Ich weiß, dass ich nichts weiß (@jaki01)

  • Werter jaki01 & all,

    ich fange zu unserem gestrigen Thema einfach mal einen eigenen Strang an.


    Erst mal möchte ich mich entschuldigen, wenn mein gestriger "Ton" nicht angenehm rüber kam.

    Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ich zwischen vergangenen Donnerstag und Montag

    3 familiäre Notfallsituationen hatte und ich mir gestern Abend nach der ersten Beruhigung der Situation

    einen hinter die Birne gekippt hatte.


    Wenn ich einmal die Debatte um Wirklichkeit nicht ins Extrem spiegeln möchte, indem ich selbst

    die Existenz des Ahornbaums vor meinem Wohnzimmerfensters in Frage stelle,

    dann behaupte ich, dass es ihn sicher gibt, ich für meinen Teil.


    Ob Du (oder Sie) mir das glauben oder nicht, ist halt einfach nur Glaube. Ich gehe auch nicht davon aus,

    dass es Euch so wichtig ist, das durch eigene Sichtung an meinem Mietshaus als belegt oder widerlegt zu überprüfen.


    Ich weiß, dass dort ein Ahornbaum steht und Du/Ihr wisst es nicht. Ihr könnt es glauben oder nicht glauben.

    Für Euch ist es aber ein Glaubensfrage, was es für mich nicht ist.


    Wenn Menschen, die sich Wissenschaftler nennen, die Behauptung A aufstellen und sagen,

    sie sei wissenschaftlich bewiesen, dann trete ich solange in eine maximal Glaubenshaltung

    zu dieser These A, solange ich nicht über die in diesen Segment notwendigen wissenschaftlichen Kenntnisse verfüge.


    Das ist eine ähnliche Situation wie mit Dir/Euch in der Frage der Existenz dieses Ahornbaumes.


    Wenn die Zeitungen heute schreiben, dass gestern um 15 Uhr in einem Vorort von Peking ein Sack Reis umgefallen ist, dann nehme ich das zur Kenntnis, weiß aber nicht,

    ob es der Wahrheit entspricht, weil ich es nicht beweisen

    oder widerlegen kann, selbst wenn letzteres 95% der Menschen als sicher existent glauben.


    Meine Erfahrung während meines Studiums war die, dass man zu keinen sauberen,

    wissenschaftlichen Ergebnissen kommt, solange man nicht zwischen dem unterscheiden kann,

    was man sicher weiß und dem, was man nur glaubt zu wissen.


    Die meisten Menschen, die heutzutage an die "Wissenschaft" glauben, verhalten sich in Bezug auf Wahrheit

    nicht anders als die meisten Menschen, die im Mittelalter usw. an die RKK und deren Thesen glaubten.

    Strukturell ist es das gleiche.


    Es hat ein wenig mit meiner Vernetzung zu tun und ein wenig mit Zufall, dass ich mehrmals Insiderkenntnisse

    zu Vorgängen hatte, die in der deutschen Presse breit getreten und ausführlich diskutiert wurden.


    In keinem einzigen dieser Fälle wurde der entsprechende Sachverhalt objektiv dargestellt.

    Das hat jetzt nichts oder wenig mit der berühmt berüchtigten "Lügenpresse" zu tun,

    sondern es hatte im Einzelfall meistens andere Gründe, weshalb nicht objektiv berichtet wurde.


    Die vierte Macht im Staate ist halt inzwischen primär ein Unterhaltungsmedium, das Klicks,

    Konsumentenquoten und Zeitungskäufer benötigt, um zu überleben. Manche Wahrheit ist aber so banal,

    dass sie öffentlich schlecht vermarktet werden kann.


    Eine andere Wahrheit ist politisch nicht korrekt, weshalb sie nicht ganzheitlich berichtet wird. Siehe

    dazu auch meine gestrigen Andeutungen zu Frau Baerbock. Solche Aussagen werden auch dann

    nicht gerne gesehen, wenn sie der Wahrheit entsprechen. Man sagt so etwas nicht,

    obwohl eigentlich jede/r weiß, dass solche Karrierewege durchaus vorkommen, fast in jeder Firma.


    Ein anderer Fall der Fehlberichterstattung hat wiederum die Ursache, dass die Presse zuweilen

    auf Infos aus dem Pressebüro einer Behörde angewiesen ist. Nicht selten hat die Behörde

    selbst kein Interesse daran, dass die tatsächlichen Internas nach außen getragen werden.


    Was ist Wahrheit?

  • ... die Existenz des Ahornbaums vor meinem Wohnzimmerfensters in Frage stelle,

    dann behaupte ich, dass es ihn sicher gibt, ich für meinen Teil.

