Opa und der Krieg

  • Hat jemand von Euch erforscht,

    was die eigene Familie 1933-45 gemacht hat?


    Täter?

    Mitläufer

    Opfer?

    .......

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • John2

    Hat den Titel des Themas von „Opa und der krieg“ zu „Opa und der Krieg“ geändert.
  • Mein Vater, 1921 geboren, Hitlerjugend verweigert, war an der Ostfront, Opfer. Die Familie, ueberzeugte, aktive Sozialdemokraten. Seine Mutter verlor ihre Arbeit im oeffentlichen Dienst, Opfer.

    Ansonsten, "Mitlaeufer" und darauf hoffen, dass bald mit dem 3.Reich schluss ist.

    "Unsere Antwort ist mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Humanitaet" ( J. Stoltenberg nach den Terroranschlaegen)

  • Mein einer Opa ist am 1. April 1907 geboren und war Kreis-Abgeordneter.

    Während einer Kreisversammlung 1937 in Ansbach wurde er dort an die Wand gestellt.

    Was da vorher geschah, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

    Ich gehe aber nicht davon aus, dass er einmal zu oft Heil Hitler rief.

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • Opa 1: Kleinbauer in Ostpreußen, kein Parteimitglied. Wegen körperlicher Behinderung nicht im Krieg. Bei der Herstellung der Nachkriegsordnung ums Leben gekommen.


    Opa 2: Finanzbeamter in Sachsen, schon vor 1933. Parteimitgliedschaft fraglich, aber wahrscheinlich. UK- Stellung bis kurz vorm Kriegsende.

  • "Opa (1)": von 1919 bis 1938 zur See gefahren danach in Dienststellung zur Kriegsmarine. Zwischenzeitilich Schwerverwundet aber aktiv bis zum Schluß, allerdings seine Manschaft bei Kriegsende freigestellt um den "Dönitzbefehl" zu umgehen. Bis 1948 durch die Engländer zur Minenräumung zwangsverpflichtet.


    "Opa (2)" ? "Opa (3)" - Über der Ostfront abgeschossen.

  • Opa 2: Finanzbeamter in Sachsen, schon vor 1933. Parteimitgliedschaft fraglich, aber wahrscheinlich. UK- Stellung bis kurz vorm Kriegsende.

    mein anderer opa war hoher beamter bei der bahn, und musste nie an die front. nach kriegsende war er steinreich, besaß immobilien und geld auf ausländischen konten. die engländer haben ihn eine woche lang verhört, auch gefoltert, konnten ihm aber kein ns-verbrechen nachweisen. also mussten sie ihn wieder freilassen. er war mitglied der nsdap. aber das nur, weil das günstig für die karriere war. als nazi hat er sich nie wirklich betätigt, außer auf partei-aufmärschen und feiern. er starbmit über 90, als ich noch ein kind war. über die nazizeit hat er nie geredet.seine frau auch nicht. er stammte aus einfachen, bürgerlichen verhältnissen, aber hinterließ ein millionenschweres erbe.

  • Opa mütterlicherseits ist als Student in den 30ern nach Frankreich abgehauen und wurde später bei einem idiotischen Versuch seine Eltern zu besuchen wieder eingefangen. Verschwand in einem Lager und ist da auch verstorben.


    Opa väterlicherseits verlor in den 30ern seine Arbeit und setzte auf die Nazis um wieder Fuß zu fassen. Ich kann mich kaum an ihn erinnern, weil wir weit weg wohnten und er in den 60ern an den Folgen einer Kriegsverletzung starb. War durch die Chance bei den Nazis zum Überzeugungstäter geworden und kein angenehmer Zeitgenosse. Unteroffizier und 5 mal freiwillig an die Front gemeldet, obwohl er das mit sechs Kindern nicht hätte tun müssen, aber er wollte den Krieg wohl allein gewinnen. Zuletzt in Russland schwer verwundet aber noch rausgekommen.


    Die Omas hatten zu der Zeit im Rahmen der Sorgen um die Familie ein damals normales Frauenschicksal.

