Die Logik von Wahlumfragen

  • Ich will hier einen allgemeinen Strang zum Thema Wahlumfragen eröffnen.


    Es soll nicht darum gehen, aktuelle Umfrageergebnisse hier zu verlinken,

    sondern das Thema allgemein zu diskutieren.


    Wie sind die Methoden der Institute?


    Welche Stärken und Schwächen haben sie?


    Welchen Einfluss auf Wahlergebnisse haben Umfragen?


    ...und zahlreiche andere Fragen

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • Die Panele bei Wahlumfragen sind zu klein, die Zusammenstellung der Befragten ist wenig repräsentativ für immerhin 82 Millionen Menschen und vor allem sind die Fragen zu unpräzise, um eine Meinung zu ermitteln. Ich wurde in den 30 jahren nach der Wende verschiedene Male befragt, konnte dabei nie eine differenzierte Meinung äußern.

    Wahlumfragen müssten verboten werden, insbesondere in den letzten Wochen vor einer Wahl, weil damit die Chancen kleinerer Parteien geschmälert werden, denn welcher Wähler gibt seine Stimme einer Partei, die in der Umfrage als chancenlos dargestellt wird. :(:(:(:!:

  • Die Panele bei Wahlumfragen sind zu klein, die Zusammenstellung der Befragten ist wenig repräsentativ für immerhin 82 Millionen Menschen und vor allem sind die Fragen zu unpräzise, um eine Meinung zu ermitteln. Ich wurde in den 30 jahren nach der Wende verschiedene Male befragt, konnte dabei nie eine differenzierte Meinung äußern.

    Wahlumfragen müssten verboten werden, insbesondere in den letzten Wochen vor einer Wahl, weil damit die Chancen kleinerer Parteien geschmälert werden, denn welcher Wähler gibt seine Stimme einer Partei, die in der Umfrage als chancenlos dargestellt wird. :(:(:(:!:

    Die Größe des Panels zeigt nur die formale, statistische Fehlerabweichung an und ist auch nicht als Problem. Die Zusammenstellung der Befragten soll zufällig sein, um der statistischen Gesetze zu genügen.

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • @grauer kater



    Wenn man nach dem Zufallsprinzip 1000 Wahlberechtigte auswählt und befragt, dann kann man bei einem Volk mit 60 Mio Wahlberechtigten ermitteln, wie hoch die Fehlertoleranz ist.

    Bei 2500 Befragten ist sie schon geringer.

    Warum befragt man keine 20.000? Weil halt die zunehmende Genauigkeit zu 2500 in keinem sinnvollen Verhältnis zu den zusätzlichen Kosten der Befragung steht.

    Das eigentliche Fehlerproblem hat andere Ursachen.

    1. Nicht alle Befragten sagen die Wahrheit
    2. Sozial erwünschte Antworten dominieren mehr als bei Wahlen
    3. Die aktuelle Presseberichterstattung zu politischen Themen beeinflusst das Umfrageergebnis vor allem bei den Menschen, die sich außerhalb von Wahlen kaum bis gar nicht für Politik interessieren. Das Umfrageergebnis ist insofern immer ein Stück weit ein Spiegel der aktuellen politischen Berichterstattung der großen Kanäle, welche die meisten Leute erreichen.



    Mit Deiner grundsätzlichen Kritik an Wahlumfragen gebe ich Dir durchaus recht. Allerdings trifft diese Kritik im gleichen Maße die einseitige Berichterstattung unserer Medien. Es fehlt sozusagen die Dialektik.

    In einer politischen Diskussionsrunde, die von den Medien veröffentlich wird, müsste grundsätzlich für jede Position ein Vertreter eingeladen werden.

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • Das eigentliche Fehlerproblem hat andere Ursachen.

    1. Nicht alle Befragten sagen die Wahrheit
    2. Sozial erwünschte Antworten dominieren mehr als bei Wahlen
    3. Die aktuelle Presseberichterstattung zu politischen Themen beeinflusst das Umfrageergebnis vor allem bei den Menschen, die sich außerhalb von Wahlen kaum bis gar nicht für Politik interessieren. Das Umfrageergebnis ist insofern immer ein Stück weit ein Spiegel der aktuellen politischen Berichterstattung der großen Kanäle, welche die meisten Leute erreichen.

    Das erklärt nicht eine teilweise Abweichung von Prozentwerten im zweistelligen Bereich. Nicht mal ansatzweise. Ein solches Umfrageergebnis ist schlicht wertlos, jedenfalls für den Bürger.


