Der Bundesgesundheitsminister spricht

  • Eugen Brysch spricht mit hier aus der Seele.

    Auch hiermit?


    Zitat

    Ich stehe als Organspender zur Verfügung und ich weiß, wie wichtig und richtig das ist, auch dann zu entscheiden, selbst wenn ich an einer Maschine bis zuletzt versorgt werde, dass das eine richtige und gute Entscheidung is

    Ansonsten finde ich vieles von dem, was er sagt, unlogisch und unplausibel.


    "Anders als bei Spahn oder Lauterbach können sich die Angehörigen auch für ein Ja entscheiden, selbst wenn sie den Willen des geliebten Menschen gar nicht kennen, der da zum Spender möglich wäre." Wieso ist es für Brysch nicht nur akzeptabel, sondern sogar wünschenswert, wenn Angehörige entscheiden können, ohne den wahren Willen es Verstorbenen zu kennen?


    "Er [Spahn] setzt nicht auf den Diskurs, auf die Auseinandersetzung, auf die Information, sondern er setzt darauf, dass sich möglichst wenig Leute melden, und dann wird es schon irgendwie klappen." Das wird beim Vorschlag der Grünen nicht anders sein.


    "... diskutiere ich jeden Tag mit Menschen, wenn es darum geht, über die Organspende sich zu entscheiden, und zwar beim Verfassen von Patientenverfügungen, und ich sehe, wie schwierig es ist, den Menschen deutlich zu machen, dass es ihre Patientenverfügung ist, dass sie sagen, ich möchte entscheiden, wann ich sterben kann, und nicht an Maschinen hängen, wenn es soweit ist, wie schwierig das ist, dann diese Menschen davon zu überzeugen, trotzdem für die Organspende zu sein." Ein solches Verhalten ist für mich irrational. Es ist allerdings positiv, dass Herr Brysch sich für die Organspende einsetzt.


    "Sowohl die Krankenschwestern, die Pfleger, als auch die Ärzte sagen mehrheitlich – das können Sie bei der DSO nachfragen, bei der Deutschen Stiftung für Organtransplantation, dazu gibt es Befragungen –, wir halten das System für ungerecht." Leider geht Herr Brysch darauf nicht näher ein.

  • Heute lief ja eine Debatte im BT zu dem Thema - und das Hauptargument der Befürworterin der Widerspruchslösung von der CDU war: in fast 20 anderen Ländern funktioniert diese Lösung schon.


    In meinen Augen ein armseliges und schwachsinniges Argument. Nur weil etwas woanders angeblich (dieser Punkt ist nämlich durchaus strittig) funktioniert, muss man nicht auch hier jeden qua ordre de Mufti ab Geburt zum Spender erklären.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Unsere Regierung sollte öfter über den Tellerrand schauen, auch und gerade in der Gesundheitspolitik. Dann gäbe es endlich mal Fortschritte.

    Unsere Regierung sollte eher mal aufhören, Sozial- und Gesundheitspolitik nur unter monetären Aspekten zu betrachten. So lange diese Aspekte aber höher gehandelt werden als Werte und Grundrechte, so lange verdient sie kein Vertrauen - und Vertrauen in das Funktionieren einer Sache und deren handelnde Personen ist es, welche Menschen zum Spenden bringt. Je mehr aber Geschäftsinteressen dahinter stehen, umso weniger Vertrauen verdient das Geschehen.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Vertrauen in das Funktionieren einer Sache und deren handelnde Personen ist es, welche Menschen zum Spenden bringt.

    Das gilt nur für eine Minderheit; die meisten gehen den Weg des geringsten Widerstands und tun gar nichts. Mangelndes Vertrauen kann auch in Paranoia ausarten. Wo Menschen handeln, werden auch Fehler gemacht, von fahrlässig bis vorsätzlich.

  • Und die, welche nichts tun kann man ja ruhig zum Ausschlachten frei geben, nicht wahr?

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Wenn's denen egal ist ...

