Deutsche Wirtschaft: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

  • Deutsche Wirtschaft: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
    Wie sehen für euch die Zukunftsaussichten der deutschen Wirtschaft aus?
    Wie erlebt ihr den gegenwärtigen Ist-Zustand?
    Welche Fehler wurden in der Vergangenheit gemacht und welche positiven Entscheidungen fandet ihr gut. Insbesondere wie haben sich diese Entscheidungen auf die Gegenwart ausgewirkt?

    Im Folgenden möchte ich eine kurze historische Skizzierung der wirtschaftlichen Entwicklung der BRD zum Besten geben:

    Wiederaufbau und Wirtschaft
    Durch den Zweiten Weltkrieg sind weite Bereiche Deutschlands in ein Trümmerfeld verwandelt. Die Infrastruktur ist weitgehend zerstört. In allen vier Besatzungszonen herrscht Wohnungs- und Nahrungsmangel. Die Versorgungslage der Bevölkerung ist katastrophal. Auf der Potsdamer Konferenz einigen sich die Siegermächte darauf, dass Deutschland daran gehindert werden muss, jemals wieder Krieg zu führen. Die alliierten Reparationsforderungen sollen durch Demontagen beglichen werden. Zusätzlich zu den Kriegsschäden verschlimmern die Demontagen noch die Lage der deutschen Wirtschaft.

    Der Marshall-Plan
    Am 5. Juni 1947 schlägt der amerikanische Außenminister George C. Marshall das European Recovery Program (ERP) vor. Das ERP soll den wirtschaftlich darniederliegenden Ländern Europas, auch den deutschen Besatzungszonen, wieder auf die Beine helfen und darüber hinaus auch eine Ausbreitung des Kommunismus verhindern. Einzige Voraussetzung für die Realisierung dieses sogenannten Marshallplans ist, dass sich die europäischen Länder auf einen gemeinsamen Wirtschaftsplan einigen. An der Marshallplan-Konferenz im Juli 1947 in Paris nehmen 16 europäische Staaten teil. Die ebenfalls eingeladenen osteuropäischen Länder müssen ihre Teilnahme jedoch unter dem Druck der UdSSR absagen.

    Die Hilfsleistungen der USA bestehen nicht nur aus Krediten, sondern auch aus Waren, Rohstoffen und Lebensmitteln. Zwischen 1948 und 1952 werden von den USA insgesamt rund 12,4 Milliarden Dollar im Rahmen des Marshallplans bereitgestellt. Davon fließen 1,5 Milliarden Dollar nach Westdeutschland.

    Bedeutend für den erfolgreichen Wiederaufbau war die Währungsreform von 1948 und die Einführung der Sozialen Marktwirtschaft durch Ludwig Erhard, das Wiederaufbauprogramm der USA – der Marshallplan – und die Eingliederung Westdeutschlands in die von der USA geführte Weltwirtschaft.[16] Dazu gehörte ebenfalls die Teilnahme in der Europäischen Zahlungsunion im September 1950 und die Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (die Vorläuferorganisation der EU) 1951.

