Warum wird Kommunismus oft anders bewertet als Faschismus und Nazismus?

  • Zitat:

    Ganz gleich, ob sie über uns lachen oder schimpfen, ob sie uns als Hanswurste oder als Verbrecher hinstellen; die Hauptsache ist, daß sie uns erwähnen, daß sie sich immer wieder mit uns beschäftigen, und daß wir allmählich in den Augen der Arbeiter selber wirklich als die Macht erscheinen, mit der zur Zeit allein noch eine Auseinandersetzung stattfindet. Was wir wirklich sind und was wir wirklich wollen, das werden wir eines schönen Tages der jüdischen Pressemeute schon zeigen.

    (Mein Kampf. Seite 544)

  • Das ist genau das, was die Rechten derzeit machen, sie sorgen dafür, dass sie immer und überall erwähnt werden.



    "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber"

  • oder ich habe es übersehen. kannst du bitte die stelle zitieren, die belegt dass 'diktatur' damals eine andere bedeutung hatte?

    Aber gern:


    Zitat

    Begriffsnutzung um das 19. Jahrhundert


    Das Wort Diktatur hatte noch nicht seine heutige Bedeutung, und kann nicht mit Begriffen wie Despotismus, Tyrannis, Absolutismus oder Autokratie gleichgesetzt werden, es war ebenso noch kein Gegenbegriff zur Demokratie. Ideengeschichtlich lässt sich eine negative Nutzung des Begriffs der Demokratie als Tyrannei der Vielen bis zu den Staatstheorien Platons oder Aristoteles zurückführen, wobei hervorzuheben ist, dass diese den Begriff Demokratie anders nutzten als heute gebräuchlich ist. Die bürgerlichen Revolutionen 1848 waren in reaktionären Kreisen eine „Tyrannei der Demokratie“ oder „Tyrannei der Massen“.[3] So stellte der spanische Diplomat, Politiker und Staatsphilosoph Juan Donoso Cortés (1809–1853), der heute als politischer Vordenker moderner Diktaturen gilt, noch um diese Zeit bezüglich des englischen Parlaments fest: „Wer, meine Herren, hat je eine monströsere Diktatur gesehen?“[

    Auch zu Lebzeiten von Marx hatte das Wort noch nicht die heutige Bedeutung. Und schon gar nicht war es, wie heute nahezu deckungsgleich mit Gewaltherrschaft.


    Und es geht ja noch weiter, und zwar erst nach dem Tod von Marx:

    Zitat

    Nach Friedrich Engels' Tod im Jahr 1895 wurde erstmals geschichtswirksam das Konzept einer proletarischen Diktatur in der marxistisch orientierten deutschen Sozialdemokratie diskutiert, beispielhaft von Kautsky (1854–1938), Bernstein (1850–1932) oder Luxemburg (1871–1919). Plechanow (1856–1918) und vor allem Lenin (1870–1924) prägten den Begriff Diktatur des Proletariats gemeinsam mit den gesellschaftlichen Umwälzungen im kaiserlichen Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er wurde in das Parteiprogramm der russischen Kommunisten aufgenommen und sollte beginnend mit den russischen Revolutionen 1905 und 1917 bis zum Zusammensturz der Sowjetunion 1991 ein bedeutender Begriff sein, sowohl auf Seiten der Unterstützer wie Gegner des politischen Systems, wobei er demgemäß in ganz unterschiedlicher Weise genutzt wurde.


    Bei Marx hieß das noch "Herrschaft der Arbeiterklasse", die zum damaligen Zeitpunkt der Diktatur der Bourgeoisie unterstand.

    Libertarismus. Eine einfältige rechte Ideologie, die sich ideal für diejenigen eignet,

    die nicht in der Lage oder nicht bereit sind, über ihre eigene soziopathische Haltung hinauszusehen.

    * Iain Banks

  • Dann müsste "die Diktatur der Bourgeoisie" aber ebenfalls nur Herrschaft bedeutet haben, so dass die Arbeiterklasse ihr nicht "unterstand".



    "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber"

  • Auch zu Lebzeiten von Marx hatte das Wort noch nicht die heutige Bedeutung. Und schon gar nicht war es, wie heute nahezu deckungsgleich mit Gewaltherrschaft.

    doch kennzeichnete diktatur schon immer eine staatsform, in der eine starre ordnung und fixe politische meinung vorherrschte, und in der es nicht möglich war, die regierung per abstimmung zu wechseln. sowas wurde damals wohl nur nicht grundsätzlich negativ aufgefasst.


    marx und co. hätten ihre übergangsphase zur 'klassenlosen gesellschaft' gleich als 'tyrannei des proletariats' bezeichnen können. und tatsächlich war der real existierende sozialismus/kommunismus überall auch nichts anderes als eine tyrannei. nur von der fiktiven gruppe des 'proletariats' war nichts zu sehen. eine kleine herrscher-clique, bzw. ein politbüro oder ein scheinparlament, etc. übte die diktatur aus.

