Macht Religion unsozial?

  • Eine Studie aus Chicago behauptet dies zumindest, anhand einer Untersuchung, an der 1000 Kinder teilnahmen.


    https://m.forschung-und-wissen…l-und-intolerant-13372250


    Zitat

    Die Forscher stellten nach ihrer Auswertung überraschend fest, dass die großzügigsten und teilungsfreudigsten Kinder nicht die aus religiösen Familien, sondern Kinder aus atheistischen Familien waren. Am knickrigsten waren die Kinder der beiden großen Weltreligionen: Christen und Muslime. Zudem stellten die Forscher fest, je gläubiger ein Kind erzogen wurde, desto geiziger war es.


    "Geben ist seeliger denn nehmen" scheint also nicht das Ergebnis religiöser Erziehung zu sein, sondern eher das Gegenteil. Das passt auch sehr gut mit der heutigen Wirtschaftsideologie zusammen, denn wenn jeder an sich selbst denkt ist eben auch an jeden gedacht.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Die Studie finde ich jetzt gar nicht außergewöhnlich.


    Bedenkt man mal, wie sich die Kirche bei der Erbpacht in Deutschland dumm und dusselig verdient, oder wie gewisse Freikirchen ihre Mitglieder abziehen (den Zehnten spenden), um dann ganz unchristlich in Betongold zu investieren...

    Laut einer Studie ist einer vom fünf AfD-Wählern genau so dumm wie die anderen Vier

  • Ich gehe mal davon aus, dass Atheismus für Dich unter Religionen fällt und dass es Dir um das Glauben geht. Dein Einsortieren der Menschen in die Schublade "Religion", garniert mit einer einzeiligen, allwissend daher kommenden und abwertenden Attitüde, finde ich bequem und oberflächlich. Aber egal. Letztendlich ist es ja tatsächlich so, dass jeder Mensch an irgendetwas glaubt. Manche glauben an sich selbst, manche an die Heilkraft eines Hundehaufens, andere an Gott oder daran, dass allein sie wissen, was der Mond wiegt. Im Laufe meines Lebens und im Zusammenhang mit dem, was ich so gemacht habe, habe ich sehr viele Menschen kennengelernt, die sich ehrenamtlich engagieren. Bei der Freiwilligen Feuerwehr, beim THW, Ärzte ohne Grenzen usw. usf. Gottgläubige Menschen sind dort sehr rar gesät. Das ist keineswegs verwunderlich, denn wenn man Katastrophen- oder Kriegsgebiete live erlebt - das Leiden aller Lebewesen sieht, hört und riecht, fällt man eher vom Gottglauben ab, als dass man ihm frönt. Dabei zu sein ist etwas anderes, als Bilder in den Nachrichten zu betrachten und die Möglichkeit des Wegschaltens zu haben oder zu nutzen, weil einem der Anblick zu viel wird oder weil einem das Schicksal der Leidenden egal ist.

    Warum setzt man seine Kraft, seine Zeit und oft auch Geld dafür ein, in Not geratenen Lebewesen zu helfen? Zuallererst, um die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Die danach, nicht wegschauen zu wollen, ohne Scham in den Spiegel schauen zu können, den anderen zu helfen. Das Bedürfnis danach, die Not der anderen zu lindern, wenn es irgendwie geht. Das wiederum kann man nur, wenn man daran glaubt, dass Hilfe möglich ist. Wenn man daran glaubt, dass man das aushält und tatsächlich eine Hilfe ist. Wenn man daran glaubt, dass man etwas bewirken kann, wenn man es einfach tut. Ich für meinen Teil vermeide das Wort "glauben" normaler Weise und benutze stattdessen lieber das Wort "vertrauen". Stellt man auf das Glauben ab, verursacht das stets negative Konnotationen z.B. Unwissenheit, Unsicherheit, Lächerlichkeit. Vertrauen hingegen ist für uns Menschen lebensnotwendig. Vertrauen macht uns stark und lässt uns manchmal über uns selbst hinauswachsen. Vertrauen oder Misstrauen gestalten unsere Beziehungen zueinander. Menschen, die nichts und niemandem vertrauen, die voller Zweifel sind, sind einsam und verloren. Mir persönlich ist es übrigens völlig egal, ob jemand darauf vertraut, dass es ein göttliches Wesen gibt, welches für alles verantwortlich ist oder eben nicht. Ob er an Allah, Jesus, Buddha oder die Waldfee oder sich selbst glaubt. Für mich ist einzig und allein entscheidend, was ein Mensch tut oder nicht tut.

