in dem aktuelle eine Ausstellung mit Werken Rolf Neschs gezeigt wird. Die muss ich mir demnächst auch anschauen gehen.

  • Die im letzten Jahr im seinerzeit von PrometheusXL gestarteten "Ist das Kunst oder kann das weg?"-Thread thematisierte Kunstzerstörungsaktion von Banksy scheint jetzt Schule zu machen: Auch in Oldenburg ist ein Kunstsammler die seltsame Idee gekommen, mit Genehmigung der Künstler deren Arbeiten zu zerschneiden - und jetzt als "Pocket-Museum" erneut in den Handel zu bringen… die Schnipselbetrachtung (nimmt ja nicht so viel Platz weg) als zeitgemäße Form der Kunstwahrnehmung scheint sich wohl einiger Nachfrage zu erfreuen.

  • Die im letzten Jahr im seinerzeit von PrometheusXL gestarteten "Ist das Kunst oder kann das weg?"-Thread thematisierte Kunstzerstörungsaktion von Banksy scheint jetzt Schule zu machen: Auch in Oldenburg ist ein Kunstsammler die seltsame Idee gekommen, mit Genehmigung der Künstler deren Arbeiten zu zerschneiden - und jetzt als "Pocket-Museum" erneut in den Handel zu bringen… die Schnipselbetrachtung (nimmt ja nicht so viel Platz weg) als zeitgemäße Form der Kunstwahrnehmung scheint sich wohl einiger Nachfrage zu erfreuen.

    Diese "Künstler" sind doch einfach nur noch blöd.

  • Diese "Künstler" sind doch einfach nur noch blöd.

    In Hinblick auf die schiere Menge der lebenden und mithin weiter kreativen und schöpferisch tätigen Kunstschaffenden ist diese Antwort voreilig, schließlich ist die Rezeption künllterischer Arbeiten ein Akt, der philosophischer Reflexion würdig ist - und nicht einzelne Kunstwerk mag für die Ewigkeit geschaffen sein, zumal der Schöpfer mehr denn je auf die Aufmerksamkeit durch's Kunstpublikum, aber auch der minder bildungsaffinen Öffentlichkeit angewiesen ist, die ihm erstens durch die Erwähnung seines Namens und seiner Werke in den Medien zuteil wird, und zweitens die "portionsweise" Aufteilung des ursprünglich einteiligen Artefakts zu niedrigerem Anschaffungspreis neue Käufer erreicht…


    Vor Jahrzehnten etablierten sich erste Artotheken, die die monats- oder quartalsweise Ausleihe (Miete) von Kunstwerken ermöglichte, so dass Otto Normalverdiener statt Kunstdrucken echte Gemälde lebender Künstler (von meist eher lokaler Bedeutung) daheim an die Wand hängen konnten - und so regelmäßig gar wechselnde Motive anschauen bzw. ihren Besuchern zu präsentieren imstande waren.


    Auch in Kunstbüchern/Ausstellungskatalogen sind oftmals Ausschnittvergrößerungen berühmter Gemälde abgebildet, und man darf auch nicht vergessen, dass längst der elektronische Bilderrahmen, der per USB-Anschluss wechselnde Bilder in Form einer Diaschau zeigt, sich zumal bei jüngeren Leuten als Wandschmuck zunehmend durchsetzt - haben nicht Pädagogen und Journalisten bisweilen diesen Wandel der Bildwahrnehmung beschrieben, dass kleine Kinder, den Touchscreen von Tablets und Smartphones längst gewöhnt, auch auf Papier gedruckte Bilder mit dem Finger zur Interaktion zu bewegen versuchen, und enttäuscht sind, wenn sich da gar nichts tut?

    Bilder haben ihren Charakter des Bleibenden längst eingebüßt - sie werden also nur noch kurz aufblitzende Teile einer allgemeinen Bilderflut überhaupt betrachtet - aus dem cartesianischen cogito ergo sum ist nach und nach ein "Was nicht flackert oder piept, ist nicht wert, wahrgenommen zu werden" geworden. Und so reduziert sich das unbewegte Bild zum Thumbnail - dessen Wahrheit stets einen Klick weiter erst zu erwarten ist.

  • Ich habe "diese Künstler" geschrieben, also die "Künstler" gemeint, die zerschnittene "Kunstwerke" als "Kunst" ansehen. Übrigens konnte ich mit Beuys Butterecke genauso wenig anfangen. (Beuys war ein Nachbar in Düsseldorf-Oberkassel.)

