die hässliche fratze des deutschen kapitals

  • Seit wann ist "Wirtschaft" eine Wissenschaft?



    Lies dich mal in ein anspruchsvolles Nationalökonomie Lehrbuch ein. Dann wirst du keine solchen Töne mehr spucken.

  • Man kann mehr erklären, als du vielleicht für möglich hältst. Dazu muß man freilich rechtzeitig genug Informationen haben, um die Lage richtig einschätzen zu können. Weil aber aus Informationsvorsprüngen große Vermögen gemacht werden können, sind gewöhnlich alle relevanten Informationen immer erst nach dem Spiel verfügbar.
    Immerhin habe ich im Sommer 07 alle meine Aktien (u.a. Hypo real Estate) mit Gewinn verkauft und bin in diesem Frühjahr bei niedrigen Kursen wiedereingestiegen. Als Ökonom konnte ich mir immerhin aus den wenigen Informationsbausteinen damals ein einigermaßen zutreffendes Bild dahingehend machen, daß es ratsam sei, sich von Aktiien zu trennen


    Ein guter Hinweis, den Du da bringst. Ich glaube Dir das unbesehen, denn es spricht dafür dass die Wirtschaftskrise keineswegs überraschend über uns hereinbrach, wie Steinbrück und Konsorten es uns erzählen wollen. Es bringt mich zu der Frage, wieso Du aus den eingeschränkten Informationen richtige Schlüsse gezogen hast, während unsere "Wirtschaftsweisen" Ende 2008 noch alles schöngeredet haben. Diese müssen doch bessere Informationen gehabt haben als Du. Wessen Spiel haben sie also gespielt und wieso hat der allergrößte Teil der "freien" Presse es mitgespielt ?

  • Es ist Geiz (meine Meinung). Allerdings war das eine Werbekampagne, keine Unterstellung oder Anlastung.

    Alle armen in diesem Land, also Hartz-IV-Bezieher, alle Arbeiter in Niedriglohnsektor, bis hin zu vielen Menschen im ehemaligen Mittelstand kaufen nicht minderwertige Ware weil sie so günstig ist, sondern weil sich schlicht nichts anderes geleistet werden kann!
    Mithin: Kein Geiz!



    Das ist wirklich Quark. Gerade den globalisierten Unternehmen ist es gleichgültig, in welcher "Welt" konsumiert wird, also wo die Produkte verkauft werden. Deshalb spricht man ja von "erschliessen der Märkte".

    Solange der Preis bezahlt wird, ist es den Leuten wirklich egal. Das stimmt.
    Ändert aber nichts an meinem Argument, das Deutschland über kaum nennenswerte Ressourcen verfügt, sich diese also aus den Ländern beschafft, in denen es diese gibt.
    Unter Bedingungen, die weit von jedem Fairtrade entfernt sind. (Blutige Diamanten mal als Beispiel, auch Biodiesel kann hier als Beispiel herhalten, sowie vieles mehr)



    Also ich bin sehr für fair - trade. Allerdings dient es vor allem der Beruhigung des hiesigen sozialen Gewissens.
    zu glauben, dass man damit irgendetwas "ausmerzt" ist wirklich arg romantisch. dazu müsste man schon massiv in die Gesellschaften eingreifen, was sich wiederum mit dem genauso beschworenen Selbstbestimmungsrecht beisst.

    Ich bin nunmal so romantisch zu sagen, dass Fairtrade zum Normalfall werden muß. Und ja, dazu muß man massiv in die Gesellschaften eingreifen. Zum Wohle der Gesellschaft, aus der Gesellschaft heraus. Alles was dagegen steht sind die wirtschaftlichen Interessen einiger weniger auf dem Planeten, die in ihrer kurzsichtigen Gier eine ganze Weltbevölkerung gefährden. Das "Ausmerzen" findet also statt!




    Wie gesagt, wer will, knn das bereits. Aber "Geiz ist geil" gilt auch hier.

    Quatsch! Ein Hartz-IV-Empfänger hat nicht die Freiheit zu überlegen ob er 100€uronen für einen deutschen Schuh ausgibt oder 10 für einen Schuh aus Kinderhand, der quer über den ganzen Planeten zu uns kommt.

    Zu diesen Zusammenhängen habe ich mal was bei der Hartz IV Debatte geschrieben, was aber (natürlich) auch übergangen wurde, weil die Leute lieber ihre Stereotypen predigen.

