Die letzte Entscheidung....

  • Ich seh das so, dass man überhaupt nicht weiß, wie er in das Rapsfeld geraten ist.


    Man weiß weder, ob er - wie Du es andeutest - das willentlich getan hat und dort zum Sterben hinwollte, oder ob er sich einfach verlaufen hat, oder ob er evtl. schon ein bisschen dement war, und vor allem: Ob er es wirklich wollte.


    Es kann sein, dass es mit Mut nicht das Geringste zu tun hatte. Mich interessiert, wie Du darauf kommst. Aus dem Artikel ging es nicht hervor.

  • Man kann das ganze höchstens erahnen, mehr nicht. Und geschrieben bzw. Hinweise darauf gegeben wird in solchen Artikeln schon lange nicht mehr.


    Ich weiß nur aus eigener Erfahrung ( Senior ) das ich mir die Frage stellte wieviele der Bewohner in seinem Altenheim sich so etwas herbei wünschten aber weder den Mut oder die Überwindung aufbringen konnten. Unglücklich waren dort auf jeden Fall eine Menge.


    Ich erinnere nur an einen recht abstrakten Fall vor Jahren hier in meinem Viertel. Da ist ein sehr betagter Herr in die örtliche Kaufhaustoilette gegangen

    und hat da sich seine ( ehem Dienst?) Pistole an den Kopf gesetzt...

  • Es ist viel häufiger, dass sich alte Leute verlaufen, als dass sie sich bewusst in ein Feld begeben, um dort - passiv! - zu sterben. Ein Fanal ist es ja auch nicht, anders als der Pistolenschuss in einer öffentlich zugänglichen Toilette.


    Ich kenn ja nur den von Dir verlinkten Zeitungsbericht, aber der lässt zumindest mich gar nichts "ahnen". Wenn man´s genau nimmt, gibt es für alte oder kranke Leute nicht viele "zugängliche" Todesarten. Vor allem wenige, die nicht gleichzeitig andere Leute mit hineinziehen, wie vor den Lastwagen laufen oder vor einen Zug.


    Sich umzubringen ist, glaube ich, gar nicht so einfach.

  • Man kann das ganze höchstens erahnen, mehr nicht. Und geschrieben bzw. Hinweise darauf gegeben wird in solchen Artikeln schon lange nicht mehr.


    ...

    Egal aus welcher Richtung man sich nähert, es läuft auf die Frage hinaus ob es leichte Mittel geben sollte mit denen man sich selbst töten kann, oder Einrichtungen wo man sich freiwillig töten lässt, weil zu einem Selbstmord nicht jeder fähig ist. Es läuft auf die Frage hinaus ob jeder selbst bestimmen können soll/darf, wann es vorbei ist. Ich wäre dafür, aber ich schätze mal, dass da die Bevölkerung in zwei Lager gespalten ist. Die Begründung für die Ablehnung ist immer, dass dann Kranke oder sonstwie lästige Mitmenschen zu diesem Schritt gedrängt werden könnten. Für mich ist das kein Grund alle anderen die das selbstbestimmt entscheiden könnten zu behindern.

  • Nun ja, zum Thema Euthanasie sind die Meinungen (nach der deutschen Vergangenheit) zu Recht gespalten. Eutanasie im Sinne von "Erlösung" hat sicher etwas mit einer humanen Einstellung zu tun.Im Gegensatz dazu steht die Sache mit dem sog."lebensunwerten Leben",die uns die Nationalsozialisten in einer unglaublich brutalen Aktion vor Augen führten. Da bleibt mir die Frage offen:wer entscheidet wie und auf welcher Rechtsgrundlage??

    Kopp hoch und wenn der Hals ooch dreckig ist!

  • Die Begründung für die Ablehnung ist immer, dass dann Kranke oder sonstwie lästige Mitmenschen zu diesem Schritt gedrängt werden könnten. Für mich ist das kein Grund alle anderen die das selbstbestimmt entscheiden könnten zu behindern.

