Terminservice- und Versorgungsgesetz

  • Ein neues Gesetz, das Diskussionen und viele Änderungsanträge auf den letzten Metern verursacht hat, wurde am 14.3.2019 durchgewunken:

    https://www.bundesgesundheitsm…kbF-v3GmFudybjLWX5jMfjuDM

    • Terminsservicestellen, die 24 Stunden, jeden Tag erreichbar sein sollen.
    • Vertragsärzte sollen 5 Stunden mehr für die gesetzlich Versicherten da sein
    • Spätestens ab 2021 sollen die elektronischen Patientenakten angeboten werden
    • Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben ihr Angebot u. a. wie folgt zu erweitern, z. B. ein HIV Medikament wird Kassenleistung und auch die Konservierung Ei- und Samenzellen junger Krebspatienten, um nach der Erkrankung darauf zurückgreifen zu können.

    Wir werden merken, wie unsere Behandler damit umgehen. Es gab und gibt reichlich Kritik nicht nur von deren Seite, merken werden wir es als Patienten.

    Ärzte erhalten z. B. Extra Geld für Neupatienten (alle 2 Jahre kann sich Patient dann wieder erneuern lassen), so werden das wahrscheinlich die Chroniker negativ vermerken, die Facharzttermine macht der Hausarzt, bekommt dafür Extra-Geld, also scheint eine Steuerung der Patientenströme das Ziel zu sein, usw.


    Mein größtes Osterei ist allerdings dies hier:

    „Mehr Digitalisierung in der Versorgung
    Patientinnen und Patienten wollen einfach, sicher und schnell auf ihre Behandlungsdaten zugreifen können. Dafür muss die elektronische Patientenakte Alltag werden. Sie verbessert auch die medizinische Versorgung. Deshalb verpflichten wir die Krankenkassen, bis spätestens 2021 ihren Versicherten solche Akten anzubieten. Wer möchte, soll auch ohne den Einsatz der elektronischen Gesundheitskarte mit Smartphone oder Tablet auf medizinische Daten zugreifen können."

    Diese Art der Freiwilligkeit bedeutet doch notgedrungen, dass alle Versicherten-/Patientendaten in einer "sicheren" Cloud abgestellt werden. Ob sie davon per App bedient werden wollen oder eben nicht. Also mehr oder weniger eine einzige Veralberung in Sachen Datensicherheitswunsch.
    Auch, dass alle 2 Jahre ein Alt- wieder zum Neupatienten werden kann, schreit nach einer App. Eine Erinnerungsapp für beide Seiten. Für die Seite Patient evtl. garniert mit einem freundlichen Angebot einer günstigen Zusatzbehandlungsservice - App.

    Ich unke jetzt schon mal, dass das Gesetz u. U. gut gemeint ist von Herrn Spahn, aber nicht dazu führt, dass gesetzlich Versicherter etwas Gutes davon merkt. Er wird eher im Gegenteil mehr gegängelt als bisher und auch zur Freigabe seiner persönlichen Gesundheitsdaten in ein vollkommen unsicheres Netz genötigt. Via SGB V.


    Frdl. Grüße

    Christiane

  • Ich habe es in Zusammenfassung gelesen. So richtig Sinn vermag ich hinter manchen Regelungen, aber auch Protesten, nicht entdecken. Warum sollte ein Radiologe 5 Stunden in der Woche darauf warten, dass einer kommt und ein MRT vom Knie haben will? Warum sollten digitale Patientendaten von Haus aus und gottgegeben unsicher sein? Ich beispielsweise renne regelmäßig zum Hausarzt, um eine Krankenhauseinweisung zu holen. Für eh schon feststehende Nachsorgeuntersuchungen, die nur dort gemacht werden können. Dort bete ich nochmals vor, was ich vor zwei Tagen schon einmal dem Hausarzt erzählt habe. Und was ich so an Medikamenten verschlinge. Steht alles schon irgendwo. Nach Abschluss schreibt das Krankenhaus einen Papier- Brief an den Hausarzt. Der nach meiner Erfahrung dort mal ankommt, oder auch nicht. Und manchmal sogar überflogen wird. Ansonsten wird der ab-, fort- und weggeheftet. Wichtige Hinweise und Ergebnisse gehen verloren, bis ich da nach 3 Monaten wieder auftauche. Warum ploppt da nicht bei allen besuchten Ärzten ein Fenster auf, was darauf hinweist? Nicht nachvollziehbar.

