Werte? Was ist gemeint mit Werte?

  • Als ein Anhänger für eine Diskussion möge folgende Interview dienen. "IZ-Begegnung" mit Eberhard Straub über die vermeintliche und tatsächliche ethische Substanz unserer Gesellschaft


    Zunächst das Begriff "Wert"...wieso dient dieses aus der Wirtschaft stammende Wort als Ersatz über das wogegen man früher war. Früher gab es in europäischen Völkern feste Punkte wo man ein Handeln eine Zweckverknüpfung verbinden konnte. "Für Gott" oder "Für den König" oder "Für die Ehre" oder "Für das Wohl der Kirche" oder "Für mein Stamm" usw.
    Es ist auch unschicklich "Für mein wirtschaftliches Nutzen" als Letztzweck anzuführen weil es die Masse nicht bewegt oder verzaubert. Aber für die Ohren klingt "Für die Freiheit" wie "Für Gott" im Ohr eines Gläubigen.


    Mir scheint dass die Werte worüber stets gesprochen wird unbekannt sind und nur wie Fahne geschwenkt wird. Ich hatte mich mal mit dem Schrift über die Philosophie der Freiheit des Philosophen Schelling befasst. Interessanterweise gibt es sogut wie keine ernshafte philosophische Untersuchungen über die Freiheit. Es gibt nicht die eine Freiheit, weil es nie eine Aufklärung gab und auch keine einheitliche geistige Entwicklungen. Viele phlosophische und religiöse Richtungen im Konkurrenz haben jeweils unterschiedliche Weltanschauungen von denen keiner sich gegen die anderen sich gänzlich durchsetzen. konnte. Daher gibt es kein "Abendland" und keine klare feste Normen die alle akzeptieren oder würden. Es ist nur eine Beschwörung Der Versuch unter abstrakten Begriffen versuchen alle Traditionen zu umfassen und gegen "andere" abzugrenzen. Das ist eher Anliegen der Politik als der Philosophie.



    "Der freie Markt braucht eben keine Bürger, er braucht nur Kunden. Es ist erstaunlich, wie sehr das Wort „Kunde“ auch in der politischen Diskussion den Begriff „Bürger“ verdrängt hat. Wenn der Markt der höchste Wert geworden ist, dann ist nicht mehr der freie Bürger oder der selbstbestimmende Demokrat ausschlaggebend, sondern der zufriedene Kunde. Das bestätigt uns, dass das ökonomische Denken mittlerweile längst das juristische und politische Denken unterhöhlt hat."

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    Wenn der Markt der höchste Wert geworden ist, dann ist nicht mehr der freie Bürger oder der selbstbestimmende Demokrat ausschlaggebend, sondern der zufriedene Kunde. Das bestätigt uns, dass das ökonomische Denken mittlerweile längst das juristische und politische Denken unterhöhlt hat."



    Um das festzustellen hättest Du jetzt aber nicht so weit ausholen müssen Euer Eminenz. ;)
    Das hätte ich auch mit einem Satz gekonnt. :D Aber sind wir wirklich alle zu ehrlosen Krämerseelen geworden, die den Marktgott anbeten ? Das lohnt sich doch nur für ganz wenige.

  • Um das festzustellen hättest Du jetzt aber nicht so weit ausholen müssen Euer Eminenz. ;)
    Das hätte ich auch mit einem Satz gekonnt. :D Aber sind wir wirklich alle zu ehrlosen Krämerseelen geworden, die den Marktgott anbeten ? Das lohnt sich doch nur für ganz wenige.


    Das kriegt sich auch wieder ein ;)
    Momentan sind das noch die nachwehen der während des kalten krieges herangezüchteten ideologisch verseuchten Amerikakapitalfetischisten.

  • Um das festzustellen hättest Du jetzt aber nicht so weit ausholen müssen Euer Eminenz. ;)
    Das hätte ich auch mit einem Satz gekonnt. :D Aber sind wir wirklich alle zu ehrlosen Krämerseelen geworden, die den Marktgott anbeten ? Das lohnt sich doch nur für ganz wenige.


    Nicht alle aber man versucht unsere Gehirne zu waschen mit gigantischem Aufwand oder willst du das bestreiten? :)


    "Die herrschenden Gedanken sind die Gedanken der Herrschenden" meinte mal ein gewisser Karl Marx.

  • Nicht alle aber man versucht unsere Gehirne zu waschen mit gigantischem Aufwand oder willst du das bestreiten? :)


    "Die herrschenden Gedanken sind die Gedanken der Herrschenden" meinte mal ein gewisser Karl Marx.


