Was sind die Ursachen für eure Arbeitslosigkeit?

  • Einige User hier sind m.E. schon seit längerem arbeitslos. Was aber sind die Ursachen? Wenn ich mir die Beiträge durchlese würde ich in diesem Forum niemandem unterstellen dumm zu sein.


    Quasi ein jeder hier kann vernünftige, von Rechtschreibfehlern freie Beiträge schreiben, die je nach Ansicht auch Hand und Fuß haben und daher unterstelle ich schonmal ein gutes Bildungsniveau.


    Nun gibt es aber Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Dazu zählen m.E. :
    - Ein hohes Alter
    - Eine Behinderung
    - Leben in einer wirtschaftlich sehr schwachen Region
    - ggf. Alleinerziehend mit kleinen Kindern


    Ansonsten ist es für mich kaum nachvollziehbar, warum man nicht mindestens einen 400€ Job hat. Gibt es noch weitere Gründe, die ich nicht beachtet habe?


    PS: Der Strang soll nicht zur Polemik dienen, sondern zur Ursachenermittlung von Langzeitarbeitslosigkeit

  • der thread zur gesellschaftlichen Realität.
    Nur wenn stimmt, daß Bildungsdefizite (definiert als fehlenderr Schul- bzw. Ausbildungsabschluß) die Hauptursache von Langzeitarbeitslosigkeit sind, dann wirst du in diesem Typ Forum nicht viele Erfahrungsberichte lesen können.
    Ich war mal 6 Monate arbeitslos gemeldet, 1990. Ich saß mit ehemaligen Bergmännern und Opel-Mitarbeitern im Arbeitsamt. Sie alle waren verdiente und lang gediente Arbeiter (Zeche und eine Opelniederlassung hatten zeitgleich geschlossen). Was mir bis heute in Erinnerung ist: Zwei Arbeitsamtangestellte unterhielten sich auf dem Flur über den Kenia-Urlaub der einen - ca. 20 Minuten, während wir warteten und warteten und warteten.

  • der thread zur gesellschaftlichen Realität.
    Nur wenn stimmt, daß Bildungsdefizite (definiert als fehlenderr Schul- bzw. Ausbildungsabschluß) die Hauptursache von Langzeitarbeitslosigkeit sind, dann wirst du in diesem Typ Forum nicht viele Erfahrungsberichte lesen können.


    Wie ich ja im Eingangsbeitrag bereits schrieb ...


    Zitat

    Ich war mal 6 Monate arbeitslos gemeldet, 1990. Ich saß mit ehemaligen Bergmännern und Opel-Mitarbeitern im Arbeitsamt. Sie alle waren verdiente und lang gediente Arbeiter (Zeche und eine Opelniederlassung hatten zeitgleich geschlossen). Was mir bis heute in Erinnerung ist: Zwei Arbeitsamtangestellte unterhielten sich auf dem Flur über den Kenia-Urlaub der einen - ca. 20 Minuten, während wir warteten und warteten und warteten.


    Ich bin mitte 30 und komme ca. auf 1,5 Jahre Arbeitslosigkeit (5 mal). Arbeitsamt/-Agenturangestelle waren für mich nur relevant, wenn es um Leistungen oder Fortbildungen ging. Für die Jobvermittlung kenne ich niemanden, dem die mal genützt haben.


    Aber es geht ja um Langzeitarbeitslosigkeit. Siehst du bei der Vermittlung durch die Arbeitsagentur eine Ursache dafür?

  • diesem Thema nicht viel schreiben, da ich glücklicherweise nie arbeitslos war. Aber ich weiß ganz genau, dass mich mein Vater/Familie niemals als arbeitslosen Menschen akzeptieren würde. Für Langzeitarbeitlose hat er erst recht kein Verständnis. Da ich weiß, wie hart mein Vater gearbeitet hat und wie er immer bemüht war Arbeit an Land zu ziehen, habe ich ehrlich gesagt auch kein Verständnis für Lanzeitarbeitlose, die eigentlich ohne weiteres einen Job finden könnten. Selbst Sozialhilfe ist bei uns in der Familie verpönt und eine Erklärung für das gesamtheitliche Versagen einer Person.


    Nein, da spielt speziell bei uns die "Ehre" nicht mit.


    Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, sind natürlich anders zu bewerten!

  • Aber es geht ja um Langzeitarbeitslosigkeit. Siehst du bei der Vermittlung durch die Arbeitsagentur eine Ursache dafür?


