• Das Sterbehilfeverbot sehe ich als nur ein Beispiel unter vielen, wie sehr - gerade in Deutschland - in die Souveränität des Individuums eingegriffen wird, sein Leben so zu führen, wie es will. Meine diesbezügliche Gefühlslage habe ich vor einiger Zeit versucht, in folgendem Gedicht auszudrücken:


    Staatsbesitz


    Kaum hast du diese Welt betreten,

    Lässt sich das Finanzamt nicht lange bitten

    Und sendet dir, oh großer Kummer,

    Deine lebenslange Steuernummer.


    Bald kommst du in den Kindergarten,

    Erfährst dort deine Sozialisation,

    Lernst, was andere von dir erwarten ...

    Zum Wohle der Nation.


    Mit sechs Jahren bist du einschulungsbereit,

    Trainiert wird sodann deine Arbeitsamkeit.

    Und ist der Unterricht auch noch so verhasst,

    Den Erfordernissen wirst du angepasst.


    Als geschmeidig funktionierendes Endprodukt

    Begibst du dich auf den Arbeitsmarkt.

    Nun rackerst und schuftest du wie verrückt,

    Nach 30 Jahren dann: Herzinfarkt.


    Du hörst den Gevatter die Sense wetzen,

    Verzweifelt bittest du einen Arzt um Rat,

    Er möge dem Grauen ein Ende setzen,

    Doch in Würde zu sterben verbietet der Staat.


    Deine Asche gehört weder Gatte noch Kindern,

    Das weiß das Gesetz erfolgreich zu verhindern.

    Um Recht und Ordnung Genüge zu tun,

    Hast du auf einem Friedhof zu ruhen.

  • Ich weiß nicht, ob es einer von Euch auch geguckt hat: GOTT. Ein gesunder, aber lebenssatter (ich glaube, dieser Ausdruck ist der Bibel entnommen) Mensch möchte sterben. Und er wünscht Hilfe zum Suizid. Hier werden mehr oder weniger alle bereits diskutierten Standpunkte gut dargelegt, nur einer fehlte völlig: Warum unser Bundesgesundheitsminister das hier besprochene Urteil immer noch aussitzt und außer Gutachten einzufordern es nicht nötig hat, Stellung für sein Nixtun zu beziehen.

    https://www.daserste.de/unterh…hirach/sendung/index.html


    Frdl. Grüße

    Christiane

  • Die Bundestagsabgeordneten Kathrin Helling-Plahr(FDP), Petra Sitte(Linke) und Karl Lauterbach(SPD) haben einen Entwurf für ein neues Sterbehilfegesetz vorgelegt. Beraten werden soll die "geschäftsmäßige Sterbehilfe". Für mich ein Begriff, der abartiger nicht gewählt werden kann.

    Wann der Entwuf beraten wird, steht in den Sternen.

    Quelle: "freitag", Ausgabe 5/2021, Seite 12.

  • Die Bundestagsabgeordneten Kathrin Helling-Plahr(FDP), Petra Sitte(Linke) und Karl Lauterbach(SPD) haben einen Entwurf für ein neues Sterbehilfegesetz vorgelegt. Beraten werden soll die "geschäftsmäßige Sterbehilfe". Für mich ein Begriff, der abartiger nicht gewählt werden kann.

    Wann der Entwuf beraten wird, steht in den Sternen.

    Quelle: "freitag", Ausgabe 5/2021, Seite 12.

    Bei einem Ehepaar ist diese Sterbehilfe gerichtlich abgelehnt worden.


    https://www.tagesschau.de/inla…rfassungsgericht-101.html


    Ich persönlich stimme dem Wunsch nach eigenbestimmten Sterben zu. Meine Mutter hatre sich aufgrund schwerer Krankheit wahrscheinlich dieses Recht herausgenommen.

    „Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.“

    Kurt Tucholsky, (09.01.1890 bis 21.12.1935)

  • Bei einem Ehepaar ist diese Sterbehilfe gerichtlich abgelehnt worden.