  • Ich sag mal, was ich gerne hätte. Eine Stiftung der Bundesrepublik Deutschland, welche die Krankenakten in einem vom Internet weitestgehend abgeschirmten Bereich aufbewahrt.

    Die Möglichkeit, für jeden Bürger Teile dieser Akte für einzelne Ärzte, Krankenkasse oder Rentenversicherung zeitlich und räumlich begrenzt freizugeben. Das beinhaltet u.a. die Verpflichtung des Arztes, diese Daten nur für die Zeit der Behandlung benutzen und speichern zu dürfen.

    Jeder behandelnde Arzt kann/muss seine Diagnosen und Verschreibungen dort einspeisen.

    Der Zugriff der Bürger auf diese Krankenakte erfolgt über ein state-of-the-art Authentifizierungssystem mittels VPN.


    Meine Daten gehören mir.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Steht alles schon irgendwo.

    Das "irgendwo" macht Dir keine Sorgen? Seitdem wir vernetzt sind, werden die Daten gehackt. Die Menschen werden erpresst und die Versicherungen probieren neue Modelle, wonach Versicherte Prämien bekommen, wenn sie gewisse Daten übermitteln (noch ist nur in Sachen Sport, Ernährung etc.). Das schraubt sich m. E. immer weiter "Job, nur dem, der seine Gesundheitsdaten der Arbeitgeberdatenbank freigibt, Versicherung nur dem, der seine Daten ebenfalls freigibt". Da würde ich persönlich noch lieber die Umstände mit dem Unterlagenwust beim Arzt in Kauf nehmen und die Überweisungen noch so schreiben lassen und schicken lassen. Das nervt mich auch manchmal , aber ich meine immer, die Alternative online ist Mist.


    Frdl. Grüße

    Christiane

    Einmal editiert, zuletzt von Dieter () aus folgendem Grund: Beitrag von Zitat getrennt

  • Etwas in dieser Art? https://fachportal.gematik.de/…att_VPN-Zugangsdienst.pdf

    Damit geben die Kammern und weiteren Selbstverwaltungen jedenfalls an, dass die Daten sicher wären. Mir fehlt die Ahnung ganz und gar, ich unterhalte mich aber öfter mit Behandlern, die selber ein arg ungutes Gefühl dabei haben.<X


    Frdl. Grüße

    Christiane

  • Ja, zumindest ist das die derzeit sicherste mir bekannte Möglichkeit, den Zugang zu gewährleisten. Was ich jedoch zusätzlich will ist eine gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts, die unabhängig von den Nutzern (Krankenkassen, RV, PV etc.) meine persönlichen Daten speichert und für deren Sicherheit sorgt.


    Alternativ wäre auch das Konzept des Internet "Erfinders" Tim Berners Lee eine denkbare Variante:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Solid_(Software)


    Im Prinzip sollte es jedem Bürger zu jeder Zeit möglich sein, seine Daten jedem zu entziehen, der keine gesetzlich vorgeschriebene Verpflichtung bzw. Berechtigung zur Speicherung besitzt. Wenn ich z.B. meinen Account bei Facebook lösche, möchte ich selbst die Möglichkeit haben auszuwählen, was Facebook nach meinem Ausscheiden noch von mir benutzen darf und was nicht. Derzeit sieht es, auch wegen deren AGB leider ganz anders aus.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Das wäre dann der offene, geradlinige Weg. Aber die Daten sind im Netz und können nicht zurückgeholt werden. Das ist immer mein Anliegen. Die Daten sind "sicherer", wenn sie erst gar nicht im Netz sind. Solange es nur um die Stammdaten geht, ist auch das nicht ganz so tragisch, aber die Gesundheitsdaten sind eine andere Qualität.


    Frdl. Grüße

    Christiane

  • Das wäre dann der offene, geradlinige Weg. Aber die Daten sind im Netz und können nicht zurückgeholt werden. Das ist immer mein Anliegen. Die Daten sind "sicherer", wenn sie erst gar nicht im Netz sind. Solange es nur um die Stammdaten geht, ist auch das nicht ganz so tragisch, aber die Gesundheitsdaten sind eine andere Qualität.