    Eigentlich nicht. Die beiden Damen, die ich beschrieb waren wohl noch nicht weitergebildet. Also ein Produkt des Bildungsdefizits, das ich ansprach.
    Ich glaube, daß die Arbeitsagenturen heute engagierter arbeiten auf Grund der besseren Ausbildung der Sachbearbeiter.
    Das Problem ist wohl eher der große Abstand zwischen Facharbeit und Hilfsarbeit. Der war mal geringer, als die Maschinen einfacher waren. Wer heute nicht weiß, wie er den Computer bedient, wird nicht einmal Fahrer der Müllabfuhr oder Lagerist. Und wer nicht wirklich schreiben und lesen kann, kann kaum die Maschine lesen.

  • Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeiten können, sind natürlich anders zu bewerten!



    Sehe ich auch so.

    Ich kann aus eigener Erfahrung ebenfalls nichts beitragen. Obwohl ich ja nun auch nicht lebenslang Beamter war.

    Ich werde allerdings den Eindruck nicht los, das unter den Langzeitarbeitslosen eine nicht geringe Zahl von Menschen versteckt ist, die eigentlich aus gesundheitlichen Gründen erwerbsunfähig sind. Es ist mir jedenfalls völlig unverständlich, wie jemand mit selbst für Laien klar ersichtlicher körperlicher Unfähigkeit zur Arbeit über Jahre bei der Agentur versteckt wird und dort auch noch aus der Statistik rausfällt - weil logischerweise krank.

    Dem zweiten Langzeitarbeitslosen, den ich sehr gut kenne, würde ich eine Mischung aus Verweigerungshaltung, Gewöhnung an den derzeitigen Zustand und Unwille zur persönlichen Veränderung unterstellen. Und seinem Sachbearbeiter fehlende Menschenkenntnis.

  • Mal eine Frage so in den Raum, auch an Jack000. Wie oft habt ihr schon eine schlecht bezahlte Stelle angenommen die überhaupt nicht euren Qualifikationen entsprach und wie lange habt ihr diese ausgeübt?


  • Ansonsten ist es für mich kaum nachvollziehbar, warum man nicht mindestens einen 400€ Job hat. Gibt es noch weitere Gründe, die ich nicht beachtet habe?


    Wozu sollte man so etwas tun, wenn man ALG II Bezieher ist?

  • Mal eine Frage so in den Raum, auch an Jack000. Wie oft habt ihr schon eine schlecht bezahlte Stelle angenommen die überhaupt nicht euren Qualifikationen entsprach und wie lange habt ihr diese ausgeübt?



    1990 bis 98, eigentlich bis 2007... Als einfacher Angestellter wieder bei Null angefangen. Das war allerdings der Wende geschuldet.

  • Mal eine Frage so in den Raum, auch an Jack000. Wie oft habt ihr schon eine schlecht bezahlte Stelle angenommen die überhaupt nicht euren Qualifikationen entsprach und wie lange habt ihr diese ausgeübt?


    Ich habe jetzt nochmals meinen Beitrag durchgelesen. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken realitätsfremd zu sein. Natürlich gibt es strukturschwache Gegenden in Deutschland, wo man als Hochqualifizierter keinen Job findet. Und natürlich ist es schwierig die angestammte Heimat zu verlassen. Aber selbst da habe ich eine andere Erziehung genossen. Ein türkisches Sprichwort sagt: "Ekmegini yedigin sehir senin memleketin"! - Da wo Du Dir Dein Brot verdingst, ist auch deine Heimat.


    Deshalb denke ich, dass man mit ein bisschen Flexibilität viel im Leben erreichen kann. Ich denke dabei an die ganzen Gastarbeiter, die genau dieses im Sinn hatten.


    Hinweis: Einzelschicksale kann ich natürlich nicht bewerten. Aber Leute, die wirklich keine Lust haben zu arbeiten, so wie der Ossi den ich in einem Kölner Kiosk kennengelernt habe, der ständig über arbeitlslose Ausländer hergezogen ist, dabei aber selbst Langzeitarbeitsloser war, genau diese Sorte Mensch gefällt mir nicht.

  • 1990 bis 98, eigentlich bis 2007... Als einfacher Angestellter wieder bei Null angefangen. Das war allerdings der Wende geschuldet.


    Ãœberhaupt nicht deinen Qualifikationen (Ausbildung) entsprechend? So, als ob du Betriebswirtschaft studiert hast, aber du als Aushilfsmalermeister für 1000 € netto arbeitest?

    Einmal editiert, zuletzt von A0583 ()

  • Ich habe jetzt nochmals meinen Beitrag durchgelesen. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken realitätsfremd zu sein. Natürlich gibt es strukturschwache Gegenden in Deutschland, wo man als Hochqualifizierter keinen Job findet. Und natürlich ist es schwierig die angestammte Heimat zu verlassen. Aber selbst da habe ich eine andere Erziehung genossen. Ein türkisches Sprichwort sagt: "Ekmegini yedigin sehir senin memleketin"! - Da wo Du Dir Dein Brot verdingst, ist auch deine Heimat.