    Vermutest du. Ich halte es für ausgesprochen problematisch, wenn ein Staat Schweigen als Zustimmung interpretiert.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Alle acht Stunden stirbt ein Mensch auf der Warteliste. Denen gehört mein Mitgefühl.Das kannst du ja gerne haben, dieses Mitgefühl -

    Bedauerlich, wirklich. Dennoch kein Grund, Zwangsspender per ordre de Mufti aus allen anderen zu machen. Alle 2 Stunden stirbt ein Verkehrsteilnehmer - am besten, wir gehen alle wieder zu Fuß, das rettet viele Leben.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Nun, ich denke, das Gesetz wird sein Ziel nicht erreichen. So lange nicht erhebliche Anstrengungen unternommen werden, das Vertrauen der möglichen Spender in eine Medizinlandschaft zu stärken, die mehr und mehr privatisiert und dadurch profitorientierter wird, sehe ich schwarz. An dem Tag, an dem das Gesetz in Kraft tritt geht mein derzeitiger Spenderausweis zerschnitten mit einem entsprechenden Anschreiben an das Bundesgesundheitsministerium. Und ich denke, ich werde nicht der einzige sein, der von "Ja" auf "Nein" switched.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Auch hiermit?

    DAS ist sein persönliches Ding!

    Zitat


    Heckmann: Ganz kurz noch zum Schluss vielleicht an Sie persönlich die Frage. Stehen Sie als Organspender zur Verfügung?


    Es ging rein um die Argumentation, warum und wie solch "Abgabe" organisiert ist. Ja, auch ich bin da ein Freund der Regelung, dass man bei Abholung zB seines Perso einfach und höflich gefragt wird. Bestimmen und dann den potenziellen "Spender" (wäre es dann mMn nicht mehr) dazu nötigen, dies durch Widerspruch zu deaktivieren, sehe ich min. kritisch, dass es GG konform ist.


    Die letztliche Entscheidung ist dann eben die persönliche Angelegenheit. Denn eine Spende ist immer freiwillig! Sie kann nicht verordnet werden, schon gar nicht gegen den Willen der Person.


    Und er spricht ja auch die Probleme allgemein an. Also jene, die nach meiner Sicht die eigentlichen bei diesem Thema sind. Organisation, Vertrauen und Transparenz.


    Was meine persönliche Haltung angeht, so ist die primär von den hier herrschenden Zuständen beeinflußt. Denn auch ich als Nichtspender kann eine Regelung gut oder schlecht finden.


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • Alle acht Stunden stirbt ein Mensch auf der Warteliste. Denen gehört mein Mitgefühl.

    Mir auch, nur darf man dabei nicht vergessen, dass hier eben ein anderer sterben muß, damit diese Statistik sich ändert.


    Menschen sterben. Alle durch unterschiedlichste Gründe. Jeder einzelne hat Angehörige und Freunde, die um ihn trauern. Und wenn einer durch ein Spenderorgan etwas länger leben kann, dann mußte ein anderer dafür sterben, dessen Freunde und Angehörige dann auch um ihn trauern.


    Das ist nun mal so und es ist auch nicht zu ändern. Es ist aber möglich das ganze fair und transparent zu regeln und wenigstens so etwas Vertrauen zu schaffen.


    Verliert ein Toter seine Grundrechte? Wem gehört die Leiche? Nach Spahn dem Staat, der bestimmen kann, was damit passiert. Sorry, so schafft man kein Vertrauen.


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • Selbst wenn man kein Vertrauen in unser Gesundheitswesen hat (kannst ja mal in andere Länder schauen, ob das dort besser aussieht), frage ich mich, warum ausgerechnet einem Hirntoten das so wichtig sein soll.

    Sind deine Organe, dein privater Besitz?

    Wenn ja, dann könnte der Staat auch per Widerspruchslösung bestimmen, dass Menschen nach ihrem Ableben ihren Besitz der Gemeinschaft zur Verfügung stellen.


