So etwas nennt sich Kultur?

  • Es ist dem Menschen im Twitter-Zeitalter also eine unzumutbare Mühe, Informationen aufzunehmen, die über die Lesekompetenz der ersten Woche des Schulbesuchs hinausgehen…

    Das Twitter-Zeitalter wird durch menschlichen Müll wie Donald Trump markiert. An ihn wird man sich erinnern, wenn das Wort "Twitter" fällt.

    The Covfefe guy!

  • […] Dass man sich zu solchen Verrenkungen genötigt sah, ist doch eine weitere Bestätigung dafür, dass dieser Unsinn auf den Müllhaufen der Geschichte gehört! […]

    Wenn Du alles Nichtaktuelle als vermüllenswert ansiehst, dann gilt das ja eigentlich auch für das WISSEN, das doch erst im Laufe von Jahrhunderten gewonnen, gewachsen, entstanden und weiterentwickelt wurde… gerade wissenschaftshistorisch ist doch wichtig, die Denkweise früherer Zeiten, das im jeweiligen Zeitalter übliche Allgemeinwissen, die Einflüsse von "Vordenkern" auf Generationen später darauf aufbauenden Fortschritten (unabhängig davon, ob es um Natur- oder Geisteswissenschaften geht, und selbst bei den unterschiedlichen handwerklichen Kenntnissen und Erzeugnissen, die ja ihrerseits ebenfalls unsere Kulturgeschichte ausmachen) nachvollziehen zu können.


    Unser wieder mal ikonoklastisches Zeitalter will vor allem Vernichten - jedes Andenken an frühere Zeiten, jegliches historische Bewusstsein. Politik, Zeitgeist und vox populi verhalten sich, als hätten sie sich zu einer Sekte zusammengeschlossen.

  • […] wenn man den alten Schiefertafeln nachheult.

    Nun, die Schiefertafel hat keinen Strom verbraucht, temporär darauf gespeicherte Daten waren mit einem Wisch restlos entfernt, so dass keine Datenspuren entstanden, und wegen der begrenzten Speicherkapazität wurden darauf abgelegte Informationen übersichtlich, mit einem Blick überschaubar gehalten… auch musste so eine Schiefertafel nicht alle paar Tage upgedatet werden, ihr Betriebssystem ist nie abgestürzt, sie war ohne Roamingfunktion weltweit überall einsetzbar… ein geradezu traumhaft vielseitiges und generationenlang nutzbares Gerät, wie es heutzutage offenbar niemand mehr hinbekäme.

  • Nun, die Schiefertafel hat keinen Strom verbraucht, temporär darauf gespeicherte Daten waren mit einem Wisch restlos entfernt, so dass keine Datenspuren entstanden, und wegen der begrenzten Speicherkapazität wurden darauf abgelegte Informationen übersichtlich, mit einem Blick überschaubar gehalten… auch musste so eine Schiefertafel nicht alle paar Tage upgedatet werden, ihr Betriebssystem ist nie abgestürzt, sie war ohne Roamingfunktion weltweit überall einsetzbar… ein geradezu traumhaft vielseitiges und generationenlang nutzbares Gerät, wie es heutzutage offenbar niemand mehr hinbekäme.

    Nur ging die im Laufe eines Jahres oefters in Stuecke. Ich war ja kein ruhiger, braver Bub.

    Betragen 5. Aber nur weil es keine 6 gab, sonst haette ich 'ne 6 bekommen, sagte die Lehrerin.

    "Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Humanitaet" ( J. Stoltenberg nach den Terroranschlaegen)

  • Unser wieder mal ikonoklastisches Zeitalter will vor allem Vernichten - jedes Andenken an frühere Zeiten, jegliches historische Bewusstsein. Politik, Zeitgeist und vox populi verhalten sich, als hätten sie sich zu einer Sekte zusammengeschlossen.

    Sieh's doch nicht gleich so negativ.


