Unsere Natur

  • Das tolle Wetter am vergangenen Wochenende hat uns natürlich aus der Bude gelockt und wir haben uns stundenlang im Brandenburgischen herumgetrieben. Viele Greifvögel nutzten die Thermik, um am Himmel zu kreisen und teilweise noch zu balzen. Der Rotmilan, der für einen Moment lautlos über unseren Köpfen schwebte, war vielleicht erst aus seinen südlichen Winterquartieren zu uns zurückgekehrt. Ein wunderschöner Anblick.



    Am Wiesenrand, dort wo einzelne Bäume und Büsche bereits Fuß gefasst haben, lieferten sich zwei männliche Schwarzkehlchen im Prachtkleid ein lautstarkes Gefecht. Schwarzkehlchen sind seltene Vögel, da ihre Lebensräume - insektenreiche, warme Offenlandschaften - zunehmend verschwinden.



    Auf einem Waldweg konnten wir eine Weile diese Füchsin auf der Suche nach Mäusen beobachten und fast am Ende unserer Wanderung fand ich noch einen Schmetterling, nach dem ich schon lange gesucht habe: Das Kleine Nachtpfauenauge. Das Weibchen war offensichtlich erst kurz zuvor aus seiner Puppe geschlüpft, denn die Flügel waren noch nicht vollständig aufgepumpt. Mit einer Flügelspannweite von bis zu 85 mm wird sie ein stattliches Wesen sein, das nach einem Leben vom winzigen Ei über eine dicke Raupe und in der Puppe als Falter nur wenige Tage zur Fortpflanzung umher flattern wird. Aufgrund fehlender Mundwerkzeuge kann es nicht einmal Nahrung aufnehmen. Sein einziger Lebenszweck besteht darin, über Duftstoffe Männchen anzulocken und sich zu paaren. Was nach der Verpuppung der Raupe im Inneren der Puppe vor sich geht, wie genau aus der Raupe ein Schmetterling wird, ist übrigens eines der letzten Geheimnisse der Natur.


  • Wunderschön, zizou.


    Ich schließe mich mal mit ein paar Fotos aus meinem Garten an:



    'Erdhummel' (Bombus terrestris) beim Anflug auf eine Schwertlilie (Gattung Iris).

    Iris1.jpgIris2.jpgIris&Hummel1.jpgIris&Hummel-gro%C3%9F.jpgIris&Hummel2.jpg


    Gelbe Krokusse (Gattung Crocus).

    Krokusse1.jpgKrokusse2.jpg


    Die erste blühende Hyazinthe (Gattung Hyacinthus) dieses Frühlings. :)

    Hyazinthe.jpg


    'Traubenhyazinthen', Gattung Muscari.

    Traubenhyazinthe.jpg


    'Osterglocken' (Narcissus pseudonarcissus).

    Osterglocken1.jpgOsterglocken2.jpg


    Veilchen (Gattung Viola) gedeihen gut in unserem Garten, obwohl wir nie welche angepflanzt haben.

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    Blumen.jpg


    Unser Haselnussbaum (Corylus avellana) voller 'Blütenkätzchen'. Haselsträucher sind monözisch (einhäusig), d. h. eine Pflanze trägt männliche und weibliche Blüten zugleich.

    Haselnuss.jpg


    Blütenknospen der Felsenbirne, Gattung Amelanchier, Zuchtform 'Prince William'.

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    Blütenknospen des Zwergapfelbaums (Malus domestica 'Croquella').

    Apfelknospe.jpg


    Eine kleine, aber aufgrund ihrer Musterung dennoch auffällige 'Zebraspringspinne' (Salticus scenicus).

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    Auch diese 'Listspinne' (Pisaura mirabilis) wärmt sich an der sonnenbeschienenen Hauswand auf.

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    'Feuerwanze' (Pyrrhocoris apterus).

    Feuerwanze.jpg


    'Graue Gartenwanze' (Rhaphigaster nebulosa).

    Wanze.jpg


    P. S.: Die Blume unter dem Veilchen ist Ehrenpreis.

  • Ah, die Wanze heißt "Graue Gartenwanze". Die habe ich nämlich auch vor der Linse gehabt. Ja, der Frühling ist eine tolle Jahreszeit. Ich möchte am liebsten den ganzen Tag draußen rumlungern. Die Pflanze unter dem Märzveilchen ist übrigens ein Migrant: Persischer Ehrenpreis aus dem Kaukasus, der aus Botanischen Gärten ausgebüchst ist.

  • Ah, die Wanze heißt "Graue Gartenwanze".


    Ist aber leicht mit der marmorierten Baumwanze verwechselbar (welche keine gepünktelte Flügelmembranen besitzt).


    Ja, der Frühling ist eine tolle Jahreszeit. Ich möchte am liebsten den ganzen Tag draußen rumlungern.