    Meine ganz persönliche Ablehnung (einer Vereinfachung) sind schlicht selbst oder bei anderen erlebte Stimmungsschwankungen. In härteren Fällen Depressionen. Oder einfach die Frage ab wann ist ein Leben lebenswert und wann nicht, bzw. ab welcher Veränderung. Wo will man da einen Schnitt machen wollen ? Und was sind da die Maßstäbe und wer setzt diese ?

  • Euthanasie ist nicht dasselbe wie Selbstmord. Euthanasie ist Mord.


    Wer sich selbst dafür entscheidet, dass er nicht mehr leben will, aber selbst körperlich nicht mehr in der Lage ist, sich Hilfsmittel zu besorgen, muss die sich besorgen lassen dürfen. Allerdings bin ich dafür, dass vorher mindestens zwei Gespräche mit einem Arzt zu führen sind, im Abstand von mindestens vier Wochen.

  • Sorry.

    Ich bin ja der Anstifter dieser Diskussion.


    Ich lebe seit langer Zeit mit Themen der Sterbebegleitung, also Hospiz.

    Ich weiß deshalb, dass es sich viele Sterbende es sich nicht verzeihen können, selbst gehandelt zu haben.


    Ein Hospiz ist dazu da, die letze Zeit des Lebens lebenswert zu machen.

    Man darf aber nicht vergessen, dass die Gäste normalerweise genau wissen, dass sie voraussichtlich genau an diesem Ort sterben werden.

    Für mich wäre das psychisch unerträglich.

  • Viele sterbende Menschen gehen ins Hospiz, weil sie Angehörigen nicht zur Last fallen wollen oder weil sie schlichtweg niemanden haben, der sich in ihrer verbleibenden Lebenszeit um sie kümmern kann/will. Ich ziehe meinen Hut vor jenen Menschen, die in einem Hospiz tätig sind.


    Ansonsten teile ich Argos Ansicht.

  • Im Prinzip ist das dann genauso wie bei dem Mann in deinem Eingangspost. Vorausgesetzt er ist zum Sterben dorthin gegangen.

    Wie gesagt, selbst wenn man das selbstbestimmte Sterben unter strickten Regeln gestattet, man setzt damit einen Prozess in Gang und im Laufe der Jahre / Jahrzehnte werden diese Regeln mehr und mehr aufgeweicht werden

  • Viele sterbende Menschen gehen ins Hospiz, weil sie Angehörigen nicht zur Last fallen wollen oder weil sie schlichtweg niemanden haben, der sich in ihrer verbleibenden Lebenszeit um sie kümmern kann/will. Ich ziehe meinen Hut vor jenen Menschen, die in einem Hospiz tätig sind.


    Ansonsten teile ich Argos Ansicht.

    Folgendes dazu:


    2012 waren die Ärzte bei meinem Senior nach seinen diversen, mehrmonatigen Krankenhausaufenthalten mit Nieren und Herzinsuffizienz, Demenz etc pp. und einer Rücken-op mit Ihrem Latein am Ende. Auch die zwischenzeitlichen Reha Massnahmen ( waren aus medizinsicher Sicht ein Witz ) brachten natürlich nichts.

    Also, irgendwann im September bekamen wir folgende Diagnose: Lebenserwartung 2, höchsten 3 Monate mit Glück und Ratschlag zur Überweisung in ein Hospiz.

    Wollte ich definitv meinen alten Herren nicht antun. Kurz intern beratschlagt, Frau langjährige Krankenpflegehelferin. Also, Zimmer freigeräumt, innerhalb einer Woche alles bestellt und (teils) bekommen und den Alten mit 6 Morphiumampullen und 2 Tage Medikation Freitags in der Etagenwohnung angeliefert bekommen.


    Den darauf folgenden physischen und psychischen wochen/monatelangen Parforceritt erspare ich hier.


    Nur kurz, nach knapp einen 1/2 Jahr konnte er wieder laufen, sprechen, klar denken ( war schon der Fall als wir die teils unnötigen Psychopharmaka nach 3 WOchen absetzten ) und ging darufhin in ein Pflegeheim wo er noch knapp 5 Jahre lebte. Er hätte sogar noch länger aber das ist eine andere Kiste...


