Der Bundesgesundheitsminister spricht

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    Zudem dürften Organspender auch relativ jung und gesund sein müssen. Von mir altem Knochen mit 73 wird wohl kaum jemand noch irgend ein Organ haben wollen!

    Dazu hat mir der ehemalige Chefarzt des Klinikums Aachen etwas anderes vermittelt. Es werden durchaus Organe von "alten Knochen" transplantiert. Seine medizinischen Ausführungen dazu waren abendfüllend und interessant. Aber auch er hat für meine Sichtweise Verständnis. Er teilt die Bedenken aus Berufserfahrung und hält auch die freiwillige Entscheidung für richtig. Allerdings im Vorfeld, Angehörige in der Situation zu Entscheidungen zu drängen hält er für ethisch problematisch.

    Ich halte den Zugriff auf meinen toten Körper ohne meine ausdrückliche Zustimmung, im Sinne der Gesetzesinitiative von Jens Spahn, für ethisch sowie rechtlich für problematisch.

    :hut:

    Leben und Leben lassen.

    Bevor isch misch uffresch isses mir lieber egal.

  • Von den Kosten und Folgekosten will ich garnicht sprechen, die Solidargemeinschaft trägt ja auch die Schäden, die Rauchen, Alkoholabusus und Risikosportarten verursachen.

    Aber dir ist schon klar, dass du hier Äpfel mit Birnen vergleichst.

    Ersteres ist Ausdruck eines sozial geprägten Staates, für letzteres habe ich wenig Verständnis.

  • Ich halte den Zugriff auf meinen toten Körper ohne meine ausdrückliche Zustimmung, im Sinne der Gesetzesinitiative von Jens Spahn, für ethisch sowie rechtlich für problematisch.

    :hut:

    Und was spricht dagegen, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt und ggf. ausdrücklich ablehnt?

  • Dagegen spricht das man dann ausdrücklich zugestimmt hat und das geht nicht. Stell dir mal vor du bist automatisch mit einer Frau verheiratet wenn du nicht ausdrücklich nein sagst.

  • Das ist richtig. Wenn du tot bist ist es egal wer dich heiratet :sifone:


    Ansonsten würde ich sagen, es ist eine Frage der Würde und des Respekts.

    Eher eine Frage der aktiven Enteignung des freien Willens durch den Staat.

    Man wird im diktatorischen Stil gezwungen etwas zu Unternehmen um den diktatorisch verordneten Zugriff auf seine Organe zu unterbinden.

    Diese Umkehrung der Rechtslage ist meines Erachtens nicht mit unserem GG rechtskonform.

    :hut:

    Leben und Leben lassen.

    Bevor isch misch uffresch isses mir lieber egal.

  • Und was spricht dagegen, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt und ggf. ausdrücklich ablehnt?

    Ich habe schon seit langer Zeit diese Karte mit Nein einstecken, auch auf dem Mobil ist sie hinterlegt.

    Ich habe mich also damit auseinandergesetzt, sehr gründlich. Dagegen spricht nichts.

    Es spricht aber alles gegen eine staatliche Enteignung meiner Organe, bei Wohnungen und Steuererhöhungen wird immer gleich die Kommumistenkeule ausgepackt und Zeter und Mordio geschriehen.

    Wie verhält sich das Verständnis zur Sachlage hier?

    :hut:

    Leben und Leben lassen.

    Bevor isch misch uffresch isses mir lieber egal.

  • Eher eine Frage der aktiven Enteignung des freien Willens durch den Staat.

    Man wird im diktatorischen Stil gezwungen etwas zu Unternehmen um den diktatorisch verordneten Zugriff auf seine Organe zu unterbinden.

    Diese Umkehrung der Rechtslage ist meines Erachtens nicht mit unserem GG rechtskonform.

    :hut:

    Ein Widerspruch, für den Du weder zu einer Behörde gehen musst noch einen langen Brief schreiben oder einen Anwalt bemühen - das ist für Dich überfordernd? Was ist denn der wahre Grund, warum Du Deine Organe mit Dir verwesen lassen willst, wenn Du eh´ tot bist?


    Wem gehört eigentlich Dein Körper, wenn Du tot bist?


  • Ein Widerspruch, für den Du weder zu einer Behörde gehen musst noch einen langen Brief schreiben oder einen Anwalt bemühen - das ist für Dich überfordernd? Was ist denn der wahre Grund, warum Du Deine Organe mit Dir verwesen lassen willst, wenn Du eh´ tot bist?


    Wem gehört eigentlich Dein Körper, wenn Du tot bist?

    All das ist vollkommen unerheblich. Ein großer, wenn nicht überwiegender Teil der Verfassungsrechtler hält die Widerspruchslösung für verfassungswidrig. Schweigen bedeutet nicht automatisch Zustimmung. Mit der Widerspruchslösung wird der menschliche Körper zu einem sozialpflichtigen Allgemeingut - das hat mit christlich-abendländischer Ethik nichts mehr zu tun.

    Die Lösung der Linken und der Grünen wäre wenigstens verfassungskonform.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Es spricht aber alles gegen eine staatliche Enteignung meiner Organe, bei Wohnungen und Steuererhöhungen wird immer gleich die Kommumistenkeule ausgepackt und Zeter und Mordio geschriehen.

    Wie verhält sich das Verständnis zur Sachlage hier?

    :hut:

    Ich habe nichts gegen Art. 14 GG; er wird meiner Meinung nach zu selten angewandt.

    Aber die Vokabeln "Enteignung" und "diktatorisch" greifen hier nicht. Der freie Wille wird respektiert; dazu muss man ihn allerdings auch äußern. Und auch bei der Widerspruchslösung ist eindeutig geregelt, welches Verhalten welche Konsequenz hat, ohne jede Willkür.