    So ganz anders als du das tust?


    Welches genau ? Man muss das ja dann mit zum Beispiel Chinesen und Indern absprechen. Oder wie soll es sonst gelöst werden ?


    Natürlich... Was spricht dagegen mit Indern und Chinesen, ja mit der ganzen Welt über ein funktionierendes, faires Wirtschaftssystem zu sprechen, und dann zu installieren?
    Ich sehe da nur die Interessen der bisherigen Profiteure, die dagegen stehen.


    Sagen, nicht nur, DIE GRÃœNEN seit dreissig Jahren.

    Also weiter wie bisher, weil: Wir sind noch nicht Tot?


  • Ich habe mal meinerseits markiert, wo ich das Verständnisproblem vermute...

    o.k. Dein Folgessatz zeigt es ja auch: eine funktionierende (Kontrolle, stattdessen).
    Aber das ändert nichts an der Krux mit der Kontrolle.

  • Die Gesetze der Ökonomie...
    Wer hat die geschrieben?



    Allah? Aber nein, der braucht sich ja nicht einmal an seine eigenen Gesetze zu halten. Also doch lieber Gott!

    Zitat

    Kurz, stillicho, welcher "Gesetzgeber" hat sich dieses Kartenhaus erdacht, das auf jaehrlichem Wachstum bei limitierten Resourcen basiert?



    Wachstum muß nicht unbedingt sein. Die Bedingungen dafür können mit unseren Werkzeugen untersucht werden. Aber das heißt nicht, daß es ohne materielle Resourcen verbrauchendes Wachstum nicht ginge. Wenn sich freilich aus langer Erfahrung alle Wirtschaftsakteure darauf einstellen, haben sie, wenn es ausbleibt, ein Problem.


    Zitat

    Ich habe easy gebeten uns einen SchachRaum einzurichten.
    Dich moechte ich dort mit allem Respekt als Ersten treffen.
    Relaxt, all in good time - und no computer! Nur wir hier. Freue mich schon darauf einen Ästheten und Literaten am Brett zu treffe. Bis dann also



    Ich bin bei

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    als "gallus" anzutreffen. Ein eigener Schachraum hier ist also unnötig.


  • Weltweit muessen wir lernen uns einzuschraenken und endlich einen Wirtschaftsplan zu entwickeln, der alle Weltbuerger ernaehrt, kleidet und bildet.



    "Planwirtschaft" also, auch "Kommandowirtschaft" oder "Zentrale Planwirtschaft" genannt.
    Hatten wir doch schon!

  • Wie kannst Du nur an den Gesetzen der Ökonomie zweifeln ? tz tz tz... Ich bin mir sicher, dass sie das Geschehen auf einem mittelalterlichen Markt ziemlich genau beschreiben können. :smilewinkgrin:



    Auch das! Der Weltmarkt unterscheidet sich davon nur in der Dimension und in der Fülle der möglichen störenden Ereignisse.

  • o.k. Dein Folgessatz zeigt es ja auch: eine funktionierende (Kontrolle, stattdessen).
    Aber das ändert nichts an der Krux mit der Kontrolle.


    Eben! Das ist eine Crux!
    Keine Frage.
    Genährt aus antigesellschaftlichen Annahmen, durch eine auf Konkurenz gebürstete Gesellschaft.
    Wir müssen aufhören uns einzubilden irgend etwas könnte fair werden, weil es Regelungen, Gesetze gibt.
    Denn das führt, ganz offensichtlich, zum Gegenteil.


    Weniger aber klare Gesetze!
    Wir haben in Gesetze gegossen, dass wir ein Haufen Arschlöcher sind.
    Und das wird durch noch mehr Gesetze, die nur durch die genutzt werden können, die sich die Anwälte leisten können, sicher nicht besser.


    Wir können Leben nicht in Gesetze pressen, und wenn wir noch so viele machen.


    In unserem Land ist deswegen bald jeder Mensch von Heute auf Morgen weghaftbar.
    (Wieviel MP3 hast du auf deinem Rechner? Wie oft parkst du falsch? etc. Alles Dinge für die Menschen tatsächlich im Knast sitzen!)