    Frdl. Grüße

    Christiane

    Jede Arztpraxis ist heute am Netz und speichert die Daten. Jede Krankenkasse ebenfalls, genauso wie RV, PV usw. usw. Derzeit haben wir hunderttausende mögliche Angriffspunkte und Einfallstore. Wenn man, wie ich, Einblick in die IT so manch kleines Selbständigen hat, seien es Ärzte oder Anwälte/Notare, plaudert man am besten nicht aus dem Nähkästchen - das würde viele hinsichtlich ihrer Daten vermutlich sehr verunsichern. :nailbit:

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Aber die Daten sind im Netz und können nicht zurückgeholt werden. Das ist immer mein Anliegen. Die Daten sind "sicherer", wenn sie erst gar nicht im Netz sind.

    Es ist ja gerade Sinn und Zweck der Technik, diese Daten zur Verfügung zu haben, wenn sie tatsächlich zum ursprünglichen Zweck benötigt werden. Das bedingt, dass sie hierzu bürokratiefrei und sehr schnell verfügbar sind. Sonst könnte man sich das ganze Gedöhns ja sparen und weiter Briefe schreiben. Wenn man mich also in die Notaufnahme bringt und dort meine Karte durch die Maschine zieht erwarte ich, dass zu diesem Zeitpunkt die für die weitere Behandlung erforderlichen Infos aus meiner Krankenakte umfänglich zur Verfügung stehen. Narkosebesonderheiten, Allergien, Vorerkrankungen, letztes CT, Medikamente etc pp. Dazu müssen sie natürlich irgendwo für die Berechtigten erreichbar gespeichert sein. Mit individueller Verschlüsselung. Das ist ja heute kein Hexenwerk mehr. Dazu braucht es auch keine neue Behörde, Stiftung oder sonst was. Das haben die Krankenkassen zu realisieren, auch wenn sie die Daten nicht lesen oder sonst wie nutzen können.

  • Es ist ja gerade Sinn und Zweck der Technik, diese Daten zur Verfügung zu haben, wenn sie tatsächlich zum ursprünglichen Zweck benötigt werden. Das bedingt, dass sie hierzu bürokratiefrei und sehr schnell verfügbar sind. Sonst könnte man sich das ganze Gedöhns ja sparen und weiter Briefe schreiben. Wenn man mich also in die Notaufnahme bringt und dort meine Karte durch die Maschine zieht erwarte ich, dass zu diesem Zeitpunkt die für die weitere Behandlung erforderlichen Infos aus meiner Krankenakte umfänglich zur Verfügung stehen. Narkosebesonderheiten, Allergien, Vorerkrankungen, letztes CT, Medikamente etc pp. Dazu müssen sie natürlich irgendwo für die Berechtigten erreichbar gespeichert sein. Mit individueller Verschlüsselung. Das ist ja heute kein Hexenwerk mehr. Dazu braucht es auch keine neue Behörde, Stiftung oder sonst was. Das haben die Krankenkassen zu realisieren, auch wenn sie die Daten nicht lesen oder sonst wie nutzen können.

    Alles gut und schön, aber ich will, dass es freiwillig ist. Es ist eh nur noch ein trauriger Rest an Freiwilligkeit, der noch übrig ist. Alternative zur Freigabe wäre so etwas hier: https://stiftung-notfall.de/projekte/patientenakte/

    Wofür zwingend die Daten ins Netz stellen?


    Frdl. Grüße

    Christiane

  • Freiwillig kann es ja sein. Und es ist auch nirgends in Stein gemeißelt, dass die Daten in irgend einem Netzwerk stehen müssen.


    Diese Papierakte mag ja bei geplanten Facharztbesuchen Sinn machen. Oder im Zweifelsfall in der Apotheke beim Erwerb rezeptfreier Medikamente. Aber sonst? Genau dann, wenn es tatsächlich drauf ankommen würde und schnell gehen muss, also nach Unfällen aller Art oder bei schlagartig einsetzenden schweren Erkrankungen, hat doch niemand die Papierakte dabei.

  • Wenig ist noch freiwillig und gar nichts wird freiwillig bleiben, unter anderem auch deshalb, weil wir hier ein Pflichtkrankenversicherungssystem bedienen müssen, wir ohne den Datenabgleich in der Praxis via elektronischer Gesundheitskarte gar nicht erst behandelt werden und weil die beworbenen Vorteile nur gegeben sind, wenn alle persönlichen Gesundheits-Daten im Netz gesammelt werden.


