Bettina Gaus über das moralische und das politische Urteil

  • Die Journalistin Bettina Gaus ist verstorben.


    https://www.spiegel.de/kultur/…dc-4d75-a92c-54b88db2579c


    Ihre Kolumnen waren äusserst Lesenwert.



    Darunter blieb mir folgende in Erinnerung, Auszugsweise...:


    „Ich möchte von niemandem regiert werden, der oder die sich ein moralisches Urteil über meine Lebensführung erlaubt. Ein politisches Urteil? Sehr gern. Aber kein moralisches! Ich esse nicht besonders gern Fleisch, habe kürzlich mein Auto verkauft und nie den Wunsch gehabt, ein Eigenheim mit Garten zu besitzen. Eigentlich. Aber in dem Augenblick, in dem ich diesen Tonfall höre, diesen ganz besonderen Tonfall, den ich als hochmütig und als übergriffig empfinde: In genau diesem Augenblick wünsche ich mir einen SUV, sechsmal in der Woche Steak und eine protzige Villa ohne Solardach. Aus Prinzip. Wenn Leute mich behandeln wie eine trotzige Heranwachsende, dann benehme ich mich auch so.“


    Aktueller denn je.....

    Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind

  • Mein "Gefällt mir" unter dem Auszug möchte ich hier gerne zurücknehmen, denn was Bettina Gaus da schrieb, klingt zunächst unabhängig und freiheitlich. Einerseits. Andererseits verstehe ich nicht, dass Frau Gaus die Meinung anderer so wichtig war, dass sie am liebsten (sie tat es ja wohl nicht) genau das getan hätte, was andere kritisieren, und zwar nur, WEIL sie es kritisieren. Was ist das für eine kindliche Haltung? So, als ob ein Teenie sich zusäuft, nur weil Papa vor dem Alkohol warnt.


    Warum ist es Bettina Gaus so wichtig gewesen, welches Urteil sich andere erlauben? Sie möchte von Leuten, die sich ein "moralisches Urteil über ihre Lebensführung" erlauben, nicht regiert werden - gut, aber das Regieren besteht nicht nur aus Urteilen, schon gar nicht aus moralischen. Abseits vom reinen Regierungsgeschäft denke ich, dass jeder jede Meinung haben kann, sofern er sie nicht zum Maßstab allgemeinen Handelns - und seines Regierungshandelns! - macht. Dann, und erst dann, muss man dagegen angehen, damit man von anderer Leute moralischen Meinungen nicht belästigt wird.


    (Ich hab wirklich ein bisschen nachdenken müssen, warum mir das Gaus-Zitat persönlich so unangenehm ist.)

         



    Höflichkeit ist wie ein Luftkissen - scheinbar ist nichts drin, aber es mildert die Stöße.

  • Warum ist es Bettina Gaus so wichtig gewesen, welches Urteil sich andere erlauben? Sie möchte von Leuten, die sich ein "moralisches Urteil über ihre Lebensführung" erlauben, nicht regiert werden -

    Meinte sie,dass sie alleine das Maß aller Dinge verkörpert(e)??

    Kopp hoch und wenn der Hals ooch dreckig ist!

  • Mein "Gefällt mir" unter dem Auszug möchte ich hier gerne zurücknehmen, denn was Bettina Gaus da schrieb, klingt zunächst unabhängig und freiheitlich. Einerseits. Andererseits verstehe ich nicht, dass Frau Gaus die Meinung anderer so wichtig war, dass sie am liebsten (sie tat es ja wohl nicht) genau das getan hätte, was andere kritisieren, und zwar nur, WEIL sie es kritisieren. Was ist das für eine kindliche Haltung? So, als ob ein Teenie sich zusäuft, nur weil Papa vor dem Alkohol warnt.


    Warum ist es Bettina Gaus so wichtig gewesen, welches Urteil sich andere erlauben? Sie möchte von Leuten, die sich ein "moralisches Urteil über ihre Lebensführung" erlauben, nicht regiert werden - gut, aber das Regieren besteht nicht ...