    Wir sollten einander vertrauen! Und darauf eine Gesellschaft gründen.
    Im Moment sind wir keine!
    Aber dieses Umdenken wird, wie gesagt, jahrzehnte dauern.
    Und genau hier sehe ich die Aufgabe der Politker.
    (Was ich im übrigen genauso doppeldeutig meine wie es da steht.
    Eine Aufgabe die aufgegeben wurde... hoch und doppelt bezahlt)


    Viel Spaß hätte ich an der Konstruktion eines solchen Regelwerks!
    Ich würde eine solche Debatte auch sehr viel ergiebiger finden, als die ewige Kritik am offensichtlichen Wahnsinn.

  • Aber auch hier (wie im Militärthread): mir grausts immer so ein bisschen vor diesen Weltregierungshoffnungen.



    Nicht nur ein bißchen.
    Wie wenn die Dinosaurier die Macht gehabt hätten, alle schon zu ihrer Zeit existierenden Versuchsanordnungen der Evolution auszurotten?

  • kaufen nicht minderwertige Ware weil sie so günstig ist, sondern weil sich schlicht nichts anderes geleistet werden kann!
    Mithin: Kein Geiz!

    Fast alle Leute, die ich jemals kennengelernt habe, kaufen so billig es geht. Ein Bekannter von mir, der es mit einem fair-trade Laden probiert hat, weiss ein Lied davon zu singen. "Geiz ist geil" war nur der Werbespruch.

    Ändert aber nichts an meinem Argument, das Deutschland über kaum nennenswerte Ressourcen verfügt, sich diese also aus den Ländern beschafft, in denen es diese gibt.

    Kommt drauf an, was man alle als Ressourcen definiert.

    Ich bin nunmal so romantisch zu sagen, dass Fairtrade zum Normalfall werden muß. Und ja, dazu muß man massiv in die Gesellschaften eingreifen. Zum Wohle der Gesellschaft, aus der Gesellschaft heraus.

    Wie ?
    Die Leute müssten, vor allem fair-trade erstmal kapieren, dass Qualität ihren Preis haben muss.
    Wenn alle Leute alles haben wollen oder sollen muss man schon in Masse produzieren.

    So ganz anders als du das tust?

    Es war keine beleidigte Reaktion meinerseits: tatsächlich habe ich dort (will's jetzt nicht raussuchen) dargestellt, dass die ganze Hartz-IV-Konsumdebatte darauf fusst, dass der Staat die Massenfabrikation subventioniert.
    Auch Gewerkschaften und das gesamte Interesse gehen nur auf Masse.

    Natürlich... Was spricht dagegen mit Indern und Chinesen, ja mit der ganzen Welt über ein funktionierendes, faires Wirtschaftssystem zu sprechen, und dann zu installieren?

    Diese Gespräche laufen. Die anderen haben eben ihre eigenen Vorstellungen.

    Ich sehe da nur die Interessen der bisherigen Profiteure, die dagegen stehen.

    Das wären dann, nach der Unterteilung in diverse Welten, alle hier.

  • Max Weber oder Werner Sombart (?)



    Wieso "oder"?
    Der eine ein stupend bewanderter Wirtschaftshistoriker, der im Grunde abstreitet, daß man allgemeine Aussagen machen kann. Der andere ein soziologischer Politphilosoph. Beide im Horizont ihrer Zeit.

  • Nicht nur ein bißchen.
    Wie wenn die Dinosaurier die Macht gehabt hätten, alle schon zu ihrer Zeit existierenden Versuchsanordnungen der Evolution auszurotten?


    Kommt da nicht ein bisschen durcheinander?


    Die Dinosaurier, oder besser deren Ãœberreste sind zum großen Teil verbrannt,
    und der damiteinhergehende Mangel an Energie zeitigt heute größte Probleme.


    Die Versuchsanordnung der Evolution wird gerade von einer vollkommen überheblichen Menschheit verändernd in die Hand genommen.
    Ob es in diesem Zusammenhang zu einer Ausrottung der menschlichen, ja der planetaren Evolution kommt ist fraglich, aber bei dem Zerstörungspotential der Menschheit durchaus möglich.
    Und das: sehenden Auges!


  • Schaffen wir das Eigentum (Rechtsposition) ab. Es scheint ja die Wurzel allen Ãœbels ??