    Will sagen: Es gibt unheimlich viele Situationen, Zeitfenster etc. wo man glaubt das jemand besser aufgehoben ist wenn er nicht mehr ist. Mag auch zutreffen. Nur dürfen wir nicht vergessen das jenes Leben ein kostbares ist. Und darum muss auch gekämpft werden. Meine Frau blaffte mal abwechselnd mich oder auch meinen Alten an ( ein äusserst sturer Bo.... ) und zog ihn sogar letztendlich aus dem Bett. Wo für er sich im nachherein bedankte, sonst wäre der olle Phlegmatiker niemals aus der Bequemlichkeit endstiegen..auch zum Thema bedientwerden.....

  • Ja, ich habe so etwas Ähnliches auch schon einmal durch, aber nicht mit diesem Ende. Natürlich hast du recht, um jedes Leben muss gekämpft werden. Aber es sollte zumindest für diejenigen, die 100%ig dem Tod geweiht sind und einen qualvollen Weg bis zum Ende vor sich haben, die Möglichkeit der Entscheidung geben. Allerdings sehe ich auch einige Probleme und es wird wahrscheinlich schwierig sein, einen Missbrauch auszuschließen. Von daher habe ich kein Patentrezept. Ich stelle es mir auch sehr schwer vor, jemandem zum Sterben zu verhelfen, wenn er das todbringende Medikament nicht mehr selbst beschaffen und/oder einnehmen kann. Das ist sicherlich eine enorme psychische Belastung und nur wenige werden wohl die mentale Stärke dafür aufbringen. Andererseits wird es auch Menschen geben, die es aus verschiedensten Gründen nicht abwarten können, dass der Kranke endlich geht. Besonders problematisch dürfte das Thema wohl bei Minderjährigen oder zum Beispiel geistig behinderten Menschen sein. Wie gesagt: Ich bin grundsätzlich dafür, dass jeder Mensch im Falle einer unheilbaren Krankheit seinen Tod selbst bestimmen kann, sehe aber Probleme über Probleme.

  • ...................Für mich wäre das psychisch unerträglich.

    Es wird niemand zuvor fragen, wie man seine "letzten Tage, Stunden und Minuten" verbringen möchte. Und einen "schönen Tod" gibt es nicht, zumindest nicht, wenn man bewußt erlebt, dass das Ende unausweichlich ist. Wünschenswert ist ein Aneurisma und man ist weg.

  • Wenn ein Aneurisma wünschenswert ist, weil man dann sofort weg ist, dann kann es auch wünschenswert sein, dass man was zu schlucken hat, um gleich weg zu sein. Es ist eine Frage des Willens.


    Was ich schrecklich fände, wäre langsames, langes Dahinsiechen, womöglich unter Schmerzen. Gut, gegen Schmerzen gibt es was, aber wenn es was Hilfreiches ist gegen starke Schmerzen, ist man ja auch nicht mehr ganz "da". Jeder ist anders und manche mögen es, Hoffnung zu haben bis zuletzt, aber was mich betrifft, so möchte ich nicht als hilfloses, ausgeliefertes Bündel enden.

  • ....Jeder ist anders und manche mögen es, Hoffnung zu haben bis zuletzt, aber was mich betrifft, so möchte ich nicht als hilfloses, ausgeliefertes Bündel enden.

    Und leider macht man sich dazu meist Gedanken wenn's zu spät ist.


    Wie gesagt, als meine Zeit da war so ein Seniorenheim öfters aufzusuchen und ich die Oldies dort gesehen habe... und wenn da eine Oma ( unter anderen ) am Eingang sitzt und dich bittet: "Nehmen Sie mich mit ?"


    Danach brauchte ich ( zum Unwillen der besten Ehefrau...) öfterdings einen guten Brandy.

  • Das kann ich verstehen. Deshalb würde ich nie, nie in einem Seniorenheim arbeiten, es würde mir das ganze Leben vermiesen. Ich käm nicht davon los. Lieber bleibe ich bei meinen Gebrauchtwarenhäusern, in denen ich Klamotten sortiere für Flüchtlinge und andere Arme. Ab nächster Woche gebe ich einer Zehnjährigen Deutsch-Nachhilfe. Das alles ist mir lieber, obwohl mir bewusst ist, wie bitter nötig es auch wäre, was für die Alten zu tun.