  • Ich glaube schon, aber dazu braucht es Bedingungen, die heute nicht gegeben sind.

    Die gab es auch damals nicht. M + E wollten, notfalls mit rücksichtslosem Klassenkampf, die Diktatur des Proletariats errichten. Um über den zu installierenden Sozialismus irgendwann (im Sinne von langer Zeitraum) den Kommunismus zu errichten. Mit Auflösung von Klassen und Staaten. Und jedem nach seinen Bedürfnissen. Womit gemeint war, jeder würde nur das beanspruchen, was er unabdingbar braucht. Was das konkret sei und ob das auch den Lebenszielen einer Mehrheit entspricht wurde weniger hinterfragt.


    Die Vorstufe, also der Sozialismus, konnte insbesondere bezogen auf die Vergesellschaftung von Produktionsmitteln nur über Diktatur erreicht werden. Überall, wo versucht wurde, das zu vollziehen war das so. Da kann man auch nicht mehr von Einzelfall sprechen. Das Ergebnis ist bekannt und 89 ist fast dem letzten in der DDR klar geworden, was dieses "gesellschaftliche Eigentum" denn so in der Praxis wert ist, falls es hart auf hart kommt.


    Sicher könnte man das heute auch noch mal probieren. Indem man die Erkenntnisse von damals irgendwie verarbeitet. Leichter ist es nicht geworden. Die Grenzen zwischen Klassen sind verschwommen, die Klassen selbst auch. Der Facharbeiter mit Fonds, Aktien oder vermietetem Eigentum würde sich selbst bekämpfen.

  • Dann müsste "die Diktatur der Bourgeoisie" aber ebenfalls nur Herrschaft bedeutet haben, so dass die Arbeiterklasse ihr nicht "unterstand".

    Natürlich wurden zur damaligen Zeit die Arbeiter beherrscht. Und zwar mit allen Mitteln, bis hin zu Armeeeinsätzen bei Protesten gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen. Das Konzept Herrschaft ist dir bekannt?

    Libertarismus. Eine einfältige rechte Ideologie, die sich ideal für diejenigen eignet,

    die nicht in der Lage oder nicht bereit sind, über ihre eigene soziopathische Haltung hinauszusehen.

    * Iain Banks

  • doch kennzeichnete diktatur schon immer eine staatsform, in der eine starre ordnung und fixe politische meinung vorherrschte, und in der es nicht möglich war, die regierung per abstimmung zu wechseln.

    Ähmmm.....wie sahen denn Wahlen gegen Ende des 19JH aus? ....Kontext!! ;)


    Konnte man so um 1880 seien Regierung wählen/abwählen?

    Deine Bemerkung impliziert, dass man dies hätte tun können.

    Wie sah denn der Wahlkampf des Kaisers aus, der gern wiedergewählt werden wollte?


    Leider hab ich jetzt auf die Schnelle kein Video, dass dir in einfachen Worten erklärt, wie es damals so aussah. Kleiner Tipp, es hat jedenfalls nix mit Kommunisten zu tun.


    mfg

  • Konnte man so um 1880 seien Regierung wählen/abwählen?

    Deine Bemerkung impliziert, dass man dies hätte tun können.

    Wie sah denn der Wahlkampf des Kaisers aus, der gern wiedergewählt werden wollte?

    deshalb ja war für marx und genossen 'diktatur' weit weniger furchtbar als für heutige bewohner der westlichen welt. die jungs kannten nunmal nichts anderes. ich denke das hatten wir schon geklärt.


    sogar heute gibt es noch viele, die gern einen autoritären herrscher hätten, weil sie meinen, dass ein solcher mit problemen viel souveräner umgeht als ein parlament, mit seiner kompromiss-suche und den zeitraubenden debatten. in parteien wie 'afd' und 'die linke' findet man viele ewiggestrige antidemokraten. die selben himmeln auch typen wie putin an.

  • lol, die findet man auch bei der CDU:


    https://www.spiegel.de/politik…ng-mit-afd-a-1276143.html


    Mal ganz abgesehen davon - was hat Putin mit Kommunismus zu schaffen?