    Auch wenn die Wege zum Eigentumserwerb häufig fragwürdig und moralisch verwerflich waren und sind ( "Eigentum ist Diebstahl." nach K. Marx ); das Ziel, exklusive, genau definierte und eingegrenzte Verfügungsrechte über knappe Güter, ist nicht nur nicht verwerflich, sondern wirtschaftlich sinnvoll und im Interesse der Allgemeinheit.
    Denn erst wenn jemand Eigentumsrechte an einer Sache besitzt, geht er nach aller Erfahrung verantwortungsbewußt und wirtschaftlich mit ihr um. Die Folgen von Verschwendungssucht und unverantwortlichem Verhalten treffen ihn ja selbst und nicht irgendeinen anderen. Eigentumsrechte, dh. exklusive Verfügungs-- und Nutzungsrechte gewährleisten also erst die wirtschaftliche Nutzung vorhandener und die kostengünstige Produktion neuer Güter, an der wir alle interessiert sein müssen. Sie verhindern Raubbau und Verschwendung. Zudem ist rechtlich gesichertes Eigentum ( z.B, in der Form von Patentrechten ) dem Einzelnen ein mächtiger Ansporn, seine Lage durch Neuerungen und Erfindungen zu verbessern und damit unter Umständen allen zu nützen.
    Das Prinzip der exklusiven Verfügungsrechte ( =Eigentum, Besitz oder Prokura ) läßt sich also über seine wirtschaftlichen Ergebnisse durchschlagend rechtfertigen.
    Privateigentum an Gütern und Produktionsmittel ist darüber hinaus imstande, dem Inhaber jenen Grad an persönlicher Freiheit und äußerer Unabhängigkeit zu verleihen, wie er durch Grundrechtsgarantien und andere gesetzliche Bestimmungen allein nicht erreichbar ist. Eine Gesellschaft, welche sich am Leitbild des freien, sein eigenes Geschick gestaltenden und die allgemeinen Belange mitbestimmenden Bürgers ausrichtet, kann auf das Privateigentum als Basis der Unabhängigkeit nicht verzichten.
    Zu betonen bleibt:
    Mit der Begründung des Prinzips Eigentum ist noch nicht eine historisch gewordene Eigentumsverteilung gerechtfertigt. Auch werden damit nicht alle Wege und Methoden, Eigentum zu erwerben, gebilligt.
    "Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen." ( Art. 14/2 Grundgesetz )


    Zitat

    Dann konzentriert sich die Sache wieder auf den Besitz (tatsächliche Herrschaft), den man nicht "abschaffen" kann.



    Na, immerhin.

  • [...]Die Leute müssten, vor allem fair-trade erstmal kapieren, dass Qualität ihren Preis haben muss.

    Goldrichtig! Das ist die eine Seite. Auf der anderen muß man sich das aber auch leisten können. Etwa indem man diese Qualität produziert. Es schließt sich der Kreis...

    Wenn alle Leute alles haben wollen oder sollen muss man schon in Masse produzieren.
    Es war keine beleidigte Reaktion meinerseits: tatsächlich habe ich dort (will's jetzt nicht raussuchen) dargestellt, dass die ganze Hartz-IV-Konsumdebatte darauf fusst, dass der Staat die Massenfabrikation subventioniert.
    Auch Gewerkschaften und das gesamte Interesse gehen nur auf Masse.


    Kleinvieh macht auch Mist, nicht wahr?
    Ich gebe dir in diesem Punkt durchaus Recht.
    Allerdings mit dem Hinweis auf die Profiteure dieser Masse.

    Diese Gespräche laufen. Die anderen haben eben ihre eigenen Vorstellungen. [quote='koboldblau','http://politopia.de.w018f524.kasserver.com/forum/index.php?thread/&postID=75773#post75773']Jupp, seit Jahrzehnten. Und die Unterschiede zwischen Wirtschaft und Staat verschwimmen dabei zunehmend.
    Wobei die Vorstellungen der Wirtschaft, die entscheidenden sind.
    Aus diesem Grund können die reichen Länder, die ärmeren weiterhin ausbeuten.
    Und zwar solange bis es ein Regulativ gibt, das dies ändert.
    Deswegen wird auch noch die nächsten 10 Jahre darüber gestritten, gestritten und verdient. Was ja nicht schlimm wäre, hätte das für den Großteil der Weltbevölkerung nicht diese schlimmen Auswirkungen.
    [quote='koboldblau','http://politopia.de.w018f524.kasserver.com/forum/index.php?thread/&postID=75773#post75773']Das wären dann, nach der Unterteilung in diverse Welten, alle hier.

