Der Bundesgesundheitsminister spricht

  • Es geht nicht um medizinische Behandlung, sondern um Organspenden.

    Ich habe den Satz so genommen, wie er da stand. Danach müste er zumindest auf Blutkonserven und Knochenmarkspenden verzichten.

    Es ist zu respektieren, wenn jemand nach seinem Ableben nicht möchte, dass ihm Organe entnommen werden.

    Das tut sogar Spahn. Er verlangt nur, dass sich jeder eindeutig entscheidet. Und es soll auch niemand gezwungen werden, sich fremde Organe einsetzen zu lassen.

    Und mit Egoismus hat das nichts zu tun, schon gar nicht in einem Staat, der stetig die Kosten des Gesundheitswesens im Auge hat. Die Folgekosten einer Organtransplation sind enorm und gehen zu Lasten der Solidargemeinschaft.

    Der Staat muss Kosten und Nutzen im Gesundheitswesen im Auge behalten und darf die Erstattung sinnloser "Heilmittel" verweigern. Aber erfolgreiche Heilmethoden müssen angeboten werden, auch wenn sie teuer sind.

  • Zunächst würde ich gerne wissen, was unter "unsinnigen" lebensverlängernden Maßnahmen zu verstehen ist. Irgendwie sind ja viele medizinische Maßnahmen als lebensverlängernd zumindest gedacht, auch eine Blinddarm-OP oder die Stents, die zu tausenden eingesetzt werden. Ist das unsinnig?


    Meiner Meinung ist es kein Egoismus, sondern nur blöd, wenn ich etwas, das mir gehört, nicht hergeben will, obwohl ich es selbst nicht mehr brauche. Was will denn jemand, der seine Niere nicht hergeben will, nach seinem Tod noch damit? Wird sie mit ihm begraben, verrottet sie.


    Was den Egoismus bezüglich der eigenen Verweildauer auf der Erde betrifft, so ist der Wunsch, die zu verlängern, ein urmenschlicher, und es träfe die Bezeichnung besonders auch dann nicht zu, wenn jemand seine Niere noch braucht und deshalb nicht hergeben will.


    Für mich gibt es überhaupt keinen einzigen vernünftigen Grund, seine Organe bei sich behalten zu wollen, wenn man seinen letzten Schnaufer getan hat und mit ihnen entweder verbrannt wird oder verbuddelt. Dass manche Leute argwöhnen, dass ihr letzter Schnaufer vorzeitig stattfindet, weil jemand auf ein Organ wartet, ist eine ganz andere Baustelle.

  • .... Dass manche Leute argwöhnen, dass ihr letzter Schnaufer vorzeitig stattfindet, weil jemand auf ein Organ wartet, ist eine ganz andere Baustelle.

    Dieser Argwohn wird vermutlich zukünftig eher noch zunehmen. Ich sehe da ein Problem auf uns zukommen, dass übrigens ebenfalls mit Datensicherheit und Datenschutz zusammenhängt. Je mehr Gesundheitsdaten von jemandem vorliegen, umso einfacher wird es, die Spenderkompatibilität aus einem vorhandenen Datensatz herauszufinden. Und je mehr Kliniken für die Entnahme an monetärer Gegenleistung bekommen, umso größer wird die Gefahr, dass Geschäftsinteressen Konfliktsituationen heraufbeschwören.

    Für mich ist das der wesentliche Grund dafür, der Organspende kritisch gegenüberzustehen. In der einen Hand die Ethik, in der anderen bare Münze - wir wissen alle, dass Ethik in einem kapitalistischen System allzu oft den kürzeren zieht.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Bei all deinen Ausführungen scheinst du nicht zu berücksichtigen, dass der Tod auch kommen kann, wenn kein Arzt in der Nähe ist. Organentnahmen können nur in einem bestimmten zeitlichen Korridor und unter bestimmten Bedingungen entnommen werden.

    So wie dein Herz aufhört zu schlagen, ist es im Prinzip schon vorbei.


    Ergo: Um dies zu gewährleisten, müssen Menschen also in Krankenhäuser sterben.


    ...nun sprich, was nützen mehr freiwillige Spender, wenn die bei ihrem Ableben nicht die Bedingungen der Entnahme von Organen erfüllen. ...ich würde denen eine saftige Vertragsstrafe aufbrummen. ;)


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • Als invalider Rentner, der gefesselt am Bett darauf wartet, dass der Hirntod eintritt, der braucht doch auch seinen Porsche in der Garage nicht mehr. Auch das Haus mit Seeblick ist jetzt nicht mehr von Nöten.


    Und die Niere, können wir schon heute herausnehmen, eine reicht ja zum überleben.


    ....ich glaube wir entmündigen Hirntote ein wenig. :)

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • ................Der Staat muss Kosten und Nutzen im Gesundheitswesen im Auge behalten und darf die Erstattung sinnloser "Heilmittel" verweigern. Aber erfolgreiche Heilmethoden müssen angeboten werden, auch wenn sie teuer sind.