    Der kann es hier besser beschreiben als ich, vor allem längerfristig betrachtet:

    https://patientenrechte-datens…geheimnis-Cloud-Kopie.pdf


    Frdl. Grüße und allen eine gute Woche

    Christiane

  • Viele der in dem Dokument dargestellten Sachverhalte stützen meine Forderung nach einer von den Krankenkassen unabhängigen Institution, wie ich meine eine gemeinnützige Stiftung öffentlichen Rechts. Dieser würde die Speicherung der Patientendaten obliegen, die Zugangskontrolle und die Sicherheit der Daten. Dabei muss dieses System so beschaffen sein, dass die Stiftung selbst niemals an die Klardaten der Inhalte gelangt.


    Und das ist heute technisch machbar.

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    Lucius Annaeus Seneca

  • Ich vermag immer noch nicht den Sinn einer zentralen Speicherung aller Patientendaten zu erkennen. Die liegen in aller Regel beim Hausarzt, teils in analoger Form. Dezentral, gut, sicher und trocken. Was andere Ärzte über mich wissen müssen, passt tagesaktuell auf die KV- Karte. Die kann meinetwegen auch jeder Arzt auslesen und nach Behandlung ergänzen. Stufenweise Berechtigung über die eh vorhandenen Zulassungsnummern. Sicherungskopie und Einarbeitung anderer Dinge beim Hausarzt in einem nicht vernetzten Rechner. Wozu braucht es da außer 200 Krankenkassen nun noch eine milliardenverschlingende Stiftung? Unter dem werden wir es ja nicht tun.

  • Ich vermag immer noch nicht den Sinn einer zentralen Speicherung aller Patientendaten zu erkennen. ...

    Wie vereinbart sich das mit deiner kürzlichen Forderung, bei einem Notfall dem behandelnden Arzt im Klinikum Zugriff auf deine kompletten Daten zu ermöglichen, wenn der Hausarzt nach Feierabend seinen PC herunterfährt?

    Dann kannst du ja auch die "kleine Patientenakte" in Papierform mit dir herumtragen ....

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    Lucius Annaeus Seneca

  • Naja, dabei meinte ich nicht, dass das CT von vor 15 Jahren für die Erstbehandlung im Notfall oder beim Augenarzt von irgendwelcher Relevanz ist. Ich würde aber gesteigerten Wert drauf legen, dass man nicht das gesamte Tubensortiment an mir ausprobiert, sondern gleich den einzigen nimmt, der passt. Ich halte es auch für eine gute Idee, wenn man auf der Intensivstation Typ und Datum der letzten Wartung der eingebauten Steckdose kennen würde. Alle diese Sachen lassen sich heutzutage auf der KV- Karte speichern. Was auch den Vorteil hätte, dass man die Daten noch an der letzten Milchkanne auslesen könnte. Diese Karte tragen die meisten Menschen bei sich und sie ist eh das erste, was einem aus der Hand gerissen wird.

  • Naja, wenn ich mal drüber nachdenke, wie oft die Lesegeräte meine Karte bisher nicht erkannt haben, halte ich das nicht wirklich für eine sichere Variante.

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    Lucius Annaeus Seneca

  • Das Gesetz ist ein Ablenkungsmanöver und löst nichts.


    Tatsächlich müsste ein Gesetz her, welches die Differenzierung zwischen GKV und PKV nachhaltig abstellt.

    Dann brauchen wir einfach auch mehr Ärzte.

    Und dann brauchen wir auch mehr Aufklärung - denn warum heute der Bedarf an Ärzten so viel höher ist als 1990, ist nicht wirklich logisch.

  • ...

    Und dann brauchen wir auch mehr Aufklärung - denn warum heute der Bedarf an Ärzten so viel höher ist als 1990, ist nicht wirklich logisch.

    Ein kleiner Hinweis darauf, weshalb heute mehr Ärzte benötigt werden und in Zukunft der Bedarf stetig wachsen wird:


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    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Ein kleiner Hinweis darauf, weshalb heute mehr Ärzte benötigt werden und in Zukunft der Bedarf stetig wachsen wird:

    Das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist, dass heute auch wegen dem kleinsten Schnupfen schon zum Arzt gerannt wird.

    Einmal editiert, zuletzt von Dieter () aus folgendem Grund: Gekürzt, Steht oben drüber...