Empathie trocknet bei der "Generation Ich" aus

  • Nach einer Studie ist bei US-Studenten die Empathie in den letzten 30 Jahren drastisch gefallen, besonders stark ab dem Jahr 2000
    Die Menschen werden immer egoistischer und selbstbezogen. So warnen nicht nur Kulturkritiker, die gerne zu Untergangsszenarien neigen, sondern das wollen nun Psychologen der University of Michigan herausgefunden haben. Für die, die von Sarah Konrath auf dem Jahrestreffen der Association for Psychological Science vorgestellt wurde, werteten die Wissenschaftler 72 Untersuchungen aus, die Daten von fast 14.000 Studenten (63 Prozent weiblich) zwischen 1979 und 2009 über die Empathie enthielten, also über Vorhandensein oder Fehlen von Einfühlungsvermögen in Andere, das auch pro- bzw. antisoziales Verhalten stärkt.


    mehr dazu : TP: Empathie trocknet bei der "Generation Ich" aus


    In wiefern könnt ihr dies bestätigen? Oder wie sind eure Gedanken und Erfahrungen hierzu?

  • bedeutet auf deutsch mit gefühl



    und dazu muß man bereit sein auch den schmerz des anderen zu fühlen . die belohnung ist die freude des anderen . und ich denke wenn ich dich fühlen kann bin ich nicht allein das ist mir belohnung genug

  • Es ist absolut richtig, dass die empathischen Fähigkeiten drastisch auf dem Rückgang sind. Heute zählt in erster Linie das ICH und dann nochmal das Ich, vielleicht noch zehnmal ich, dann lange nix, dann nochmal ich und vielleicht dann mal der Gegenüber. Mir ist es ziemlich häufig aufgefallen, dass die Leute kaum noch wissen wie man angemessen mit dem Gegenüber umgeht. Das sind dann nicht nur solche Dinge wie dem gegenüber schonend beizubringen, dass etwas Negatives auf ihn zukommt. Die Leute heute sind doch nur in der Lage, Konflikte per SMS oder Mail auzutragen, weil sie den direkten Kontakt face-to-face scheuen. Meist sind dies dann aber auch Leute, die jünger als 30 sind.
    Gefühl egal welcher Art kann man sich heute kaum noch leisten. Alles ist hektisch und kurzlebig, wozu dann sich mit Gefühlen (eigene wie andere) zu beschäftigen?

  • Meist sind dies dann aber auch Leute, die jünger als 30 sind.


    Ich beobachte egoisisches Verhalten (Mitnahmementalität) vor allem bei meinen älteren Mitmenschen. Aber dieser Eindruck ist natürlich rein subjektiv, nicht repräsentativ, und außerdem hab ich ja eh nur Internet-Kontakte. :thinking-020:

  • Ich beobachte egoisisches Verhalten (Mitnahmementalität) vor allem bei meinen älteren Mitmenschen. Aber dieser Eindruck ist natürlich rein subjektiv, nicht repräsentativ, und außerdem hab ich ja eh nur Internet-Kontakte. :thinking-020:



    Ich finde das ältere Menschen im direkten Kontakt um einiges ruppiger, dreister, frecher, bissiger, egoitischer geworden sind. Sie drängeln sich dreist im Geschäft vor und spricht man sie höflich drauf an, werden sie frech.
    Die jüngere Generation, die ich ansprach, sind anders. Sie klären alles per Mail, fechten einen Streit so aus. Trifft man sie persönlich, versuchen sie allem aus dem Weg zu gehen, kneifen den Schwanz ein und spielen armes Hundilein. Kaum haben sie ihre Tastatur unter den Fingern, zeigen sie ihr böses Gesicht.

    Bei diesen Formen des empatischen Anaphabetismus bevorzuge ich aber die ältere Generation, weil sie ehrlich ist.

  • Ich beobachte egoisisches Verhalten (Mitnahmementalität) vor allem bei meinen älteren Mitmenschen. Aber dieser Eindruck ist natürlich rein subjektiv, nicht repräsentativ, und außerdem hab ich ja eh nur Internet-Kontakte. :thinking-020:

    Nur Kontakte im Internet zu haben, ist für dich ein Vorteil? Ich glaube, sowas kommentiert sich selbst...

  • Das "Normalste" im Umgang zwischen Menschen wird weniger...ich geb mal kleine Beispiele:


    Junge Menschen stellen einander nicht vor wenn jemand zu einer Gruppe hinzukommt.
    Das Grüssen ist ein lästiger Floskel. Grüssen ohne Gefühl als würde ein Schallton ins Geschicht schleudern.
    Der Nachbar der kein Gruss übrig hat oder dessen Gruss sich anhört wie "lass mich bloss in Ruhe".
    Leute denen man viel oder oft Gutes angetan hatte kennen einem plötzlich nicht mehr laufen an einem vorbei ohne Gruss.


    Es soll nicht der Eindruck entstehen überall zu jeder Zeit sei dies so aber es ist nicht mehr Regel.

  • Junge Menschen stellen einander nicht vor wenn jemand zu einer Gruppe hinzukommt.
    Das Grüssen ist ein lästiger Floskel. Grüssen ohne Gefühl als würde ein Schallton ins Geschicht schleudern.
    Der Nachbar der kein Gruss übrig hat oder dessen Gruss sich anhört wie "lass mich bloss in Ruhe".
    Leute denen man viel oder oft Gutes angetan hatte kennen einem plötzlich nicht mehr laufen an einem vorbei ohne Gruss.



    Das stimmt. Auch wenn man ein Büro eines anderen betritt, klopft man doch wenigstens und sagt "Hallo". Heute selten der Fall...

    Aber zum Thema Grüßen muss ich gleich mal was sagen. Es hat mich positiv überrascht und deswegen will ich das hier auch schnell erzählen.
    Habe letztens an einer Bushaltestelle gestanden, um jemanden vom Bus abzuholen. Ich stehe und warte. Eine Jugendlicher (15-17 Jahre) läuft telefonierend an mir vorbei. Auf meiner Höhe sagt er laut und verständlich zu mir "Hallo", sieht mich kurz grüßend an und geht weiter. Ich kannte ihn nicht, er mich sicherlich auch nicht, aber es war sehr höflich. Da war ich platt und konnte nur sehr leise und perplex "Hallo" antworten.

  • Hallo, Grüß Gott, Salam aleikum, Schalom,...


    Nur Kontakte im Internet zu haben, ist für dich ein Vorteil? Ich glaube, sowas kommentiert sich selbst...


    Wir sind uns ähnlicher, als du denkst.... Wir haben beide kein Verständnis für den Humor des anderen.



    Zurück zum Thema:


    Empathie bedeutet für mich, und da scheint mir Wikipedia rechtzugeben, vor allem sich in andere Hineinversetzen zu können, und nicht etwa "höflich zu sein" ("Im Deutschen lügt man, wenn man höflich ist"). Hier im Forum würde ich z.B. Acaloth den :first: Platz des Empathie-Rankings geben, da man bei ihm merkt, dass er vorher in die Rolle des Andersdenkenden schlüpft, und seine Diskussionspartner und deren Meinungen respektiert.


    Grüße (und ähnliche Wünsche) waren für mich schon immer eine Floskel, aber deswegen hab ich doch nicht weniger Empathie, nur weil ich jemandem nicht lautstark einen schönen Tag wünsche, sondern ihm leise, für mich, kein unschönes Leben wünsche, und mir dabei bewusst bin, dass der Wunsch mich weder etwas kosten, noch dem anderen etwas bringen würde. Die wunschlosen Begrüsungsformeln heutiger Jugendlicher ("Was geht", "Hau rein",...) sind mir aber mindestens genauso unsympathisch.



    Da es mich nichts kostet, wünsche ich euch nun einen schönen Tag, und was morgen mit euch passiert ist mir dann wohl offensichtlich egal.


  • Ich hatte es auch keineswegs lustig gemeint, denn ich habe reale Freundschaften, die jetzt 35 Jahre halten und im Internet habe ich das letzte Mal vor 11 Jahren Empathie, also Gefühle investiert. Der junge Mann von damals, der mir nebenbei meine HP geschrieben hat, macht nun seinen Doktor, ich spreche ihn übers Internet und wenn er die Zeit hat, dann telefonieren wir. Das Internet hat sich sehr zum Nachteil verändert und Rankings liegen mir generell nicht. Ich komme aus einer Generation, die lieber richtig redet.

  • Jemand muss für mich kein Freund sein, damit ich Mitfühlen kann. Im Gegenteil glaube ich sogar, dass Freundschaft da eher hinderlich ist.


  • jugendsprache war schon immer ein mittel sich von der erwachsenenwelt abzugrenzen.


    während mein opa frecherweise von "futtern" redete, hieß das bei meinem vater "zwischen die rippen schlenkern", und bei mir "freßtrip befriedigen".


    das ist ganz normal und kein grund zur sorge.


    letztendlich sind die jungen generationen ein spiegelbild der erwachsenen.
    wir sind es, die immer weniger emphatie besitzen, und das als vorbild weitergeben.


    gruß bakunicus

  • Jemand muss für mich kein Freund sein, damit ich Mitfühlen kann. Im Gegenteil glaube ich sogar, dass Freundschaft da eher hinderlich ist.