    Nein, will ich nicht. Bin ich voll Deiner Meinung und nehme an keiner Waschung teil ^^


    Echt ? Ist das nicht auch von Peter Scholl-Latour, wie das mit der Pressefreiheit ? :D
    Aber egal von wem. Es ist leider wahr.

  • europa sieht sich als humanistisch. das sind die deklarierten europäischen werte.
    so ungefähr

    Zitat

    1.)Das Glück und Wohlergehen des einzelnen Menschen und der Gesellschaft bilden den höchsten Wert, an dem sich jedes Handeln orientieren soll.
    Die Würde des Menschen, seine Persönlichkeit und sein Leben müssen respektiert werden.
    2.)Der Mensch hat die Fähigkeit, sich zu bilden und weiterzuentwickeln.
    3.)Die schöpferischen Kräfte des Menschen sollen sich entfalten können.
    4.)Die menschliche Gesellschaft soll in einer fortschreitenden Höherentwicklung die Würde und Freiheit des einzelnen Menschen gewährleisten.(..)


    Das höchste Kunstwerk, das es zu bilden gelte, sei der Mensch. Ãœber allem stehe der Mensch als Idee. Der erzieherische Gehalt der Antike solle für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden. Die Zukunft der Jugend sei durch Wahrheit, Bildung, Werte und eine Zentralperspektive - Jaeger spricht von einem „Totalbild“ - zu gewährleisten.[36] Die Formung des Menschen sei unwiderruflich an die Gemeinschaft gebunden. Der Mensch sei zu seiner wahren Form zu erziehen, nämlich dem eigentlichen Menschsein als allgemeingültiges und verpflichtendes Bild der Gattung.


    der mensch steht im mittelpunkt

  • Das kriegt sich auch wieder ein ;)
    Momentan sind das noch die nachwehen der während des kalten krieges herangezüchteten ideologisch verseuchten Amerikakapitalfetischisten.


    Du wirst mir immer unheimlicher Acaloth. Du kamst mir ja schon öfter so vor, als würdest Du vom konservativen Glauben abfallen. Kojo wird sich die Haare raufen..*gg

  • europa sieht sich als humanistisch. das sind die deklarierten europäischen werte.
    so ungefähr
    der mensch steht im mittelpunkt


    So lieber Onkel...und nun analysier mal genau diese Sätze bitte. Was fällt dir auf ?

  • "Der freie Markt braucht eben keine Bürger, er braucht nur Kunden. Es ist erstaunlich, wie sehr das Wort „Kunde“ auch in der politischen Diskussion den Begriff „Bürger“ verdrängt hat.

    Nein, Abendstern, hat es leider nicht !


    Die schöne Wertlehre vom (am liebsten zufriedenen) Kunden, Englisch: (-->) customer - value, wurde von der Irrlehre des zufriedenen Aktienhalters, Englisch: (-->) shareholder-value, verdrängt.


    Seither spricht man auch von (--->) Dienstleistungswüste. Aber das ist nur ein Nebenaspekt.

  • Du wirst mir immer unheimlicher Acaloth. Du kamst mir ja schon öfter so vor, als würdest Du vom konservativen Glauben abfallen. Kojo wird sich die Haare raufen..*gg


    nuja, ich bin pragmatiker, was dem lande nutzt wird gemacht.
    Das der weltweite Freihandel der amis durchaus seine denkfehler hat erkennen wir ja gerade und aus dieser generation die noch mit den bildern des kalten krieges aufgewachsen ist, komt ja auch die tendenz dazu den Amis nach zu hecheln.


    deswegen werd ich sicher nicht zum kapitalismusgegner ;)


    vom konservativen glauben falle ich nicht ba keine Sorge, aber die besten Politiker zeichneten sich durch den geringsten Dogmatismus aus.

  • nuja, ich bin pragmatiker, was dem lande nutzt wird gemacht.
    ...


    Da fragt man sich doch ob ein Land zufriedene Kunden haben kann ? Oder ist so eine Denke nicht völliger Quatsch. Ein Land hat doch keine Kunden. Also sind auch die Werte nicht in Geld zu messen, oder ?

  • Da fragt man sich doch ob ein Land zufriedene Kunden haben kann ? Oder ist so eine Denke nicht völliger Quatsch. Ein Land hat doch keine Kunden. Also sind auch die Werte nicht in Geld zu messen, oder ?


    Ich sehe hier ein frage bei der ich WEIT ausholen muss.


