Trügerischer Heimvorteil - Deutsche Aktien für Deutsche Anleger

  • Ich bin gerade über ein Artikel der Zeit gestossen der mich elendig aufregt:


    Geldanlage: Trügerischer Heimvorteil | Wirtschaft | ZEIT ONLINE


    Trügerischer Heimvorteil
    Deutsche Anleger investieren am liebsten in deutsche Aktien – und verschenken dabei Geld.


    Was mich dabei stört ist der Vorwurf der so ein bisschen gemacht wird das man eben in deutsche Aktien investiert, anstatt das man froh ist das die Deutschen Unternehmen hierzulande unterstützen fragt man sich (offenbar etwas verwundert) wieso die Leute weniger Rendite in Kauf nehmen.


    Ich denke doch das es ansich gefördert werden sollte anstatt komisch beäugt zu werden, wenn man lieber im eigenen Land geld anlegt anstatt es den Chinesen oder sonst wem in den Rachen zu stopfen und dafür auf Rendite verzichtet.


    Für mich treten die paar Prozent Rendite die ich weniger kriege eindeutig in den Hintergrund für das bewusstsein das das Geld zumindest im Land bleibt und hier Arbeitsplätze und Wirtschaft stützt.


    Aber offenbar scheint es ja notwendig zu sein für mehr Rendite alles über Bord zu werfen...



    Was ist eure Meinung ?

  • Mein Vertrauen in die europäische Währung ist dahin. Längerfristige Anlagen würde ich weder in Deutschland, bzw. vor allem nicht in Euro unterbringen.
    Und solange es deutschen Unternehmen auch nicht daran gelegen ist, deutsche Arbeitnehmer zu beschäftigen, sondern allein günstig zählt, fühle ich mich auch in keinster Weise dazu berufen, mich einem deutschen Unternehmen solidarisch zu zeigen!
    Eine Ausnahme könnte da vielleicht noch Trigema oder ein ähnlich gelagertes Unternehmen sein, aber generell denke ich egoistisch, wie die meisten Unternehmen auch.

  • Was ist eure Meinung ?

    Ich würde das weniger unter einem patriotischen Aspekt sehen.
    Der Artikel von Frau Oberhuber ist allerdings ein bisschen, naja, flach.
    Gerade Anleger, die nicht spekulieren, sondern Aktien schlicht als längerfristige Anlage sehen, wählen doch Firmen, die sie einschätzen und deren Lage sie überblicken können. Das sind eben am ehesten die heimischen.
    China, Brasilien etc. sind dagegen typisches Spekulationsterrain. Da solte man sich gut auskennen und viel Zeit mitbringen (so man sich selbst kümmert und nicht der Berater, natürlich).


  • Aber offenbar scheint es ja notwendig zu sein für mehr Rendite alles über Bord zu werfen...


    Was ist eure Meinung ?


    Ich habe vor allem Aktien von Firmen im Depot, die im Bereich "erneuerbare Energien" aktiv sind (Photovoltaik, Solarthermie, Windenergie, Geothermie, Elektromobilität, Batterietechnik, aber auch noch Exotischeres wie z.B. Meerwasserentsalzung und Energiegewinnung aus Mikroalgen...).


    Innerhalb dieses Sektors versuche ich, solche Firmen auszuwählen, deren Aktien mir Gewinn bringen, insofern schaue ich natürlich auf die Rendite.
    Andererseits unterstütze ich etwas, von dem ich selbst absolut überzeugt bin - aus diesem Grund kann ich mein "Gewinnstreben" gut mit meinem Gewissen vereinbaren. :)


    In welchen Ländern diese Firmen sitzen, ist mir dabei weniger wichtig. Denn ich sehe es prinzipiell als positiv für die Menschheit, wenn der Anteil umweltfreundlicher Energienutzung wächst, egal ob in China, Deutschland oder Australien. Insgesamt stellen chinesische Aktien den Hauptanteil meines Depots dar, weil dort der Sektor erneuerbarer Energien derzeit ganz einfach am schnellsten wächst und von der Regierung am intensivsten gefördert wird, während gleichzeitig viele Firmen noch relativ unbekannt (z.B. GCL Poly Energy) und deshalb stark unterbewertet sind, so dass ich langfristig steigende Kurse erwarte.

