Prekäre Beschäftigung und Depression

  • Aus aktuellen Anlass im bekanntenkreis, mach ich mal die Tread auf..
    Der 25 Jährige Sohn, meiner Arbeitskollegin, darf morgen mit einer Akuteinweisung in Krankenhaus. Grund schwere Depression.
    Er hatte seine Ausbildung mit 1,5 abgeschlossen.
    Sollte übernommen werden, aber wurde mit befristeten Verträgen abgespeist.
    Nach 3 Jahren, wo er hätte endlich eine Feststelle bekommen sollte, wurde ihm gekündigt.
    Grund kann man sich denken. Nach mehreren Befristeten Stellen im Westen, ging er zurück und fiel in eine tiefe Depression. Grund war schlicht, dass er machen konnte was er wollte, er nicht von der Stelle kam. Dank kurzer Befristung, und vielen Jobwechseln, konnte er auch kaum Soziale Kontakte im ständig wechselenden Umfeld aufbauen.
    Und er ist nicht der Einzelfall..
    Allzeit zu allem bereit?
    Wenn flexible Arbeit prekär wird

    arbeit-macht-oefter-seelisch-krank-keine-arbeit-auch


    Aber ist in Deutschland nicht anders als in anderen Ländern..
    Prekäre Jugend?
    Arbeits- und Lebensbedingungen der jungen
    Generation in Japan


    Burn Out, Depressionen..
    Diese Arbeitswelt macht krank..
    Leidest Du noch, oder deprimierst Du Dich schon?
    Wenn die Arbeit krank macht


    ist es das, was mit mobil, flexibel, und global einsetzbar, der schönen neuen Arbeitswelt gemeint war?
    Ist es das, was wir wollen?
    Es wird Zeit, dass sich in diesem Land, in der Wirtschaft, was ändert..
    So geht es nicht mehr weiter..


    Oder wie seht ihr das?

  • was soll man noch dazu sagen was nicht schon gesagt wurde ?


    der bogen ist überspannt !


    gruß baku

  • Depression kommt nicht einfach so. Oft spielen schlimme Verhältnisse in Kindheit und Jugend eine Rolle und zeitverzögert tritt die Folgeerscheinungen in Sicht als Depression.
    Es ist eines der schlimmsten Krankheiten und hartnäckigsten die es gibt. Viele Depressive sind suizidgefährdet. Obwohl therapierbar bis zu 80 Prozent schaffen es nicht viele es zu überwinden. Medikamentöse Behandlung hilft nicht wirklich kann nur Symptome mildern. Da aber die Pharma-Konzerne viel Geld machen wird viel propagiert man müsse diese Pillen schlucken.
    Eingentlich hilft nur Psychotherapie mit geeignetem Methode und einem guten Therapeuten. Was man nicht immer findet.


    Das Wort "Depression" wird verhunzt indem das sich schlecht Fühlen als Depression bezeichnet wird. Das kann zur verharmlosenden Sichtweisen führen.

  • Depression kommt nicht einfach so. Oft spielen schlimme Verhältnisse in Kindheit und Jugend eine Rolle und zeitverzögert tritt die Folgeerscheinungen in Sicht als Depression.
    Es ist eines der schlimmsten Krankheiten und hartnäckigsten die es gibt. Viele Depressive sind suizidgefährdet. Obwohl therapierbar bis zu 80 Prozent schaffen es nicht viele es zu überwinden. Medikamentöse Behandlung hilft nicht wirklich kann nur Symptome mildern. Da aber die Pharma-Konzerne viel Geld machen wird viel propagiert man müsse diese Pillen schlucken.
    Eingentlich hilft nur Psychotherapie mit geeignetem Methode und einem guten Therapeuten. Was man nicht immer findet.


    Das Wort "Depression" wird verhunzt indem das sich schlecht Fühlen als Depression bezeichnet wird. Das kann zur verharmlosenden Sichtweisen führen.