  • Die in deinem Kommentar geäußerten Gedanken finde ich sehr interessant und stimme größtenteils zu (wobei ich mir nicht wirklich im Klaren über die statistische Häufigkeit religöser Menschen in von den dir genannten Organisationen etc. bin).

    Vertrauen oder Misstrauen gestalten unsere Beziehungen zueinander. Menschen, die nichts und niemandem vertrauen, die voller Zweifel sind, sind einsam und verloren.


    Das ist sicher richtig. Zuweilen mangelt es mir an Vertrauen (z. B. in die Politik, die Intelligenz der Menschheit, darin, dass "alles gut" wird), was dann auch exakt die von dir genannten Auswirkungen zur Folge hat. Ich kann aber das nötige Vertrauen nicht erzwingen. Es müsste irgendwie von selbst wachsen ...

    Mir persönlich ist es übrigens völlig egal, ob jemand darauf vertraut, dass es ein göttliches Wesen gibt, welches für alles verantwortlich ist oder eben nicht. Ob er an Allah, Jesus, Buddha oder die Waldfee oder sich selbst glaubt. Für mich ist einzig und allein entscheidend, was ein Mensch tut oder nicht tut.

    Ich glaube, du weißt, dass ich gerade deinem letzten Satz zu 100 % zustimme.

  • Zitat

    Die in deinem Kommentar geäußerten Gedanken finde ich sehr interessant und stimme größtenteils zu (wobei ich mir nicht wirklich im Klaren über die statistische Häufigkeit religöser Menschen in von den dir genannten Organisationen etc. bin).

    Hallo jaki, schön, dass Du hier bist. Tja, statistische Aussagen kann ich natürlich auch nicht treffen. Ich habe ein wenig über meine Erfahrungen gesprochen. Nicht mehr und nicht weniger. Es gab natürlich einige Menschen, die sich der christlichen Nächstenliebe verpflichtet sahen und sich deswegen eine der Hilfsorganisationen angeschlossen hatten. Dem, was sie in den Folgejahren in Katastrophen- und Kriegsgebieten, in medizinischen Hotspots usw. erlebten, hat ihr Glaube an den liebenden, gütigen Gott jedoch in der Regel nicht standgehalten. Wobei man erwähnen sollte, dass Gott im Alten Testament alles andere als liebend und gütig ist - aber das ist ein anderes Thema.

    Einige haben darunter auch richtig gelitten, wenn ihr Glaube elementarer Bestandteil ihres Lebens war und derart ins Wanken geriet oder abhanden kam. Die allermeisten Ehrenamtlichen, mit denen ich zu tun hatte, waren Atheisten und die haben nichts delegiert, sondern gehandelt. Es kann natürlich sein, dass Marcus etwas ganz anderes meinte, aber ich habe seine zwei Sätze so verstanden.


    Zitat

    Das ist sicher richtig. Zuweilen mangelt es mir an Vertrauen (z. B. in die Politik, die Intelligenz der Menschheit, darin, dass "alles gut" wird), was dann auch exakt die von dir genannten Auswirkungen zur Folge hat. Ich kann aber das nötige Vertrauen nicht erzwingen. Es müsste irgendwie von selbst wachsen ...

    Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Und ich kann sagen, dass ich kein Vertrauen darin habe, dass alles gut wird. Schon gar in Bezug auf das, was die Menschheit auf diesem Planeten veranstaltet. Da meine Einflussnahme sowohl auf die hiesige als auch die Weltpolitik sehr gering ist, versuche ich, verantwortungsvoll mit der Umwelt, den Mitwesen und den Menschen, die mir lieb und teuer sind, umzugehen. Das ist mein Weg. Und ich hoffe, dass immer mehr Menschen das ebenfalls versuchen. Mehr kann ich in meiner zeitlich begrenzten Lebenspanne ja nicht tun. Ja, Vertrauen kann man nicht erzwingen, wenn es um ein Gegenüber geht. Das stimmt. Ich vertraue halt darauf, dass ich für mich einen Weg, eine Lösung finden werde. Ich vertraue mir zuallererst selbst. Und ich bin mir immer sicher, dass sich eine Tür zeigt, durch die ich mit ruhigem Gewissen gehen kann.

    Was meine Mitmenschen angeht, so trete ich jedem zunächst einmal mit einem grundsätzlichen Vertrauen gegenüber. Es sei denn, es gibt Tatsachen, die das gesunde Misstrauen auf den Plan rufen, denn das ist ja auch ein wichtiger Teil von uns. Natürlich passiert es mir wie jedem anderen Menschen immer wieder, dass mein Vertrauen missbraucht oder enttäuscht wird, aber das gehört eben dazu. Inwieweit Vertrauen in andere Menschen gedeihen kann, hängt schließlich immer vom Verhalten des Gegenübers ab. Tja, schwieriges Thema. Keine Ahnung, ob es mir gelingt, meine Gedanken verständlich rüberzubringen.


    Zitat

    Ich glaube, du weißt, dass ich gerade deinem letzten Satz zu 100 % zustimme.

    Ja.


    Ich möchte noch einen Schlenker zum Threadtitel machen, und zwar in Verbindung mit Guns Aussage, Religion mache elitär. In dem Moment, wo sich Religionsangehörige als Auserwählte sehen, als diejenigen, die allein wissen, was richtig und was falsch ist und sich somit über die aus ihrer Sicht Ungläubigen erheben, sind sie in der Tat unsozial oder besser asozial. Ganz einfach, weil sie dann die Werte und Regeln der Gesellschaft, in der sie leben, nicht mehr teilen, nicht mehr respektieren. Die aus ihrer Sicht Ungläubigen werden ausgegrenzt und als minderwertig betrachtet.

    PS: Nein. Ich spiele nicht allein auf den Islam, Migranten oder ähnliche Dinge an. Meine Aussage trifft auf alle möglichen Religionen, Sekten, Weltanschauungsgemeinschaften usw. zu.

  • gun hat mit seiner Aussage durchaus recht. Sehen doch die Gläubigen meist etwas mitleidig auf die anderen herab. Man "liebt" seinen Nächsten aber letztendlich wird er am jüngsten Tage "leider" zu den Verlorenen gehören. Auch wenn er noch so nett ist.


    Innerhalb der Glaubensgemeinschaften gibt es dann noch die Auserwählten wie zizou am Ende schreibt. Das sind dann in der Tat die Leute die meinen, sie seien etwas Besonderes. Und hier liegt die Gefahr der Radikalisierung. Die Anhänger des IS zum Beispiel oder Evangelikale Gruppierungen. Im Hinduismus bzw. Buddhismus kenne ich mich jetzt nicht so aus aber das wird sich sicher auch etwas finden. Bei den Hindus wäre das Kastenwesen zu erwähnen.


    Die Erfahrungen, die mit Bibelorientierten Gemeinschaften gemacht habe, sie helfen sich, oft selbstlos, untereinander. Nach außen hin nur um gleichzeitig zu missionieren und neue Schäfchen zu gewinnen.

  • gun hat mit seiner Aussage durchaus recht. Sehen doch die Gläubigen meist etwas mitleidig auf die anderen herab. Man "liebt" seinen Nächsten aber letztendlich wird er am jüngsten Tage "leider" zu den Verlorenen gehören. Auch wenn er noch so nett ist.


    ...

    Es war nur eine verkürzte Wiedergabe meiner Erfahrung mit religiösen Menschen.


    Ich will damit auch nicht ALLE über einen Kamm scheren, dafür kenn ich zu viele.

    Aber irgendwie haben sie alle diese leichte elitäre Haltung.