    Einmal editiert, zuletzt von jaki01 ()

  • Ich habe vor allem Aktien von Firmen im Depot, die im Bereich "erneuerbare Energien" aktiv sind (Photovoltaik, Solarthermie, Windenergie, Geothermie, Elektromobilität, Batterietechnik, aber auch noch Exotischeres wie z.B. Meerwasserentsalzung und Energiegewinnung aus Mikroalgen...).

    Innerhalb dieses Sektors versuche ich, solche Firmen auszuwählen, deren Aktien mir Gewinn bringen, insofern schaue ich natürlich auf die Rendite.
    Andererseits unterstütze ich etwas, von dem ich selbst absolut überzeugt bin - aus diesem Grund kann ich mein "Gewinnstreben" gut mit meinem Gewissen vereinbaren. :)



    Soso, der feine Herr, hat er Geld für Aktien, wa? :lol:

    Vielleicht sollte ich in griechische Staatsanleihen investieren - mit etwas Glück habe ich in ein paar Jahren noch den Restwert einer Flasche Ouzo - das könnte mehr sein, als ich später Rente bekomme (da zahle ich auch genug ein) und das haut wenigstens rein ;)

    Ne, back to Topic:

    Ich habe mit dem Ganzen eher schlechte Erfahrungen gemacht, was aber mit an meinen Investitionssummen lag und damals dem neuen Markt + einem schlechten Berater, bei dem ich zum Glück etwas mehr Verstand hatte und nicht auf deutsche Firmen gesetzt hatte: Ich konnte mir nur nen Fond leisten und der meinte, die Europäischen Aktien seien down, ich solle auf die guten Deutschen setzen - habe gekontert, dass gerade wenn down, der Einstieg doch logischer wäre ;)
    Ich hätte damals, wenn genug Geld in SAP investiert - die sind so runter, das konnte nur rauf - hätte in ein paar Wochen das 3-fache einfahren können, während alle anderen Panik hatten (hab da mal gearbeitet) - tsja...

    Mittlerweile halte ich gar nichts mehr vom Spekulantentum und wenn, würde ich das wie Jaki handhaben wollen - da ginge es dann mehr um ein gutes Gewissen. Ich bevorzuge ansonsten sicherere Anlagen, die vielleicht nicht so viel abwerfen, aber Garantien bieten.

    Zum Thema Deutsch: Ich finde es wichtig, die einheimische Wirtschaft zu stärken, ist aber eine Preissache - wenn ich mir keinen VW leisten kann und ein günstigerer Wagen mit gleicher Leistung zu erhalten ist, ist mir das schnurz (die machen auch keine bessere Qualität oder bieten deutschen Käufern Vorteile - ganz im Gegenteil, wie etwa auch die Pharmabranche). Wichtig halte ich jedoch die Stärkung der jeweiligen Region - auch aus Umweltschutzgründen. Wenn ich was beim Bauern kaufen kann, dann kaufe ich was beim Bauern. Das Bier aus der Region schmeckt und wird nicht durch die halbe Welt gejuckelt, etc.

    Teilweise ist das auch ziemlich verlogen. Die großen Firmen sind entweder gar nicht mehr deutsch und man zahlt für den alteingebrachten Namen (fällt darauf herein) oder sie produzieren überwiegend im Ausland oder bezahlen schlecht, etc.

    Was wir Deutschen auch nicht so wahrhaben wollen - wird hier in der Presse ja auch nicht breit getrampelt: "Unser" Handeln, Exportweltmeister, etc. schwächt nicht nur den Binnenmarkt, sondern verzerrt auch den Europäischen Wettbewerb - die Verluste darf dann der Steuerzahler ausbügeln, während sich gerade die deutsche Wirtschaft die Hände reibt (die das natürlich auch nicht an die Mitarbeiter weiter gibt oder Preise hierzulande senkt). Zumindest die Franzosen haben diese Uraltthese eines Arbeitskollegen mittlerweile bemerkt und auch schon angeprangert - wie gehabt, in den hiesigen Medien bekommt man nicht mit, wie krass Deutschland da unterwegs ist (wohl auch deshalb wird gerne gezahlt).

    Für deutsche Aktien/Produkte müsste man also nicht nur genug Geld haben, sondern obendrein noch gut recherchieren - also nicht nur die Gewinnebene. Ich leiste auch ungerne der Zockerei Vorschub, der zunehmenden Virtualisierung von Geld. Und ich sehe auch zu - bin da ein paar Mal reingefallen, dass ich Finanzberatern aus dem Wege gehe bzw. nach einem Rat noch einmal gucke, was der an Provision bekommt. Hier haben mir 2 Hilfeempfänger sehr geholfen, die mal Berater waren und den Job aus Gewissensgründen aufgegeben hattten (einer davon jetzt im Verbraucherschutz aktiv)...