    Deshalb denke ich, dass man mit ein bisschen Flexibilität viel im Leben erreichen kann. Ich denke dabei an die ganzen Gastarbeiter, die genau dieses im Sinn hatten.


    Hinweis: Einzelschicksale kann ich natürlich nicht bewerten. Aber Leute, die wirklich keine Lust haben zu arbeiten, so wie der Ossi den ich in einem Kölner Kiosk kennengelernt habe, der ständig über arbeitlslose Ausländer hergezogen ist, dabei aber selbst Langzeitarbeitsloser war, genau diese Sorte Mensch gefällt mir nicht.


    Den Eindruck erweckst du auch nicht SF. Ãœberhaupt nicht. Ich habe auch seit ich 14 bin fast durchgehend immer gearbeitet, damals eben nebenher.
    Ich möchte nur mal wissen wer auch Jobs "unter seiner Würde" annehmen würde, mit einer Bezahlung von der man kaum Leben kann und das auch langfristig.

  • Deshalb denke ich, dass man mit ein bisschen Flexibilität viel im Leben erreichen kann. Ich denke dabei an die ganzen Gastarbeiter, die genau dieses im Sinn hatten.


    Wenn man wüsste, wie alt Du bist - ich schätze jedoch deutlich jünger als ich.


    Ich habe mal sehr ähnlich gedacht, war über 30 Jahre nie arbeitslos, und dann streckt einen die Gesundheit nieder.
    Flexibler kann man schon kaum noch sein als nach 12 Jahren Freelancer im IT-Bereich. Ich war in England, BeNeLux, Polen, Bulgarien, Österreich unterwegs, kenne mich durch eigene ständige Weiterbildung mit zig Softwarepaketen und mit Hardware aus - nutzt alles nichts.


    Mittlerweile summieren sich die Absagen für Festanstellungen etwa auf 420, und die Projekte, für die ich mich beworben habe, da habe ich kaum noch einen Ãœberblick.


    Selten sagt einer mal (unabsichtlich) die Wahrheit "Sie passen nicht in unser junges Team."


  • Bist ja auch selber Schuld. Warum hast du damals nichts anständiges gelernt Diogenes? Solchen Menschen passiert so etwas nicht. (Ironie aus)

  • Ãœberhaupt nicht? So, als ob du Betriebswirtschaft studiert hast, aber du als Aushilfsmalermeister für 1000 € netto arbeitest?



    Es wendete. Ich hatte studiert, zwei Abschlüsse, und war irgendwo bei der Polizei Hauptkommissar, nach 12 Jahren durchaus landesweit anerkannter Spezialist auf mehreren Fachgebieten. So richtig beliebt war ich aber nicht, denn ich hatte 86 gesagt, paar so Sachen mache ich nicht :D Also hatte ich die Entscheidung zu fällen, was werden soll. Das Angebot stand, als Angestellter mit der drittniedrigsten Gehaltsstufe beim Staat zu bleiben - mit der Aussicht, vielleicht irgendwann Beamter zu werden (mittlerer Dienst). Unsicherheitsfaktor: Nicht die Stasi-Ãœberprüfung, sondern die gesundheitlichen Anforderungen. Wenn Du 12 Jahre lang extremen Belastungen ausgesetzt warst, sieht es da nicht mehr so gut aus. Die Alternative war freie Wirtschaft. Aber: Das war die Sache mit Taube und Spatz. Meine Tochter war gerade geboren, die Arbeitsstelle der Ehefrau ebenfalls im Orkus. Heute würde ich das anders sehen, aber heute ist auch 20 Jahre und viele Erfahrungen, Beziehungen und Netzwerke später.

    Der "Rest" ist dann kurz erzählt. 2,5 Jahre als Angestellter in genau der Lohngruppe, Beamter auf Probe mittlerer Dienst, 97 Aufstiegsausbildung zum gehobenen Dienst, 2007 wieder den Dienstgrad von 1998.

    Drum schrieb ich ja: Das ist eigentlich nicht vergleichbar, weil es eben ein typisches Produkt der Wende war.

  • Ich habe auch seit ich 14 bin fast durchgehend immer gearbeitet, damals eben nebenher.
    Ich möchte nur mal wissen wer auch Jobs "unter seiner Würde" annehmen würde, mit einer Bezahlung von der man kaum Leben kann und das auch langfristig.


