Die ehemalige DDR

  • Wenn ich mir diese Diskussion so betrachte,dann kommt mir der Vereinigungsprozess vor wie die Geschichte mit der buckligen Verwandtschaft. Zunächst jammerten alle,weil sie sich nicht sehen oder sprechen konnten.Dann kam der Moment,wo man sich wieder in den Armen lag.Und jetzt,nach einiger Zeit,merkt man,dass man sich doch gewaltig auf die Nerven geht. Und: gerade versucht man (wir),diese Verwandtschaft irgendwie wieder los zu werden,auf welche Art auch immer.

    Das ist eine falsche Sichtweise! Das Problem besteht darin, dass der Osten gesellschaftstheoretisch dem Westen um mindestens eine Generation voraus war, infolge von Führungsfehlern sowie des Rüstungswettlaufs aber nie die wirtschaftliche Überlegenheit über die führenden westlichen Staaten erreicht hat. Nun aber ist eine Mehrheit der Wessis der Auffassung, ihre Gesellschaft bedürfe keiner wesentlichen Änderungen, höchstens einiger Reformen. Man könne so weitermachen, wie bisher, schließlich hat man die Wirtschaftliche und Militärische Macht dazu. Nur ändert sich derzeit die Gesellschaft schneller als das Bewußsein der Massen. Da liegt der Hase im Pfeffer. In wenigen Jahren wird die Digitalisierung/Automation die meisten Erwerbsarbeitsplätze hinwegraffen, Dienstleistungen auch eingeschlossen, mit wenigen Ausnahmen. Das Gesellschaftsmodell ist passé! Man wird sich überlegen müssen, wie die Menschheit in Zukunft leben will: In unterwürfiger Abhängigkeit von einigen hundert Milliardären weltweit oder als freie Individuen in einer umfassend demokratischen Ordnung, die die Bedürftnisse aller im Blick hat.

  • Ich befürchte,dass die Mauer (in den Köpfen) ohnehin nur sehr partiell eingebrochen ist.

    Auf beiden Seiten....

    Stimmt. Man muss aber gerechterweise auch bedenken, dass die Wessis nach dem Mauerfall im Großen und Ganzen weitergelebt haben wie zuvor. Für den Einzelnen hat sich nicht viel verändert, außer dass jemand aus der Familie das Pech hatte, seinen Arbeitsplatz verlegen zu müssen. Der Lebensstil allerdings hat sich für die Wessis kaum verändert, abgesehen davon, davon dass man eine Weile die Ansage der U-Bahn-Fahrer absolut nicht verstanden hat :hörnix::kopfkratz:.

    Für die Ossis hat sich aber so gut wie alles verändert, sie kamen - besonders da sie nun auch reisen konnten - überall in eine gänzlich neue Welt.

    Wenn man es sich aber in seiner alten Welt erträglich eingerichtet hatte oder sogar zu den Bevorzugten des Systems gehörte, ist das ganz sicher ein Kulturschock gewesen.


    Nur: In 30 Jahren sollte man sich auch in der neuen Welt einigermaßen zurechtfinden und nicht dauernd den "Brüdern und Schwestern" erzählen, wie scheiße bei ihnen alles war und ist. Es hilft auch nix, wenn man immer hinzufügt, man wisse ja, dass die gar nix dafür konnten, aber...

    Es nervt eben einfach gewaltig, und man kann nicht mal mehr wie unsere Altvorderen sagen: "Dann geh doch nach drüben".



    "Oh Tor, im Unglück ist Trotz nicht förderlich!" (Sophokles: Ödipus auf Kolonos)

  • Das Problem besteht darin, dass der Osten gesellschaftstheoretisch dem Westen um mindestens eine Generation voraus war, infolge von Führungsfehlern sowie des Rüstungswettlaufs aber nie die wirtschaftliche Überlegenheit über die führenden westlichen Staaten erreicht hat. Nun aber ist eine Mehrheit der Wessis der Auffassung, ihre Gesellschaft bedürfe keiner wesentlichen Änderungen, höchstens einiger Reformen. Man könne so weitermachen, wie bisher, schließlich hat man die Wirtschaftliche und Militärische Macht dazu. Nur ändert sich derzeit die Gesellschaft schneller als das Bewußsein der Massen. Da liegt der Hase im Pfeffer. In wenigen Jahren wird die Digitalisierung/Automation die meisten Erwerbsarbeitsplätze hinwegraffen, Dienstleistungen auch eingeschlossen, mit wenigen Ausnahmen. Das Gesellschaftsmodell ist passé! Man wird sich überlegen müssen, wie die Menschheit in Zukunft leben will: In unterwürfiger Abhängigkeit von einigen hundert Milliardären weltweit oder als freie Individuen in einer umfassend demokratischen Ordnung, die die Bedürftnisse aller im Blick hat.