    Libertarismus. Eine einfältige rechte Ideologie, die sich ideal für diejenigen eignet,

    die nicht in der Lage oder nicht bereit sind, über ihre eigene soziopathische Haltung hinauszusehen.

    * Iain Banks

    Einmal editiert, zuletzt von Diogenes2100 ()

  • ................ Das Ergebnis ist bekannt und 89 ist fast dem letzten in der DDR klar geworden, was dieses "gesellschaftliche Eigentum" denn so in der Praxis wert ist, falls es hart auf hart kommt.


    ....................... Die Grenzen zwischen Klassen sind verschwommen, die Klassen selbst auch. Der Facharbeiter mit Fonds, Aktien oder vermietetem Eigentum würde sich selbst bekämpfen.

    Wenn man eine Revolution nicht zu Ende bringt und es solchen Typen, wie Krause und Schäuble überlässt, statt einer Wiedervereinigung Deutschlands einen Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zu verhandeln, mit dem die DDR dem Kapitalismus übereignet wurde, ist das gesellschaftliche Eigentum dem ungehindertem Raub durch das Kapital ausgeliefert. Die Treuhand hätte es nach Willen der Herrschenden nicht besser machen können. Den Schaden bezahlen heute die Deutschen in Ost und West!

    Und glaube nicht, dass der Facharbeiter mit Fonds, Aktien oder ein zwei vermieteten Eigentumswohnungen, die meist noch der Bank gehören, schon zum Bourgeois geworden ist! Das ist Traumtänzertum! Heute bestimmen mächtige Kapitalgruppierungen das Geschehen, die sich den "demokratischen Staat" gekauft haben oder direkt die Diktatoren finanzieren das Geschehen.


    Und die Fragestellung des Threats zu beantworden: Faschismus und Nazionalsozialismus sind Erscheinungsformen des Spätkapitalismus/Imperialismus, die dazu dienen die Menschen gegeneinander aufzuhetzen, Konflikte zugunsten der Kapitalvermehrung zu nutzen, Kriege zu begründen und Rassismus/Herrenvolkstheorien zu praktizieren.

    Kommunismus ist dagegen eine neue Gesellschaftsformation, die objektiv sich aus der Entwicklung der Produktivkräfte und Produktionsverhältnisse ergibt. Infolge der Produktivität eröffnet sich damit die Freiheit des Menschen in Wohlstand für Alle.

  • Diese Art Diskussion habe ich gefühlt schon tausendmal durch und es ist niemals irgendetwas dabei herausgekommen.


    Kommunismus = utopische Gesellschaftsform die sich aus ungeahnten Produktivkräften ergibt.


    Kommunismus = Sowjetunion, China, Nordkorea, Nordvietnam, DDR, Putin, autoritär, mörderisch, ruinös.


    Zwei völlig verschiedene Dinge. Der Streit ist sinnlos.


    Er macht nur als Provokation Sinn: Links ist autoritär, mörderisch und ruinös.

  • Nur ist es eben Tatsache, wenn man diesen Streit nicht führt, ist die Tendenz des Imperialismus zum Faschismus wieder auf dem Vormarsch, weil eben die naiven Geister die einfachen Lösungen als glaubwürdig ansehen und verführbar sind. Und dass neue, sich entwickelnde Produktivkräfte auch neue Produktionsverhältnisse erfordern, wie auch immer die aussehen müssen, begreift eben auch nicht jeder von allein.

  • Er macht nur als Provokation Sinn: Links ist autoritär, mörderisch und ruinös.

    ich finde es falsch, kommunisten und marxisten als linke zu bezeichen.


    linke sind humanisten, philanthropen, sind empathisch, stehen für gerechtigkeit, etc. kommunisten und marxisten heucheln nur, ebensolche zu sein. und eben diese heuchelei ist ihr schutzschild, hinter der sie ihre hässliche fratze erfolgreich verbergen.

  • Und der Glaube versetzt Berge! Hamdullilah!

    und glaube wird durch die kunst der täuschung erst richtig stark.


    die nazis nannten sich 'nationalsozialisten'. wegen dieses 'sozialisten' glauben einige dummköpfe dass nazis linke waren. doch vertreter einer hassideologie können niemals links sein. gleiches gilt für einen spalter wie marx, der die menschheit in 2 gruppen definierte, um sie gegeneinander zu hetzen.

  • ... der die menschheit in 2 gruppen definierte, um sie gegeneinander zu hetzen.