    Leider tut er das nicht immer, die Krankenkassen bezahlen zum Teil sogar "alternative Heilmethoden", setzen gelder für sachfremde Aufgaben ein. Zudem würde eine Gesetzliche Krankenkasse voll ausreichen, die das gesamte Gesundheitswesen prägt.

  • Leider tut er das nicht immer, die Krankenkassen bezahlen zum Teil sogar "alternative Heilmethoden", setzen gelder für sachfremde Aufgaben ein. Zudem würde eine Gesetzliche Krankenkasse voll ausreichen, die das gesamte Gesundheitswesen prägt.

    Man muss sich doch gar nicht erst an den "alternativen" Heilmethoden reiben, mir reichen schon die Angebote das private Zuzahlungen für die Krebsvorsorge erst dann enden wenn das Mitglied in der jeweiligen Krankenkasse das eindeutig erkannte Risikoalter überschritten hat.

  • Ich habe den Satz so genommen, wie er da stand. Danach müste er zumindest auf Blutkonserven und Knochenmarkspende verzichten.

    Richtig, mach ich. Ich habe Eigenblut vor Operationen gespendet. Verhindert Abstoßungsreaktionen wie verklumpen.

    :hut:

    Leben und Leben lassen.

    Bevor isch misch uffresch isses mir lieber egal.

  • Zunächst würde ich gerne wissen, was unter "unsinnigen" lebensverlängernden Maßnahmen zu verstehen ist.

    ....

    Zum Beispiel das Ernähren mit einer PEG-Sonde in Altenpflegeheimen. Da stellt eine Person mit z.B. 82 Jahren die Nahrungsaufnahme ein. Dann wird gerichtlich die PEG-Sonde verfügt, gegen den Willen von Angehörigen und Betreuer, weil die Person unter Betreuung steht in der das Gericht das letzte Wort hat. Das Argument, man kann einen Menschen nicht verhungern lassen.

    Das Ergebnis: Über 10 Jahre einen bettlägerigen Menschen der nicht mehr spricht, sich nur noch in einem Dämmerzustand befindet, dem die Astronautenkost mit allen möglichen Medikamenten, welche das letzte Quentchen an Lebensenergie aus dem Körper quetschen, verabreicht wird.

    Zum Hohn ein Schild über dem Bett: Sauber und Satt ist nicht genug, zum Leben gehören Schmetterlinge und Beisammensein.

    Hier wurde offensichtlich um des Profit willen gehandelt, 10 Jahre sicheres Pflegegeld für kaum noch zu erbringende Leistung.

    In der eigenen Familie erlebt, ab da hat sich mein Blickwinkel auf die Sachlagen erheblich verändert. Seltsam wie alle die so etwas hinter sich haben einen zutiefst andere Sichtweise haben und von anderen ohne eigene Erfahrung dann öffentlich Belehrungen bekommen.

    Arroganz war aber schon immer ein deutsches Übel.

    :hut:

    Leben und Leben lassen.

    Bevor isch misch uffresch isses mir lieber egal.

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  • Ich finde das Thema Blutkonserven ist bei dieser Diskussion nicht als Gegenargument zulässig.


    Ich hab die Erfahrung von DB nicht, bin aber auch einer, der keine Fremdorgane haben will. Durch einen Unfallchirurg und eine Oberschwester von I-Station im Freundeskreis hab ich genug erfahren, was solch Maßnahmen wirklich bedeuten und bin deshalb der Meinung: Weder will ich ein Organ von einem Anderen, noch möchte ich als Ersatzteilspender für andere fungieren. Denn ich betrachte das ganze auch aus einem Blickwinkel der Nachhaltigkeit. Wer ein Organ bekommt, der lebt sein Leben lang mit Medikamenten, die nicht nur Nebenwirkungen haben, sondern auch das Leben nach der Transplantation immer zu einem Risiko macht. Sorry, is einfach nicht meine Baustelle, kommt der Gevatter, dann ist es einfach Zeit zu gehen. Basta!


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • Ich finde das Thema Blutkonserven ist bei dieser Diskussion nicht als Gegenargument zulässig.

    Der Satz

    Zitat

    Jeder Mensch hat sein Leben und seinen Körper so zu akzeptieren wie er ihn hat. Das Leben ist endlich und jeder hat seine Zeit, das haben wir als Lebewesen zu akzeptieren.

    forderte das heraus. Er ist nahe an der Ansicht mancher junger Leute, eine Hüft-OP bei einem 80-jährigen lohnt nicht mehr.

  • Der Satz

    forderte das heraus. Er ist nahe an der Ansicht mancher junger Leute, eine Hüft-OP bei einem 80-jährigen lohnt nicht mehr.

    Keine haltlosen Unterstellungen. Ich gehöre nicht zu aufgehetzten jungen Leute. Dieser Diskussionstil führt bei mir ganz schnell zu ignorieren, ergo sollte er weiterhin an einem sachlichen Austausch von Sichtweisen interesse haben unterlasse er solcherlei Rabulistik.


    Schon mal was von Eigenblutreserve gehört?

    Schon mal die Aufnahmen bei Blutübertragungen aus den Adern mit dem was da vorgeht gesehen?

    :hut:

    Leben und Leben lassen.

    Bevor isch misch uffresch isses mir lieber egal.