    Der Schmarrn wird nicht vernichtet, sondern nur aus dem modernen Kontext ausgeklammert. Zu Forschungszwecken und zur Belustigung über die Dummheit unserer Vorfahren, bleibt die Scheiße natürlich immer noch verfügbar. :)

  • Nun, die Schiefertafel hat keinen Strom verbraucht, temporär darauf gespeicherte Daten waren mit einem Wisch restlos entfernt, so dass keine Datenspuren entstanden,

    So'n USB-Memorystick verbrät auch keinen Strom und du hast gleich mehrere Möglichkeiten, die Daten zu entfernen. Zur Not schmeißte das Ding in den Ofen.


    Übrigens würde ich nicht darauf wetten, dass heutige Kriminalisten nicht rauskriegen können, was zuletzt auf einer Schiefertafel stand. Auch wenn Opa Ewiggestrig wie ein Irrer darauf rumgewischt hat. :)

  • […] Ich war ja kein ruhiger, braver Bub. Betragen 5. Aber nur weil es keine 6 gab, sonst haette ich 'ne 6 bekommen, sagte die Lehrerin.

    Wer eine Schiefertafel zerbricht würde auch ein Smartphonedisplay kaputtkriegen… in dem Kaff, in dem ich zur Schule gegangen bin (Hamburg) waren die Tafel übrigens festes Schulinventar, d.h. im Klassenzimmer an der Wand montiert… Schüler hatten zu Schulbeginn nur Bleistift, Radiergummi, Hefte, das Pausenbrot und die Lesefibel mit zu führen, erst, wenn die anfänglichen Schreibübungen sauber und ordentlich ausgeführt waren, erteilte die Lehrerin die Erlaubnis, künftig mit einem Füllfederhalter zu schreiben.

    Ab der Mittelstufe bin ich dann auf Kugelschreiber bzw. (vor allem im Mathe- und Physikunterricht) auf Fineliner umgestiegen.


    Um zum Sujet der in den Pariser Museen angestoßenen Kulturrevolution zurückzukehren: Zweck eines Museums ist bekanntlich die Bewahrung dessen, was aus dem Alltag verschwunden ist oder zu verschwinden droht. Aufgabe des Museums, dem heutigen Besucher die Lebensweise, die einstige Bedeutung jener aus früheren Zeiten übriggebliebenen und erhaltenen Dinge zu vermitteln, Verständnis für und Interesse an jene(n) vergangenen Geschehnisse(n), Lebensleistungen(n), Kenntnisse(n) zu wecken.


    Und es ist doch paradox, wenn in heutiger Zeit von ihrem Medienkonsum überfütterte Heranwachsende die eigene Vergangenheit in stärkerem Maße als fremd empfinden, als die im Fernsehen oder als Urlaubsprogramm gesehene Folklore exotischer Länder und Völker… ebenso paradox ist doch, dass die Bildungsaffinität in der Zeit der lithographierten Bildbögen, der Sammelbildalben, im Zeitalter der Dampfmaschine und Anfangsjahre der Aviation weit größer war als heute, wo doch in Sonntagsreden der "Bildung" höchste Bedeutung zuerkannt wird, während jetzt - bis in Kinderbücher - Sprache "korrekt" gegendert wird…

  • MMMM. Wo ist das Problem? Es soll auch in der Gegenwart noch Nationen geben, in denen Längenangaben in "in" (25,4 mm), "ft" 12 in), "mile" (5280 ft) oder Flüssigkeitsvolumen in pint bzw. gallon üblich sind. Von Temperaturangabe in Fahrenheit ganz zu schweigen…

    Ersetze die arabischen Zahlen durch römische Zahlen und versuche ins Internet zu kommen.


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    https://www.istockphoto.com/de/fotos/bits-and-bytes

  • ..........zum Sujet der in den Pariser Museen angestoßenen Kulturrevolution zurückzukehren: Zweck eines Museums ist bekanntlich die Bewahrung dessen, was aus dem Alltag verschwunden ist oder zu verschwinden droht. Aufgabe des Museums, dem heutigen Besucher die Lebensweise, die einstige Bedeutung jener aus früheren Zeiten übriggebliebenen und erhaltenen Dinge zu vermitteln, Verständnis für und Interesse an jene(n) vergangenen Geschehnisse(n), Lebensleistungen(n), Kenntnisse(n) zu wecken.