    Bipolare Welt
    Mit dem Ende des Bretton-Woods-System 1971 und der folgenden Aufwertung der DM gegenüber dem US-Dollar, sowie der Ölkrise von 1973 endete die Zeit des durchgehend hohen wirtschaftlichen Wachstums in Westdeutschland und die Arbeitslosenquote überstieg auf Dauer zwei Prozent.
    Die Automobilindustrie und die Informationstechnik entwickelten sich zu neuen industriellen Schlüsselindustrien, weshalb die öffentliche Hand große Investitionen in neue Infrastruktur (Autobahn, Geschichte des Telefonnetzes) vornehmen musste. Früher wichtige Branchen wie die Eisenbahn, die Schwerindustrie und der Bergbau verloren dagegen an Bedeutung. So gab es seit den 1960er Jahren vermehrt Importkohle und der Wärmemarkt für Haushalte und Gewerbe ging verloren. In der Folge musste beispielsweise der Ruhrbergbau die Förderung reduzieren. Der 1963 gegründete Rationalisierungsverband Ruhrbergbau begleitete die Schließung vieler Großzechen. Weitere Schritte waren der Hüttenvertrag von 1968, der Jahrhundertvertrag von 1975 und die Bildung der Ruhrkohle AG.
    Der Dienstleistungssektor expandierte, so dass Deutschland als Dienstleistungsgesellschaft bezeichnet werden kann. Besonders erfolgreiche Branchen sind Versicherer, Banken und unternehmensnahe Dienstleister, aber auch die Freizeit- und Unterhaltungsindustrie. Die Konsumausgaben privater Haushalte stiegen von 1970 bis 1990 von 191,29 Mrd. EUR auf 703,20 Mrd.[20] Neben den Einnahmen der Privathaushalte stieg auch die Menge an Freizeit: Die 5-Tage-Woche wurde 1955/56 schrittweise eingeführt, die 40-Stunden-Woche 1965 und die 38,5 Stunden-Woche 1984. Seit Mitte der 90er Jahre stieg die Wochenarbeitszeit in vielen Branchen allerdings wieder.

    SPD-Regierung und Große Koalition
    n den Regierungszeiten mit SPD-Beteiligung (1966 bis 1982) waren Beteiligungen des Staates an Unternehmen gerne gesehen, da man wirtschaftliche Probleme zusammen mit Arbeitgebern und Gewerkschaften[21] aktiv angehen wollte. In der Großen Koalition von 1966 bis 1969 wurde die „konzertierte Aktion“ von Karl Schiller zur Ãœberwindung der Wirtschaftskrise jener Jahre organisiert und mit dem Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 wurde das Staatsziel des gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts konkretisiert.

    Anfänge unter Kohl:
    In der folgenden Regierungszeit von Helmut Kohl (1982 bis 1998) wurden der vom Bund gehaltene Besitz an vielen deutschen Großunternehmen verkauft, wie beispielsweise VEBA, VIAG, Volkswagen AG, Schenker AG, Salzgitter AG, Saarbergwerke, IVG Immobilien, Deutsche Telekom, Deutsche Bundespost.[17] Auch das von der Treuhandanstalt nach der Wiedervereinigung übernommene Volkseigentum wurde bis 1994 privatisiert. Dagegen blieb der von den Bundesländern gehaltene Besitz an Unternehmen weitgehend im Staatsbesitz. So änderte sich beispielsweise im deutschen Bankwesen an dem „drei Säulen Modell“ - Private Geschäftsbanken, öffentlich-rechtliche Kreditinstitute und Genossenschaftsbanken - nichts.

    Wiedervereinigung
    Nach der deutschen Wiedervereinigung trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli 1990 in Kraft. Die Volkseigenen Betriebe wurden der Treuhandanstalt übergeben mit dem Ziel diese zu privatisieren oder zu schließen. Am 31. Dezember 1994 wurde die Treuhandanstalt aufgelöst, die verbliebenen Aufgaben auf mehrere Folgegesellschaften verteilt und die angefallenen Schulden in den Erblastentilgungsfonds eingebracht.
    Zur Finanzierung der ostdeutschen Bundesländern wurden die Solidarpakte I und II vereinbart. Der Bund finanziert sich wiederum zum Teil über den Solidaritätszuschlag. Darüber hinaus wurde die Neuverschuldung des Bundeshaushaltes stark erhöht und das soziale Sicherungssystem durch stark steigende Kosten wegen der etwa doppelt so hohen Arbeitslosigkeit im Osten belastet.
    Die Infrastruktur in den Neuen Bundesländern wurde nach der Wiedervereinigung verbessert, die Produktivität je Arbeitnehmer stieg, die Lohnstückkosten waren aber lange Zeit höher als in Westdeutschland. Gleichzeitig dauerte der Angleichungsprozess zwischen Ost und West länger als ursprünglich angenommen an.