    In unserer gesellschaft nimmt der Egoismus immer weiter zu während das zusammengehörigkeitsgefühl der nation immer weiter sinkt.
    Mir erscheint es nicht so, als wäre man zum "zufriedenen Kunden" geworden, sondern als sei das das selbstgewählte schicksal vieler.


    Wehrpflichtdebatte etc. zeugen für mich davon, das man nicht mehr bereit ist für die gemeinschaft oder das Land einen Dienst zu leisten auch wenn er evtl. nicht bezahlt wird.


    Ich habe den eindruck, das die politik da nur auf eine immer mehr aufkommende Idee im Volk reagiert, das den staat nich mehr als Schicksalsgemeinschaft sieht, sondern als eine Art unternehmen das man verlässt wenns einem nicht den gewünschten service bietet und von dem man ausser mit den Steuern (und auch da am liebsten niedrig) möglichst wenig belästigt wird.

  • ...eine immer mehr aufkommende Idee im Volk reagiert, das den staat nich mehr als Schicksalsgemeinschaft sieht, sondern als eine Art unternehmen das man verlässt wenns einem nicht den gewünschten service bietet und von dem man ausser mit den Steuern (und auch da am liebsten niedrig) möglichst wenig belästigt wird.


    Und wer den Staat als Unternehmen denkt kann auch nie ehrenvoll handeln, weil er die Werte einer Schicksalsgemeinschaft nicht schätzt sondern als lästigen Aberglauben ansieht, der höchstens beim "wirtschaften" stört.

  • Interessanterweise gibt es sogut wie keine ernshafte philosophische Untersuchungen über die Freiheit.



    Die fundierteste, die ich kenne, stammt von F.A. von Hayek, "Die Verfassung der Freiheit."
    Die interdisziplinäre Untersuchung verbindet juristische, rechtsphilosophische, philosophische, ethische und ökonomische Aspekte.

    Zitat

    Das bestätigt uns, dass das ökonomische Denken mittlerweile längst das juristische und politische Denken unterhöhlt hat."



    Wieso "unterhöhlt". Alles hängt hier mit allem zusammen. Die Fachgrenzen sind künstlicher Natur.

  • Und wer den Staat als Unternehmen denkt kann auch nie ehrenvoll handeln, weil er die Werte einer Schicksalsgemeinschaft nicht schätzt sondern als lästigen Aberglauben ansieht, der höchstens beim "wirtschaften" stört.


    eben nur habe ich den Eindruck das das eben viele tun.
    auch hat sich Toleranz anderer Lebensweisen, denkweisen etc. schlicht zu gleichgültigkeit entwickelt und zwar gleichgültigkeit allem gegenüber was einem nicht gewinn bringt (oder schaden)

  • Um das festzustellen hättest Du jetzt aber nicht so weit ausholen müssen Euer Eminenz. ;)
    Das hätte ich auch mit einem Satz gekonnt. :D Aber sind wir wirklich alle zu ehrlosen Krämerseelen geworden, die den Marktgott anbeten ? Das lohnt sich doch nur für ganz wenige.



    Der Markt ist ein reiner Allokationsmechanismus und Fortschrittstreiber, nichts zum Anbeten.

  • Wieso "unterhöhlt". Alles hängt hier mit allem zusammen. Die Fachgrenzen sind künstlicher Natur.


    Das stimmt schon, nur sollte der einzelne prinzipiell sein wohl als auch das Wohl des staates im Auge haben, denn gehts dem staat gut gehts ihm (zumindest in einer Demokratie) auch gut. Das problem ist allerdings, das immer mehr keinerlei interesse an der Gemeinschaft des Staates haben sondern sich schlicht im egoismus ergehen.


    Ich denke wir beide sind bei ähnlicher Fragestellung schon mal einander geraten :)

  • Der Markt ist ein reiner Allokationsmechanismus und Fortschrittstreiber, nichts zum Anbeten.


    Natürlich, der Markt hat nur mittlerweile in meinen augen ein katatstrophales Problem aufgeworfen.
    er hat sich von den langfristig denkenden familienunternehmen zu an schnellem gewinn interessierten akteinunternehmen entwickelt.
    Damit geht jede nachhaltigkeit imwirtschaftlichen denken verloren (damit mein ich jetzt nicht ökologisch).
    Dem aktionär ist es oftmals egal wie es der firma in 10 jahren geht, der will den Gewinn in 2 jahren sehen danach ist er weg.
    Nur das an der Firma Arbeitsplätze und Co. hängen, die wiederum länger augelegt sind als 2 Jahre.


    Dem aktionär mit seinem 2 jahresplan wird der Schaden den er evtl durch gewinnmaximierung auf lange sicht anrichtet völlig egal sein.