    Es geht ja nur um die Beschriftung/ Erklaerung.. Nach deiner Auffassung muesste alles mit der dazu gehoerigen Schrift gezeichnet werden.

    Museumsstuecke aus der Pharaozeit = Hyroglyphen. Nur, wer kann das lesen? Alte Schriften verschwinden und werden an Schulen nicht mehr unterrichtet. Roemische Zahlen sind halt nicht mehr aktuell. Eine Anpassung der Kultur muss nicht gleich ein Verlust der Kultur bedeuten. Ein Museum soll nicht nur fuer Historiker verstaendlich sein, sondern fuer die breite Masse.

    "Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Humanitaet" ( J. Stoltenberg nach den Terroranschlaegen)

  • Ersetze die arabischen Zahlen durch römische Zahlen und versuche ins Internet zu kommen.

    Nur die "1" ist eine arabische Ziffer, das Internet, die Computerei überhaupt, basiert auf einem binären Zahlensystem, und die arabische "1" durch ihr römisches Pendant zu ersetzen ("I"), sieht gar nicht so unmöglich aus… die Null hingegen ist indischen Ursprungs, und sie ließe sich im römischen Zahlensystem durch das Leerzeichen (" ") ebensogut darstellen, wie durch einen Gedankenstrich ("-") oder eine Unterstreichung ("_")…

  • Ersetze die arabischen Zahlen durch römische Zahlen und versuche ins Internet zu kommen.


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    https://www.istockphoto.com/de/fotos/bits-and-bytes

    Das ist eine einzige Zahl 40*86 Bits (wenn ich mich nicht verzählt habe)

    = 3440 bits.

    Die höchste damit darstellbare Zahl ist 2^3440-1 (wenn alle Bits auf 1 sind).

    = 3492891409731713923671804901711996017347202401824901037845448390818898869011605124163383231091529434701011325127292243185768805355332998656231601982942390322152262020077264639179830289941112547108331444962318208608794191225060751410986772121791341997355544035374684871305409145612407893523788248367054205773387314916237846710821520052864116906426472042487144848132623403386388299869482379949578710816453541773918529341320649344358253527960359557421841290968358900682930649824054393885822413718640300490682776321212764288588439485194750057849763204203623048043994341808890758111646891819305751249631189177998001022110204536249973500188636627786107413079996139224105835044450773950155913146062085019940901257511077835685165808867703099607351434390854615497930547554014421908182058430269350276593056364508394674635424645074993915082547344182990648510961768816192193765818047234175105776406269771503429323970690584624679520549090729134207963669725907271202521126486103172418172683691868351801340004535543382149875786444016068720708892491775

    oder in Exponentialschreibweise etwa: 3.492891409731713923671804901711996017347202401824901037845... × 10^1035

    Also eine Zahl mit 1036 Stellen.

    Das ist echt nix für Römmer! :D

  • Nun kommt es im Alltag, etwa beim Schreiben des Einkaufszettels oder bei Bezahlung an der Tankstelle vor, dass man mit Zahlen wie […]

    […] 2^3440-1 […]

    […] zu tun hat… kein Wunder, dass die Zahlungsfunktion per Mobiltelefon oder Karte sich so starker Beliebtheit erfreut! Noch weniger verwundert es, dass die eigentliche Problematik dieser "Neuerung" in der Pariser Museumslandschaft Otto Normalbürger vernachlässigbar erscheint - nach den Museen werden nämlich auch die Geschichtsbücher für den Schulgebrauch sich der neuen Lesart angleichen müssen… und wenn aus der Generation der heutigen Schulanfänger die Hochschulprofessoren der übernächsten herangewachsen sind, werden sämtliche Werke de vor den 2030er Jahren gedruckten Bücher aus den National- und Universitätsbibliotheken fliegen, weil sie sowieso niemand mehr lesen kann… Adieu Voltaire, adieu Diderot, adieu Flaubert, Balzac, Proust…


    Die Pauperisierung der Sprache, des Denkens, des Geisteslebens - oder derer Trümmer - wird unsere Nachwelt uns zu danken haben…

  • Nun kommt es im Alltag, etwa beim Schreiben des Einkaufszettels oder bei Bezahlung an der Tankstelle vor, dass man mit Zahlen wie […]

    […] zu tun hat… kein Wunder, dass die Zahlungsfunktion per Mobiltelefon oder Karte sich so starker Beliebtheit erfreut!

