Seelsorge und Religion in der Bundeswehr

  • Wir stimmen überein, dass Feldgottesdienste oder Segnungen irgendwelcher Dienstgebäude nicht in die heutige Zeit gehören. Wir stimmen nicht überein, was den Einsatz von Psychologen betrifft. Die können nach meiner Erfahrung den heutigen Seelsorger nicht ansatzweise ersetzen. Aus einer Vielzahl von Gründen heraus. Da müsste man etwas völlig Neues erfinden. Der Wille dazu scheint gering.

    Ja, man müsste etwas Neues erfinden. Das sehe ich auch so. Deshalb schrieb ich ja Psychologen mit Zusatzausbildung, die in der Lage sein sollten, Situationen zu händeln, wie sie an den Seelsorger herangetragen werden. Aber du hast Recht, das ist eher Utopie.

  • Oh doch, das wurden sie. Denn du hast hier Artikel verlinkt bzw. zitiert, in denen es zum Beispiel und unter anderem um den Hijab in der britischen Armee oder das Kopftuch in der Bundeswehr geht. Das ist durchaus diskussionswürdig, denn ...



    eine Diskussion ist ein Meinungsaustausch. Von daher spielen sowohl deine als auch meine Meinung in dieser Diskussion eine Rolle.

    Du hast ja anfänglich die Ungleichbehandlung des Judentums und des Islams in der Bundeswehr kritisiert. Weil es für jüdische Soldaten Rabbiner als Seelsorger gibt und für Muslime nichts Adäquates zur Verfügung gestellt wird. Ja, es gibt diese Ungleichbehandlung. Und sie hat Gründe.

    Stimmt, aber diese waeren zu ueberwinden, wie man am Beispiel Frankreich und Grossbritannien sieht, die aehnliche Huerden gleichwohl seit mehr als einem Jahrzehnt ueberwunden haben - wobei es in Grossbritannien in diesem Fall nicht um den Hijab geht - sondern um die Seelsorge muslimischer Soldaten. Ich habe es auch versucht zu erklaeren - mit dem Vergleich unterschiedlicher Dachorganisationen der Juden in Deutschland und den ebenfalls unterschiedlichen der Dachorganisationen der Muslime.

    Wo es um den Hijab geht, am Beispiel Schottland und Kanada, wurde von mir nicht verlinkt.

    In der Diskussionfolge stellte ich den Link ein, dass Muslimas mit Kopftuch von der Bundeswehr angeworben werden, was wiederum nur sekundaer mit dem religioesen Symbol des Kopftuchs zu tun hat, das nach deiner Rede hier nicht das eigentliche Thema ist.

    Natuerlich ist Meinungsaustausch wichtig, jede einzelne Meinung zaehlt. Aber zu diesem Thema ist die persoenliche Stellungnahme zum Kopftuch, ueberhaupt zu religioesen Symbolen eher unwichtig, das meinte ich, denn es geht um Seelsorge in der Bundeswehr und da ist die Frage u.a. braucht es diese, wenn ja, weshalb und wie sind Minderheiten dort damit versorgt. ?

    Der Gleichstellung zuliebe muesste es trotz Hindernisse doch moeglich sein, den geschaetzten 3000 muslimischen SoldatenInnen den einen oder anderen Seelsorger bereitzustellen, einen entsprechenden Staatsvertrag abzuschliessen.

    Erklaeren konnte bislang niemand, weshalb fuer die geschaetzten 50 - 300 juedische Soldaten zehn Rabbiner plus 48 Dienstposten verpflichtet wurden. Von den Kosten von ueber vier Millionen Euro jaehrlich mal ganz abgesehen.

    Psychologen als Seelenklempner fuer unterschiedliche Glaeubige und Nichtglaeubige waere weitaus billiger.

  • Altbundespraesident Christina Wulff spricht von 5000 muslimischen Soldaten, die in den Streitkraeften dienten, in der "Zeit"Beilage "Christ und die Welt". Es sei eine grosse Geste, dass auch diese Soldaten bereit seien, ihr Leben zu riskieren "fuer unsere Freiheit und Werte."

    Hier koenne die Politik ein Zeichen setzen, dass man die Muslime als gleichberectigt anerkenne. Wulff verwies darauf, dass es inzwischen auch einen geistlichen Seelsorger fuer juedische Soldaten gaebe.

    Aber immer noch keinen fuer muslimische Soldaten. Aus Angst vor den Rechten, schiebe man solche Themen auf die lange Bank.

  • Muslime sollen als gleichberechtigt anerkannt werden? Ja bitte. Unbedingt. Als erstes sollte man damit aufhören, immer von "Muslimen" zu sprechen. Es geht zuallererst um Menschen, die wie viele andere einer Religion angehören.

  • Ja. Genau. Dieses Herausstellen der Religion, als sei dies das einzige Merkmal des Menschen, über den man gerade spricht, geht mir persönlich gegen den Strich. Religion ist Teil einer Persönlichkeit, wenn auch bei vielen ein sehr wichtiger und sehr prägender. Die Muslime, die Christen, die Juden - diese pauschalisierende und einen Menschen auf die Religion reduzierende Art der Sprache ist für eine Annäherung aneinander nicht hilfreich, finde ich jedenfalls. Und ich finde auch, dass das Thema "Religion" in Deutschland viel zu viel Raum einnimmt. Wie schon mehrmals geschrieben, betrachte ich Religionszugehörigkeit als Privatsache, die auch von den jeweiligen Gläubigen selbst finanziert werden sollte. Die Aufgabe des Staates besteht darin, jedem seine Religionsausübung im Rahmen der geltenden Gesetze zu ermöglichen und das wars.

    Für mich ist auch nicht nachvollziehbar, warum viele Gläubige ihre Religion auf einem Tablett vor sich her tragen, ist doch der Glaube an Gott eine ganz persönliche, intime Sache, die mehr nach innen als nach außen gerichtet bzw. sein sollte.


    Politiker sollten einfach mal an ihrer Sprache arbeiten: Menschen muslimischen Glaubens, Menschen jüdischen Glaubens - das hört sich allemal positiver und gleichberechtigter an als "die Muslime" oder "die Juden". Aber das ist nur meine bescheidene Meinung.

  • Kann jemand Seelsorger sein und gleichzeitig die Existenz der Seele bestreiten? Die Psychologie ist ja tendenziell eine eher atheistische Religion. Wird ein Soldat denn überhaupt dazu neigen, deren Unterstützung anzufordern oder muss er das als dienstlichen Befehl auffassen?