    Ja, lass mal gut sein: Niemand bestreitet die Existenz des Ahornbaums. ;)


    (Hm ... es sei denn unser ganzes Dasein ist nichts anderes als Virtual-Reality: Unser Gehirn (oder was auch immer wir sind) schwimmt in einer Nährlösung und wird durch Elektroden gezielt so gereizt, dass wir glauben, uns in einer real existierenden Welt zu bewegen und die uns suggerierten Sinneseindrücke für wahre Erlebnisse zu halten.)


    ***************************


    Es ist richtig, dass man sich bezüglich des Wahrheitsgehalts einer Information umso sicherer sein kann, je direkter der Weg ist, auf dem man sie erhält.

    Erlebe ich etwas selbst, ist es wahrscheinlicher (wenn auch nicht 100%ig sicher), dass das, was ich gesehen oder gehört zu haben glaube, auch tatsächlich stimmt, als wenn es mir ein guter Freund berichtet, was wiederum glaubwürdiger ist als etwas, was ich in der Zeitung lese usw.


    Was die Presse betrifft, ist das ein schwieriges Thema.

    Ich selbst habe oft die Erfahrung gemacht, dass mir immer dann, wenn ich mich selbst mit einem Thema gut auskenne, diesbezügliche Medienberichte zu oberflächlich, in Details schlicht falsch und oft auch voreingenommen erscheinen (letzteres vor allem deshalb, weil Journalisten, die sich selbst mit einer bestimmten Materie nicht wirklich gut auskennen, oft einfach die Meinung ihrer jeweiligen Quelle wiedergeben ... aber eben nur die ...). Die vielen Fehler, die z. B. typischerweise Berichte über Blockchain, Bitcoin und Kryptowährungen im Allgemeinen enthalten, 'gehen auf keine Kuhhaut'.


    Trotz all dem stellen Medienbrichte, sofern man sie vom statistischen Fehlerrauschen befreit, eine äußerst wertvolle Informationsquelle dar. Ich bin mir zwar dessen bewusst sein, dass ein bestimmter Prozentanteil der Information inakkurat ist, aber dennoch ist die Menge an brauchbarer und im Großen und Ganzen zutreffender Information viel höher als ich sie mir jemals auf direktem Wege - durch eigenes Betrachten, Gespräche mit politisch bedeutenden Personen etc. - selbst besorgen könnte.


    Nein, ich sehe die Medien nicht unkritisch.

    Die meisten Menschen, die heutzutage an die "Wissenschaft" glauben, verhalten sich in Bezug auf Wahrheit

    nicht anders als die meisten Menschen, die im Mittelalter usw. an die RKK und deren Thesen glaubten.

    Hm ... dem kann ich so nicht zustimmen.

    Religionen erzählen Geschichten, die schlicht nicht (empirisch) nachprüfbar sind. Ihre Aussagen sind weder beweisbar noch mit 100%iger Sicherheit auszuschließen (wobei etwas nicht widerlegen zu können in keinster Weise dazu Anlass geben sollte, daran zu glauben ... so dürfte es auch nicht einfach zu widerlegen sein, wenn ich behauptete, um den Pluto flögen rosarote Elefanten ...).


    Wissenschaftliche Erkenntnisse kann in der Regel (so er über die nötigen Kenntnisse und Ausstattung verfügte) jedermann selbst nachvollziehen (durch eigene Beobachtungen, Berechnungen, Experimente, ...). Sie sind nicht einfach durch nichts gestützte, im luftleeren Raum stehende Behauptungen.

    Auch wenn es sicherlich nicht jeder tut, besteht die Möglichkeit der Nachprüfbarkeit, UND, anders als im Falle von Religionen, ist es durchaus erwünscht, scheinbar sichere Erkenntnisse immer wieder zu hinterfragen, Theorien zu modifizieren oder verwerfen.


    Oft bleibt einem natürlich aufgrund der großen Anzahl immer neuer Erkenntnisse und Entdeckungen nichts anderes übrig als hier und da ein grober Plausibilitäts-Check, weil ein Tag eben nur 24 Stunden hat ... Und hier kommt dann wieder die Komponente ins Spiel, dass man den Ergebnissen anderer bis zu einem gewissen Grad oft einfach trauen sollte/muss, sonst gäbe es irgendwann keinen Fortschritt mehr, wenn jeder immer wieder alles von Neuem selbst erfinden wollte.


    Was ist Wahrheit?

    So allgemein gefasst ist diese Frage sicherlich unbeantwortbar. ;)

  • Hm ... dem kann ich so nicht zustimmen.

    Religionen erzählen Geschichten, die schlicht nicht (empirisch) nachprüfbar sind. Ihre Aussagen sind weder beweisbar noch mit 100%iger Sicherheit auszuschließen (wobei etwas nicht widerlegen zu können in keinster Weise dazu Anlass geben sollte, daran zu glauben ... so dürfte es auch nicht einfach zu widerlegen sein, wenn ich behauptete, um den Pluto flögen rosarote Elefanten ...).