    Heutige Dicketalrechner, ob PC oder Händie, arbeiten alle mit dem Binärsystem aka Spannung da (1) oder nicht (0). Und erfunden hat's der hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Gottfried_Wilhelm_Leibniz


    Der Bursche wird sicherlich nicht so schnell vergessen werden, wie die Franzosen, die du aufgezählt hast. :)

  • […] Der Bursche wird sicherlich nicht so schnell vergessen werden, wie die Franzosen, die du aufgezählt hast. :)

    Klar. Jeder Smartphonenutzer wird wissen, wer Leibniz war, und wie seine (mechanische) Rechenmaschine funktioniert… ich habe übrigens als Lehrling noch Devisen- und Sortenkurse mit solch einer Kurbel- oder Walzen-Rechenmaschine mit den umzutauschenden Beträgen multipliziert.


    mechanische-rechenmaschine--felix-modell-m-7420.jpg

  • Es geht weiter:



    Zitat

    Verweis auf Prophet Mohammed in Dantes „Göttlicher Komödie“ gecancelt

    Um nicht „unnötig zu verletzen“, wurde in einer niederländischen Adaptation der danteschen „Hölle“ der Verweis auf den Propheten Mohammed gestrichen. Die französische Tageszeitung „Le Figaro“ macht sich Sorgen über den Triumph der Politischen Korrektheit, die ausschließlich das abendländische Erbe im Visier habe

    https://www.tichyseinblick.de/…icher-komoedie-gecancelt/


    Erschreckend, was sich die Leute so alles einfallen lassen. Da kann ich mich nur noch an den Kopf fassen.


    Einige kennen mich, der Rest kann mich!



  • Klar. Jeder Smartphonenutzer wird wissen, wer Leibniz war, und wie seine (mechanische) Rechenmaschine funktioniert…

    Dafür hat er das Internet in der Westentasche, wo er das alles nachlesen kann. :)


    Leibnizens Briefwechsel gehört übrigens zum Weltkulturerbe aka. besonders schützenswerte Errungenschaft der menschlichen Zivilisation (ca. 15.000 Briefe mit 1.100 Korrespondenten), und ist dort gespeichert:

    https://de.wikipedia.org/wiki/…chsische_Landesbibliothek

  • Dafür hat er das Internet in der Westentasche, wo er das alles nachlesen kann. […]

    Zunächst einmal ist es ein Irrtum, anzunehmen, man könnte im Internet alles nachlesen - und das Interne in der Tasche bleibt bei leerem Akku oder in einem Funkloch nur eine durchweg schwarze Bildschirmoberfläche… so ähnlich wie eine weiße Landkarte in Vor-Navi-Zeiten… abgesehen davon verlangt die kenntniserweiternde Nutzung des Internet ein gar nicht so sehr verbreitetes Nutzerprofil… die Bedienung einer Suchmaschine mag einfach sein, es ist jedoch auch nötig, zu wissen, wonach man sucht, und mit welchen Suchbegriffen man dabei jeweils vorgehen sollte… wann und wie sollte Otto-Normalsmombie dies gelernt haben oder überhaupt dazu angeregt worden sein, diese Art der Internetnutzung auszuprobieren?

  • es ist jedoch auch nötig, zu wissen, wonach man sucht, und mit welchen Suchbegriffen man dabei jeweils vorgehen sollte… wann und wie sollte Otto-Normalsmombie dies gelernt haben oder überhaupt dazu angeregt worden sein, diese Art der Internetnutzung auszuprobieren?

    Wenn dich irgendwas brennend interessiert, lernst du das ganz automatisch. Gerade die Kiddies können super durchs Internet navigieren.


    Mein Tochter zB. hat mit 11 oder 12 nach gehackten Erweiterungen für ihr Lieblings-Game Minecraft gesucht, und die selbständig der Software untergejubelt. Das war nicht trivial, aber wenn man unbedingt was erreichen will, dann klappt das irgendwann. :)