    Ich arbeite seit dem ich 12 Jahre alt bin auch fast durchgehend (bei meinem Dad). Mit 14 dann bin ich von einer Firma zu anderen, Ferienjobs, etc. Ich finde es sehr wichtig, dass Jugendliche schon früh beginnen zu verstehen, was Arbeit (harte Arbeit) bedeutet.


    Wenn man wüsste, wie alt Du bist - ich schätze jedoch deutlich jünger als ich.


    Ich bin 32 Jahre alt.



    Ich habe mal sehr ähnlich gedacht, war über 30 Jahre nie arbeitslos, und dann streckt einen die Gesundheit nieder.
    Flexibler kann man schon kaum noch sein als nach 12 Jahren Freelancer im IT-Bereich. Ich war in England, BeNeLux, Polen, Bulgarien, Österreich unterwegs, kenne mich durch eigene ständige Weiterbildung mit zig Softwarepaketen und mit Hardware aus - nutzt alles nichts.


    Mittlerweile summieren sich die Absagen für Festanstellungen etwa auf 420, und die Projekte, für die ich mich beworben habe, da habe ich kaum noch einen Ãœberblick.


    Selten sagt einer mal (unabsichtlich) die Wahrheit "Sie passen nicht in unser junges Team."


    Das tut mir wirklich leid für Dich und ich habe Achtung vor Menschen wie Dir. Bin im gleichen Sektor tätig und ich kenne es von meinem ehemaligen Kollegen, die mit Anfang 50 wirklich Probleme bekommen haben, eine Anstellung mit einem anständigen Lohn zu finden. Hier ist die Flexibilität natürlich schwierig, aber trotzdem. Die Jungs waren fit!!!


    Wie ich oben schon geschrieben habe, muss man Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr einhundert Prozent geben können, strikt ausklammern.


    Trotzdem wünsche ich Dir viel Erfolg und Glück! Lass Dich nicht unterkriegen!

  • Anreiz zu Arbeiten generell:


    bis vor 2 Jahren war ich in der Leiharbeit. Heute bekomme ich das Netto was ich damals Brutto bekommen habe. Ich hätte für nichts tun mit Hartz4 genau so viel bekommen wie mit Arbeit.


    Dabei ist es egal ob man Studiert hat oder nicht. Keiner ist davor geschützt. Ich habe in meinem Bekanntenkreis viele die sich von einem Projekt ins andere hangeln...

  • .... Schlimm ist, je geringer die Qualifikation und je länger arbeitslos, desto mehr unrealistische Vorstellungen begegnen mir (kürzlich eine, die nix gelernt hat, ewig nix gearbeitet, 6-köpfige Familie und der Meinung war, sie würde nur einen Job annehmen, wenn sie die komplette Familie ernähren könnte (aha, über €3000,00 netto? ....


    Also sapere, ich denke, daß du manchmal über deine Tastatur geradezu herfällst und so schreibst, wie du redest.
    Aber an solchen Passagen stört mich genau folgendes:
    Wenn eine Frau eine sechsköpfige Familie hat, und "ewig nix" gearbeitet hat, dann ist diese 6-köpfige Familie total verwahrlost.
    Ist diese Familie verwahrlost?
    Wenn nicht, dann hat die Frau auch gearbeitet!
    Dabei will ich deine Beobachtungsgabe nicht in Zweifel ziehen, es ist allein die Ungenauigkeit in der Beschreibung, die mich gewaltig ärgert.
    Denn dadurch werden Einzelfälle in eine potentielle Verallgemeinerung hineingeschoben, welche genau die üblen Vorurteile produziert, die eigentlich doch keiner hören will.
    Nicht übel nehmen, nur zu Herzen....

  • Anreiz zu Arbeiten generell:

    bis vor 2 Jahren war ich in der Leiharbeit. Heute bekomme ich das Netto was ich damals Brutto bekommen habe. Ich hätte für nichts tun mit Hartz4 genau so viel bekommen wie mit Arbeit.

    Dabei ist es egal ob man Studiert hat oder nicht. Keiner ist davor geschützt. Ich habe in meinem Bekanntenkreis viele die sich von einem Projekt ins andere hangeln...





    Bildung schützt schon lange nicht mehr vor Arbeitslosigkeit.............:mad5:

  • Mal eine Frage so in den Raum, auch an Jack000. Wie oft habt ihr schon eine schlecht bezahlte Stelle angenommen die überhaupt nicht euren Qualifikationen entsprach und wie lange habt ihr diese ausgeübt?


    Ich war nach dem Studium Kurierfahrer (>1/2 Jahr). Ansonsten aber nie (Anmerkung: Ich habe aber jeweils den Wohnort wechseln müssen. Mit Familie/Kindern wäre das natürlich nicht so einfach möglich gewesen).