    .."regiert" bedeutet hier nicht nur im politischen Sinne sondern auch z.b. die Aneignung einer Deutung der moralischen Meinungshoheit im öffentlichen Raum. Und genau so verstand ich diesen Einwurf von Ihr.

    Und genau das passiert gerade in der allgemeinen Debattenkultur wo moralinsauere Jung bzw. Neujakobiner hier teils geradezu verzweifelt versuchen Maßstäbe bei Gender, Rassismus und in der Klimadebatte zu setzen..

    Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind

  • .."regiert" bedeutet hier nicht nur im politischen Sinne sondern auch z.b. die Aneignung einer Deutung der moralischen Meinungshoheit im öffentlichen Raum. Und genau so verstand ich diesen Einwurf von Ihr.

    Und genau das passiert gerade in der allgemeinen Debattenkultur wo moralinsauere Jung bzw. Neujakobiner hier teils geradezu verzweifelt versuchen Maßstäbe bei Gender, Rassismus und in der Klimadebatte zu setzen..

    Es ist das gute Recht der Staatsbürger/innen ihre jeweilige Meinung, die mit entsprechenden Werten und Einstellungen verbunden sein kann, in die politische Diskussion einzubringen. Und das darf und sollte mehr sein als ein "Wie schön, dass wir mal darüber gesprochen haben".


    Unsere Demokratie sehe ich in dieser Hinsicht als schwach entwickelt. In der Regel kann hier zwar jede/r seine/ihre Meinung sagen, aber wenn von diesem Grundrecht Gebrauch gemacht wird, kann es schnell geschehen, dass ein solche Meinungsäußerung nicht beachtet wird und keine politische Relevanz erhält. Das gilt spätestens dann, wenn diese Meinungsäußerung nicht dem gängigen Mainstream folgt. Dabei lebt die Demokratie von der Vielfalt von Meinungen, aber genau eine solche scheint nicht gewünscht. Stattdessen wird die gesellschaftliche Mitte beschworen, deren Meinung bzw. Einstellung dem vergebenen Mainstream folgt bzw. folgen soll. Diese Manipulation der öffentlichen Meinung geschieht mehr suggestiv auf subtile Art und Weise, die Öffentlichkeit soll nicht merken, dass die freie Meinungsäußerung (erst recht nicht deren vitale Interessenvertretung) nicht gewünscht wird.


    Deine Kritik an den "moralinsauren, jungen Neujakobinenn" sehe ich als einen Ausdruck für die in Deutschland vorhandenen demokratischen Defizite. Wenn wer engagiert hier eine Meinung vertritt, die irgendwem nicht passt, dann schlägt ihm schnell eine versuchte Diffamierung entgegen, die ins persönliche abgleitet und ihm die Berechtigung seiner Meinung abzusprechen versucht Statt sich mit Argumenten mit der unlieben Meinung auseinanderzusetzen wird versucht den Andersdenkenden niedere Motive oder weitere Defekte zu unterstellen.


    Das schafft ein ungesundes Klima, in dem eine vernünftige Diskussion ausfällt. Vieles soll so bleiben wie es war und Kritik am Status quo soll niedergebürstet werden. Das bedingt einen politischen Stillstand, der für die 16 Jahre Merkel Mehltau-Politik geradezu symptomatisch ist.

    Dieser Stillstand tut m.E. niemanden gut, am allerwenigstens aber den jungen Menschen, deren Interessen in einem altersmäßig und mental alt gewordenen Deutschland zu oft übergangen werden. Das wollen die dartat alt gewordenen nicht wahr haben, vermutlich deswegen, weil sie in hilfloser Selbstgerechtigkeit nicht an die von ihnen begangenen bzw. tolerierten Versäumnisse gewiesen werden wollen.


    Und derer gibt es nicht wenige. In Deutschland und der EU leidet seit Jahrzehnten die soziale Gerechtigkeit, wird viel zu wenig gegen den Klimawandel unternommen, besteht kein gelingende Konzept um den globalen Problemen zu begegnen, fällt für zu viele Menschen ein fairer Zugang zu guter Bildung aus und wurde und wird der gesellschaftliche Zusammenhalt massiv beschädigt. Die aktuelle Pandemie kann da als ein Elchtest gelten, der uns all diese Defizite klar vor Augen führen könnte, wenn diese nicht krampfhaft geschlossen wären

  • Tommy, ganz ehrlich....du bist auf dem verkehrten Planeten geboren.....

