Literaturnobelpreis

  • Ach so, sorry. Ich kenn mich ja nicht aus mit solchen Auszeichnungen.
    Ich wusste ja nicht, dass er gefragt worden ist.
    Da wäre es natürlich schon höflich gewesen, gleich "nein" zu sagen.
    Ich sag auch immer ganz höflich schon am Telefon "nein" - und lass die Journalisten nicht erst den weiten Weg machen, um dann einen Päppel-Uhu oder ähnlich Interessantes zu knipsen - und dann ohne dazugehörige Päpplerin und ohne tolle Geschichte wieder abziehen zu müssen...
    Es soll ja sogar Preisträger geben, die zur Verleihung gehen und sich dann beleidigend äußern ...

  • Sowohl J. Baez als auch B. Dylan haben zur richtigen Zeit die richtigen Worte aneinandergereiht...


    Frdl. Grüße
    Christiane


    Liebe Christiane, das trifft auf Dylan zweifelsohne zu (sogar in genialer Weise :wink5:), Joan Baez hat bei mir immer nur Fremdschämreflexe ausgelöst. Insofern möchte ich die beiden nicht in einen Topf geworfen wissen.


    Johann.

  • Liebe Christiane, das trifft auf Dylan zweifelsohne zu (sogar in genialer Weise :wink5:), Joan Baez hat bei mir immer nur Fremdschämreflexe ausgelöst. Insofern möchte ich die beiden nicht in einen Topf geworfen wissen.


    Johann.


    Ich habe angesichts all der politischen und sozialen Engagements von Joan Baez ziemliche Hochachtung vor ihr, während Dylan zwar der bessere Texter war, aber ansonsten außerhalb der Musik eher nichts bewegt hat.

  • Fremdschämreflexe. Wieso? Mann und Frau gehören sowieso nicht in einen Topf, u. U. in ein Bettchen, aber nicht in einen Topf. Da möchte ich die beiden auch nicht hineingeworfen wissen. :D
    Betr. Hochachtung schließ ich mich Diogenes2100 an.


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Wenn man sich mal anschaut, wie viele Schriftsteller, Songwriter, Politiker und andere immer wieder von Bob Dylan als Inspirator berichten, kann man kaum anders, als anerkennen, dass er einen deutlichen Einfluss hat!


    Das Preisgeld ist oftmals bei Nobelpreisträgern gar nicht so arg wichtig - wohl auch nicht bei Dylan.
    In gewisser Weise ist Dylan ein Kämpfer gegen das Establishment - es muss schwierig für ihn sein, wenn er dafür nun einen Preis desselben bekommt.....für mich kein Wunder, dass er sich mit dem Preis offensichtlich ein wenig schwer tut. Der Alternative Nobelpreis wäre für ihn sicher leichter zu ertragen gewesen......

  • Der Preisträger tut's ja mittlerweile auch…

    Erst ist Bob Dylan nicht erreichbar, um die gute Nachricht zu erhalten, dann nimmt er den Nobelpreis an - kündigt jedoch an, bei der Preisverleihung nicht vorbeizuschauen… irgendwie sorgt der einstige Folksänger für Verwirrung bei den Journalisten - und inspiriert sie zugleich… die ganze Veranstaltung wird auf diese Weise irgendwie diskreditiert - nun war der Literaturnobelpreis, so nützlich die damit verbundene Zahlung für den Kunstschaffenden ja ist, nie einem Stipendium für künftige Werke vergleichbar. Den Nobelpreis gab es von Anbeginn an für Autoren, von denen längst nichts mehr zu erwarten war. Eher also dem Gnadenbrot eines Ackergauls vergleichbar.

  • Erst ist Bob Dylan nicht erreichbar, um die gute Nachricht zu erhalten, dann nimmt er den Nobelpreis an - kündigt jedoch an, bei der Preisverleihung nicht vorbeizuschauen… irgendwie sorgt der einstige Folksänger für Verwirrung bei den Journalisten - und inspiriert sie zugleich… die ganze Veranstaltung wird auf diese Weise irgendwie diskreditiert - nun war der Literaturnobelpreis, so nützlich die damit verbundene Zahlung für den Kunstschaffenden ja ist, nie einem Stipendium für künftige Werke vergleichbar. Den Nobelpreis gab es von Anbeginn an für Autoren, von denen längst nichts mehr zu erwarten war. Eher also dem Gnadenbrot eines Ackergauls vergleichbar.


    Dann hat er ja ganz Recht, dass ihm die Ehre am Popo vorbeigeht. Das hätte er freilich vorher sagen können.
    Frdl. Grüße
    Christiane

  • Dann hat er ja ganz Recht, dass ihm die Ehre am Popo vorbeigeht. Das hätte er freilich vorher sagen können.
    Frdl. Grüße
    Christiane

    Diese Eigenart Dylans ist eigetlich allgemein bekannt.
    Ohne das jetzt irgendwie werten zu wollen.

  • Wenn man sich mal anschaut, wie viele Schriftsteller, Songwriter, Politiker und andere immer wieder von Bob Dylan als Inspirator berichten, kann man kaum anders, als anerkennen, dass er einen deutlichen Einfluss hat!