    Dass nur die Psychotherapie bei einer echten Depression helfe, ist falsch und auch gefährlich, da einige Patienten nicht selten suizidgefährdet sind. Die Psychotherapie sollte als Begleittherapie fungieren und in akuten Situationen einer Suizidgefahr sollte ein Kliniksaufenthalt mit entsprechender medikamentöser Einstellung erfolgen. Auch die Dauertherapie erfolgt mit Antidepressiva, also medikamentös und wenn möglich und gewünscht Psyhotherapie.
    Viele machen den Fehler, echte Depressionen mit depressiver Verstimmung zu verwechseln.

  • Nun mal zu dem Fall..
    nachdem er wieder in Brandenburg war, fiel er in ein Tiefes Loch.
    Er machte die Nacht zum Tag, und hatte abends Fressattacken, so das er in kürzter Zeit viel zu nahm, und schon Herzbeschwerden bekam.
    Alle Versuchen der Eltern, dass er wieder in Tritt kam, und aus dem Loch, voller Selbstzweifel, hängen lassen, Bewegungsmangel, und rückzug von der Aussenwelt, klappten nicht.
    Er zog sich nur mehr zurück, gab sich die Schuld, dass er trotz guter Noten, und aller Aufopferung, es einfach nicht schaffte.
    Als nun die Herzprobleme anfingen, scheint der Arzt entschieden zu haben, dass eine Therapeutische Klink erforderlich ist, wo er erstmal wieder einen anderen Rhythmus, und Hilfe bekommt.
    Ich hoffe, dass die Ärzte dort, ihm helfen können, und er es vieleicht schafft..
    Traurig, Frustierend, und macht einem wütend, wenn man sowas im Bekanntenkreis, vorallem bei einem 25 jährigen, erleben muss..



  • Heute spricht man bei den depressiven Erkrankungen auch von bipolarer Störung. Zunächst muß man unter Heranziehung der Anamnese und der entsprechenden Lebensumstände die Diagnose sichern. Ohne jetzt eine Ferndiagnose stellen zu wollen, entnehme ich Deinen Schilderungen, daß es sich hier wahrscheinlich um eine reaktive Depression handelt. Bei schweren Fällen ist tatsächlich, u.a. wg. möglicher Suizidgefahr, eine Klinikeinweisung erforderlich. Wenn die Klinik entsprechend qualifiziert ist, werden die Fachärzte die hier erforderliche Therapie einleiten. Wahrscheinlich zunächst eine medikamentöse Therapie je nach Schweregrad mit einem Antidepressivum oder einer Kombination mehrerer Antidepressiva. Da steht mittlerweile eine Palette wirksamer Substanzen, angefangen bei den tricyclischen A. bis hin zum Melatonin, zur Verfügung. Die medikamentöse Therapie kann mit weiteren Maßnahmen z.B. Psychotherapie, ergänzt werden.

    Das Wichtigste für den Therapieerfolg ist jedoch zuerst die Einsicht des Patienten in die Krankheit. Wenn der Pat. akzeptiert, daß er an einer behandlungsbedürftigen Erkrankung leidet, ist schon viel gewonnen. Nach Stabilisierung sollte man Hilfestellung zur Änderung der krankmachenden Lebensumstände suchen.

    Und an dem Punkt bin ich von hier aus auch erst einmal ratlos. Wenn die Politik die sich immer mehr zuspitzenden Lebens- und Arbeitsverhältnisse nicht ändert, werden Depressionen gerade bei jüngeren Menschen dramatisch ansteigen.



    :thinking-020:

    Einmal editiert, zuletzt von ZumPostwinkel () aus folgendem Grund: Korrektur


  • die Befrüchtung hab ich leider auch..
    und wie man sieht, sind wir auf steilen schritten den Amerikaner (der eine Link) und Japanern auf den Pfersen, wo das heute schon so ist. Grade in Japan extrem..
    Eigentlich ein Wahnsinn, dass hier die Jugen generation verheizt wird, im wahrsten Sinn des Wortes..
    Und ich, und mein Schatz sind Teil davon..