    Kann man so stehen lassen... zumindest für uns deutsche.
    Schließlich kann sich ein deutscher Hartzer im weltweiten Vergleich reich nennen, sehr reich gar. Das zeigt aber nur wie Arm die Menschen im Rest der Welt sind.
    SOLDIRAITÄT mit eben jenen!


    Ein Verteilungsproblem!
    Ressourcen und Möglichkeiten sind vorhanden.
    Aber in den falschen wenigen Händen.

  • Auch wenn die Wege zum Eigentumserwerb häufig fragwürdig und moralisch verwerflich waren

    Mir ging es bei diesem "Gedankenspiel" auch nur darum, dezidiert auf den Sinn des Eigentums einzugehen, sondern klarzustellen, dass das dahinter gegeisselte Problem des "Habenwollens" keineswegs so einfach lösbar ist.


    Vor allen Dingen schafft die Abschaffung des Rechtes "Eigentum" keineswegs den Krieg ab, denn der Besitz ist es, der mit Waffengewalt zu verteidigen ist.

  • Da kommst Du her, und huldigst dem kriminellen Instrument H4? Ich glaub's einfach nicht.



    Ich wiederhole es gern noch einmal, damit du es endlich glaubst.

    Zitat

    Also Stillicho, ich möchte jetzt wirklich endlich folgendes von Dir wissen:
    1) inwieweit hat Bayern über Jahrzehnte vom 'Länderfinanzausgleich' profitiert? Damit also auch Du und die 57 Apfelpflücker Deines Dorfes.
    2) Hast Du für Dein Studium Bafög-Leistungen in Anspruch genommen oder nicht?
    3) Sind Länderfinanzausgleich und Bafög Sozialinstrumente oder nicht?
    4) Kann man eine moderne Industriegesellschaft ohne Sozialinstrumente lebensfähig halten?


    1. Einzelheiten sind mir nicht bekannt. Wenn die Finanzuschüsse überhaupt beim Auf- und Ãœberholen geholfen haben, dann nur, wenn sie sinnvoll für Investitionen eingesetzt wurden.
    2. Sehr gut investierte Staatsausgaben. Ich bin damit ausgekommen und mußte nicht dazuarbeiten. Gelernt, gelesen und mich bemüht (=studere), meine Lebenszeit dafür aufgewandt habe ich freilich immer noch selber.
    3. Ja, trotzdem müssen sich Sozialtransfers immer die Frage gefallen lassen, ob sie so eingesetzt im Sinne des Erfinders sind.
    4.
    Hinter den modernen Sozialstaat und seiner "Daseinsvorsorge" führt kein Weg zurück. In dem Maße als die gesellschaftlichen Strukturen eingeebnet worden sind und kleinere Gesellschaftsformationen sich aufgelöst haben, sind dem Staat neue Aufgaben zugewachsen. Das bedeutet aber nicht, daß man sich mit allen Erscheinungsarten und Nebenfolgen der praktizierten Sozialpolitik abzufinden hat.

    Die Sozialpolitik im Rahmen der Sozialen Marktwirtschaft soll den Prinzipien
    -- SOLIDARITÄT,
    -- SUBSIDIARITÄT und
    -- MARKTKONFORMITÄT genügen.