    Was glaubst du, was ich mache? :)

    Die Pflanze unter dem Märzveilchen ist übrigens ein Migrant: Persischer Ehrenpreis aus dem Kaukasus, der aus Botanischen Gärten ausgebüchst ist.

    Ja, das hatte ich eben auch noch (ohne den Hinweis auf den botanischen Garten) unter meinen Artikel geschrieben ...

  • Tja, die Insekten sind ein schwieriges Feld für mich. Wespen, Bienen, Hummeln, Fliegen und all das - eine Wissenschaft für sich. Schon allein die Schmetterlinge - da brüte ich gerade mal wieder über den Bläulingen. Also, danke für die Tipps.

    Ich freue mich wirklich sehr, dass wenigstens Du draußen rumlungern kannst. Mir ist das nicht immer möglich. Na jut.

  • Das tun sie eigentlich nur im Herbst, wenn sie auf der Suche nach einem Winterquartier sind. Das machen aber auch viele andere Tierchen. Florfliegen, Marienkäfer, Tagpfauenaugen ...

    Die Marienkäferchen und Spinnen sowie andere Käfer werden vorsichtig nach draußen befördert.


    Wanzen (und Kakerlaken) knalle ich die Tür vor der Nase zu. ;)

  • Mein lieber Substi, einige Hinterlassenschaften der Russen in den östlichen Landesteilen sind heute wertvolle Rückzugsräume für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen, vor allem für vom Aussterben bedrohte Arten. Truppenübungsplätze nämlich, ob nun noch als solche noch genutzt oder nicht. Das ist natürlich nicht der Verdienst der russischen Soldaten, sondern der phänomenalen Anpassungsfähigkeit der Arten.

  • Ach, ich mag eigentlich alles, was krabbelt. :)


    Noch "schlimmer" war der damalige Betreuer meiner Diplomarbeit, er hielt im Keller des Instituts tropische Wanzen, die ich füttern musste, wenn er im Urlaub war. Einmal erzählte er mir, dass seine Tochter ganz traurig sei, weil ihre Vogelspinne gestorben sei.


    Ein Wissenschaftler, wie er im Buche steht: Sein Zimmer befand sich direkt neben meinem, und wenn ich abends ging und mich von ihm verabschiedete, saß er meist im Halbdunkel vor dem Mikroskop (vor lauter Konzentration bemerkte er gar nicht, wie es dunkel wurde und vergaß schlicht, das Licht einzuschalten) und hob zum Abschied nur kaum merklich den Kopf oder die Hand. :)


    Er galt als Wanzenexperte, und einmal hörte ich, wie eine aufgeregte (bzw. hysterische) Frau sein Zimmer betrat:


    "In dieser Dose da sind Wanzeneier, die fand ich in meinem Bett! Ich werde jede Nacht gestochen! Es juckt mich schon überall!!"


    "Na, lassen Sie mal sehen ..." Er sah sich das Ganze wohl an und sagte dann beschwichtigend "Nein, nein, keine Sorge, das sind nur Pflanzensamen."


    "Neinnn, das sind Wanzeneier!!!!"


    Er hatte keine Chance, sie zu überzeugen, obwohl die Dose ganz sicher keine Wanzeneier enthielt, wenn der Experte keine sah. :)

    Schließlich kam er rüber zu mir und sagte leise "Schau doch bitte mal durch das Mikroskop und sag der Frau, dass es Pflanzensamen sind." Ich ging in sein Zimmer, sah durch das auf seine Augen eingestellte Mikroskop, erkannte NICHTS und sagte so überzeugend wie möglich "Also das sind auf jeden Fall Pflanzensamen!"


    "Meinen Sie wirklich?" "Ja, ganz bestimmt!" Immer noch leicht zweifelnd, aber ein wenig beruhigter verließ die Frau, die Dose in der Hand, den Raum ... :)

  • Mein lieber Substi, einige Hinterlassenschaften der Russen in den östlichen Landesteilen sind heute wertvolle Rückzugsräume für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen, vor allem für vom Aussterben bedrohte Arten. Truppenübungsplätze nämlich, ob nun noch als solche noch genutzt oder nicht. Das ist natürlich nicht der Verdienst der russischen Soldaten, sondern der phänomenalen Anpassungsfähigkeit der Arten.

    Muss im Sinne der Ökologie ein neuer Zaun gezogen werden??

    Kopp hoch und wenn der Hals ooch dreckig ist!

  • Ooch, diese neuen Öko- Zäune stehen schon um riesige Flächen im Osten und haben diese der Nutzung durch den Normalbürger weitgehend entzogen.

    Ist im Grunde ziemlich traurig, wenn Zäune benötigt werden um bestimmte Leute, die sich als Normalbürger bezeichnen davon abzuhalten, die Natur mit einer Müllkippe zu verwechseln.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Ist im Grunde ziemlich traurig, wenn Zäune benötigt werden […]

    Statt der Zäune genügen auch in regelmäßigem Abstand aufgestellte Schilder "Militärische Sicherheitsbereich. Vorsicht, Schusswaffengebrauch"

    Es geht nicht um Müllablagerungen, sondern darum, dass Zivilisten fernbleiben, und sich Wildtierbestände (u.a. Wolfsrudel) nicht gestört fühlen.