    Es geht nicht darum, ob Religionen oder die sogenannte Wissenschaft unbewiesene Geschichten erzählen, sondern um die Haltung des Einzelnen zu Dingen, die er nicht beweisen kann oder bei denen er zu weit weg vom Geschehen ist oder war.


    Früher mag es so gewesen sein, dass der Stempel "Kirche" bei manchen Leuten den Reflex "Wahrheit" ausgelöst hat. Heute löst der Stempel "Wissenschaft" diesen Reflex aus.

  • Früher mag es so gewesen sein, dass der Stempel "Kirche" bei manchen Leuten den Reflex "Wahrheit" ausgelöst hat. Heute löst der Stempel "Wissenschaft" diesen Reflex aus.

    Wobei von allen Ansätzen "Wissenschaft" der "Wahrheit" auch bei Weitem am nächsten kommt.


    Reflexe sind zwar selten gut, aber sollte "Wissenschaft" tatsächlich den Reflex "Wahrheit" hervorrufen, wäre das immerhin schon ein Fortschritt demgegenüber, dass früher "Kirche" den Reflex "Wahrheit" auslöste. ;)


    Ich habe allerdings nicht den den Eindruck, "Wissenschaft" rufe den Reflex "Wahrheit" hervor.

    M. E. werden stattdessen viel zu oft als gesichert geltende wissenschaftliche Erkenntnisse von selbsternannten 'Experten' mit leichter Hand verworfen.

  • Das meiste, was wir heute als Segen der Moderne feiern,

    wurde nicht durch Wissenschaftler erfunden.


    Auto, fliegen, Rad, Internet, Computer, Häuser. usw.



    Das waren meistens Tüftler.

  • Das waren meistens Tüftler.

    Ich halte das für Haarspalterei. Für mich ist systematisches, logisches und kreatives 'Tüfteln' letztendlich 'Wissenschaft'.


    Wie anders als 'wissenschaftlich' muss Jemand arbeiten, der z. B. einen Computer erfindet?

    Wie fliegen heutige Flugzeuge, mit Pedalantrieb?


    Kurz, ich bin anderer Meinung und denke, dass wir so gut wie alle heutigen Technologien im weitesten Sinne dem verdanken, was ich hiermit als 'Wissenschaft' zusammenfasse.


    Ich muss das jetzt auch aus Zeitgründen dabei belassen. Ist natürlich OK, dass du anderer Ansicht bist. Danke für den Meinungsaustausch.

  • Das war vor 1000 Jahren auch nicht verboten.

  • Die bekanntesten Wissenschaftsgenies der Historie lebten nicht im 20. Jahrhundert.

    Sie waren meistens sogar gläubig.


    Ok, Kant, dieses Weichei, hat seine Metaphysik widerrufen,

    weil der Kirche das nicht gefiel und er seine Alimentation riskiert hätte.

    Aber, das war Weltbild und keine Physik.

  • Einstein war ansich Atheist, aber dann meinte er, man könne ja nie wissen. Daher war er Agnostiker, IMHO.

  • Einstein war ansich Atheist, aber dann meinte er, man könne ja nie wissen. Daher war er Agnostiker, IMHO.

    Einstein war noch nicht einmal ein Universalgenie, im eigentlichen Sinne. Er war bekennender Zionist, was die wenigsten, die ihn missbrauchen, nicht wissen. Einstein war auch ein kleiner Schlawiner. Ich habe einmal eine Videoaufnahme mit ihm gesehen, eine Art Privatgespräch, Interview, in dem er offenbarte, dass sein öffentliches Gebaren überwiegend Show und Selbstvermarktung sei, das mit den unterschiedlichen Socken und der wirren Frisur usw. Er wisse, dass die Menschen auf das Bild des verwirrten Professors gut ansprechen. Ob er religiös war, wissen wir nicht wirklich. Sich als Jude in religiöser Hinsicht bei seiner Prominenz, offen zu bekennen, war damals nicht ganz ungefährlich. Nicht nur im Deutschen Reich. Da er den Leuten öfter ein X für ein U vormachte, würde ich nicht ausschließen, dass er tatsächlich gläubiger Jude war.

  • Viele intelligente Menschen sind Agnostiker, Namen nenne ich jetzt aber lieber keine, höhö ... :grinsweg:

    Na ja, ich bin ja auch Agnostikerin. <3

  • Ich habe einmal eine Videoaufnahme mit ihm gesehen, eine Art Privatgespräch, Interview, in dem er offenbarte, dass sein öffentliches Gebaren überwiegend Show und Selbstvermarktung sei, das mit den unterschiedlichen Socken und der wirren Frisur usw. Er wisse, dass die Menschen auf das Bild des verwirrten Professors gut ansprechen.

    Einstein und Videoaufnahme...:Düwel ook!!

  • Einstein und Videoaufnahme...:Düwel ook!!

    Ansich ist das gar nicht mal so abwegig: https://de.wikipedia.org/wiki/Videotechnik