    Du scheinst von Freundschaft tatsächlich nicht viel zu verstehen. Mitgefühl ist nicht Bedingung für eine Freundschaft, sondern Vertrauen. Mein bester Freund lebt in Italien. Der war vor 25 Jahren als Artistenschüler in meinem Revuetheater und seitdem sind wir Freunde. Ich war 1997 sein Trauzeuge in Varazze/Italien. 1999 hatte er einen größeren Ehekrach und kam zu mir, 2000 Kilometer nach Berlin, um von mir Rat zu holen, weil er mir vertraute. Sowas ist eine Freundschaft. 2006 haben meine Freundin und ich ihn mit Frau und Kind in Italien besucht und alles war in Butter. Das nenne ich eine Freundschaft und das hat mit Mitgefühl erst mal wenig zu tun!

  • Das Internet hat sich sehr zum Nachteil verändert und Rankings liegen mir generell nicht. Ich komme aus einer Generation, die lieber richtig redet.


    Ich finde du schmeisst da in einem Satz recht viel raus, ich versuchs mal einzeln abzuarbeiten:


    1. "Das Internet hat sich sehr zum Nachteil veränder" - Wie meinst du das ? Kannst du das etwas präzisieren, inwiefern hat es sich zu "früher" zum Nachteil verändert in deinen Augen ?


    2. Rankings - liegen mir ebenfalls nicht besonders diese Schulrankings und Pisa-Tests und Zeugs man kann nicht alles in eine Powerpointpräsentation pressen und in Statistikform giessen.


    3. "Ich komme aus einer Generation, die lieber richtig redet" - Ich kann nur für den kleinen Teil meiner Generation sprechen den ich kenne, aber da wird auch "richtig" geredet, nur eben oftmals über Skype oder andere VOIP-Dienste, wieso ? Ganz einfach, weil momentan keiner Zeit hat sich zu treffen oder man räumlich zu weit voneinander entfernt ist. Das man allerdings generell nicht mehr mit sich sprechen würde, kann ich nicht bestätigen.


    Mir ist es ziemlich häufig aufgefallen, dass die Leute kaum noch wissen wie man angemessen mit dem Gegenüber umgeht.


    Das hat aber weit mehr mit der Erziehung des einzelnen zu tun, als mit der Empathie und das wir einen akuten Erziehungsnotstand haben dürfte allgemein bekannt sein.


    Ich beobachte egoisisches Verhalten (Mitnahmementalität) vor allem bei meinen älteren Mitmenschen. Aber dieser Eindruck ist natürlich rein subjektiv, nicht repräsentativ, und außerdem hab ich ja eh nur Internet-Kontakte. :thinking-020:


    Erstmal tröste dich ich hab den Witz mit den Internetkontakten verstanden ;)


    Das was du ansprichst fällt mir auch auf, nämlich das viele Ältere massiv unfreundlich sind oftmals. Wenn man z.B. im Bus der alten Dame den Platz anbietet kriegt man meist nichtmal ein Dankeschön sondern man wird angesehen als müsse man sich rechtfertigen überhaupt hingesessen zu sein. Der Höhepunkt war einmal eine ältere Dame die mir sagte :" Sehen sie nicht das ich rein komme geht das nicht schneller ?" da war ich kurz davor unsere Pensionskasse zu entlasten...


    Ich finde das ältere Menschen im direkten Kontakt um einiges ruppiger, dreister, frecher, bissiger, egoitischer geworden sind. Sie drängeln sich dreist im Geschäft vor und spricht man sie höflich drauf an, werden sie frech.


    Deckt sich teilweise mit meiner Erfahrung.



    Die jüngere Generation, die ich ansprach, sind anders. Sie klären alles per Mail, fechten einen Streit so aus. Trifft man sie persönlich, versuchen sie allem aus dem Weg zu gehen, kneifen den Schwanz ein und spielen armes Hundilein. Kaum haben sie ihre Tastatur unter den Fingern, zeigen sie ihr böses Gesicht.


    Ich kann dir als angehöriger der "jüngeren Generation" sagen das es nicht so ist, jedenfalls nicht beim Grossteil. Es gibt immer irgendwo schwarze Schafe, aber besonders gestritten wird nicht per mail, ausser man ist räumlich zu weit auseinander (wie hier im Forum z.B.)


