Die Ideologienkrankheit

  • Eine kurze Anmerkung zur Arbeitspflicht in der DDR:

    Die gab es sehr wohl. Die Pflicht zur Arbeit war sogar in der DDR-Verfassung festgeschrieben, und zwar in Artikel 24.

    Daraus wurde das sogenannte asoziale Verhalten als Straftat abgeleitet, wenn man nicht arbeiten ging. Arbeitsplatzbindung, also ein vom Staat zugewiesener Arbeitsplatz oder eine Haftstrafe waren durchaus übliche Folgen.

  • Eine kurze Anmerkung zur Arbeitspflicht in der DDR:

    Die gab es sehr wohl. Die Pflicht zur Arbeit war sogar in der DDR-Verfassung festgeschrieben, und zwar in Artikel 24.

    Daraus wurde das sogenannte asoziale Verhalten als Straftat abgeleitet, wenn man nicht arbeiten ging. Arbeitsplatzbindung, also ein vom Staat zugewiesener Arbeitsplatz oder eine Haftstrafe waren durchaus übliche Folgen.

    Da musste man aber schon ziemlich auffällig sich als "arbeitsscheu" erweisen, um mit den entsprechenden Organen in Kontakt zu kommen. Mir sind eine Reihe Menschen bekannt geworden, die aufgrund Alkoholismus keiner Arbeit nachgingen und sogar jeden Tag sich im Sozialamt/Gemeindeamt 10 Ostmark abholten, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

  • Alkoholismus ist eine Krankheit. Das ist wohl etwas anderes als jemand, der aus persönlichen, beruflichen oder anderen Gründen gerade keiner Arbeit nachgeht. Weil er etwas anderes machen möchte als bisher, weil er auf der Suche nach einer ganz bestimmten Tätigkeit ist oder weil er vielleicht etwas machen möchte, was nicht mit einer täglichen Berufstätigkeit in einem Betrieb zu tun hat. Oder wenn junge Leute noch nicht wissen, was sie nach der Schule machen möchten und sich deshalb erst einmal ausprobieren oder umschauen möchten. Das alles und noch viel mehr hat nichts damit zu tun, ob jemand arbeitsscheu ist oder nicht. Es gehört zur freien Entfaltung der Persönlichkeit, zum stinknormalen Leben.

    In der DDR hat jeder ganz fix die Behörden auf dem Hals gehabt, wenn man nach dem Schulabschluss keinen Ausbildungsplatz oder eine aus irgendwelchen Gründen nicht arbeiten ging. Die Maxime der Behörden war ganz einfach: Entweder du gehst arbeiten oder du landest im Knast, weil du ein asoziales Subjekt bist. Begründung: Die Pflicht zur Arbeit nach Artikel 24 der DDR-Verfassung. So war das und nicht anders. Jedenfalls in Berlin.

  • Mir sind eine Reihe Menschen bekannt geworden, die aufgrund Alkoholismus keiner Arbeit nachgingen und sogar jeden Tag sich im Sozialamt/Gemeindeamt 10 Ostmark abholten, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

    so ähnliche ist es auch im westen. allerdings war arbeitsunfähigkeit wegen alkoholsucht in der zone strafbar. hier sind alkis nur von zwangsmaßnahmen betroffen, wenn sie so sehr besoffen sind, dass sie sich und andere gefährden. ein alkoholiker, der 'bei uns' noch halbwegs klar kommt, hat nichts zu befürchten.

  • Da musste man aber schon ziemlich auffällig sich als "arbeitsscheu" erweisen, um mit den entsprechenden Organen in Kontakt zu kommen.

    Was nun auch wieder stimmt. Wer sich das leisten konnte, sprich andere nicht behelligte, bekam meist keinen (zumindest keinen direkten) Behördenkontakt. Stichwort Zahnarztfrau oder so. Hat niemand hinterfragt. Ich kenne auch etliche, die niemals einen Beruf erlernt haben, ohne jemals im Gefängnis gelandet zu sein. Oder Leute, die nach der Schule zwei Jahre durch Russland getingelt sind. Da dürften Behörden allerdings schon mehr hingesehen haben, wenn auch ohne Kenntnis der Betroffenen. Betroffen waren wohl fast "nur" bestimmte Gruppen suburbaner Lebensarten, deren Leben auf Kosten anderer als gesellschaftsschädlich betrachtet wurde. Das ist heute nicht mehr strafbar. Dafür, dass das Ansehen solcher Gruppen sich heute grundlegend gewandelt hätte, würde ich aber nicht die Hand ins Feuer legen.