    SOLIDARITÄT:
    Der Mensch ist auf die mitmenschliche Gesellschaft hin angelegt. Das Individuum und die Gemeinschaft stehen in einem wechselseitigen Verantwortungsverhältnis. Diese Verantwortung auf Gegenseitigkeit vollzieht sich in verschiedenen Richtungen; nämlich in der Beziehung des Einzelnen zum Ganzen, des Ganzen zum Einzelnen und der Glieder untereinander. "Das Grundgesetz der Solidarität wendet sich unmittelbar gegen den Einzel-- und Gruppenegoismus, der darin besteht, daß Mensch oder Gemeinschaft ihre Eigeninteressen in ungehöriger Weise den Gesamtbelangen voranstellen, also sich gegen ihre sozialen Verpflichtungen sperren." ( Oswald von Nell-Breuning )
    Das Solidaritätsprinzip, richtig verstanden, wendet sich also nicht nur gegen eine hemmungslose Ellenbogengesellschaft. Es verbietet auch jeglichen Mißbrauchs des Systems der sozialen Sicherung, welches freilich auch so gestaltet sein sollte, daß es den Mißbrauch ausschließt oder wenigstens sehr schwer macht. Ein soziales Sicherungssystem, welches zum Mißbrauch geradezu einlädt, verstößt gegen das Gebot der Solidarität; denn mit der menschlichen Schwäche muß realistischerweise immer gerechnet werden.
    Durch die soziale Sicherung werden keine widerruflichen Almosen und keine kostenlose Versorgung durch eine anonyme Kasse gewährt, sondern es wird für den Einzelnen ein Recht auf Sicherheit und Geborgenheit begründet. Dafür trägt jeder mit seiner Arbeit und Leistung dazu bei, daß die Gemeinschaft aller für den einzelnen eintreten kann. So stiftet soziale Sicherheit gesellschaftlichen Frieden und verschafft den Bürgern reale Freiräume.

    SUBSIDIARITÄT:
    Bei der Erstellung von Sozialleistungen ist den jeweils personnäheren, also den gesellschaftlichen und kirchlichen oder auch halbstaatlichen Einrichtungen wie den durch Zwangsbeiträge finanzierten Solidargemeinschaften der Vorrang zu geben vor staatlichen Leistungen oder der vollen Ãœbernahme dieser Leistungen in den steuerfinanzierten Staatshaushalt.
    Das Subsidiaritätsprinzip beinhaltet also den Gedanken, dem Staatsbürger, kleineren Gemeinschaften und gesellschaftlichen Formationen jeweils die Aufgaben zu übertragen, die bei gutem Willen anstandslos von ihnen geleistet werden können, um die Bereitschaft zur Selbst-- und Mitverantwortung zu erhalten und gleichzeitig den Staat davor zu bewahren, in einen zentralistischen Herrschaftsverband abzugleiten. Es sichert das "Recht der kleinen Lebenskreise" und ist darauf gerichtet, die Eigeninitiative der Glieder anzuregen und zu fördern. Dem jeweils kleineren Lebensbereich sollen entsprechende Aufgaben übertragen werden. Erst dann, wenn sie von ihm nicht gelöst werden können, muß der übergeordnete Bereich und zuguterletzt der Staat selbst einspringen.
    Ohne Beachtung des Subsidiaritätsprinzips würde auf die Dauer die Selbstverantwortung des einzelnen Menschen immer mehr verkümmern. Der Wohlfahrtsstaat würde sich in einen Versorgungsstaat verwandeln, in dem sich jeder Bürger, ohne sich lange den Kopf über seine Eigenverantwortlichkeit zu zerbrechen, nur noch zur Staatskasse drängelte. Damit wäre staatlicher Allmacht Tür und Tor geöffnet.
    Leider ist das Subsidiaritätsprinzip in den letzten Jahrzehnten immer mehr in Vergessenheit geraten. Wir sind im Begriff, in eine verhängnisvolle Entwicklung hineinzuschlittern; in einen Zustand zu geraten, der jedem das tröstliche Bewußtsein gibt, daß schon irgendein kollektives Gebilde für ihn sorgen wird.
    Jede Gemeinschaft, jeder Staat kann aber nur so weit materielle Hilfe gewähren, als die Beteiligten selbst diese Mittel durch Umlagen oder Steuern aufgebracht haben. Zuerst Abgaben zu leisten, um schließlich vom Staat die eigenen Mittel im Gnadenweg zurückzuerhalten, ist nun mal ein entwürdigender, grotesker und überdies sehr kostspieliger Umweg.

    MARKT-- BZW. SYSTEMKONFORMITÄT:
    Sozialleistungen sind nach Zweckbindung, Umfang und Finanzierung so zu gestalten, daß sie in möglichst hohem Maße marktverträglich sind und den Wettbewerb nicht zugunsten der einen oder anderen Gruppe verfälschen.
    Diesen Grundsatz leichtfertig mißachtend ist die in Deutschland praktizierte Sozialpolitik während der letzten Dezennien immer mehr dazu übergegangen, die Unterstützungsbedürftigen nicht von der Seite ihres Einkommens, sondern von der Preisseite her beizuspringen, ihnen also zu verbilligten Gütern und Leistungen zu verhelfen. Dadurch sind eine Vielzahl falscher Anreize geschaffen worden, die sich in ihrer Summe zu einem monströsen, undurchsichtigen System allseitiger Abwälzung von Lasten vereinigen.