    .....2009



    Das ist natürlich nur eine grobe Vereinfachung.
    Aber über konkrete Probleme und Ereignisse würde ich gerne mit euch diskutieren.



    Eine Frage die für mich eine wichtige Rolle spielt:



    Ist die gegenwärtige wirtschaftliche Situation insbesondere darauf zurückzuführen, dass in der Regierungszeit Kohls die Wiedervereinigung massiv "auf Pump" betrieben wurde und haben die Regierungen ab 1998 nicht vielmehr die Last dieses "schnellen Erfolgs" zu tragen?

  • Ist die gegenwärtige wirtschaftliche Situation insbesondere darauf zurückzuführen, dass in der Regierungszeit Kohls die Wiedervereinigung massiv "auf Pump" betrieben wurde und haben die Regierungen ab 1998 nicht vielmehr die Last dieses "schnellen Erfolgs" zu tragen?




    Ja.

    Kohl wollte in die Geschichtsbücher. Der Preis dafür war ihm egal.
    Die Wirtschafts- und Währungsunion kam überstürzt, mit einem falschen Wechselkurs und fehlenden Regelungen zur Rente.

  • Ja.

    Kohl wollte in die Geschichtsbücher. Der Preis dafür war ihm egal.
    Die Wirtschafts- und Währungsunion kam überstürzt, mit einem falschen Wechselkurs und fehlenden Regelungen zur Rente.


    Wie hätte denn eine alternative, bessere Wiedervereinigung in wirtschaftlicher Hinsicht aussehen müssen?

  • Wie hätte denn eine alternative, bessere Wiedervereinigung in wirtschaftlicher Hinsicht aussehen müssen?



    Die Transformation hätte weniger euphorisch und weniger getrieben verlaufen müssen. Es hätten Szenarien diskutiert werden müssen. Und eine Volksentscheidung hätte stattfinden müssen. Dann hätte sich die Politik jederzeit auf das Volk als Souverän berufen können, dass die Vereinigung gewünscht habe.

  • Im Nachhinein kann man natürlich die Details der Wiedervereinigung kritisieren. Aber zu der Zeit war das "Wunder" der Wiedervereinigung für die Deutschen nicht mal begreifbar.
    Man hätte sich natürlich auch wieder vereinigen und Währungsunion und andere Dinge erst Jahre später vollziehen können, aber ich finde allein die derzeitige Trennung zwischen alten und neuen Bundesländern, die es immer noch gibt, absurd.
    Nach zwanzig Jahren sollte man sich endlich als ein Land sehen.
    Allerdings sind es immer wieder auch kleine Dinge, wie z.B. eine Umfrage in alte und neue Bundesländer aufzuteilen, die den Menschen signalisiert, dass sie doch nicht zusammen gehören.
    Dazu gehört es selbstverständlich auch, die Soli-Abgabe endlich abzuschaffen.
    Natürlich muss man weiterhin Bundesländer unterstützen, denen es schlechter geht, aber wenn man ständig den Bürgern vor Augen führt, dass man einen Teil Deutschlands "unfreiwillig" unterstützen muß, dann wird es die Trennung in den Köpfen immer geben.

  • Wie hätte denn eine alternative, bessere Wiedervereinigung in wirtschaftlicher Hinsicht aussehen müssen?


    die euroeinführung hätte herausgezögert werden müssen. die d-mark war klar europas währungspolitischer anker. kohl ist hier gegenüber frankreich eingeknickt. zu einem späteren zeitpunkt wären die rahmenbedingungen für die währungsunion günstiger gewesen.

  • Deine Argumentation verstehe ich nicht. Der Euro kam elf Jahre später. Die Schlange wurde elf Jahre vor der Vereinigung installiert.

  • