Die ehemalige DDR

  • Leider kenne ich nur Dresden […]

    Dresden mag zu Zeiten Friedrich August I. neben Braunschweig und Wolfenbüttel zu der Hotspot des Kunstsinns und der dem Aufklärungszeitalter angemessenen Bildungsaffinität gewesen sein - wie schade, dass diese Eigenschaft bei den Sachsen gegenwärtig nicht mehr so stark ausgeprägt scheinen. Einer der größten Söhne des Landes hat die Blütezeit seines Lebens und den eher wieder eingetrübten Lebensabend in Dresdens Nachbarschaft (Radebeul) verbracht, aber dessen Villa war von Anfang an ein Phantasiegebäude - genau wie sein literarisches Werk, das er autobiographisch verstanden haben wollte, und das doch nur als Abenteuer für jugendliche Leser wahrgenommen wird…

  • Substi, die artenreiche Pflanzen- und Tierreich entlang der ehemaligen Zonengrenze nennt man das "Grüne Band"

    Das macht doch nichts… zuvor nannte man's "Todesstreifen", und es war nicht von der Hand zu weisen, dass widerrechtlicher Übertritt sofortigen Schusswaffengebrauch nach sich ziehen konnte… wenn wir über die ehemalige DDR sprechen, bleibt nicht aus, dass wir uns über das unterhalten müssen, was jetzt an ihrer Stelle steht - und ihren verbliebenen Bewohnern nicht als Erfüllung ihrer vor bald 30 Jahren gehegten Zukunftsträume erscheint.

  • Natürlich gibt's in den neuen Bundesländern einzelne herausgeputzte Gebäude

    Einzelne herausgeputzte Gebäude - wann warst du denn zuletzt in den NBL? So sah es beispielsweise in Halle tatsächlich Mitte / Ende der 90er aus; mittlerweile sind heruntergekommene Gebäude die Ausnahme. Ähnlich in Leipzig, Dresden, Meißen. Ich kenne natürlich nicht alle Städte im Osten. Aber z.B. Beeskow, eine kleine Kreisstadt südöstlich von Berlin, sieht man die DDR-Vergangenheit kaum noch an. Meine Großeltern mütterlicherseits lebten in Großengottern, einem Dorf zwischen Gotha und Mühlhausen. Vor ein paar Jahren war ich dort und habe es nicht wiedererkannt. Wo noch Mitte der 70er die Jauche durch die Straßen floss, sind heute sauber asphaltierte Straßen mit Bürgersteigen mit Verbundstein-Mosaiken!

    Aber wahrscheinlich habe ich nur die Hotspots kennen gelernt.

  • Man merkt, dass dies kein "gewachsener" Thread ist. Alles etwas durcheinander....


    Könnten wir in der Weiterführung der Diskussion ein wenig die Zeitschienen trennen? Es bringt nichts, wenn wir die alle in einen Topf werfen. Die Zeit unmittelbar nach den Anschluß, die davor und das Heute sind mMn unterschiedlich zu bewerten.

    Was nützen zB Hinweise, dass es heute Städte im Westen gibt, die schlimmer aussehen, als einige zu DDR Zeiten? Heute ist das Komunal/Länderpolitik und hat mit dem Bund wenig zu tun.


    ....is nur ein Vorschlag.


    mfg

    Wer in Grenzen denkt, denkt begrenzt.

  • Interessant finde ich, wie wenig Zeit es braucht, eine Situation, auf die reagiert werden muss, in den Genen zu verankern.

    Ich habe vor einiger Zeit einen Film des Bund Naturschutz gesehen, mit dem die Bewegungen des Wilds hüben und drüben des ehemaligen Grenzverlaufs aufgezeichnet worden waren. Die Tiere haben sich auf "beiden Seiten" so verhalten, als sei die Grenze noch vorhanden - auf der einen wie auf der anderen "Seite" drehten ausnahmslos alle vor der imaginären Grenze um, keins lief einfach weiter. Es wurde von oben gefilmt und da war das ganz deutlich zu erkennen.

    Kein wunder, dass es uns irgendwie auch so geht...

  • […] Die Tiere haben sich auf "beiden Seiten" so verhalten, als sei die Grenze noch vorhanden […]

    Wildtiere lesen halt keine Zeitung - und die etwa 40 Jahre, in denen die innerdeutsche Grenze ein für größeres Wild als eine Feldmaus unüberwindliche Barriere darstellte, stellen in der Tierwelt ein mehrere Generationen umfassendes Zeitfenster dar.

  • […] Was nützen zB Hinweise, dass es heute Städte im Westen gibt, die schlimmer aussehen, als einige zu DDR Zeiten? […]

    Hinweise der genannten Art deuten an, dass der marode Zustand der DDR in den letzten Jahren ihrer Existenz erstens wiederholbar ist und zweitens die Vernachlässigung der einstigen Industriereviere des Westens zugunsten des "Aufbaus Ost" als Zwischending aus Freilichtmuseum und TV-Kulisse die seinerzeit angekündigte Angleichung der Lebensverhältnisse nicht in der erwarteten bzw. erhofften Form mit sich gebracht hat…

  • Was nützen zB Hinweise, dass es heute Städte im Westen gibt, die schlimmer aussehen, als einige zu DDR Zeiten?

    Ich bin zum Ende der DDR hin öfters mal dort gewesen. Tagestouren mit dem Motorrad. Die DDR war schon rein optisch eine andere Welt. Hatte viel vom Flair Nachkriegsdeutschlands. Viele Gebäude waren verfallen, auch wenn sie bewohnt waren. Der Gestank von verbrannter Kohle und Zweitaktöl war allgegenwärtig.


    Einmal war es kalt und neblig. Als ich wieder zu Hause war, waren ich und meine Karre von einem schwarzen Schmierfilm bedeckt. Dem Russki sei Dank. Es lebe der Kommunismus!


    Kein Wunder, dass die Menschen dort weg wollten und man sie wie Tiere in ein Gehege sperren musste.

  • ... zugunsten des "Aufbaus Ost" als Zwischending aus Freilichtmuseum und TV-Kulisse ...

    Manchmal frage ich mich, ob du tatsächlich glaubst, was du da absonderst. Wenn ja, wär's wirklich schlimm ...


    Beim "Aufbau Ost" ging es primär um die Wiederherstellung der Infrastruktur, also Straßen, Schienen, Kommunikation etc. Das war in der Tat alternativlos. Dass in der DDR vieles zwar verfiel, aber nicht platt gemacht wurde wie im Westen, war im Grunde ein Glücksfall (die Wende kam gerade noch rechtzeitig). So konnte man vieles retten und die Städte haben ihren Charme behalten (im Gegensatz zu den gesichtslosen Großstädten im Westen). Die Fehler, die beim "Aufbau Ost" gemacht wurden, betrafen die Industrie, die zum Teil ohne Not platt gemacht wurde.


    Ich habe den Eindruck, dass du noch nie im Osten Deutschlands warst.

  • […] Der Gestank von verbrannter Kohle und Zweitaktöl war allgegenwärtig. […]

    Der Gestank rührte weniger von der Kohle her, sondern von deren Verunreinigung - schließlich wurde weit überwiegend Braunkohle verfeuert, und das ohne irgendwelche Filteranlagen… jetzt hat man aus vorgeblicher Sorge um die Verbesserung der Luftreinheit den letzten Industriezweig, der seinerzeitig in der DDR für eine gesellschaftstragende Beschäftigungsquote gesorgt hat, stillgelegt - gut, es gibt noch ein paar Solarpaneelehersteller, aber deren Arbeitsplätze beschränken sich zumeist auf einen Insolvenzverwalter und eine Handvoll Schreibkräfte… das trübt die Binnenkonjunktur denn doch stärker ein als es die Warteschlangen dereinst vor'm Einzelhandel vermochten…

  • ... den letzten Industriezweig, der seinerzeitig in der DDR für eine gesellschaftstragende Beschäftigungsquote gesorgt hat ...

    Und für ungebremste Zerstörung (250 Orte verschwanden, 80.000 Menschen wurden umgesiedelt) und Vergiftung (Asche, Schwefeldioxid, Schwermetalle, Dioxine) der Umwelt.


    Aber früher war ja alles besser ...

  • Es gibt Wahrheiten und gefühlte Wahrheiten. Tatsächlich geht es vielen DDR´lern heute besser als früher, aber sie leben in einem Grundrauschen des "Abgehängtseins", was man ihnen zum Teil auch eingeredet hat. Selbst wenn sie ihren Job verloren haben, verelenden sie nicht.

    Man kann jeden Menschen ins gefühlte Unglück schwätzen.

  • Der Gestank rührte weniger von der Kohle her, sondern von deren Verunreinigung - schließlich wurde weit überwiegend Braunkohle verfeuert, und das ohne irgendwelche Filteranlagen… jetzt hat man aus vorgeblicher Sorge um die Verbesserung der Luftreinheit den letzten Industriezweig, der seinerzeitig in der DDR für eine gesellschaftstragende Beschäftigungsquote gesorgt hat, stillgelegt - gut, es gibt noch ein paar Solarpaneelehersteller, aber deren Arbeitsplätze beschränken sich zumeist auf einen Insolvenzverwalter und eine Handvoll Schreibkräfte… das trübt die Binnenkonjunktur denn doch stärker ein als es die Warteschlangen dereinst vor'm Einzelhandel vermochten…

    Die Zone war total im Arsch, das wird wohl niemand abstreiten. Eine Jahrzehnte lange "Diktatur des Proletariats" hat bisher jedem Land massiv geschadet. Leider war beim Anschluß der "DDR" kaum jemandem klar, wie nachhaltig die Kommunisten das Land und den Geist der Bewohner geschädigt haben. Die Folgen sind heute noch spürbar.

  • Es waren ja keine echten Kommunisten, wie wir immer wieder erfahren, zudem hat dem Land nicht die Diktatur des Proletariats geschadet, sondern, Merkel, Schröder, Clinton, Bush, Obama, VW, Gehlen, Adenauer, Kohl, Israel, die Frankfurter Allgemeine, Amerika im Allgemeinen, die Bilderberger und vieles mehr.


    Da kann ja ein Land nicht auf die Füße kommen.

  • Es waren ja keine echten Kommunisten, wie wir immer wieder erfahren, zudem hat dem Land nicht die Diktatur des Proletariats geschadet, sondern, Merkel, Schröder, Clinton, Bush, Obama, VW, Gehlen, Adenauer, Kohl, Israel, die Frankfurter Allgemeine, Amerika im Allgemeinen, die Bilderberger und vieles mehr.


    Da kann ja ein Land nicht auf die Füße kommen.

    Die übliche Leier: die anderen sind an meinem Elend schuld!


    Das hört man oft von Leuten mit einer politisch dogmatischen Einstellung, die nicht akzeptieren können, dass ihre eigene Ideologie sie immer und immer wieder in die Katastrophe führt. Indem du die Bilderbeger erwähnst, gibst du deinem Argument übrigens auch noch einem verschwörungstheoretischen Touch.

    Das war bestimmt nicht beabsichtigt. :)