    Nur Kontakte im Internet zu haben, ist für dich ein Vorteil? Ich glaube, sowas kommentiert sich selbst...


    Ich trau mich dir zu sagen, das ca. 60% all meiner Kontakte im Internet stattfinden, wieso ?
    Ganz simpel, weil viele davon aus Deutschland sind, aus Frankreich, Amerika, Indien usw. und da kann man nicht wirklich anders interagieren.
    Aber auch z.B, mit Leuten die ich beim Bund kennenlernte kann ich anders nicht wirklich Kontakt halten, weil die einfach zu weit weg wohnen als das man eben vorbeischauen könnte.
    Ein Kontakt im Internet ist weder höherwertig noch minderwertig einem Kontakt im realen Leben gegenüber.


    Das stimmt. Auch wenn man ein Büro eines anderen betritt, klopft man doch wenigstens und sagt "Hallo". Heute selten der Fall...


    Auch hier, wie ich weiter oben schon sagte, das ist eine Frage der höflichkeit, auch kenne ich viele, die einfach aufhörten zu grüssen (junge Leute) weil man nie antwortete und teilweise angeschaut wurde als hätte man die Krätze.


    Hier im Forum würde ich z.B. Acaloth den :first: Platz des Empathie-Rankings geben, da man bei ihm merkt, dass er vorher in die Rolle des Andersdenkenden schlüpft, und seine Diskussionspartner und deren Meinungen respektiert.


    Vielen Dank für das Lob :)



    Die wunschlosen Begrüsungsformeln heutiger Jugendlicher ("Was geht", "Hau rein",...) sind mir aber mindestens genauso unsympathisch.


    "Was geht" ist eine Abwandlung von "Wie gehts" und sagt soviel aus wie "Wie gehts" und "was machst du" gleichzeitig. "Hau rein" wiederum ist so ne Art "weitermachen".


  • während mein opa frecherweise von "futtern" redete, hieß das bei meinem vater "zwischen die rippen schlenkern", und bei mir "freßtrip befriedigen".


    Wir reden auch von "futtern"...bin ich schon soooo alt ?!



    letztendlich sind die jungen generationen ein spiegelbild der erwachsenen.
    wir sind es, die immer weniger emphatie besitzen, und das als vorbild weitergeben.


    Ja sie sind ein Spiegelbild der Erwachsenen und ich denke die Erwachsenen sind tatsächlich kälter geworden. Ich finde rationalität und empathielosigkeit gut wenns um wichtige Entscheidungen bei einer Firma geht, bei einer Partei oder sonst wo, aber nicht im zwischenmenschlichen Leben.

  • Wir reden auch von "futtern"...bin ich schon soooo alt ?!


    wenn es ihn noch gibt, dann frag mal deinen urgroßvater wie er das wort "futtern" findet.
    meiner hätte gesagt, dass tiere futtern, aber menschen "essen".


    gruß baku

  • Ich finde rationalität und empathielosigkeit gut wenns um wichtige Entscheidungen bei einer Firma geht, bei einer Partei oder sonst wo, aber nicht im zwischenmenschlichen Leben.


    die entscheidungen in der wirtschaft und in einer partei sind zwischenmenschliches leben.
    eine trennung der begriffe ist unzulässig.


    das ist eben auch das echte leben.


    gruß baku

  • die entscheidungen in der wirtschaft und in einer partei sind zwischenmenschliches leben.
    eine trennung der begriffe ist unzulässig.


    das ist eben auch das echte leben.


    gruß baku


    Ich finde die Trennung ist sehr wohl notwendig, wenn man besonders in der Wirtschaft das nicht trennen kann geht man über kurz oder lang daran zugrunde.

  • Ich finde die Trennung ist sehr wohl notwendig, wenn man besonders in der Wirtschaft das nicht trennen kann geht man über kurz oder lang daran zugrunde.


    ich weiß.
    ich denke genau umgekehrt.


    fleißige und aufrechte menschen nicht an den entscheidungsprozessen zu beteiligen, das erzeugt den unfrieden und entsolidarisierung die uns in den untergang treibt.


    ich kann es eben nicht oft genug wiederholen :
    wir sind alle eine schicksalsgemeinschaft, ob kommunal, regional, national, kontinental oder global.
    damit das funktioniert braucht es ein zusammengehörigkeitsgefühl, bei allen differenzen und gut begründeten persönlichen interessen.


    aber das ist o.t.


    gruß baku