Quittung für den Billig-Rambo

  • Anton Schlecker baute Deutschlands einst erfolgreichste Drogeriekette auf - doch statt Bewunderung schlug ihm Abneigung entgegen. Berichte über Mitarbeiterschikane und Dumping-Löhne ramponierten das Image. Der Niedergang der Firma zeigt: Die Billigmasche zieht nicht mehr.


    Schlecker-Pleite: Quittung für den Billig-Rambo - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft


    Und wieder verschwindet ein menschenverachtendes, neoliberal kapitalistisch orientiertes Ausbeutungsimperium von der Bildfläche, dem Himmel sei Dank!


    Es geschehen halt doch manchmal Zeichen und Wunder......


    Um den kriminell agierenden Firmenpatriarch ist es nicht schade, er wird für die Pleite hoffentlich mit seinem Privatvermögen von 1,95 Milliarden Euro voll zur Kasse gebeten werden, die Firmenform macht es möglich.


    Mitleid mit den Konsorten ist hierbei völlig fehl am Platze, ich würde mir eher wünschen, das er dort landet, wo er hin gehört.......(Meine Traumvorstellung wäre, wenn man ihn irgendwann bei einer Armenspeisung entdecken würde......)

    2 Mal editiert, zuletzt von techniker1 ()

  • Du solltest Dich etwas anders ausdrücken, aus juristischen Gründen.
    Aber mache Dir keine Hoffnungen, bei der Armenspeisung wirst Du die Schleckers nicht finden.
    Die Frage wird sein, "was wird mit den Mitarbeitern"?


    Was ich positiv finde, das Konzept Geiz ist geil hat versagt. Ansonsten kann ich der Sache nichts Positives abgewinnen.

  • (...) Der Niedergang der Firma zeigt: Die Billigmasche zieht nicht mehr.
    (...)



    ... muss ich dir (leider) widersprechen.
    die billigmasche läuft so gut wie nie zuvor. leider. mit allen konsequenzen für die lieferkette und die beschäftigten....


    die probleme bei schlecker waren so einfach wie offensichtlich: schlechtes image.
    das beispiel schlecker zeigt, was verbraucher durch 'abstimmung mit den füssen' erreichen könn(t)en.


    aber auch das wäre als erklärung der ursachen zu einfach. wie immer ist es ein bündel von gründen, beispielsweise falsche standortauswahl und zu viele schlecht geführte läden, die wenig einladend ausgestattet und gestaltet waren... biederes sortiment mit wenig highlights und aktionswaren in rotierender folge....
    dann bleiben die kunden gerne mal aus, sofern es alternativen gibt.
    auch hier: der kunde hat abgestimmt - und schlecker konnte deshalb zuletzt seine lieferanten nicht mehr bezahlen.
    das ende zeichnete sich schon länger ab, seit über einem jahr haben maßgebliche wie kleinere lieferanten schlecker nur noch gegen vorkasse beliefert.
    das sagt eigentlich alles.

    4 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: form...

  • Ich habe gerade mit Juristen zu tun. Also, "in meinen Augen ein skrupelloses Familienimperium".
    Kriminell sind sie falls sie verknackt werden. :thumbsup:


    Na ja, die Gesellschaft "verknackt" ihn ja gerade.......:lol:

  • Das stimmt leider, Prom.


    Und wenn die "Armut" in Deutschland weiter zu nimmt, weitet sich auch die Billigmasche aus.


    Ich denke mir, das da Kräfte zu Werke gehen, denen das nicht unsympathisch ist.


    Ich habe Schlecker schon immer gemieden, bei DM gekauft, ich habe für Rossmann gearbeitet, und bei DM gekauft.


    Schlecker war in meinen Augen immer ein höchst asozialer Verein, dem ich nicht mein Geld nachwerfen wollte.


    Ich fühle mich nach dieser Nachricht wirklich wohl.......:banana75:

  • Ich habe mich in diesen Läden nie wohlgefühlt. Ich ging lieber zur besser ausgestatteten
    Konkurrenz. Bei Schlecker waren es in der Regel "Eilkäufe". Er lag in unserem Weinkaff bei mir um die Ecke. Was mich wunderte, wie kann man mit so einem Laden Geld verdienen?
    Am Ort ein Tante-Emma-Laden, eine kleine Metzgerei, Bäckerei und ein kleines Schuhgeschäft. Dann dieser relativ grosse Laden an der Seite.