  • die Befrüchtung hab ich leider auch..
    und wie man sieht, sind wir auf steilen schritten den Amerikaner (der eine Link) und Japanern auf den Pfersen, wo das heute schon so ist. Grade in Japan extrem..
    Eigentlich ein Wahnsinn, dass hier die Jugen generation verheizt wird, im wahrsten Sinn des Wortes..
    Und ich, und mein Schatz sind Teil davon..



    Wie ich schon mehrfach schrub, und das war nie bös gemeint:

    Die Jungen müssen sich organisieren und für ihre Zukunft kämpfen. Sie müssen den Arsch hoch kriegen, damit sich was bewegt. Demonstrationen im Internet sind ja ganz schön, helfen aber nicht wirklich weiter. Das Internet kann aber bei der Organisation des Widerstandes helfen.

    Wir Alten können das nicht für die Jungen reißen, sondern nur mit Rat und Sympathie begleiten. Allerdings müssen Alte und Junge besonders darauf achten, daß sie nicht auseinanderdividiert und gegeneinander gehetzt werden. Ungefähr nach dem "Mißfelder-Prinzip".


  • Mein Sohn (Fachabitur) bewirbt sich zur Zeit auf Ausbildungstellen Mediengestalter - Bild und Ton. Bisher hat er von den Anbietern noch nicht einmal Antwort erhalten, daß seine Bewerbungsunterlagen eingegangen sind. Fachhochschulen in diesem Bereich sind meistens privat und kosten ein Heidengeld ( und sind oft noch nicht einmal akkreditiert).


  • ist es das, was mit mobil, flexibel, und global einsetzbar, der schönen neuen Arbeitswelt gemeint war?
    Ist es das, was wir wollen?
    Es wird Zeit, dass sich in diesem Land, in der Wirtschaft, was ändert..
    So geht es nicht mehr weiter..


    Oder wie seht ihr das?


    Diese Beschränkung des Menschen auf ökonomische Gesichtspunkte geht mir auch zunehmend auf den Nerv.
    Man soll am besten 20 sein einen Uniabschluss von 1,0 und 10 Jahre Berufserfahrung haben, sonst schauen die nichtmal rein in deine Bewerbung. Die nehmen nur noch Eier legende Wollmilchsäue. Die auch kein Geld verdienen, das musst du woanders auftreiben. Kannst ja schliesslich dankbar dafür sein das du überhaupt arbeiten darfst.
    Bei meiner besten Freundin ist neulich eine Kollegin tot umgefallen, Herzstillstand durch Burnout und einen verschleppten Virus. Sie konnte noch wie durch ein Wunder reanimiert werden und obwohl sie ein paar Tage hirntot war kam sie wieder zu sich. Die Ärzte sagten das ist das 8. Weltwunder. Sie ist jetzt arbeitsunfähig und ein Krüppel, mit 29. Alles nur für die Karriere, damit kein anderer deinen Platz einnimmt, weil man ja im ständigen Wettkampf ist und nur der stärkere überlebt. Was für ein Dreck. Die Leute werden heutzutage reihenweise verheizt und haben dann angeblich auch noch selber Schuld dran, wenn sie nichts finden, weil sie nicht "flexibel" genug sind.
    Zum Kotzen ist das und ich mache da auch nicht mit. Deswegen werde ich mich selbständig machen und mein eigener Chef sein, dann können die mich alle am Arsch lecken.
    Ich werde auch Abstriche beim Einkommen von mir selbst in Kauf nehmen, damit ich auch noch Zeit zum leben habe und wenn ich genug Geld beisammen habe auswandern, wo ich meine Ruhe habe. In so einem beschissenen technokratisch-ökonomisiertem, neoliberalem Mist-System habe ich eh keine Lust länger zu bleiben als nötig. So das musste jetzt mal raus. :cornut:

    Einmal editiert, zuletzt von A0583 ()

  • Mir fällt das extrem bei den Mitschülern meiner Ältesten auf ( 13. Klasse Fachgym)- da wird gelernt wie verrückt, am Lebenslauf gefeilt und wenn man nicht mindestens das Abitur mit 1,... macht, ist das Leben eh gelaufen....Und im Alter droht Hartz IV.