  • Das alles kenne ich, das war aber hier nicht das Thema. Das Thema ist, ob man selbst jemandem ein Organ überlässt, wenn man sicher ist, es selbst nicht mehr zu brauchen.

    Ich hab die Erfahrung von DB nicht, bin aber auch einer, der keine Fremdorgane haben will. Durch einen Unfallchirurg und eine Oberschwester von I-Station im Freundeskreis hab ich genug erfahren, was solch Maßnahmen wirklich bedeuten und bin deshalb der Meinung: Weder will ich ein Organ von einem Anderen, noch möchte ich als Ersatzteilspender für andere fungieren. Denn ich betrachte das ganze auch aus einem Blickwinkel der Nachhaltigkeit. Wer ein Organ bekommt, der lebt sein Leben lang mit Medikamenten, die nicht nur Nebenwirkungen haben, sondern auch das Leben nach der Transplantation immer zu einem Risiko macht. Sorry, is einfach nicht meine Baustelle, kommt der Gevatter, dann ist es einfach Zeit zu gehen. Basta!


    mfg

    Wenn dann der Gevatter wirklich kommt, mag die Sache auch für Dich anders aussehen. Wenn das so wäre, dass ein jeder "seine Zeit" hat, braucht man überhaupt keine medizinische Behandlung.

    Ich glaube aber, dass Organspenden mit Angst verbunden ist und man sich lieber für den "Selbstmord aus Angst vor dem Tod entscheidet." Augen zu und durch.

  • Hä, muß ich das verstehen?


    Es ist meine Sicht vom Leben und wie es verläuft. Am Ende ist es für uns alle Zeit zu gehen. Manche aus Dummheit, andere aus versehen und manche weil es einfach Zeit ist und welche, die selbst entscheiden zu gehen. Soll doch jeder....und zwar so, wie er will. Es soll aber niemand mich in die Situation bringen, mich aus einer Bestimmung herauszukaufen. Wer spenden will, der soll sich doch freiwillig (Spende) melden und gut. So komm ich in die Situation extra wegen eines Themas, dass niemanden etwas angeht, außer mir, irgendwohin zu rennen und sagen "Ich will das nicht!"


    Aber mal von meiner Sichtweise ab, wir haben ja nicht eine solche Problematik, weil es zu viele Kranke gibt ;) sondern weil es zu wenig "Spender" gibt. Eigentlich müßten ja jetzt die üblichen Brüller brüllen "Bevormundung-Links-Grün-versifft-Vegidaydiktat-bla bla...


    Wir bestimmen einfach ALLE zu Freiwillige. Welch Ironie. Und wie einfach. Viel schwerer ist es, die eigentliche Probleme zu lösen. Vertrauen! Wollen wir nochmal die vielen Skandale durchgehen? Geschäfte und Kosten! Wer profitiert denn von der Entnahme und der Transplantation? ....klar und gerecht muß es werden, dann sind Spenden auch wieder Spenden und sie werden mehr.


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • Hä, muß ich das verstehen?


    Es ist meine Sicht vom Leben und wie es verläuft. Am Ende ist es für uns alle Zeit zu gehen. Manche aus Dummheit, andere aus versehen und manche weil es einfach Zeit ist und welche, die selbst entscheiden zu gehen. Soll doch jeder....und zwar so, wie er will. Es soll aber niemand mich in die Situation bringen, mich aus einer Bestimmung herauszukaufen.

    Nie hätte ich von Dir gedacht, dass Du an "Bestimmung" glaubst, Gunny. Wer bestimmt denn? Und wann ist es "einfach Zeit"? Auch für Opfer von Autorasern oder Attentaten etwa?


    Dem widerspricht allerdings Dein Satz "Soll doch jeder...und zwar so, wie er will." So wie er will? Die meisten Menschen, denke ich, wollen länger leben, nur dann nicht, wenn sie ihr Leben aus den unterschiedlichsten Gründen als unerträglich empfinden. Wird ihnen aber geholfen, würden sie wohl nicht sagen "Nu isses aber jenuuch" wie die sehr alte Oma eines Freundes zu sagen pflegte. Als der Freund aber einen Sohn bekam, war dessen Ur-Oma so entzückt, dass es nicht mehr "jenuuch" war, sondern sie wollte ihn aufwachsen sehen...


    Ich denke, dass man Menschen das Weiterleben ermöglichen sollte, wenn es ohne Schaden für einen anderen möglich ist.

  • ...........Ich denke, dass man Menschen das Weiterleben ermöglichen sollte, wenn es ohne Schaden für einen anderen möglich ist.

    Dagegen wendet sich ja auch keiner. Nur bei Organen setzt es den Tod eines anderen Menschen eben voraus, wenn es sich nicht grad um eine Niere oder Leberteile handelt. Von den Kosten und Folgekosten will ich garnicht sprechen, die Solidargemeinschaft trägt ja auch die Schäden, die Rauchen, Alkoholabusus und Risikosportarten verursachen. Zudem dürften Organspender auch relativ jung und gesund sein müssen. Von mir altem Knochen mit 73 wird wohl kaum jemand noch irgend ein Organ haben wollen!