    Allemagne? C'est un grand Bordel néolibéralement conservateur Merkel'scher l'empreinte


    AMERIKA......oder..... Alles was die Welt nicht braucht....oder....Spiel nicht mit den Schmuddelkindern....


    Ich bin zum Glück KEIN Europäer.....



  • Es ist das gute Recht der Staatsbürger/innen ihre jeweilige Meinung, die mit entsprechenden Werten und Einstellungen verbunden sein kann, in die politische Diskussion einzubringen. Und das darf und sollte mehr sein als ein "Wie schön, dass wir mal darüber gesprochen haben".

    ....

    Eigene Meinung(en) habe ich gar nicht bemängelt, sondern in erster Linie, dass eine Meinung anscheinend davon abhängt, ob jemand applaudiert oder kritisiert.

    Es war dieser Absatz, der mir sauer aufgestoßen ist:

    "In genau diesem Augenblick wünsche ich mir einen SUV, sechsmal in der Woche Steak und eine protzige Villa ohne Solardach. Aus Prinzip. Wenn Leute mich behandeln wie eine trotzige Heranwachsende, dann benehme ich mich auch so.“


    Frau Gaus war ja nicht die einzige, die so denkt und handelt, aber sie hat genau und konzentriert auf den Punkt gebracht, was mich an manchen Menschen so stört, dass sie nämlich im Grunde keine Meinung haben, sondern von der ihrer Mitmenschen abhängen, und sogar dann am meisten, wenn sie trotzig genau das Gegenteil machen.




         



    Höflichkeit ist wie ein Luftkissen - scheinbar ist nichts drin, aber es mildert die Stöße.

    Einmal editiert, zuletzt von ArgoNaut ()

  • Eigene Meinung(en) habe ich gar nicht bemängelt, sondern in erster Linie, dass eine Meinung anscheinend davon abhängt, ob jemand applaudiert oder kritisiert.

    Es war dieser Absatz, der mir sauer aufgestoßen ist:

    "In genau diesem Augenblick wünsche ich mir einen SUV, sechsmal in der Woche Steak und eine protzige Villa ohne Solardach. Aus Prinzip. Wenn Leute mich behandeln wie eine trotzige Heranwachsende, dann benehme ich mich auch so.“


    Frau Gaus war ja nicht die einzige, die so denkt und handelt, aber sie hat genau und konzentriert auf den Punkt gebracht, was mich an manchen Menschen so stört, dass sie nämlich im Grunde keine Meinung haben, sondern von der ihrer Mitmenschen abhängen, und sogar dann am meisten, wenn sie trotzig genau das Gegenteil machen.

    ich glaube nicht, dass die meisten unserer Mitbürger/innen sich wirklich eine fundierte eigene Meinung erlauben und das dürfte einer eher mutlosen Bequemlichkeit geschuldet sein.


    Die Aufklärung scheint an unserem Land bzw. vielen der hier lebenden Menschen vorbeigegangen zu sein. Es wird gedankenlos konsumiert (solange man sich das noch finanziell leisten kann, zur Not gibt es den Dispo), gedankenlos gewählt und die Zukunft interessiert nur dann, wenn es um das eigene Private geht. Wirtschaft, Finanzindustrie und große Teile der Politik lieben diesen pflegeleichten, unkritischen und weitgehend leicht manipulierbaren Normalbürger. Hier und da ein Lob, hier und da ein wenig Panikmache und ein paar Belohnerli für braves Kauf- und Wahlverhalten- so lassen sich mit den artigen Schäfchen gute Geschäfte machen und darum (und zwar wirklich nur darum) ging und geht es.