    Zum Glück war ich in der Zeit, in der ich mir nur einen blöden Fond leisten konnte so schlau, einiges von meinem Studentenjoblohn in Gold zu investieren - nicht viel, aber mittlerweile ist das wirklich Gold wert :)

    3 Mal editiert, zuletzt von A1272 ()


  • Ich habe mit dem Ganzen eher schlechte Erfahrungen gemacht, was aber mit an meinen Investitionssummen lag und damals dem neuen Markt + einem schlechten Berater...


    Es macht zwar mehr Arbeit, aber ich finde es am besten und befriedigendsten, wenn man sich selbst informiert und entsprechend seine Aktien selbst und ohne Berater auswählt (spart außerdem Provision). Dann hat man wenigstens das Gefühl für seinen Erfolg bzw. Misserfolg jeweils selbst verantwortlich zu sein. Das ist heute bequem von zu Hause aus per Online-Broker-Account (z.B. Flatex) möglich.




    Zum Glück war ich in der Zeit, in der ich mir nur einen blöden Fond leisten konnte so schlau, einiges von meinem Studentenjoblohn in Gold zu investieren - nicht viel, aber mittlerweile ist das wirklich Gold wert :)


    Wahrscheinlich hatte der Berater davon auch abgeraten, oder? :wink5:



  • Die Antwort liegt eigentlich im Artikel selbst. Was als Grund für die geringe Attraktivität an deutschen Werten genannt wird, nämlich die geringe Marktkapitalisierung im internationalen Vergleich, ist eher ein Grund in deutsche Aktien zu investieren. Auch fehlt hier der Hinweis über die Tatsache, dass die Meisten der Dax-Werte ausländische Aktionäre in der Mehrheit haben, und das sind nicht Lieschen Müller aus dem Ausland. Also soll der Kleinanleger im Ausland investieren, während Profis aus dem Ausland hier investieren. Fakt ist, dass viele der DAX Unternehmen den größten Anteil des Umsatzes im Ausland machen und die Meisten Aktionäre ebenfalls aus dem Ausland kommen. Der Artikel ist schlecht geschrieben, das Aufblähen der Marktkapitalisierung ist im Ausland viel leichter, da Deutschland selbst im Vergleich mit den USA einen 100-fach höheren Nennwert hat.




  • Vielleicht verstehst du jetzt endlich mal wie Kapitalismus funktioniert............

  • Ich habe schon so viele Aktien gekauft und wieder verkauft, von denen ich nicht mal mehr den Namen weiß oder ihre Herkunft. Darunter waren chinesische, japanische, canadische, deutsche, französische, schweizer Firmen - Firmen, die Waffen herstellen, die die Umwelt verpesten und bestimmt auch Firmen, die Kinderarbeit in ihren Fabriken fördern. Für mich war immer wichtig, dass der Kaufpreis niedrig und der Verkaufspreis hoch ist.


    Ein Otto-Normal-Verbraucher, der sein Geld für eine längere Zeit anlegt, geht lieber auf Nummer sicher. Meist sind das hohe Ersparnisse oder Rücklagen fürs Alter. Der will natürlich wissen, in welche Firma er investiert. Da ist ihm eine VW oder eine Allianz lieber, als eine chinesische, da er auf aktuelle Nachrichten besser reagieren kann.


    Aber eine Deutsch-Tümmelei "Deutsche kauft deutsche Aktien", um sein patriotisches Ego zu befriedigen, ist nicht nur lächerlich, sondern auch dumm. Man ist mit der Aktie ja dann nicht verheiratet und dann bis der Tod euch scheidet, sondern verkauft sie irgendwann auch wieder.


    Ausserdem machen Kleinanleger heutzutage nur einen Bruchteil des Aktienverkehrs aus. Ãœber 70% der Aktien werden von Trade-Programmen bewegt, die in tausendstel Sekunde kaufen und wieder verkaufen. Auf den Kursverlauf hat man durch seinen Kauf kaum Einfluß und unterstützt damit auch kein deutsches Unternehmen, da ich sie ja nicht direkt von der Firma kaufe (Es sei denn bei der Erstzeichnung oder wenn die Firma neue Aktien rausgibt), sondern von einem Computerprogramm oder von einem anderen Idioten.