    Falsche Anreize ( =künstlich hochgehaltene, reglementierte, gestoppte oder subventionierte Preise ) führen in einer Marktwirtschaft zu falschen Steuerungsergebnissen, zu Fehlallokationen. Der Mietwohnungsbau kann zum Beispiel ganz leicht durch einen Mietzinsstopp zum Erliegen gebracht werden, obwohl es an Wohnungen mangelt. Ãœbertriebener Kündigungsschutz für die Arbeitnehmer wird faktisch zu einem Anstellungsstopp und erzeugt so Arbeitslosigkeit in kurzer Zeit. In die gleiche Richtung wirkt eine vergleichsweise stärkere Anhebung der unteren Tariflöhne. Ungelernte oder nur angelernte Kräfte, denen mit der Sockelpolitik eigentlich geholfen werden sollte, stehen vermehrt auf der Straße. Die guten sozialen Absichten führen so zu genau entgegengesetzten Folgen und darüberhinaus zu verderblichen Nebenwirkungen ( z.B. Butterberg ), wenn sie durch marktinkonforme Eingriffe in's Werk gesetzt werden.

    Alle Teile des sozialen Sicherungssystems sind in den Sog der allgemeinen politischen Manipulierbarkeit geraten. So kommt es zu Lastenüberwälzungen in alle Richtungen; zum Beispiel von der gesetzlichen Krankenversicherung auf die Betriebe ( Lohnfortzahlung ), von der Rentenversicherung auf die gesetzliche Krankenversicherung ( Krankenversicherung der Rentner) und von der allgemeinen Politik wiederum auf die Zwangsgemeinschaft der Versicherten ( sozial induzierte Schwangerschaftsabbrüche, Mutterschaftsurlaub etc. ).
    Hauptziel jeder Reform muß die Wiederherstellung der Ehrlichkeit des sozialen Systems sein. Eine Sozialordnung ist dann ehrlich und transparent, wenn die Bevölkerung nicht nur erfährt, welche Leistungen sie erhalten soll, sondern auch weiß, wer was dafür bezahlt. Nur wer die soziale Gleichung kennt, kann beurteilen, ob sie wirklich sozial ist. Aus nur allzu verständlichen Gründen möchten aber Politiker die geforderte Offenlegung und Transparenz möglichst verhindern. "Wie können wir das so finanzieren, daß derjenige, der es wirklich zahlt, es nicht merkt, oder daß man überhaupt nicht weiß, bei wem die Belastung hängenbleibt." Dieser Satz ist nach Oswald von Nell-Breuning, dem Nestor der katholischen Soziallehre, das unausgesprochene Credo der deutschen -- und leider nicht nur der deutschen -- Sozialpolitiker.
    Die soziale Gleichung wird mit Erfolg verschleiert. Was sich als "kostenlose Leistung", als Sozialleistung zum Nulltarif darstellt, wird aber auch fast unbegrenzt nachgefragt. Ein dauerndes Ungleichgewicht des sozialen Systems, dh. Kostenexplosionen, wachsende Defizite beim Staat und den Sozialversicherungsträgern sind die unausweichliche Folge.




    Zitat

    Ich werde hier nicht ablassen, was ich Dir am liebsten verbal um die Ohren haute, nur soviel: es sind Leute wie Du, die die Gesellschaften regelmäßig in Abgründe führen.



    Kennt mich nicht wirklich und läßt solche Sprüche ab!


  • Eines scheint mir sicher: wenn wir weiter die Völker ausbeuten und hemmungslos endliche Ressourcen verbrauchen, werden wir scheitern.



    Nur der Mechanismus der freien Preisbildung kann für die Bewältigung der Knappheit sorgen wie er es immer getan hat. Ansonsten droht uns das Schicksal der Osterinsulaner im Weltmaßstab.

  • Und einen Planeten reservieren wir für Stillicho. Dann kann unser Nationalökonom beweisen, wie weit er und die seinen mit den eigenen Vorstellungen kämen. Ich wette 1:1000, daß er umfassend scheiterte.



    Das hat man auch Ludwig Erhard, meinem Landsmann prophezeit.