    Ich hab mich beispielsweise immer gewundert, wie es zur Feststellung kommt, dass auf dem Land ein hoher Prozentsatz aller Fahrten weniger als 10 km betragen soll. Das widerspricht jeglicher Lebenserfahrung. Bis das Ministerium für Verkehr und Neuland ein Institut, nennen wir es K., mit einer entsprechenden Umfrage beauftragte. Ich war einer der dazu Auserwählten. Und was lese ich in der Bedienungsanleitung? Fährt man 25 km zur Arbeit und hält bei km 20 beim Fleischer an (wegen der Wurstsemmel), dann sind die 5 km eine neue Fahrt. Also 20 km Einkauf und 5 km Arbeitsweg. Der Einkauf im 9 km entfernten Einkaufsmarkt wird auch mit 2 unterschiedlichen Fahrten abgerechnet. 9 km zum Einkauf, 9 km werden als Rückfahrt ohne Bezug zum Einkauf abgerechnet. Seitdem habe ich, was Umfragen und deren Ergebnisse betrifft, keine Fragen mehr.

  • Das erklärt nicht eine teilweise Abweichung von Prozentwerten im zweistelligen Bereich. Nicht mal ansatzweise. Ein solches Umfrageergebnis ist schlicht wertlos, jedenfalls für den Bürger.

    10% Unterschied gibt es bei guten Instituten eher nicht.

    Es gibt solche, die handwerkliche Fehler mache, wie Forsa.

    Ich schreibe noch was dazu.

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • https://www.wahlrecht.de/umfragen/index.htm



    Die einzigen, aktuellen beiden Umfragen, die im gleichen Zeitpunkt und auch mit etwa der gleichen Anzahl an Befragten stattfanden, waren die zwischen 7.6.-9.6.2021 von Forschungsgruppe Wahlen und Infratest Dimap. Die Ergebnisse sind praktisch die gleichen, wenn man einmal den statistischen Fehler betrachtet. Nur bei Grünen und FDP sind 2% Abweichung, was zwar immer noch innerhalb der Fehlertoleranz liegt, aber in diesem Fall die Ursache im Verfahren hat. Infratest ist der genauere Wert, weil er TOM als Methode hatte und nicht T.

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • Das erklärt nicht eine teilweise Abweichung von Prozentwerten im zweistelligen Bereich. Nicht mal ansatzweise. Ein solches Umfrageergebnis ist schlicht wertlos, jedenfalls für den Bürger.


    Ich hab mich beispielsweise immer gewundert, wie es zur Feststellung kommt, dass auf dem Land ein hoher Prozentsatz aller Fahrten weniger als 10 km betragen soll. Das widerspricht jeglicher Lebenserfahrung. Bis das Ministerium für Verkehr und Neuland ein Institut, nennen wir es K., mit einer entsprechenden Umfrage beauftragte. Ich war einer der dazu Auserwählten. Und was lese ich in der Bedienungsanleitung? Fährt man 25 km zur Arbeit und hält bei km 20 beim Fleischer an (wegen der Wurstsemmel), dann sind die 5 km eine neue Fahrt. Also 20 km Einkauf und 5 km Arbeitsweg. Der Einkauf im 9 km entfernten Einkaufsmarkt wird auch mit 2 unterschiedlichen Fahrten abgerechnet. 9 km zum Einkauf, 9 km werden als Rückfahrt ohne Bezug zum Einkauf abgerechnet. Seitdem habe ich, was Umfragen und deren Ergebnisse betrifft, keine Fragen mehr.

    Der Strang heißt

    Die Logik von Wahlumfragen

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • Der handwerkliche Fehler von Forsa liegt darin, dass das Institut die Sonntagsfrage in ein übergeordnetes Befragungsszenario einbettet, was dazu führt, dass die SPD bei Forsa meist schlechter abschneidet als sie tatsächlich ist. Forsa Chef Güllner ist paradoxerweise langjähriges SPD Mitglied.

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.

  • Richtig. was nichts daran ändert, dass Wahlumfragen auch "nur" bezahlte Umfragen sind. Was macht dich so sicher, dass für Wahlumfragen also andere Mechanismen bei der Erstellung gelten als bei einer Mobilitätsumfrage?

    Ich verstehe die Methodik.



    Jede Umfrage kostet Geld, weil Organisation, IT und Beschäftigte usw. finanziert werden müssen.


    Es gibt natürlich Befragungen bzw. Studien, in denen derjenige, der diese finanziert, ein Interesse an einem bestimmten Ergebnis hat.


    Wahlumfragen gehören grundsätzlich nicht (bzw. nur selten) in diese Kategorie, auch deshalb, weil die einzelnen Institute in einer Konkurrenz zueinander stehen. Stichwort: Benchmark.

    Bei wilden Bäumen sind die Blüten wohlriechend, bei zahmen die Früchte.