    Zu recht abgelehnt. Das Ehepaar hat Angst davor wegen Demenz oder Krebs einen qualvollen Tod zu sterben. Wenn ich also Angst davor hab an etwas zu sterben, stelle ich einen Antrag auf Sterbehilfe. Geht's noch?


    Wenn jemand unheilbar krank ist und Schmerzen hat. Kann man drüber diskutieren aber nicht wegen irgendwelchen Ängsten. Klares Nein!


    In ein paar Jahren wird das kommen und dann wird die Meßlatte immer weiter nach unten gelegt und irgenwann in 20/30 Jahren bekommt man Sterbehilfe obwohl man garnicht danach gefragt hat. Der Stein ist nun mal ins Rollen gebracht worden und jetzt geht das seinen Weg.

  • Es ist ein sehr schwieriges Thema und ich respektiere jede Meinung dazu, aber für mich ist die "Sterbehilfe" der leichtere und bequemere Weg, um mit schwer Kranken umzugehen. Meine Einstellung ist klar, es ist meine Aufgabe und Pflicht als Mitmensch, alles zu tun, um das Leben zu verlängern. Ich habe mich bei dem Thema auf die Seite der christlichen Doktrin gestellt. Aber wir gesagt, wer das anders sieht, ist nicht weniger im Recht.

    Beide Seiten haben hier IMHO die Argumentationshoheit und Moral, Ethik für sich.

    „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

  • Bei einem Ehepaar ist diese Sterbehilfe gerichtlich abgelehnt worden.


    https://www.tagesschau.de/inla…rfassungsgericht-101.html


    Ich persönlich stimme dem Wunsch nach eigenbestimmten Sterben zu. Meine Mutter hatre sich aufgrund schwerer Krankheit wahrscheinlich dieses Recht herausgenommen.

    Sie wollten an ein Mittel zum Einnehmen kommen, sich den Zugang zu diesem Mittel erkämpfen. Sie wollten die Möglichkeit erhalten, im Fall der Fälle daran zu kommen.

    Und sie haben es gut begründet und nachvollziehbar. Wohl auch für die Richter, aber leider, leider haben Sie zur falschen Zeit gekämpft, denn

    „… Die Richter selbst könnten nicht zu ihren Gunsten entscheiden, weil die Bundesregierung bisher keine gesetzliche Grundlage für die legale geschäftsmäßige Beihilfe zum Suizid geschaffen habe. Entschiede man doch, griffe man dem Primat der Politik vor - das verbiete sich aber.“


    Also zurück auf Anfang und mit 0 Chancen bei einem Bundesgesundheitsminister, der sich schlichtweg einer Bearbeitung der neuesten Rechtsprechung verweigert.


    Unsere Verfassung erlaubt es also eher, die Menschen zuhause/in irgendwelchen Heimen dahinsiechen zu lassen als dass sie dem „Primat der Politik“ vorgreift. Und es geht nur um einen Begriff, der erweitert zu fassen wäre: „Geschäftsmäßig.“


    Ich finde es zum Haare raufen.


    Frdl. Grüße

    Christiane

  • Unsere Verfassung erlaubt es also eher, die Menschen zuhause/in irgendwelchen Heimen dahinsiechen zu lassen als dass sie dem „Primat der Politik“ vorgreift. Und es geht nur um einen Begriff, der erweitert zu fassen wäre: „Geschäftsmäßig.“


    I

    Ja, hier und andernorts ist ja auch die Schwangerschaftsunterbrechung eine Aktion,die als kriminell oder quasikriminell eingetuft wird.Vorgeburtlich Verbrechen,aber wenn die Kinder nach der Geburt elend verrecken,dann ist es oft "göttlicher Wille".

    Human sieht völlig anders aus.

  • Ein älteres Ehepaar waren früher meine Nachbarn. Mehr als 20 Jahre verheiratet. Nach dem die Frau verstorben war, wollte ihr Ehegatte ihr folgen und hat dabei (illegale) Hilfe vom Sohn bekommen. Polizei hat auch ermittelt, aber man hat ein Auge zugedrückt.

    -----

    Woher meine Wenigkeit das wissen will? Bleibt geheim. ;)

    „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“