    Ich würde es ja lustig finden, wenn es nicht so traurig wäre: Der Osten hat nicht nur keine wirtschaftliche Überlegenheit über die führenden "westlichen Staaten" erreicht, er war ihr sogar weit unterlegen! Auch gesellschaftstheoretisch war der Osten in keiner Weise voraus, was soll das überhaupt heißen? Der normale Ossi hat vom gesellschaftstheoretischen Fortschritt nicht das geringste gemerkt.


    Das Bewusstsein der Massen - Digitalisierung - Erwerbsarbeitsplätze (welche gibt es sonst noch?) - unterwürfige Abhängigkeit - Gesellschaftsmodell...

    Unglaublich, was da alles an Lebensfremden zusammengerührt wird.


    Wäre der Osten gesellschaftstheoretisch tatsächlich eine Generation voraus gewesen (außer meine Verwandten!), dann hätte man ihn nicht der Freiheit berauben und einsperren müssen. Man hätte nicht die Antennen umdrehen und keine Stasi-Akten anlegen müssen. Gesellschaftspraktisch gesehen gab es die Abstimmung mit den Füßen, jahrzehntelang sogar unter Lebensgefahr und Mauertoten.



    "Oh Tor, im Unglück ist Trotz nicht förderlich!" (Sophokles: Ödipus auf Kolonos)

  • Zitat von Bicyclerepairmen

    Nichts. Nur das der Westen das exakt das Gleiche macht. Und das sollten wir uns endlich mal bar jedem moralisierenden Habitus

    eingestehen.

    Wohl wahr. Es ist nicht viel anders als zu Zeiten des kalten Krieges. Nur das das es durch die veränderten Rahmenbedingungen unübersichtlicher geworden ist.

  • Wohl wahr. Es ist nicht viel anders als zu Zeiten des kalten Krieges. Nur das das es durch die veränderten Rahmenbedingungen unübersichtlicher geworden ist.

    Der Kalte Krieg wird immer noch weiter gefuehrt, mit anderen Mitteln, und schlechteren Karten fuer Moskau. Viele der ehemals "Verbuendeten" haben die Seite gewechselt. Bei einem Buendnis mit direktem Zwang voraussehbar.

  • Das ist eine falsche Sichtweise! Das Problem besteht darin, dass der Osten gesellschaftstheoretisch dem Westen um mindestens eine Generation voraus war....

    Stimmt, das konnte ich rein theoretisch 1989/1990 in der Vorzeigestadt des praktizierenden Sozialismus, Berlin gewahr werden.


    Noch die MG Garben der Roten Armee von 1945 in den Mauern und Strassenzüge voller abgeschlagener Balkone weil kein Baumaterial fürs Nötigste da war.


    Als ich das erste Mal ausserhalb der Transit Dezember 1989 ostzonalen Boden an der Ostsee betreten habe und mit unseren Besuchern aus Mittelamerika so weit fahren durften bis unser Benzin reichte ( die DDR Grenzer hatten uns freundlicherweise auch ohne Visa reingelassen... "Iss eh alles egal.." ) wurden unsere Latinos, so auch wir immer ruhiger. Auf dem Rückweg fragten mich unsere Freundin aus Guatemala damals ( inkl. Akzent)

    " Sag mal, wie wollt Ihr das denn alles bezahlen ? Das geht doch gar nicht...."


    Also, "der Osten", inkl. Osteuropa mag eventuell richtigerweise theoretisch irgendwo gewesen sein. Aber das interessiert eigentlich gar nicht denn praktisch, ganz praktisch war er voll im Arsch. Und deswegen sind die Menschen auf die Barrikaden und haben das Bestehende beseitigt.


    Weil Sie 40 Jahre lang ( ++) immer genau solchen kamelligen Lötzinn gehört haben. Theoretisch seit Ihr ja besser, aber.....

  • Nichts. Nur das der Westen das exakt das Gleiche macht. Und das sollten wir uns endlich mal bar jedem moralisierenden Habitus

    eingestehen.

    Når kommt man mit den einfach gestrickten Denkweisen "Der boese Russe", oder der "boese Amerikaner" nicht weiter.

    Suendenbock suchen, draufpruegeln. Probleme loest man so garantiert nicht.

  • Es nervt eben einfach gewaltig, und man kann nicht mal mehr wie unsere Altvorderen sagen: "Dann geh doch nach drüben".

    Das ist scheinbar die Tatsache, die den eingefleischten Wessis am meisten auf den Keks geht.