    Letztlich geht es auch um die Frage, ob man der Gesellschaft etwas zurück geben will; bei so Manchem wäre das im Fall der Organspende das erste Mal.

  • ... das hat mit christlich-abendländischer Ethik nichts mehr zu tun.

    Christlich-abendländische Ethik? Oh je.

    Zu meiner christlich-abendländischen Ethik gehört, Menschen zu helfen, und sei es mit einer Organspende nach dem Tod.

    Wenn es um den Erhalt christlich-abendländischer Ethik geht, da gibt es wichtigere Baustellen bei uns.

  • Freiwillig helfen - durchaus. Schweigen ist keine Zustimmung. Aber warten wir es einfach ab, das wird eine weitere Watsche vom Bundesverfassungsgericht geben, unsere Hohlkörper und Juristenclowns im Parlament sammeln die ja.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Was ist denn eigentlich gegen die Lösung von Seiten Linke/Grüne einzuwenden? Jeder muss von Zeit zu Zeit seinen Ausweis verlängern oder einen neuen abholen, warum kann man die Leute da nicht direkt fragen?

    Warum muss man einfach darüber verfügen nach dem Motto "wer nicht nein sagt hat zugestimmt"?


    Ich hätte ja nicht mal was dagegen, wenn jeder, der mit "Ja" antwortet Coupons fürs städtische Schwimmbad oder den ÖPNV bekommt.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

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    Wem gehört eigentlich Dein Körper, wenn Du tot bist?

    Immer noch mir. Der Körper ist untrennbar mit meiner Person verbunden, selbst wenn ich eine verstorbene Person bin.

    Der automatische Zugriff auf meine Organe per Gesetz geht nicht mit dem GG überein.

    Der Rechtsgrundsatz der Staat muß mir beweisen und nicht ich dem Staat wird ebenfalls grundsätzlich bei dem Jens Spahn Rechtskonstrukt auf den Kopf gestellt. Dies ist schon der zweite Punkt wo dieses Konstrukt kollidiert und damit nicht mit den Rechtsgrundsätzen unseres Landes übereingeht.

    Schon merkwürdig was hier so für Argumente und Fragen angeführt werden.

    Mit solcherlei Ansinnen sollte man in einem Land mit unserer Geschichte sehr sehr vorsichtig und behutsam sein.

    Leben und Leben lassen.

    Bevor isch misch uffresch isses mir lieber egal.

  • Christlich-abendländische Ethik? Oh je.

    Zu meiner christlich-abendländischen Ethik gehört, Menschen zu helfen, und sei es mit einer Organspende nach dem Tod.

    Wenn es um den Erhalt christlich-abendländischer Ethik geht, da gibt es wichtigere Baustellen bei uns.

    Organspendeausweis in ihrer Tasche mit Ja angekreuzt, ihrem Willen wird nachgekommen.

    Organspendeausweis in meiner Tasche mit Nein angekreuzt, meinem Willen wird nachgekommen.

    Vorschlag der Grünen bei Personalausweisantrag Eintrag in eine Datenbank ist Gesetzeskonform, ergo die richtige Lösung.

    :hut:

    Leben und Leben lassen.

    Bevor isch misch uffresch isses mir lieber egal.

  • Nie hätte ich von Dir gedacht, dass Du an "Bestimmung" glaubst, Gunny. Wer bestimmt denn? Und wann ist es "einfach Zeit"? Auch für Opfer von Autorasern oder Attentaten etwa?


    Dem widerspricht allerdings Dein Satz "Soll doch jeder...und zwar so, wie er will." So wie er will? Die meisten Menschen, denke ich, wollen länger leben, nur dann nicht, wenn sie ihr Leben aus den unterschiedlichsten Gründen als unerträglich empfinden. Wird ihnen aber geholfen, würden sie wohl nicht sagen "Nu isses aber jenuuch" wie die sehr alte Oma eines Freundes zu sagen pflegte. Als der Freund aber einen Sohn bekam, war dessen Ur-Oma so entzückt, dass es nicht mehr "jenuuch" war, sondern sie wollte ihn aufwachsen sehen...


    Ich denke, dass man Menschen das Weiterleben ermöglichen sollte, wenn es ohne Schaden für einen anderen möglich ist.

    Oh man, Argo. "Bestimmung" ist in diesem Sinn, das BESTIMMEN, dass ich nun ein Organspender sein soll. Aus dieser Bestimmung muß ich dann mich selbst herausnehmen.


    Und bitte lies doch endlich mal einen Text, wie er da steht und lass dein Kopfkino ein wenig ruhen.

    Ich schrieb doch jeder wie er will! Ich urteile weder über Menschen, die ihre gesamten Innereien weggeben wollen, noch urteile ich über Menschen, die komplett in die Kiste wollen. Es ist mir schlicht egal! Ich übe auch keinen moralischen Druck auf Nichtspender aus, so wie es eine solche Diskussion unterschwellig tut. Denn wenn wenig spenden, sterben mehr. Aber genau das ist eben nicht der Fall. Wer ein Organ braucht (warum auch immer) dem versagt halt ein Organ. Und ohne den Tod eines anderen, würde der also nicht überleben. ...ich hoffe die Logik ist angekommen?


    Und wenn wir jetzt anfangen wollen, über meine Einstellung zum Leben und zum Tod zu diskutieren, dann sollten wir lieber einen neuen Thread aufmachen. ;)


    Ach und deine Beispiel-Oma kann sich ja wünschen ihren Enkel aufwachsen zu sehen, nur interessiert das den Gevatter nicht. Der kommt, wenn die Zeit reif ist! ;)


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.