    Einmal editiert, zuletzt von wudi ()

  • (...)
    Ich fühle mich nach dieser Nachricht wirklich wohl.......:banana75:


    ... schlecker himself braucht keine träne vergossen zu werden.
    aber das ist nur die oberfläche. da hängen tausende von existenzen dran, um die schon getrauert werden dürfte. es wäre etwas zu kurz gesprungen, nur die minijobberin an der kasse zu sehen. da gibt es einige zehntausend menschen, die davon gelebt haben, dass es schlecker gibt. ich will das garnicht bis ins detail aufdröseln, aber wer darüber nachdenkt, kann das schnell nachvollziehen. lieferanten, spediteure, reinigungsfirmen, wachdienste ... und das eigene personal natürlich auch.


    wenn ein riese wie schlecker fällt, gibt das tiefe krater... an vielen orten...
    kein grund sich zu freuen, wie ich finde, auch, wenn es um schlecker selbst nicht schade ist...

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: ft...

  • Sorry Wudi, ich habe das doch mal wieder gegen das ursprüngliche "kriminell" ausgetauscht.


    Sie sind beide rechtskräftig verurteilt worden zu einer 10 monatigen Bewährungsstrafe wegen, ich sage es mal salopp, Tarifbetrug.


    Warscheinlich wollte er das Lösegeld für seine Kinder wieder rein bekommen.......

  • ... schlecker himself braucht keine träne vergossen zu werden.
    aber das ist nur die oberfläche. da hängen tausende von existenzen dran, um die schon getrauert werden dürfte. es wäre etwas zu kurz gesprungen,


    wenn ein riese wie schlecker fällt, gibt das tiefe krater... an vielen orten...
    kein grund sich zu freuen, wie ich finde, auch, wenn es um schlecker selbst nicht schade ist...


    Ja, man muss sehen wie viele direkt und indirekt von diesem Konzern abhängig waren.
    Es sind eben nicht "nur" Schlecker-Mitarbeiter. Solche Ketten haben oft Verträge mit Mittelständler die fast zu 100% abhängig sind.

  • Ich hatte eine andere Kette als Kunde, Regionallager mit "L" und somit etwas Einblick.
    Arbeitsweise.
    Recht gute Verträge mit Mittelständlern und Handwerksbetrieben für z.B. 1 Jahr. Es folgen grössere, recht gute Verträge. Hat man das Gefühl die Vertragspartner sind abhängig dreht man ihnen den Hals zu. Man lässt sie gerade so leben.
    Nur funktionierte bei mir das Konzept nicht. Ich arbeitete für einen internationalen Konzern
    wo "L" zwar Grosskunde war, aber eben nur 0,00X% des Umsatzes ausmachte.
    Dem Leiter bin ich öfters "übers Maul gefahren" wenn er unverschämt wurde. Meine Konzernleitung nahm es mit einem Grinsen.

  • Ich hatte eine andere Kette als Kunde, Regionallager mit "L" und somit etwas Einblick.
    Arbeitsweise.
    Recht gute Verträge mit Mittelständlern und Handwerksbetrieben für z.B. 1 Jahr. Es folgen grössere, recht gute Verträge. Hat man das Gefühl die Vertragspartner sind abhängig dreht man ihnen den Hals zu. Man lässt sie gerade so leben.
    Nur funktionierte bei mir das Konzept nicht. Ich arbeitete für einen internationalen Konzern
    wo "L" zwar Grosskunde war, aber eben nur 0,00X% des Umsatzes ausmachte.
    Dem Leiter bin ich öfters "übers Maul gefahren" wenn er unverschämt wurde. Meine Konzernleitung nahm es mit einem Grinsen.



    ... ist der übliche weg, wie 'marktmacht' ausgespielt wird.
    leider lassen sich immer wieder betriebe darauf ein und begeben sich in diese abhängigkeiten. mir sind hundert kleine lieber als zehn große. auch wenn es mehr arbeit ist. am ende lebe ich besser und vor allem stressfreier, weil ich den verlust einzelner gut abfedern kann... ein altes spiel.


    aber, wudi, wenn einer 0,0irgendwas prozentual vom umsatz generiert, wird der unter 'ferner liefen' geführt wird - und ist sicher kein großkunde...:lol:
    höchstens ein großer, der kaum zum umsatz beiträgt...;)
    macht sich aber gut in der image-broschüre...