    Im Großen und Ganzen ist das Thema zu vielschichtig, um sie auf eine kurze dumme Formel wie "Kauft nur deutsche Aktien" zu reduzieren.


  • Und Du glaubst, wenn Du deutsche Aktien kaufst, z.B. von VW, fliesst das in die Kassen von VW? Das passiert nur bei der Emittierung neuer Aktien.

  • Und Du glaubst, wenn Du deutsche Aktien kaufst, z.B. von VW, fliesst das in die Kassen von VW? Das passiert nur bei der Emittierung neuer Aktien.



    ... und bei Kapitalerhöhungen.

  • die genau durch was erfolgen? In der Regel doch durch Neuemission von Aktien ....



    Kommt jetzt wieder der Hinweis von dir, dass dies nur bei der Erstemission erfolgt?
    Natürlich erhöht sich die Anzahl der Aktien bei Kapitalerhöhungen. Ist doch logisch, wenn dadurch das Grundkapital steigt.

  • Und Du glaubst, wenn Du deutsche Aktien kaufst, z.B. von VW, fliesst das in die Kassen von VW? Das passiert nur bei der Emittierung neuer Aktien.



    Alleine 2010 sind bei der VW AG so 4,1 MRD Euro in die Kasse geflossen durch knapp 65 Mio neuen Aktien.

  • Die neuen EK-Vorschriften werden sicher auch die ein oder andere Kapitalerhöhung einiger Banken erfordern.

  • Ich sage lediglich, dass man nicht glauben soll, dass wenn man Aktien deutscher Firmen kauft dieses Geld auch direkt in die Kassen dieser Firma fließt. Wenn es sich um Emissionen der Firma handelt, dann ja, ansonsten verdienen irgendwelche Börsianer an dem Handel.

  • Ich sage lediglich, dass man nicht glauben soll, dass wenn man Aktien deutscher Firmen kauft dieses Geld auch direkt in die Kassen dieser Firma fließt. Wenn es sich um Emissionen der Firma handelt, dann ja, ansonsten verdienen irgendwelche Börsianer an dem Handel.



    ... und mein Hinweis, dass alleine 2010 die VW AG 4,1 MRD Euro über die Börse eingenommen hat, soll lediglich dazu dienen, dass eine generelle Behauptung

    Zitat

    Und Du glaubst, wenn Du deutsche Aktien kaufst, z.B. von VW, fliesst das in die Kassen von VW? Das passiert nur bei der Emittierung neuer Aktien.

    so nicht zutrifft. Eine AG hat nicht nur bei Neuemission die Möglichkeit das Eigenkapital zu erhöhen, sondern eben auch im späteren Handel an der Börse. Dass sich dabei die Anzahl der Aktien erhöht ist logisch, geschieht auch bei Nicht-börsennotierten Unternehmen. Diese Praxis ist ständig zu beobachten, und eine Benachteiligung für den Altaktionär, da hierdurch der Kurs um die Kapitalerhöhung sinkt (Gesellschaftsvermögen pro Aktie sinkt). Um dies auszugleichen, hast du ja eben das Bezugsrecht, um deinen ürsprünglichen Anteil wieder zu halten, was natürlich weitere Käufe voraussetzt. Es sei denn, es handelt sich um Sacheinlagen oder Mitarbeiteroptionen, dann hast du eben die A....-Karte.

  • Ok, ich glaube wir haben hier nur ein Definitionsproblem. Ob nun beim Börsengang Aktien emittiert werden oder durch eine Kapitalerhöhung neue Aktien.
    Der Großteil des Handels erfolgt aber nach der Wertschöpfung für das emittierende Unternehmen.

  • Ok, ich glaube wir haben hier nur ein Definitionsproblem. Ob nun beim Börsengang Aktien emittiert werden oder durch eine Kapitalerhöhung neue Aktien.
    Der Großteil des Handels erfolgt aber nach der Wertschöpfung für das emittierende Unternehmen.



    Ich denke es erübrigt sich darauf hinzuweisen, dass an der Börse durch An und Verkäufe die Eigentümer wechseln. Hier sollte lediglich festgehalten werden, dass das Unternehmen nach IPO eben auch das EK erhöhen kann. An anderer Stelle wurde das einmal verneint.