    Fleiß, Ehrgeiz, Zielstrebigkeit- alles gut und schön. Aber doch nicht in diesem Ausmaß! Da gehen einige Schüler jetzt an Schuljahrsbeginn schon mit den Nerven zu Fuß- wenns so weitergeht, ist der Burn-out mit 24 vorprogrammiert....

  • Danke für das Beispiel- das ist erschreckend, deckt sich aber mit meinen Erfahrungen.

    Eigentlich wollte ich im Olias-Goodbye-Thread noch was weiter schreiben, bin aber ausgestíegen als ich Wolfs Diplomatenkinderretoure zum modernen Nomadentum gelesen habe...wie hat´s neulich so schön einer geschrieben? Das man sich nicht dumm dabei vorkommt, so einen Blödsinn zu posten!:rolleyes:

  • @Balyoz


    vor vielen Jahren las einmal einen Roman, im ersten Kapitel wurde der Tagesbeginn eines älteren Mannes geschildert, der in Italien lebt.


    "Giovanni wurde von dem metallischen klingeln eines mechanischen Weckers aus dem Schlaf gerissen. Es war 6°° Uhr. Er stand unverzüglich auf und setzte die Kaffeemaschine in gang, dann ging er unter die Dusche. Nachdem er den Kaffee in eine Thermoskanne gefüllt hatte verlies er das Haus.
    Es war ein wunderschöner Morgen, die Sonne schien aus einem azurblauem Himmel, das saftig grüne Gras war vom Tau benetzt, er hörte das rauschen des Meeres und schreitet gemessenen Schrittes durch das feuchte Gras, dem Meere zu. Am Strand angekommen verweilt er kurz, dann schreitet er weiter, links das blaue Meer, rechts die saftigen Wiesen. Nach einer viertel Stunde taucht ein langes graues Gebäude auf. Es war eine heruntergekommene Fabrikhalle.
    Giovanni verweilt wieder kurz und geht dann entschlossen in das graue Gebäude, um seinem Tagwerk als Schweißer nachzugehen...................."


    An dieser Stelle lies ich das Buch sinken und dachte, dass was der Giovanni da macht, das macht kein Tier..............zumindest nicht freiwillig.



    greetz

    Einmal editiert, zuletzt von schlabund ()


  • .....An dieser Stelle lies ich das Buch sinken und dachte, dass was der Giovanni da macht, das macht kein Tier..............zumindest nicht freiwillig.


    greetz



    Auch Giovanni macht das bestimmt nicht freiwillig.
    Sein Arbeitsweg besteht darin durch nasses Gras zu gehen, dem Rauschen dess Meeres zu lauschen, einen Stop am Strand und die offene Aussicht auf Meer geniessen, rechts das satte gruen der Wiesen...bis er dann weiter geht um seinem "grauen Altag" nach zu gehen.

    Unsereins dagegen setzt sich ins Auto,...steht damit im Stau,...links und rechts Betonbauten die in die Hoehe ragen,....man regt sich ueber den Vordermann auf, der nicht weiss wo er hin will, seine Nebelrueckleuchten eingeschaltet, die blenden,...weils regnet..bis man dann am Schluss in einer dunklen Tiefgarage seinen Platz zum parken gefunden hat.
    Doch dann gehts weiter...der Personenlift noch oben, 8 Personen sind schon drinn..12 sind erlaubt....jemand drueckt auf den Tuerknopf...um mir Einlass zu gewaehren, waehrend ich die letzten 5 Schritte schnaubend hinter mich lege.
    Die Tuer schliesst sich...Gerueche verschiedener Art machen sich breit...nicht jeder hatte geduscht ( ich schon)...eine aeltere Dame grabscht in ihrer Handtasche und versprueht irgend ein Parfuem...damit hat sie aber anscheinend niemandem einen Gefallen getan....macht nichts ! Denke ich...3 Stockwerke hab ich ja schon hinter mir...nur noch 5 "to go"...

    Giovanni...ich wuerde gerne mit dir tauschen..:thinking-020:

    3 Mal editiert, zuletzt von family ()

  • ...die Leute das alles über sich ergehen, und zwar von Kidalter aufwärts?