  • Opa mütterlicherseits:


    1WK: 1914-1918 - als Zivilist in Russland interniert, als er auf Montage (Maschinenbaumeister) war.


    2WK: 1939-1945 - zu alt, um eingezogen zu werden (geb. 1877).


    Opa väterlicherseits: nichts bekannt.

    Wenn „Anti-Rassismus“ als ideologisches Vehikel zur Protektion und Förderung reaktionärer Migrantenkulturen instrumentalisiert wird, wird fortschrittlich-demokratischer Widerstand zur Pflicht.

    Hartmut Krauss



  • nein

    so viel weiß ich.

    doch, per standrecht erschossen, in russland von den eigenen leuten, für eine nichtigkeit. er hatte kriegsgefangenen heimlich was zu essen gegeben die kurz vor dem verhungern waren. sie nannten es wehrkraftzersetzung. sie haben ihn nicht einmal richtig bestattet. sein leichnam wurde in ein massengrab geworfen, das für sog. partisanen da war, mit ermordeten frauen und kindern zusammen. die nazis waren einfach nur bestien.

  • Unteroffizier und 5 mal freiwillig an die Front gemeldet, obwohl er das mit sechs Kindern nicht hätte tun müssen, aber er wollte den Krieg wohl allein gewinnen. Zuletzt in Russland schwer verwundet aber noch rausgekommen.


    Die Omas hatten zu der Zeit im Rahmen der Sorgen um die Familie ein damals normales Frauenschicksal.

    Einer, der sechs Kinder hatte, hatte ein paar mehr Motive für das freiwillige Melden an die Front als nur die Heimatliebe.



    "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber"

  • Mein Opa (mütterlicherseits) war in russischer Gefangenschaft. Hatte einen Kopfschuss überlebt und e. Stahlplatte im Kopf. Der war danach nie wieder der Mensch wie vorher. Müsste es mir aber alles nochmal erzählen lassen, um Details nennen zu können.

    „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

  • Opa 1 war hochdekorierter Kriegsveteran und nahm immer an den jährlichen Paraden in London teil. Am Schluss im Rollstuhlgeschwader.

    Opa 2 war Zahnarzt im schönen Südbayern und hat es irgendwie geschafft, im Krieg unabkömmlich zu sein.


    Beide konnten nie wirklich verwinden, dass die Tochter - respektive der Sohn - den Feind geheiratet hat.


    Ich muss nachtragen, dass ich leider zu beiden Opas kein sehr inniges Verhältnis hatte. Der Land-Zahnarzt hatte nie Zeit, und der Veteranen-Opa war ein bisschen wie Opa Hoppenstedt.



    "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Metzger selber"

    Einmal editiert, zuletzt von ArgoNaut ()

  • Einer, der sechs Kinder hatte, hatte ein paar mehr Motive für das freiwillige Melden an die Front als nur die Heimatliebe.

    lieber im schützengraben hocken und die interessanten granateinschläge bestaunen, als nach feierabend von von den quängelden blagen genervt zu werden.

  • Ich saß in der Grundschule neben der Ute Meyer.

    Ihr Vater kam aus einer 12-köpfigen Familie.

    Im Dorf hieß es noch Jahrzehnte nach dem Krieg,

    der alte Meyer (der Opa) habe nach jeder Geburt

    zu seiner Frau gesagt: "Komm, einer geht noch,"

    Der Rest des männlichen Dorfes wurde in den

    Russlandfeldzug geschickt. Nur Väter großer Familien

    konnten das verhindern. Unser Dorfschmied

    überlebte Stalingrad.

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.


  • Der eine fristet sein kaltes Seemannsgrab als zweiter Offizier tief unten am Boden des Atlantiks und der andere war Bäcker und musste D und die "Bewegung" mit Brot versorgen.


    Es reicht mir und meinem Verstand zu wissen, dass kollektiver Wahnsinn und eine Ideologie die nur eine Antwort und Endergebnis kennt auf die road to hell führt. Die zweite Erkenntnis ist, dass man einem Ex-Geschichtslehrer mit Seitenscheitel nicht mehr zutrauen sollte als einem gescheiterten Postkartenmaler.