    Dummerweise ist auch das unpolitische politisch. Wer sich keine oder zu wenig Gedanken um uns, unsere Probleme und unsere Zukunft macht, befördert oder toleriert zumindest die real existente Politik auch bzw. gerade dann, wenn diese für die Zukunft überhaupt nichts taugt. Genau das machen rund 60% der Wähler/innen, weil sie mit dieser untauglichen Politik privat halbwegs ordentlich fahren konnten, sich einbilden das bis an ihr Lebensende machen zu können und, keinen Gedanken an die real existierenden Probleme verwenden wollen (ob wohl diese teils seit Jahrzehnten bestehen bzw. sich ausweiten). Zu all dieser egomanischen Dummheit passt, dass diese politischen Lemminge noch viel weniger interessiert wer wie warum darunter leiden muss. Dumm gemachte Egomanen die aber als perfekte Helferlein gelten können, mit denen die erst richtig strunzdummen Egomanen aus der Belletage ihre gierigen Profitinteressen befriedigen können.


    Nun kommen seit einigen Jahren die Einschläge näher bzw. häufen sich. Menschen aus den Ländern der 2. und 3. Welt leiden und krepieren nicht mehr unisono still und heimlich zu Hause sondern ein Teil davon steuert unsere Gefilde an, um endlich auch sich eine kleine Schiebe von den dicken Kuchen abschneiden zu können, den die reichen Länder seit Jahrzehnten für sich gepachtet ansehen. Das juckt den senilen Normalbürger plötzlich, der davor jahrzehntelang über dieses Leiden und Sterben hinweggesehen hat. Wehe ein nicht Bio-Deutscher verletzt oder tötet in unserem vermeintlichen Schlaraffenland unschuldige Mitbürger/innen. Per se ist Mord Mord und gehört als solcher behandelt. Aber hat je eine/r von denen, die diese von Migranten begangene Gewalt (zu Recht) kritisieren daran gedacht, welche Gewalt die von Ihnen unterstützte bzw. zugelassen Scheißpolitik in den Ländern seit langem anrichtet, aus denen nun solche Gewalttäter stammen?


    Wer noch eine Zeitung richtig rum halten und sogar lesen kann, sollte per se wissen, dass Deutschland ganz vorne bei den Rüstungsexporten mitspielt und was das für die Sicherheitslage in Ländern bzw. Regionen bedeuten kann, wo diese Waffen definitiv aus Gründen der Menschenfreundlichkeit nichts aber nun wirklich gar nichts zu suchen haben.

    Hat das diejenigen, die sich über die heutige hiesige barbarische Gewalt erzürnen jemals gejuckt welchen Blutzoll unsere Scheißpolitik anderen Menschen zumutet?


    Der gemeine Deutsche macht auf die berühmt-berüchtigten 3 Affen und jault erst dann, wenn er selber den ersten satten Tritt in seinen platt gesessenen Aussitzhintern erfährt. Dann gebiert er sich als armes gutmütiges Opfer, jammert über seine Leiden und wählt teils AfD, steckt dabei schön weiter artig sein leer gemachtes Köpfchen in den Schlamm der medialen Verblendung und hebt keck seinen Aussitzpopo um artig den nächsten Tritt in selbigen empfangen zu können.


    Wer sich da noch eine Meinung erlauben kann, würde laut "Aua" rufen und aufstehen gegen diese ganze bigotte Verdummung, die das ganze Land seit Jahren infiziert.

  • Du hast völlig recht, aber das ist ein ganz anderes Thema und keine Antwort auf meine Bedenken bezüglich der von Frau Gaus (Friede ihrer Asche) geschilderten inneren Abhängigkeit von der Meinung anderer, die sich darin manifestiert, dass sie sich nahezu krampfhaft als Widerpart gibt. Das ist etwas anderes als "mutlose Bequemlichkeit". Das ist kindlicher Trotz, den man aber bei vielen Erwachsenen findet, denen es genügt. ANDERER Meinung sein, egal, welcher.

         



    Höflichkeit ist wie ein Luftkissen - scheinbar ist nichts drin, aber es mildert die Stöße.

  • Du hast völlig recht, aber das ist ein ganz anderes Thema und keine Antwort auf meine Bedenken bezüglich der von Frau Gaus (Friede ihrer Asche) geschilderten inneren Abhängigkeit von der Meinung anderer, die sich darin manifestiert, dass sie sich nahezu krampfhaft als Widerpart gibt. Das ist etwas anderes als "mutlose Bequemlichkeit". Das ist kindlicher Trotz, den man aber bei vielen Erwachsenen findet, denen es genügt. ANDERER Meinung sein, egal, welcher.