    Weil sie seit frühester Jugend die EXISTENZÄNGSTE schon mit eingebleut bekommen, eine Art Virus, der, einmal ausgebrochen, sich nicht mehr eindämmen lässt.


    Nun gibt es zweierlei Typ Mensch:


    Typ1:
    Lässt alles mit sich machen, macht auch alles mit, ist mehr als pünktlich, zuvorkommend, reißt immer kostenlose Ãœberstunden ab, kriecht jedem in den Arsch, mimt immer den absolut glücklichen nach außen.... (diese Liste ist erweiterbar!!!), Burn out, Depris und andere Krankheiten sind vorprogrammiert....:yesnod:


    Typ2:
    Dieser guckt sich die ganze Scheiße eine Zeitlang an, und zieht seine Konsequenzen daraus, Geld spielt dabei eine untergeordnete Rolle, man arbeitet ja um zu leben, und lebt nicht, um zu arbeiten, muckt immer auf, findet jede Gesetzeslücke und nutzt sie, steht mit der neoliberalen, menschenverachtenden Welt immer auf Kriegsfuß, and so on......
    (ähnelt sehr meiner eigenen Biografie, sorry...:peace2:)



    Und ja, bei Menschen des Typus 1 muß ich leider sagen: Augen zu und durch, oder eine Änderung herbeiführen, ansonsten nicht jammern, wenn der Burnout einen niederrafft....


    Sorry, Leute, wenn ich das so brutal sehe.....:thumbsup:

    Einmal editiert, zuletzt von techniker1 ()

  • Ich bin ja eher so der Mittelweg:rolleyes:

    Ich mucke auf, wenn mir etwas wirklich wichtig ist, mache meinen Job so gut wie ich es kann, engagiere mich, wenn nötig- bin mir aber immer bewusst, daß im Job jeder zu ersetzen ist. Da sollte man sich keinerlei Ilusionen hingeben...

    So komme ich recht gut über die Runden - finanziell und mental, sage ich mal:smile:

  • Aus aktuellen Anlass im Bekanntenkreis, mach ich mal die Thread auf..



    Hallo Adran,
    ja, die Chancen gerade junger Menschen in eine einigermaßen stabile und für die Zukunft planbare berufliche Situation zu kommen, sind eher schwieriger denn einfacher geworden. Diese Probleme haben auch junge Menschen, die recht gut qualifiziert sind.
    Wie könnte man das denn Deiner Meinung nach ändern?

    SF




  • Hallo Adran,
    ja, die Chancen gerade junger Menschen in eine einigermaßen stabile und für die Zukunft planbare berufliche Situation zu kommen, sind eher schwieriger denn einfacher geworden. Diese Probleme haben auch junge Menschen, die recht gut qualifiziert sind.
    Wie könnte man das denn Deiner Meinung nach ändern?



    Es regelt sich doch bereits. Meine beiden haben einen ganz normalen Beruf gelernt - Koch. In DE gab es keine zumutbaren Beschäftigungen, also kochen sie in der Schweiz. Für sehr gutes und in DE undenkbares Geld zu guten sozialen Bedingungen. Die demografische Entwicklung kommt. Und damit die Rache für bisheriges Verhalten. Vielleicht läßt es sich noch eine Weile durch Verleihfirmen aufhalten. Ganz gelingen wird es nicht. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.

  • Es regelt sich doch bereits. Meine beiden haben einen ganz normalen Beruf gelernt - Koch. In DE gab es keine zumutbaren Beschäftigungen, also kochen sie in der Schweiz. Für sehr gutes und in DE undenkbares Geld zu guten sozialen Bedingungen. Die demografische Entwicklung kommt. Und damit die Rache für bisheriges Verhalten. Vielleicht läßt es sich noch eine Weile durch Verleihfirmen aufhalten. Ganz gelingen wird es nicht. Mein Mitleid hält sich in Grenzen.