  • Darüber sollte man sich schon Gedanken machen. Denn der digitale Nachlass im Netz wird, sofern nicht eine globale Katastrophe alle Speicher ausradiert, auf unabsehbare Zeit dort verweilen.


    https://www.verbraucherzentral…gespeicherten-daten-12002

    Mir wäre das völlig egal, was mit meinen Beiträgen geschieht. Eine Wendehälsin bin ich nicht, und eine neue Karriere strebe ich auch nicht an.

  • […] die "Künstler" …, die zerschnittene "Kunstwerke" als "Kunst" ansehen. […]

    Im Falle des Sammlers, der deren Werke in zerschnipselter Form als "Pocket Museum" jetzt erneut auf den Markt bringt und dabei zudem eine neue Zielgruppe erschließt, was letztlich die Namen der Urheber "kettenreaktionsartig" also bislang an Originalwerken eher desinteressierten Personenkreisen bekannt macht, haben die Künstler ja ihr Einverständnis gegeben - es ist ja nicht so, dass unersetzbare Kunstschätze jetzt zerkleinert werden, und zahlreichen Künstlern erscheint in zeitlicher Distanz ihr einstiges Frühwerk doch oftmals ohnehin längst nicht mehr aufhebens- oder ausstellenswert… der Rückblick auf ein vollständiges oder repräsentatives Lebenswerk, quer durch alle Schaffensphasen, ist doch längst im Kunstbetrieb die Ausnahme.

  • Erinnert sich von den verbliebenen Politopiern noch jemand daran, wie zu Zeiten PrometheusXLs die Zerstörung eines als Kunstinstallation im Öffentlichen Raum aufgestellten vergrößerten Topfschwamms (der halt von der Öffentlichkeit als Spielgerät für Kinder bzw. als Selbstbedienungsofferte für Drogeriewaren-Schnäppchenjäger wahrgenommen wurde) über Michel Abdolahi diskutiert wurde? Zur Feier des 70. Jahrestages des Grundgesetzes ist ein weiteres Küchenspülenutensil in Hamburg auf der stark frequentierten Fläche zwischen Rathausmarkt und Jungfernstieg platziert worden - und war binnen 24 Stunden fleißig zerrupft - wie sein kleineres Urbild nach monatelangem Gebrauch… wenn der Künstler ein Symbol saugender Funktion der zunehmend destruktiven Gesellschaft vor Augen halten will, braucht's eher eines extraterrestrischen Aufstellungsortes.

  • Es war ja damit zu rechnen, dass so ein von Otto-Normalbürger nicht als Kunstobjekt betrachteter Riesen-Schwamm wegen seiner Materialeigenschaften den Impuls auslösen würde, sich ein Stückchen davon abzureißen; mit der Aufstellung in unmittelbarer Nähe zur Binnenalster, auf der Schwäne ja zu den Touristenattraktionen zählen und noch weitere Wasservögel (Enten und Möwen hauptsächlich) daran gewöhnt sind, von brotkrumenwerfenden Passanten gefüttert zu werden, wurde der beschädigte Schwamm ordnungspolitisch jetzt als die Tierwelt gefährdendes Objekt erkannt und nach Winterhude verlagert, wo er offenbar gegenüber der Aussenwelt geschützt hinter Glas einem kulturbeflissenen Publikum (auf dem Gelände der Kampnagelfabrik finden schließlich Konzerte, Lesungen, Podiumsdiskussionen, Theater und Kleinkunstdarbietungen statt) vorbehalten sein wird.

  • "... ein bisschen wahnsinnig mache die Technik schon ..." wird einer der Zwillinge zitiert. Sie stellen sich hin und malen präziser als ein Photo, weil sie Auge und Hirn so trainiert haben, dass sie gleichzeitig die Ferne und die Nähe sehen. Versteh ich das so richtig? Es liest sich einfach irre. M. E.


    https://www.szlz.de/kultur-szl…detail-_arid,2562361.html


    Frdl. Grüße und allen eine gute Woche

    Christiane

  • Was die Zwillinge können, ist toll. Noch viel toller finde ich aber, wenn einer mit einem Helicopter eine Stadt überfliegt und dann alles aus dem Gedächtnis (!) absolut richtig zeichnet. Die einen sind gute Zeichner mit besonderen Fähigkeiten, einem weiten Blickfeld etwa, beim anderen ist es das Gehirn, das zum Staunen ist, denn es speichert jede Linie, jeden Gesamtanblick, alles, und gibt es detailliert wieder.