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • Selbst wenn man kein Vertrauen in unser Gesundheitswesen hat (kannst ja mal in andere Länder schauen, ob das dort besser aussieht), frage ich mich, warum ausgerechnet einem Hirntoten das so wichtig sein soll.

    Genau an dieser Stelle muss das Vertrauen da sein. Dass nämlich nicht geschäftliche Interessen die Diagnose Hirntod, in Einzelfällen etwas "beschleunigen".

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

    Einmal editiert, zuletzt von Diogenes2100 ()

  • Sind deine Organe, dein privater Besitz?

    Wenn ja, dann könnte der Staat auch per Widerspruchslösung bestimmen, dass Menschen nach ihrem Ableben ihren Besitz der Gemeinschaft zur Verfügung stellen.


    mfg

    Damit dürfte das Erbrecht voll außer Kraft gesetzt sein und somit eine der wesentlichen Motivationen im Leben Leistungen zu erbringen. Aber Einige hätten das schon ganz gern, insbesondere Jene, die eine enorme Erbschaftssteuer einführen möchten, der man dann auch nicht mit einem Widerspruch entgeht.

  • Unsere Regierung sollte eher mal aufhören, Sozial- und Gesundheitspolitik nur unter monetären Aspekten zu betrachten. So lange diese Aspekte aber höher gehandelt werden als Werte und Grundrechte, ...

    Das Grundrecht auf ungestörtes Verrotten. "Besser meine Niere verrottet als dass sie ein Menschenleben rettet" - so etwa?

    Vermutest du. Ich halte es für ausgesprochen problematisch, wenn ein Staat Schweigen als Zustimmung interpretiert.

    Das tut er doch immer. Bei sehr vielen Abstimmungen gibt es kein Quorum, z. B. bei Wahlen.

    Denn eine Spende ist immer freiwillig!

    Ich könnte mir denken, dass das Wort "Abgabe" dienlicher wäre. Wer den Löffel abgibt, kann auch seine Leber abgeben.

    Und wenn einer durch ein Spenderorgan etwas länger leben kann, dann mußte ein anderer dafür sterben, dessen Freunde und Angehörige dann auch um ihn trauern.

    Und wenn einer durch ein Spenderorgan etwas länger leben kann, dann mußte ein anderer dafür sterben, dessen Freunde und Angehörige dann auch um ihn trauern.



    Es ist die falsche Reihenfolge, was das Problem zu sein scheint, denn wenn Du schreibst "wenn einer durch ein Spenderorgen etwas länger leben kann, dann musste ein anderer dafür sterben..." dann klingt das, als sei einer gestorben, damit ein anderer leben kann. Das ist nicht so, obwohl immer wieder solche Horrorszenarioen verbreitet werden, Es werden Spenderorgane nur Körpern entnommen, die ohnehin tot sind. Sie sind tot, auch wenn elektrische Impulse noch Leben vortäuschen.

    Zudem leben nicht wenige mit Spenderorgan wesentlich länger und nicht nur "etwas", was so klingt, als lohne sich das gar nicht.

    Sind deine Organe, dein privater Besitz?

    Wenn ja, dann könnte der Staat auch per Widerspruchslösung bestimmen, dass Menschen nach ihrem Ableben ihren Besitz der Gemeinschaft zur Verfügung stellen.


    mfg

    Sie stellen sie ihr Organ nicht der Gemeinschaft, sondern einem Menschen zur Verfügung, oder mehreren, je nachdem, wie gut, Herz, Leber, Augen etc noch sind.


    Ihren "weltlichen Besitz" stellen sie nicht der Allgemeinheit zur Verfügung, weil oder wenn sie Erben haben. Wenn nicht, erhält die Gemeinsvhaft das Erbe!

    Was aber sollten bumperlgesunde Erben mit Omas Leber anfangen?

    Dieses Fass würde ich nicht aufmachen, denn es könnte Leute geben, die Omas Leber an Krankenkassen, Kliniken oder Kranke verhökern.