    Dieser Widerwillen könnte aber dadurch bedingt sein, dass man seit Jahren ein denkfaules Vakuum betreibt in dem die aktuellen Einsprüche unangenehm aufstoßen. Das Problem verantworten aber nicht diejenigen, die diese Einsprüche vornehmen.

  • Es ist das gute Recht der Staatsbürger/innen ihre jeweilige Meinung, die mit entsprechenden Werten und Einstellungen verbunden sein kann, in die politische Diskussion einzubringen. Und das darf und sollte mehr sein als ein "Wie schön, dass wir mal darüber gesprochen haben".

    Aber es ist auch das gute Recht eines jeden Staatsbürgers, nicht hinzuhören, oder diese Meinung total bescheuert zu finden. :)

  • Aber es ist auch das gute Recht eines jeden Staatsbürgers, nicht hinzuhören, oder diese Meinung total bescheuert zu finden. :)

    Ich finde nicht, dass es per se ein Recht auf Ignoranz gibt.


    Es kann Meinungen bzw. Arten von Meinungsäußerungen geben, wo das Motto gelten könnte "Besser nicht gesagt". Es macht aber immer Sinn, dass das diejenigen selber erkennen, die solches sagen. Und eine diesbezügliche fair versuchte Rückmeldung ist dann zumindest kein Fehler. Nur wenn das Gegenüber auf solche Rückmeldungen und insbesondere nicht auf die damit (hoffentlich) verbundenen Argumente eingeht, dann muss man sich dessen Meinung nicht im weiteren antun. Wer meine Rückmeldung bzw. meine Meinung ignoriert, darf nicht erwarten, dass mir seine noch genehm bleibt .


    Diese Haltung könnte gerade für dich als wichtige Info dienen. :heureka:

  • Ich finde nicht, dass es per se ein Recht auf Ignoranz gibt.


    Es kann Meinungen bzw. Arten von Meinungsäußerungen geben, wo das Motto gelten könnte "Besser nicht gesagt". Es macht aber immer Sinn, dass das diejenigen selber erkennen, die solches sagen. Und eine diesbezügliche fair versuchte Rückmeldung ist dann zumindest kein Fehler. Nur wenn das Gegenüber auf solche Rückmeldungen und insbesondere nicht auf die damit (hoffentlich) verbundenen Argumente eingeht, dann muss man sich dessen Meinung nicht im weiteren antun. Wer meine Rückmeldung bzw. meine Meinung ignoriert, darf nicht erwarten, dass mir seine noch genehm bleibt .

    Naja, willst du Leute zwingen dir zuzuhören? Das kann doch nicht klappen.

    Wer seine Meinung kundtut, wird sicherlich Zuhörer finden. Aber ebenso auch welche, die nichts davon wissen wollen.


    Die Meinung eines Bernd Höcke zB. ist immer Müll. Darüber kann man sich nur aufregen. Daher besser ignorieren den Schrott. :)

  • Naja, willst du Leute zwingen dir zuzuhören? Das kann doch nicht klappen.

    Wer seine Meinung kundtut, wird sicherlich Zuhörer finden. Aber ebenso auch welche, die nichts davon wissen wollen.


    Die Meinung eines Bernd Höcke zB. ist immer Müll. Darüber kann man sich nur aufregen. Daher besser ignorieren den Schrott. :)

    Das unterstreiche ich nicht. Abwegige Meinungen können durch den Ausfall einer gelingenden Kommunikation bedingt sein und genau dieses Manko sehe ich für die politische Kultur in Deutschland als symptomatisch. Wer hier nicht dem Mainstream folgt läuft Gefahr, dass ihm kaum jemand (zumindest offiziell) zuhört oder das keine oder nur ausweichende Antworten bzw. Reaktionen erfolgen. Das vereitelt einen fairen Meinungsaustausch und das erscheint mir von entsprechender Seite aus politisch gewollt. Diese Seite will ihr Ding drehen und das gelingt ihr in dem z.B. der Öffentlichkeit Narrative vorgegeben werden, die diese bitte schön glauben und als allgemein gültig und akzeptiert werten soll Wer solchen Narrativen widerspricht darf bzw. soll sich von der gesellschaftlichen Mitte ausgeschlossen fühlen, ein Problem das viele der biederen Normalbürger zumindest unbewusst zu umgehen suchen. Also glauben sie (bzw. tun so als sie das glauben würden) was ihnen als allgemeingültig vorgegeben wird Auch dann, wenn es Nonsense ist.


