Die Mitleidsindustrie

  • Auch dieser Thread gehört aus der Gruft des Archis...


    Die Mitleidsindustrie


    ... zu neuem Leben erweckt.



    Los geht es mit einer neuen Kontroverse bezüglich einer dieser vielen auf Mitleid setzenden Spendenaufrufe, diesesmal von "Care Deutschland:"



    Ich schreibe mal zurück:


  • Sie ist halt nur jenen Menschen dankbar, die gespendet haben.

    Das kann man sich denken, aber das kann die Dame dementsprechend auch zum Ausdruck bringen. Das unterlässt Sie aber (bzw. die Werbeagentur, die diesen Spendenaufruf gestaltet) und das m.E. sehr bewusst. Hier wird unpassend der Indikativ Präsenz für einen Vorgang gewählt, der zum Zeitpunkt dieser Aussage nicht vollzogen ist bzw. nicht vollzogen werden muss.


    Die Dame zeigt sich real dankbar für etwas, was es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gibt: Dass ich spende.


    Sie (bzw. die Werbetanten und -onkels) verwenden den Indikativ, um die Möglichkeitsform bewusst auszuschließen: Die derart vereinnahmend angesprochenen Menschen sollen nicht nur nur möglicherweise spenden, sondern sollen sowohl formal als inhaltlich so manipuliert werden, dass sie spenden. Dass Spenden soll keine Möglichkeitsform mehr abgeben, sondern unterbewusst sollen die derart um eine Spende angehauenen Menschen sich zum Spenden verpflichtet fühlen.


    Ich sehe das nicht als Wortklauberei, denn das benannte sprachliche Phänomen taucht in mehr als 70% aller Aufrufe auf und so schlecht können die Deutschkenntnisse dieser Bettelbrüder nicht sein, als dass da kein Prinzip erkannt werden darf.