    Im übrigen, keine Sorge, ein grauer kater hat sich vom ersten Tag an im Westen zurecht gefunden, da gab es keinen Kulturschock! Es gab nur Trauer, weil die Mainstreampolitik so umfassend versagt hat, das Potential eines geeinten Deutschlands auszuschöpfen.

  • Når kommt man mit den einfach gestrickten Denkweisen "Der boese Russe", oder der "boese Amerikaner" nicht weiter.

    Suendenbock suchen, draufpruegeln. Probleme loest man so garantiert nicht.

    Probleme löst man auch nicht wenn man A. Vorgehensweisen ( USA-Ukraine ) verschweigt und der geneigten Öffentlichkeit das Vorortrisiko nicht erläutert und B. sich dann bass erstaunt gibt wenn die Gegenseite ( Russland ) bei Ihrem vitalen, geostrategischen Interesse in dieser Region daraufhin das dementsprechende Fass aufmacht.

  • Der Kalte Krieg wird immer noch weiter gefuehrt, mit anderen Mitteln, und schlechteren Karten fuer Moskau. Viele der ehemals "Verbuendeten" haben die Seite gewechselt. Bei einem Buendnis mit direktem Zwang voraussehbar.

    Die angeblich frei gewählten Regierungen haben die Seiten gewechselt, weil sie sich was erhofft haben. Und sie sind mit Freuden in die Nato gegangen, ohne dass ihnen bewusst wurde, dass sie im Ernstfall nur Kanonenfutter für die erste Angriffswelle sein werden. Und außer massiver Korruption, Billigarbeitsplätzen und Arbeitssuche im Westen zu ebenso miesen Konditionen hat es ihnen nicht viel gebracht. Die Stimmung in den ehemaligen Ostblockstaaten ist keineswegs optimal und der Rechtsruck ist ein Signal dafür. Andererseits ist Russland noch immer stark genug und in der Lage, jedem Aggressor zu begegnen, der es wagt Russland anzugreifen!

  • Die angeblich frei gewählten Regierungen haben die Seiten gewechselt, weil sie sich was erhofft haben. Und sie sind mit Freuden in die Nato gegangen, ohne dass ihnen bewusst wurde, dass sie im Ernstfall nur Kanonenfutter für die erste Angriffswelle sein werden. Und außer massiver Korruption, Billigarbeitsplätzen und Arbeitssuche im Westen zu ebenso miesen Konditionen hat es ihnen nicht viel gebracht. Die Stimmung in den ehemaligen Ostblockstaaten ist keineswegs optimal und der Rechtsruck ist ein Signal dafür. Andererseits ist Russland noch immer stark genug und in der Lage, jedem Aggressor zu begegnen, der es wagt Russland anzugreifen!

    Kanonenfutter wären sie auch bei einem Angriff von anderer Seite, die Korruption kam nicht von außen (!) und auch die Billigarbeitsplätze haben sie sich selbst eingebrockt. Um das nicht sehen zu müssen und "dem Westen" in die Schuhe schieben zu können, wird das Wörtchen "angeblich" vor "frei gewählt" gesetzt.


    Jawohl Herr Kater, Russland besiegt jeglich Aggressoren, Heil Putin.



    "Oh Tor, im Unglück ist Trotz nicht förderlich!" (Sophokles: Ödipus auf Kolonos)

  • Nur: In 30 Jahren sollte man sich auch in der neuen Welt einigermaßen zurechtfinden und nicht dauernd den "Brüdern und Schwestern" erzählen, wie scheiße bei ihnen alles war und ist.

    Dann hast du es irgendwie falsch verstanden.

    Es geht doch, und ich schrieb es schon, nicht um dich oder den Typen da hinten in der Ecke. Es ist weder Anklage, noch Schuldzuweisung.


    Und du schriebst es selbst, IHR habt nach dem Mauerfall irgendwie weiter gelebt. Und du hast auch richtig bemerkt, dass sich auf der anderen Seite viel verändert hat.


    Allein da wird schon eine Einseitigkeit sichtbar. Eine logische, denn es sollte sich ja etwas verändern. Ich hab aber auch den Eindruck, dass u.a. Interessengebiete andere sind. Sichtweisen sind es sowieso. Das ist schon so, weil in der DDR anders gebildet wurde und die von dir erwähnte Tagesbetreuung trug auch einiges bei.

    Im kleinen Rahmen war man soziale zueinander und auch in gewisser Weise Abhängig (aber eher positiv), weil der eine das und der andere etwas anderes besorgen konnte. ;)


    Aber auch deine Darstellung, dass es massenhaftes Spionieren und was weiß ich gab, ist so nicht ganz richtig. Ich habs jetzt nicht spontan zur Hand, nur betrachtet man sich die Verhältnisse, dann reden wir hier zwar von vielen Betroffenen, nur erreichen wir das "massenhaft" eben nicht.


    Versuchen wir doch mal alle festzustellen, ob wir irgendwelche Zahlen finden, die aussagen, wieviel % der DDR Bürger direkt von repressiven System betroffen waren. Wieviel landeten im Bau? Wer wurde in seinem Beruf demontiert? usw.

    Ich such da heut mal was, was belastbar ist.


    Es ist die Darstellung und das hervorheben von Vorfällen, vor allem Prominente, die mir einfach zu dominant sind und dadurch einen etwas verzerrten Eindruck hinterlassen.


    Und direkt hab ich die Dienste ja auch nicht verglichen. Ich schrieb, dass sie beide nicht grad zimperlich waren und das in unterschiedlicher Ausprägung. Die Stasi hat Parteiaufträge aus und durch geführt, der BND hat sich eher darauf spezialisiert, sich in die Politik einzumischen.

    Deshalb ist ein direkter Vergleich ja nur bedingt möglich.

    Klar hat deshalb die BRD Bevölkerung weniger von diesen Schlapphüten mitbekommen und nur mittelbar Auswirkungen zu spüren bekommen.

    Und ja, ich geb es zu, thematisch bring ich grad viel aus dieser 50/60er Zeit, weil ich da nun mal grad bin.

    Wir können aber auch gern die 70er nehmen. Dann schauen wir auf Terrorgruppen, die wenigstens von Diensten beeinflußt und im schlimmsten Fall sogar gesteuert wurden. Wir reden vom Gründen rechter Parteien, die durch Provokation die anderen vor sich hertreiben. Das war damals bei der Gründung der NPD so. Ähnlich treibt ja auch grad die AfD die anderen vor sich her, nur scheint die nicht vom Dienst gegründet. ....so weit mir bekannt. ;)


    Aktuell sieht es doch nicht besser aus. Schau auf den Amri-Fall oder nimm den NSU.

    Warum verhindern Dienste, die für die Sicherheit in unserem Land zuständig sein sollen, Mordaufklärungen, nur um ihre Informanten zu schützen? Warum werden Netzwerke verheimlicht oder verniedlicht, die mordend durch unsere Republik ziehen?

    Logische Frage aus dieser Aufzählung: Hat unsere Regierung ihre Dienste im Griff?


    Letztlich ist es die Einsicht aus ALLEM, die mir sagt, dass Ost und West ihre Menschen auf ihre ganz eigene Art klein gehalten hat. Wir alle also in einem Boot sitzen. Gut, der Ossi in einem Ruderboot und der Wessi auf einem Kaffeedampfer mit Bedienung. ;)


    Heute? Wir lernen: Man kann interessengesteuerten Geheimdiensten nicht trauen. Arbeiten die auch noch mit Politikern zusammen, dann wird es für unsere FDGO gefährlich. Denn was ich nicht will, sind irgendwann einmal Zustände, die dann wirklich mit jener in der DDR verglichen werden können.

    Ich will das jetzt nicht übertreiben, nur was soll ich denn denken, wenn die Vorgesetzten dieser Dienste keine Weisungsbefugnis haben? Als Resultat daraus sehe ich auch die AfD Wähler aus einer anderen Perspektive.


    Und ja, wir brauchen nicht, was wir schon hatten und was überholt oder repressiv ist.

    Gewisse Dinge haben sich einfach selbst überholt und in der heutigen Welt sind die auch nicht mehr geeignet, Macht um ihrer Willen zu erhalten.


    mfg

  • Der Steuerzahler bezahlt alles, hättest Du darauf antworten können! Und so ist es auch gekommen. Die einfachen Menschen in Ost und West bezahlen bis heute die Zeche, dieweil einige sich eine goldene Nase verdienten.

    Ja was hast Du denn erwartet ? Das die Quandt's, Flick's, Hopp's etc. zu einsiedelnen Philanthropen mutieren und ihre eigenen Milliarden per Hubschrauber über den NBL's abwerfen ?


    Die "einfachen Menschen" Menschen bezahlen, egal unter welchen Wirtschaftssystem immer die Zeche. Wer hat Dir denn erzählt das jenes anders ist ?

    Soetwas passiert bekanntlich mal mehr, mal weniger. In der Ex-DDR war der gesellschaftliche Kitt das Schönreden bis zu einem gewissen Punkt ( wie man hier auch noch sehen kann ) in anderen Ländern wie etwa China oder Russland stand auf der wirtschaftlichen Katastrophenabrechnung millionfach Verreckte weil dort die sozialistischen Allmachtsphantasien noch wesentlich grösser in die Hose gegangen sind als anderswo.