    Ein anderer Biickwinkel:
    Ich habe in den vergangenen Jahren unzählige Sozialplanverfahren geleitet und
    moderiert, was keine sehr angenehme Aufgabe ist, weil es um Wegfall von
    Arbeitsplätzen geht.
    Warum fielen Arbeitsplätze weg?
    Schätzungsweise 20% wegen Automatisierung, der Rest überwiegend als Folge der
    Globalisierung. Früher hatten wir nur nationale Konkurrenz, inzwischen sitzt
    der größte Teil der Konkurrenz im Ausland und zwar meist innerhalb der EU.
    Dadurch reduzierten sich die Aufträge,
    die überwiegend an ausländische Konkurrenz abwandern.
    Grund: Der Preis infolge höherer Personalkosten.
    Was geschieht innerhalb solcher Prozesse?
    Die Belegschaft wird immer älter, weil bei Arbeitsplatzwegfall vor allem die Jüngeren
    an vorderster Front sind. Gesetzliche und tarifliche Vorgaben stellen Arbeitnehmer
    mit höherem Alter und längerer Betriebszugehörigkeit unter einen stärkeren Schutz.
    Außerdem sind die Befristeten die ersten, die gehen müssen.
    Folge dieser Prozesse weiterhin: Bei uns sind inzwischen mehr als 90%
    unbefristet beschäftigt, weil das die letzten sind, die gehen müssen.
    Nächste Folge: Es hat zurzeit praktisch niemand die Chance auf einen unbefristen
    Arbeitsvertrag, denn man muss bereits jetzt saisonale Auftragsspitzen,
    welche zu manchen Zeiten das dreifache des Ãœblichen ausmachen
    mit weniger als 10% befristet Beschäftigten kompensieren.
    Nächste Folge: Da die Befristeten sehr schnell mitbekommen, dass die Chance
    einer unbefristen Ãœbernahme fast 0 ist, melden sich viele dauerhaft krank,
    sobald es keine rechtlichen Möglichkeiten mehr gibt, vor Ablauf des Arbeitsvertrags
    zu kündigen.
    Nächste Folge: Es gibt inzwischen fast keine befristeten Arbeitsverträge mehr,
    man stellt nur noch über Arbeitszeitfirmen ein, was dazu führt, dass der Lohn
    nur noch bei Anwesenheit von der Firma übernommen werden muss.
    Resümee: In gewissem Sinne ist der erhöhte Kündigungsschutz der Älteren
    eine der Ursachen für die Chancenlosigkeit der Jüngeren.
    Eine Firma, die bei 10% Auftragsrückgang alle Mitarbeiter weiter beschäftigt,
    erfährt in Folge dadurch steigender Lohnstückkosten zusätzlichen Auftragsrückgang.


  • Sieht so aus, als wäre es menschenrechtswidrig um sechs Uhr zur Arbeit aufzustehen.


    Zufällig ist das genau meine Startzeit und ich gehe gerne zur Arbeit, anscheinend wie dieser Giovanni. Nun sehe ich mich mal wieder unterhalb von Tier klassifiziert, und bekomme nicht menschenrechtskonforme und absolut unchristliche Gedanken.


    Wie war das mit dem Arbeiten und dem Essen?


    Gibt es denn nur noch Geistesgestörte, die entweder
    60+ Wochenstunden schieben und mit permanent ausgefahrenen Ellenbogen Karriereschneisen durch die Kollegen schlagen
    oder
    schlaftrunken um neun Uhr auf den Wecker schauen und sich ärgern dass Ihnen dieser Sklaventreiber von der Arge um 11 Uhr einen Vorstellungstermin angesetzt hat und die den Rest der Zeit bis zur provozierten Absage damit zubringen sich darüber aufzuregen, dass der HIV-Satz menschenrechtswidrig niedrig ist.


    Gemein haben diese beiden Seiten wohl nur, dass sie sich der absoluten Ãœberlegenheit Ihrer Lebensführung unerschütterlich gewiss sind.


    Ich finde es zum Kotzen, eine positive Einstellung der Arbeit gegenüber derart wurstig herunterzumachen. Niemandem, der sich selbst von den Giovannis dieser Erde durchschleppen lässt, gönne ich solche Philosophien.


    Gruß
    Verbalwalze