    Das Preisgeld ist oftmals bei Nobelpreisträgern gar nicht so arg wichtig - wohl auch nicht bei Dylan.
    In gewisser Weise ist Dylan ein Kämpfer gegen das Establishment - es muss schwierig für ihn sein, wenn er dafür nun einen Preis desselben bekommt.....für mich kein Wunder, dass er sich mit dem Preis offensichtlich ein wenig schwer tut. Der Alternative Nobelpreis wäre für ihn sicher leichter zu ertragen gewesen......


    Bob Dylan hat mit seinem Verhalten einen wichtigen Beitrag zur kritischen Auseinandersetzung um den Nobelpreis geleistet.

  • Nun hat sich unser diesjähriger Literaturnobelpreisträger in Stockholm vertreten lassen - an seiner Stelle durfte eines seiner bekannteren Lieder von Patti Smith vorgetragen werden, und so sehr ist die Nobelpreisgala Showveranstaltung bzw. Pop-Event, dass ihr live on stage "vor Aufregung" die Stimme versagte… als ob Momente solcher Ergriffenheit nicht längst einstudiert und zur Bühnenshow gehören würden. Die Laudatio - vorgetragen von Horace Engdahl, der doch vor wenigen Jahren noch meinte, so bald keinem US-Amerikaner den Literaturnobelpreis verleihen zu können - verbog sich vor Ãœberschwenglichkeit.

    Einmal editiert, zuletzt von I'm a Substitute () aus folgendem Grund: den Link zum Guardian nachträglich eingefügt

  • Ein guter Erzähler. Aber Nobelpreis?
    Nun, ich schreibe es meiner mangelnden Bewertungskompetenz zu, dass ich dem eher skeptisch gegenüber stehe und dies als ein weiteres Indiz der allgemein zu beklagenden Verflachung des Anspruchsniveaus bei den Vergaben der Nobelpreise zuordne.


    "Was vom Tage übrig blieb" ist ein gutes Erzählstück, das Geschichte in angenehme Erzählkunst kleidet. Dass das Werk auch prominent verfilmt wurde, mit Emma Thompson und Anthony Hopkins, ist sicher auch als Auszeichnung zu werten, wenngleich der Film, trotz vieler Nominierungen, weitgehend leer ausging.


    Dem Schriftsteller seien seine Erfolge und Auszeichnungen gegönnt.

    Einmal editiert, zuletzt von A3243 () aus folgendem Grund: Buchstabendreher

  • […] "Was vom Tage übrig blieb" ist ein gutes Erzählstück, das Geschichte in angenehme Erzählkunst kleidet. […]

    Das ist das Problem: Auch die Schwedische Akademie darf nicht mehr für Preis-würdig erklären, was nicht sowieso populär ist… und die von Dir angesprochene […]

    […] allgemein zu beklagenden Verflachung des Anspruchsniveaus […]

    […] betrifft, im Kulturwertschätzungsthread hatte ich dies ja mehrmals schon angesprochen, eher die kulturellen "Ansprüche" der Allgemeinheit. Das Nobelpreiskomitee soll ja satzungsgemäß krönen, was in starkem Maße Idealismus verkörpert…

  • Der diesjährige Literaturnobelpreis geht an Kazuo Ishiguro - sehr verdient, wie ich finde.


    Mich hat die kurze Öffentlichkeit über ihn neugierig gemacht. Ich habe „Alles, was wir geben mussten“ http://www.dieterwunderlich.de/Ishiguro_geben.htm#cont als Film gesehen. Und der ging (mir) unter die Haut, wie es so schön heißt. So ruhig, so leise und doch so empörend, weil glaubhaft, wenn sich eine gesellschaftliche Haltung verfestigt und als richtig betrachtet wird.
    Einer (ich weiß nicht mehr, bei welchem Blatt) hat geschrieben, jedes seiner Bücher sei anders, aber alle hingen zusammen und ergänzten einander. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, zu prüfen, ob das stimmt.


    Frdl. Grüße
    Christiane

  • (..)So ruhig, so leise und doch so empörend, weil glaubhaft, wenn sich eine gesellschaftliche Haltung verfestigt und als richtig betrachtet wird.
    Einer (ich weiß nicht mehr, bei welchem Blatt) hat geschrieben, jedes seiner Bücher sei anders, aber alle hingen zusammen und ergänzten einander. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, zu prüfen, ob das stimmt.


    Frdl. Grüße
    Christiane


    Mach das, ich finde, es lohnt sich. Er hat einen leisen und präzisen Ton; das mag ich. Das erste Buch, dass ich von ihm gelesen habe, war "When we were orphans" ("Als wir Waisen waren"). Eine Freundin hatte es mir empfohlen, die selbst beide Eltern kurz nacheinander als Kind verloren hatte, dann ins Internat geschickt wurde und lange daran zu knapsen hatte. Es ging mir auch sehr unter die Haut; wir lasen es parallel, haben oft darüber gesprochen.
    Ishiguro arbeitet mit ganz verschiedenen Realitätsebenen und beobachtet dabei sehr genau; das hat mich fasziniert. Danach habe ich "Alles, was wir geben mussten" gelesen, erst später seinen großen Erfolg "Was vom Tage übrig blieb". Die Filme kenne ich nicht. Ich mag mir gute Bücher in der Regel nicht durch einen Film kaputtmachen. Bei Krimis geht das schon, aber bei Belletristik? "Als wir Waisen waren" ist jedenfalls kein Krimi (obwohl es oft so beschrieben wird).