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • ... ende von schlecker hat allerdings auch noch weitere konsequenzen: der umsatz wird nun neu vergeben, und das bedeutet, dass die verbleibenden big player noch größer werden und die strukturen in dem segment noch konzentrietrer aus ein kleines oligopol zu laufen...
    dass das die lage verbessert, wage ich zu bezeifeln.


    doch einige der läden werden womöglich von selbständigen einzelhändlern übernommen und das könnte die ländschaft bereichern.
    wenn ein großer verwindet, schafft das raum für andere...
    die müssen sich nur finden...

  • .


    aber, wudi, wenn einer 0,0irgendwas prozentual vom umsatz generiert, wird der unter 'ferner liefen' geführt wird - und ist sicher kein großkunde...:lol:
    höchstens ein großer, der kaum zum umsatz beiträgt...;)
    macht sich aber gut in der image-broschüre...


    Es ging bei uns nach Anzahl Maschinen, nicht nach Anteil am Umsatz. Was den Leiter verrückt gemacht hat, da unten läuft einer im Blaumann über den er keine Kontrolle hat.
    Das Problem, er war abhängig vom Kundendienst und wir waren Weltmarktführer und hatten wenig ernst zunehmende Konkurrenz. Unsere Konkurrenten wiederum waren auch Grosskonzerne. Also Mittelständler ausquetschen geht nicht.

  • ... ende von schlecker hat allerdings auch noch weitere konsequenzen: der umsatz wird nun neu vergeben, und das bedeutet, dass die verbleibenden big player noch größer werden und die strukturen in dem segment noch konzentrietrer aus ein kleines oligopol zu laufen...
    dass das die lage verbessert, wage ich zu bezeifeln.


    ..


    Anhand von Verträgen habe ich gesehen wie wenig Konkurrenz es in der Handelsbranche gibt.
    Was an den Läden steht und wer dahintersteckt sind zwei paar Stiefel.

  • ... muss ich dir (leider) widersprechen.
    die billigmasche läuft so gut wie nie zuvor. leider. mit allen konsequenzen für die lieferkette und die beschäftigten....


    Schlecker war aber was die Preise angeht gar nicht billig im Vergleich zur Konkurrenz.


    die probleme bei schlecker waren so einfach wie offensichtlich: schlechtes image.
    das beispiel schlecker zeigt, was verbraucher durch 'abstimmung mit den füssen' erreichen könn(t)en.


    Es gibt einfach keinen Grund, warum man bei Schlecker einkaufen sollte. Die Läden wirken dunkel und eng, die Kassiererinnen genervt oder gelangweilt und das Sortiment überschaubar und nicht gerade günstig. Die negativen Schlagzeilen über ihre ausbeuterische Philosophie setzt da noch einen drauf. Selbst in den Zeiten, als sie die einzige Kette war, die überall ihre Filialen hatte, kann ich mich nicht daran erinnern, jemals mehr als zwei Kunden zeitgleich im Laden gesehen zu haben.
    Besonders bitter finde ich, wie sie bis zum Ende ihr schlechtes Image bewahrten: Die Mitarbeiter erfuhren erst am Freitag durch die Medien oder noch schlimmer, durch Kunden von der Pleite.


    Spätestens seit Rossmann und DM (,die sich sichtlich untereinander absprechen) expandiert sind, war es nur noch eine Frage der Zeit bis Schlecker kapituliert. Ich bin da weder überrascht, noch traurig.

  • ... es interessiert, hier die firmengeschichte in kurzform


    Aufstieg und Fall von Schlecker


    1975 eröffnet Anton Schlecker seine erste Drogerie und expandiert rasch. Doch die Kette wird immer wieder für ihre schlechten Arbeitsbedingungen kritisiert und macht seit Jahren Verluste. Eine Chronologie.

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()

  • Und wieder verschwindet ein menschenverachtendes, neoliberal kapitalistisch orientiertes Ausbeutungsimperium von der Bildfläche, dem Himmel sei Dank!


    Ein Unternehmen, dass keiner vermissen wird - weder Kunden noch Beschäftigte. Allerdings haben die über 30 Jahre gewütet und jetzt, wo man es endlich erreicht hat das Schlecker Tariflöhne zahlt, Betriebsräte zulässt, et... sind die Pleite. Dann hätte man sich die 30+ Jahre auch sparen können. Ich muss hier mal ganz klar die Kunden kritisieren, die einen solchen Laden über all die Jahre erst so groß werden lassen haben.