    Innerhalb ihrer Gemeinschaft überschlagen sich auch einige, wenn es darum geht, anderen zu helfen. Nur wenn es zB um Flüchtlingshilfe geht, trennt sich die Spreu vom Weizen.

    Ich hab da ein Pärchen im Bekanntenkreis, die sagen klipp und klar: Muslime? Die verdienen meine Nächstenliebe nicht.

    Da kannst du dir sicher vorstellen, wie ich mit denen diskutiere. Hab da die Bergpredigt mal im Nebensatz erwähnt und hab mir sofort den Zorn dieser zugezogen. Wie ich auf die Idee käme, dass das auch für Muslime gilt, die gab es zu Zeiten der Bergpredigt ja noch gar nicht und ....überhaupt. Argumentationspurzelbäume waren das, ich sach dir.


    Zum Glück unterstützte mich ein anderes Pärchen, konfessionslos und helfend bei Flüchtlingsproblemen.

    Sie, engagiert in Deutschkursen, er, beschäftigt mit Kleiderspenden und die ganze Logistik drum herum.

    Letztlich reduzierte sich das Gespräch dann auf die Konkurrenz der Glaubensrichtungen.

    Als ob es darauf ankäme!


    Mir selbst ist ja der Glaube eines Menschen relativ egal, so lange er nicht fundamentalistisch ausgelebt wird und andere diffamiert. Denn auch ich glaube an etwas und will ja auch nicht diffamiert werden deswegen.


    Und wenn ich mal genauer drübber nachdenke, dann kann ich Zizou nur bestätigen, die meisten, die ich kenne und die sich sozial engagieren, sind geprüfte Nichtgläubige einer der Standard-Monotheisten.


    mfg

  • Mein Paradebeispiel für mangelnde Menschenliebe, unterlassene Hilfeleistung und grausames Denken ist Mutter Teresa. Man kann im Internet viel über sie finden, Aussagen ehemaliger Mitarbeiter, vor allem aber ein Interview mit ihr, in dem man sieht und hört, wie sie sich köstlich über eine schmerzgeplagte Krebskranke amüsiert, der sie Schmerzmittel verweigert hat.


    Nicht jeder Fromme ist auch grausam, aber es ist in vielen Studien nachgewiesen worden, dass Menschen, die sich für fromm halten und ihrer kirchennahen Frömmigkeit frönen, denken, dass die Frömmigkeit allein im Grunde genügt, dann brauchen sie nicht auch noch ein mitleidiges Herz zu haben.

    Dass das so ist, habe ich in meinem ganzen Leben immer wieder feststellen können.



    "Oh Tor, im Unglück ist Trotz nicht förderlich!" (Sophokles: Ödipus auf Kolonos)

  • Er scheint selber keine zu haben und versucht nun herauszubekommen, wer die schon beantwortet hat.

    Dass erstmal jeder hier eine Art Statement abgegeben hat, scheint er nicht verstanden zu haben. Also dei Phase "Wir suchen noch" ist noch nicht überstanden. ;)


    mfg

  • Mir persönlich ist es übrigens völlig egal, ob jemand darauf vertraut, dass es ein göttliches Wesen gibt, welches für alles verantwortlich ist oder eben nicht. Ob er an Allah, Jesus, Buddha oder die Waldfee oder sich selbst glaubt. Für mich ist einzig und allein entscheidend, was ein Mensch tut oder nicht tut.

    Eigentlich hast du hiermit einen der Grundsaetze des Buddismus zitiert.


  • Forscher stellen jeden Tag was Neues fest. Mal sind religiöse Menschen sozialer, mal umgekehrt. Was ich weiß, dass im BRD-Kapitalismus vieles schönen geredet wird und gleichzeitig behauptet wird, dass es in andern Ländern und System schlechter ist. Aber ich sehe jeden Tag in der BRD viel Armut und Elend und es scheint zuzunehmen. Ob das mit Religion zu tun hat oder nicht, weiß ich nicht. Und ich weiß auch nicht, ob Religionsgemeinschaften das lösen können. Die Kommunisten wollen das mal verbessern, sind aber gescheitert, auch weil dies massiv bekämpft worden sind.