Der gottlose Zufall

  • ich fand diese Studie interessant, da ich mich auch jedesmall hierzu hinterfrage:sifone:


    rot markierte Bereiche stelle ich hier zur Diskussion
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    Der gottlose Zufall


    Manche Studenten lassen im Seminar gern Fachbegriffe fallen. Doch was bedeuten die eigentlich? Die Fünf-Minuten-Erklärung zum Selberschlauwerden. Diesmal Kontingenz.
    "Was für ein Zufall!", sagen wir im Supermarkt, wenn wir dort nach zehn Jahren an der Käsetheke jemanden wiedertreffen, den wir fast vergessen hatten: den alten Freund, die einstige Geliebte, die Mathematiklehrerin längst verdrängter Schulstunden. Im ungläubigen Staunen schwingt ein Restglauben an Fügung mit: Der liebe Gott, das Schicksal, die Sterne hätten die einander Entfernten wieder zusammengebracht!
    Deswegen sprechen Kulturwissenschaftler, wenn sie vom Zufall sprechen, lieber von Kontingenz. Kontingenz ist der Zufall, der jedes Glaubens an Vorsehung beraubt ist. Wir glauben gerne, autonom handelnde Subjekte zu sein, doch uns kann der Blitz treffen, oder das Flugzeug, in dem wir sitzen, kann aufgrund einer Triebwerksstörung abstürzen. Kontingenz ist der sinnlose Störfaktor unseres Daseins.
    Es war das Erdbeben von Lissabon am 1. November 1755, das den Wissenschaftsdiskurs, der bis dato theologisch überformt war, für immer veränderte. Plötzlich stand der allmächtige und gütige Gott als Weltenlenker infrage: Wie konnte er zulassen, dass eine blühende Hafenstadt einfach ausgelöscht wurde? Auch noch am Festtag Allerheiligen? Warum zerbarsten die Kirchen, während ausgerechnet das Rotlichtviertel Lissabons, die Alfama, unversehrt blieb? Darüber diskutierten Voltaire, Kant und Lessing. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die existierende Welt womöglich doch nicht die "beste aller möglichen Welten" (Leibniz/Wolff) sei.Rückblickend betrachtet, setzte mit der Anerkennung der Kontingenz die Moderne ein. Auch in der Kunst, in der Literatur, die sich nunmehr radikal eigengesetzlich entfaltet, unabhängig vom theologischen Diskurs. Von nun an wurden Werke geschaffen, die kaum noch religiösen Trost, wohl aber Vergnügen bereiteten. So wie Kleists Erzählung Das Erdbeben von Chili (1807): Jeronimo überlebt ein Erdbeben nur, da ein Gebäude so zur Straße hin kippt, dass es von einem "gegenüberstehenden Gebäude" aufgefangen wird. In dieser "zufälligen Wölbung" vermag der Held zwar zu überleben, aber er wird am Ende der Erzählung blutrünstig ermordet. Ein nicht minder sinnloser Tod, der zeigt: Dem Zufall sind wir immer ausgeliefert, er setzt der Vernunft eine traurige Grenze.
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    Und kann diese Zufälle mathematisch berechnen?:think:

  • Für mich ist die Theorie der Kontigenz die einzig vernünftige, da sie den Zufall das sein läßt, was er ist: ein Zufall.
    Gäbe es ein Schicksal, eine Fügung, einen Plan, wäre der Zufall ein prinzipiell berechenbares Moment der Erfüllung.

  • Für mich ist die Theorie der Kontigenz die einzig vernünftige, da sie den Zufall das sein läßt, was er ist: ein Zufall.
    Gäbe es ein Schicksal, eine Fügung, einen Plan, wäre der Zufall ein prinzipiell berechenbares Moment der Erfüllung.


    Was mir dazu noch Kopfzerbrechen bereitet ist die Bezeichnung Berufung was auch eine Gewisse Vorherbestimmung beinhalten scheint.

  • ich fand diese Studie interessant, da ich mich auch jedesmall hierzu hinterfrage:sifone:
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    Und kann diese Zufälle mathematisch berechnen?:think:



    Ja man kann es VERSUCHEN!

    Schau selbst - überholst du noch - selbst wenn du den Gegenverkehr siehst ?

    Oder - du hast grosse Schadensfälle beschrieben - stell dir vor - es ist neben dir grade eben geschehen - Du bist der jenige ....der die Rettung koordinieren muss - den einen LIEGEN LASSEN - um den ANDEREN zu RETTEN....

    Wie ENTSCHEIDEST DU - den Zufall? ....wie - wenn es "Hart" auf "Hart" kommt? ...man innerhalb von bruchteilen von Sekunden ENTSCHEIDEN muss..

    (Oder viel schlimmer - du sehr viel Zeit hast - eine "Patt" Situation zu "ENTSCHEIDEN")

  • Lieber Avni der "Gottlose" Zufall wird vergöttlicht und somit dreht man sich im Kreis. Man bildet sich ein man wüsste was Zufall sei. Es ist ein Hilfsbegriff wohinter man sich flüchten kann um einigen "unangenehmen" Gedanken sich zu "retten". Und daher will man auch nicht so recht den "Zufall" hinterfragen.
    Der Text den du reingesetzt hast hat so Probleme in sich. "Rückblickend betrachtet, setzte mit der Anerkennung der Kontingenz die Moderne ein." Meine Güte ! Man nehme etwas und sage "Halloooo hier fängt die Moderne an !"