    Das brauchte der gar nicht tun, das ist im übrigen auch heute noch so. Die Trennlinie liegt nicht zwischen alt und jung, arbeitslos und beschäftigt, sondern noch immer, wie seit Jahrtausenden zwischen arm und reich. Wenn eine winzige Minderheit so viel besitzt wie die Hälfte der Menschheit, stinkt etwas ganz gewaltig.

    Libertarismus. Eine einfältige rechte Ideologie, die sich ideal für diejenigen eignet,

    die nicht in der Lage oder nicht bereit sind, über ihre eigene soziopathische Haltung hinauszusehen.

    * Iain Banks

  • Wenn man eine Revolution nicht zu Ende bringt und es solchen Typen, wie Krause und Schäuble überlässt, statt einer Wiedervereinigung Deutschlands einen Beitritt zum Geltungsbereich des Grundgesetzes zu verhandeln, mit dem die DDR dem Kapitalismus übereignet wurde, ist das gesellschaftliche Eigentum dem ungehindertem Raub durch das Kapital ausgeliefert. Die Treuhand hätte es nach Willen der Herrschenden nicht besser machen können. Den Schaden bezahlen heute die Deutschen in Ost und West!

    Nur, das wollte die Bevölkerung ja erst mal auch nicht. Sie wollten Reisefreiheit und Westmark. Ein Warenangebot, dass den Bedürfnissen der Zeit entspricht. Der "Rest" spielte eine sehr untergeordnete Rolle. Darüber, dass man mit A auch B bekommt, hat ja keiner weiter gesprochen. Ursächlich war, dass der real existierende Sozialismus nirgends und zu keinem Zeitpunkt in der Lage war, die für den Einzelnen wesentlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Genau daran ist er letztlich zu Grunde gegangen. Nun kann man sagen, die objektiven Umstände hätten das im direkten Wettbewerb erzwungen. Und auch sonst habe man alles falsch gemacht. Mag in Teilen sein. Aber überall und zu jeder Zeit? Man muss dem nun mal ins Auge sehen: Das Experiment Sozialismus als Vorstufe des Kommunismus ist grandios in die Hose gegangen. Weltweit. Aber so was von! Am Endziel in einer fernen Zukunft muss ja keiner rütteln. So eine klassenlose Gesellschaft, in der alle glücklich sind, ist ja etwas erstrebenswertes. Aber der Weg dort hin über den Sozialismus war nun mal ein absoluter Irrweg.

  • .................. Ursächlich war, dass der real existierende Sozialismus nirgends und zu keinem Zeitpunkt in der Lage war, die für den Einzelnen wesentlichen Bedürfnisse zu erfüllen. ..................... Aber der Weg dort hin über den Sozialismus war nun mal ein absoluter Irrweg.

    Nun, meine wesentlichen Bedürfnisse wurden schon weitgehend erfüllt, Die nicht erfüllt werden konnten, waren durch den internationalen Kalten Krieg bedingt eben nicht erfüllbar. Falsch war, dass man zu sehr auf Rüstungswettlauf gesetzt hat, das hat China besser verstanden, man braucht keinen 10 /20 fachen Overkill. Man hätte mehr auf die Zivilwirtschaft setzen müssen und eben die demokratischen MItsprachebedürfnisse der Völker ernster nehmen sollen, der Stalinismus war von Übel.

  • Das brauchte der gar nicht tun, das ist im übrigen auch heute noch so. Die Trennlinie liegt nicht zwischen alt und jung, arbeitslos und beschäftigt, sondern noch immer, wie seit Jahrtausenden zwischen arm und reich.

    arm und reich sind relative begriffe. sicherlich gibt es leute die (bezogen auf ihre finanzen) extrem arm oder extrem reich sind. aber was ist mit denen dazwischen? pro region oder land gibt es definierte armutsgrenzen, doch ab wann ist man reich? vielleicht ab 1 mio euro auf dem konto? die können auch schnell wieder weg sein und dann ist man plötzlich arm.


    zudem ist es schwierig arme bzw. reiche als kollektiv zu verstehen, denn sie definieren sich selbst nur selten über ihre brieftasche.


    die marxistische klassengesellschaft ist ein fiktives konstrukt. wer menschen in gruppen aufteilt, um der einen oder anderen gruppe zu sagen: "seht her, dort ist euer feind!", der handelt letztlich verbrecherisch, denn er will den konflikt. er will krieg.


    stalin und mao z.b. haben das dann umgesetzt. marxens schallendes gelächter muss noch im letzten winkel der hölle zu hören gewesen sein.