  • Auch darum geht es. Aber diese Gebiete waren meist auch vor 100 Jahren weitgehend tabu. Sie werden "nur" nicht der Bevölkerung nach Aufgabe der militärischen Nutzung wieder zurückgegeben. Jahr für Jahr entstehen neue Schutzgebiete mit umfassenden Betretens- und Nutzungsverboten. Aber so viel Sachverstand und Konsequenz, mit denen solche Probleme beispielsweise in Kanada angegangen werden, darf man wohl in Deutschland nicht mehr erwarten.

  • Auch darum geht es. Aber diese Gebiete waren meist auch vor 100 Jahren weitgehend tabu. Sie werden "nur" nicht der Bevölkerung nach Aufgabe der militärischen Nutzung wieder zurückgegeben. Jahr für Jahr entstehen neue Schutzgebiete mit umfassenden Betretens- und Nutzungsverboten. Aber so viel Sachverstand und Konsequenz, mit denen solche Probleme beispielsweise in Kanada angegangen werden, darf man wohl in Deutschland nicht mehr erwarten.

    Naja, Kanada und D sind auch nicht wirklich vergleichbar in dieser Hinsicht. Zum einen sind nur Teile der Naturparks in Kanada für den Tourismus freigegeben, zum anderen ist die Fläche Kanadas ja nun auch ein ganz klein wenig größer bei entsprechend niedriger Bevölkerungsdichte. Ca. 225.000km² sind derzeit in Kanada Nationalparks, etwa 2% des Staatsgebietes (9,9 Mio km²). Und ich weiß durch einen Freund, der dort seit ca. 15 Jahren lebt, dass Verstöße gegen die Nationalparkregeln sehr empfindliche Strafen nach sich ziehen.

    Zitat

    Zum Besuch, insbesondere für die für den Naturtourismus freigegebenen Bereiche der Nationalparks, benötigt man in der Regel eine kostenpflichtige Erlaubnis (englisch Permit), die für Tagesausflüge (englisch Daily Pass) oder für ein ganzes Jahr (englisch Parks Canada Discovery Pass) erworben werden kann. Zusätzliche Leistungen wie zum Beispiel das Campen oder das Recht ein Feuer zu entzünden müssen ggf. extra bezahlt werden.

    Religion wird von den einfachen Leuten als wahr, von den Weisen als falsch und von den Herrschern als nützlich angesehen.

    Lucius Annaeus Seneca

  • Auch darum geht es. Aber diese Gebiete waren meist auch vor 100 Jahren weitgehend tabu. Sie werden "nur" nicht der Bevölkerung nach Aufgabe der militärischen Nutzung wieder zurückgegeben. Jahr für Jahr entstehen neue Schutzgebiete mit umfassenden Betretens- und Nutzungsverboten. Aber so viel Sachverstand und Konsequenz, mit denen solche Probleme beispielsweise in Kanada angegangen werden, darf man wohl in Deutschland nicht mehr erwarten.

    Ich finde, schon aufgrund der unterschiedlichen Größe beider Länder kann man das nicht miteinander vergleichen. In Deutschland gibt es viel weniger Fläche und alle sollten sich mal fragen, warum man überhaupt Schutzgebiete braucht.

  • Auch darum geht es. Aber diese Gebiete waren meist auch vor 100 Jahren weitgehend tabu. Sie werden "nur" nicht der Bevölkerung nach Aufgabe der militärischen Nutzung wieder zurückgegeben. Jahr für Jahr entstehen neue Schutzgebiete mit umfassenden Betretens- und Nutzungsverboten. Aber so viel Sachverstand und Konsequenz, mit denen solche Probleme beispielsweise in Kanada angegangen werden, darf man wohl in Deutschland nicht mehr erwarten.

    Kanada mit seiner Ölsandförderung, die riesige Gebiete verseucht, kann auch nicht unbedingt als Vorbild für Naturschutz dienen.

  • Ich finde, schon aufgrund der unterschiedlichen Größe beider Länder kann man das nicht miteinander vergleichen. In Deutschland gibt es viel weniger Fläche und alle sollten sich mal fragen, warum man überhaupt Schutzgebiete braucht.

    Wenn man in Deutschland dem Wolf die natürliche Beute wegschießt, wie Wildschweine, Rehe, Hasen, Kaninchen und dergleichen, ist es kaum ein Wunder, wenn Haustiere attackiert werden und es zu Schäden kommt. Besonders traurig ist es dann, wenn die Jäger Bürzelprämien bekommen müssen, weil kaum Interesse an Wildschweinfleisch besteht und die Preise dem Wert Hohn sprechen.