    Zufall ist ein Handelnder (!) ein Grund für Phenomaene, der die Eigenschaften hat : ungeplant, unpersönlich. Dass man die Gründe nicht erkennenkann dann nimmt man Zufall als "Lückenbüsser". Man muss sich bewusst werden dass wenn die Gründe nicht erkannt werden heisst das nicht es gebe dort keine Gründe. Determinismus ist ein "Schreckgepenst" vor dem die Leute sich verstecken wollen hier und da.



  • Dass man die Gründe nicht erkennenkann dann nimmt man Zufall als "Lückenbüsser". Man muss sich bewusst werden dass wenn die Gründe nicht erkannt werden heisst das nicht es gebe dort keine Gründe. Determinismus ist ein "Schreckgepenst" vor dem die Leute sich verstecken wollen hier und da.


    Es ist wohl zu unterscheiden, ob man annimmt, etwas habe einen Grund, einen Auslöser, ist die Konsequenz aus etwas, ob man den Zufall annimmt, oder ob man annimmt, gewisse Ereignisse können auftreten als Konsequenz vorangegangener Ereignisse, doch welches und wann das sei Zufall.


    Hat etwas einen Grund, und man kennt ihn bloß nicht, wird man nicht von Zufall sprechen. In der Medizin spricht heute kaum mehr einer von reinem Zufall, wenn es um das Auftreten bestimmter Krankheiten geht, beispielsweise der Diabetis Typ II, da man gewisse Faktoren definieren konnte, welche diese Krankheit begünstigen.


    Wer jedoch bei einem Erdbeben in der einer Stadt xy ums Leben kommt, bleibt ein Zufall, ebenso zufällig ist, wer im Lotto gewinnt.


    Der Zufall ist kein Lückenbüßer für Unwissenheit sondern ein permanent auftretendes Phänomen, und man sollte sich bewußt werden, dass die Grundlosigkeit kein Beweis für einen höheren Plan, eine Fügung ist.

  • Sicherlich nennen wir nicht alles dessen Gründe wir nicht kennen sofort "Zufälliges". Das ist mir schon klar. Ich hätte dies auch hinzufügen können, was ich einfachheitshalber übergangen hatte.


    Bezüglich "Grundlosigkeit"...der in uns innewohnende Kausalitätsprinzip drängt uns stets auf in allem die Kategorie des Kausalität anzusetzen. Wir können es nicht anders. Genauso wie die Grundregeln der Logik, die wir nicht absetzen können.


  • Sicherlich nennen wir nicht alles dessen Gründe wir nicht kennen sofort "Zufälliges". Das ist mir schon klar. Ich hätte dies auch hinzufügen können, was ich einfachheitshalber übergangen hatte.


    Das mag dir klar sein, aber etwas anderes offensichtlich nicht, nämlich die anzunehmende Tatsache, dass manches keine Begründung hat.
    Es geht um den Unterschied zwischen einem Grund, im Sinne einer Ursache und einer Begründung, im Sinne einer Fügung, welchen zu ziehen dir anscheinend nicht gelingt, da du den Menschen eine Eigenschaft als immanent anlastest, bar jeder Argumentation.



    Bezüglich "Grundlosigkeit"...der in uns innewohnende Kausalitätsprinzip drängt uns stets auf in allem die Kategorie des Kausalität anzusetzen. Wir können es nicht anders. Genauso wie die Grundregeln der Logik, die wir nicht absetzen können.


    Das Kausalistätsprinzip ist von Menschen definiert, und der Mensch allein kann sich davon wieder emanzipieren und sehrwohl anders.
    Man kann sich selbstverständlich stattdessen herbeifabulieren, das wer am Tag xy auf der Koordinate xy einer Todesursache xy erliegt, einer Fügung wahrhaftig wurde. Dann findet man am Ende seiner Phantasie vllt heraus, das hätte Remus den Romulus erschlagen, hieße Rom heute anders. Aufgrunddessen schließt man evtl auch, dass der schicksalhaft ums Leben Gekommene evtl nie geboren wäre, oder woanders und entsprechend am Tage xy auch nicht verstorben wäre.
    Wer so viel Zeit für unsinnige Spekulation aufbringen mag, dem sei dies gegönnt, doch weder folgt dies den Grundregeln der Logik, noch einem Prinzip namens Kausalität.


    Doch zurück zum interessanten Teil, der Kausalität. Diese ist definiert als die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung und ist aus folgenden Gründen von den Begriffen Grund, Anlass und Bedingung abzugrenzen.


    Die Bedingung (Vorraussetzung) ist an einen Rahmen gebunden, der zeitlich sehr weit gefasst werden kann. Die Ursache jedoch ist zeitlich der Wirkung nahe und in der Weise herausragend gegenüber der Bedingung, als das sie in direkter Abhängigkeit steht.
    Ebenso unterscheidet sich eine Ursache von einem Anlass, indem die Ursache der eigentliche und wesentliche Auslöser ist, ein Anlass jedoch auch unwesentlich sein kann und zufällig.
    Zuletzt ist eine Ursache vom Grund zu unterscheiden, da der Grund als ideeler Begriff einen Plan impliziert, die Ursache jedoch lediglich eine Wirkung hat, auch ohne Plan.


  • Der Zufall ist kein Lückenbüßer für Unwissenheit sondern ein permanent auftretendes Phänomen, und man sollte sich bewußt werden, dass die Grundlosigkeit kein Beweis für einen höheren Plan, eine Fügung ist.


    Z usa mmenh ängewer denerst klarwe nnman sieerk ennt!


    :biggrin:

  • Es ist unumgänglich Kausalitätsprinzip und Naturkausalität zu differenzieren. Sonst kommt man nicht weit. Ferner das Kausalitätsprinzip als ein Prinzip im Verstande ist definitiv nicht von Menschen definiert. Wir finden es in uns vor.