    Genau deswegen dürfte ein Teil gerade der Generationen über 50 ein Problem z.B. mit dem Klimaschutz haben. Seit mindestens 30 Jahren erfahren die se Generationen in Deutschland eine Politik, die auf einen gnadenlosen Konsum setzt um ein ebenso gnadenlos durchgeknalltes immerwährendes wirtschaftliches Wachstum durch zu setzen, ohne jegliche Rücksicht auf Natur und Mensch. Die Verschwendung von Ressourcen und übertriebene Produktion von Müll und Schadstoffen wurde und wird billigend in Kauf genommen und rund um die Uhr ganzjährig ein nicht über lebensfähiger Lebensstil propagiert. Wenn die Irrealität der bisherigen Maxime zur Sprache gebracht werden, dann können besonders diejenigen, die dieser Irrealität jahrzehntelang artig gefolgt sind satte kognitive Dissonanzen erfahren. Unfähig diese aktiv aufzulösen, wird dann eher versucht diejenigen zu diffamieren, welche mit ihrer Meinung die eigene Scheinwelt in Frage stellen. Trotzreaktionen die eher an Kleinkinder als denn erwachsene Menschen erinnern können dann die Folge sein und sind es oft auch.


    So wird in Deutschland seit Jahren die Herde der genügsamen und gutgläubigen Normalbürgern zusammengehalten bzw. wird versucht diese zusammenhalten. Krisen kommen (und bleiben eher als denn das sie gehen ), weil aus diesen Krisen nichts grundsätzlich gelernt wird, weil de facto alles beim Alten bleiben und weiter satte Geschäfte gemacht werden sollen. Wirkliche Lösungsansätze fallen somit aus und es droht eine Verschärfung der Probleme.


    Der menschliche Herdentrieb soll helfen, dass abweichende Meinungen unterduckt werden, auch dann wenn sie viel näher an der Realität und deren Problemen sind, als das Geblöke der künstlich verdummten Herde. Lieber gemeinsam ertrinken als alleine schwimmen lernen, der Mensch war schon immer ein Lemming.


    Inzwischen versagt aber der Mainstream zusehends, weil dessen Missbrauch zumindest Teilen der Bevölkerung auf den Senkel geht. Das zeigt sich in dem Verhalten von Nicht- und Protestwählern, der Zersplitterung der Parteienlandschaft bzw. dem Phänomen, dass eine Regierungsbildung in der vergangenen und der frisch gestarteten Wahlperiode deutlich schwieriger geworden ist als in früheren Zeiten. Der gesellschaftliche Konsens schwindet ähnlich wie sie soziale Gruppe des Mittelstandes, dafür weiten sich die Lager am Rande aus.

    Auch das alles Effekte von 16 Jahre Mehltau-Republik mit einer trüben Angela Merkel im angeblichen Steuerstand.


    Seit Jahren wird von den Eliten versucht die Kontroverse in der politischen Diskussion zu unterdrücken. Das schaffte und schafft ein sehr ungesundes Klima in dem eine diffuse Angst vor Kontroversen besteht und die Unfähigkeit entstanden ist mit solchen produktiv umzugehen. Ein Klima in dem der politische Stillstand immer noch von denen gewünscht und durchgesetzt wird, die von einem solch dummen "Weiter so" profitieren wollen und rücksichtslos den bisherigen und kommenden gesellschaftlichen Verlierern wachsende Frustrationen zumuten wollen. Diese Frustrationen schaffen dann aber ein wachsendes Konfliktpotenzial, mit dem diese politische Unkultur nicht produktiv umgehen kann, weil sie das verlernt bzw. nie wirklich gelernt hat. Eine wirklich gelingende demokratische Kultur habe ich Zeit meines Lebens nie wirklich in Deutschland erleben können. Auch wenn ich mich von dieser Unkultur nicht verbiegen lasse, sie kotzt mich seit Jahrzehnten an und sie wird uns wahrscheinlich in nicht mehr ferner Zukunft satt auf die Füße fallen. Wer die Kontroverse scheut und dem politischen Stillstand frönt ist ähnlich dumm wie ein Autofahrer, der zu doof oder zu faul wäre angesichts der Kurve das Lenkrad zu bewegen.

  • Wer hier nicht dem Mainstream folgt läuft Gefahr dass ihm kaum jemand (zumindest offiziell) zuhört oder das keine oder nur ausweichende Antworten bzw. Reaktionen erfolgen. Das vereitelt einen fairen Meinungsaustausch und das erscheint mir von entsprechender Seite aus politisch gewollt. Diese Seite will ihr Ding drehen und das gelingt ihr auch, in dem z.B. der Öffentlichkeit Narrative vorgegeben werden, die diese bitte schön glauben und als allgemein gültig und akzeptiert werten soll Wer solchen Narrativen widerspricht darf bzw. soll sich von der gesellschaftlichen Mitte ausgeschlossen fühlen, ein Problem das viele der biederen Normalbürger zumindest unbewusst zu umgehen suchen.

    Das klingt schon wieder ziemlich verschwörungstheoretisch. Wer ist denn "diese entsprechende Seite" und woher nehmen sie ihre Macht, einen Mainstream zu konstruieren? :(


    Btw, bestimmte, radikale Politsekten verstehen "Mainstream" als etwas Schlechtes, gegen den Bürger Gerichtetes. Siehst du das vielleicht ähnlich?

  • Deine Kritik an den "moralinsauren, jungen Neujakobinenn" sehe ich als einen Ausdruck für die in Deutschland vorhandenen demokratischen Defizite. Wenn wer engagiert hier eine Meinung vertritt, die irgendwem nicht passt, dann schlägt ihm schnell eine versuchte Diffamierung entgegen, die ins persönliche abgleitet und ihm die Berechtigung seiner Meinung abzusprechen versucht Statt sich mit Argumenten mit der unlieben Meinung auseinanderzusetzen wird versucht den Andersdenkenden niedere Motive oder weitere Defekte zu unterstellen.

    Sehr gut zusammengefasst.

    Das Denken, so scheint es, wird fanatischer.


    "Fanatiker sind zu allem fähig, sonst aber zu nichts!"

    Georg Christoph Lichtenberg


    Die aktuelle Lage ist wie ein Brennglas dessen, was du hier beschreibst.

    Wer daraus schlußfolgernd Fragen stellt, wie es denn nun weitergehen soll und Vergleiche zieht, der ist schon zu "radikal" für den Diskurs und wird nicht mal ernst genommen.

    Frage: Werden zukünftig Grippe-Patienten an den Kosten ihrer Behandlung beteiligt, wenn sie nicht geimpft sind?


    Darf man solch Frage stellen oder ist sie unzulässig, weil Grippe ja keine Pandemie ist?

    Oder wird die frage obsolet, weil der Übergang zur Endemie bei Corona ja nicht automatisch die Kostenbeteiligung bei Behandlung impliziert?


    Wir können es nicht wissen. Werden es aber sehen, wenn es so weit ist.


    Ein Paradebeispiel war ja das Zerpflücken der Argumente der Wagenknecht.

    Da fiel mir auf, dass die zwar ordentlich unter die Lupe genommen wurden, die Aussagen eines Spezialisten aber wenig bis gar nicht. Und es ist mir schon fast peinlich, in diesem Zusammenhang auf BILD-TV zu verweisen, die einen fast 1 1/2 stündigen Beitrag zu den Aussagen des Lauterbach (inkl. Interview mit diesem) brachten, die nicht grad für dessen Wissenstand und Informationslevel sprachen.


    ....ich bleib mir aber treu und verlinke solch Quelle nicht! Kann jeder im Netz finden.


    Gut fand ich, dass er sich dem stellte. Leider war das dann auch schon alles. Denn inhaltlich kamen nur Gestammel, Ausreden und der bittere Nachgeschmack, dass sich dieser Herr einfach nicht so umfassend informiert, wie man es von einem Spezialisten erwartet.


    Ach ja, Intensivbetten. Seit Anfang des Jahres sind das D weit fast 4000 Betten weniger. Also die Betten sind noch da nur fehlt es am Personal, diese zu bedienen. Denn seit gut einem Jahr haben ca 15% der Pflegekräfte sich einen neuen Job gesucht.

    Fließt das in die Debatte mit ein? Warum auch, es sind doch die kranken Menschen, die uns diese Betten klauen.

    https://de.statista.com/statis…he-betten-in-deutschland/


    https://de.statista.com/statis…sivbetten-in-deutschland/


    https://www.intensivregister.de/#/aktuelle-lage/zeitreihen


    Allein die Vorstellung dass man in der jetzigen Situation einen Lockdown macht, wirkt grotesk. Könnte man den doch so schön auf die Ungeimpften schieben. Dann wär die Spaltung perfekt.

    Lieber will man es nicht so genau wissen und schränkt Testungen so ein, dass sie zum finanziellen Aspekt verkommen.

    Ach ja, je mehr man testet, um so mehr infizierte findet man. Und würden wir alle testen, hätten wir auch mal eine Übersicht, wieviele Geimpfte sich wirklich infizieren. Das würde aber darstellen, wie gut oder schlecht die Impfungen wirklich sind. Das scheint nicht gewollt.


    Wir müssen Menschen vor Infektion und Krankheit schützen, das wurde mit Aufkommen der Impfungen propagiert. Eingetreten ist aber etwas anderes. "...es war von vornherein klar, dass diese Impfung nicht vor einer Infektion schützt" hieß es dann. Gut, endlich Realismus in der Debatte.

    Logische Konsequenz wäre dann aber, auch die Geimpften weiter zu testen.


    Das braucht man aber nicht, weil der Sündenbock ja schon definiert wurde. Der Skeptiker!

    Dieser wird dann in einem Topf mit dem Leugner geworfen und schon ist man unbequemes los.

    Niemand braucht "Spinnern" zuzuhören und schon gar nicht auf seine "Nichtargumente" eingehen.

    Statt dessen verweist man auf unscharfe Studien, mixt man Spinner mit Menschen, die berechtigte Ängst haben und rückt man persönliche Meinungen in die Nähe von Menschen, die echt einen Sockenschuß haben. Is ja auch soo einfach....


    Ich blicke mit Sorge auf unsere Diskussionskultur. Diese hat schon in der Flüchtlingsthematik arg gelitten und zu Polarisierung geführt, die eher negativ für die Diskussion ist.

    Es wirkt fast grotesk aber das "Schwarz-Weiß denken kann zu dem (metaphorisch) Rotem Blut führen.

    Womit wir die Farben der alten "Denke" komplett hätten.


    Zurück in die Vergangenheit? ...bitte nicht!


    mfg

  • Ich finde nicht, dass es per se ein Recht auf Ignoranz gibt.


    Es kann Meinungen bzw. Arten von Meinungsäußerungen geben, wo das Motto gelten könnte "Besser nicht gesagt". Es macht aber immer Sinn, dass das diejenigen selber erkennen, die solches sagen. Und eine diesbezügliche fair versuchte Rückmeldung ist dann zumindest kein Fehler. Nur wenn das Gegenüber auf solche Rückmeldungen und insbesondere nicht auf die damit (hoffentlich) verbundenen Argumente eingeht, dann muss man sich dessen Meinung nicht im weiteren antun. Wer meine Rückmeldung bzw. meine Meinung ignoriert, darf nicht erwarten, dass mir seine noch genehm bleibt .

    Also hängt Deine Beurteilung der Meinung eines anderen davon ab, ob der Deiner Meinung Beachtung schenkt?

         



    Höflichkeit ist wie ein Luftkissen - scheinbar ist nichts drin, aber es mildert die Stöße.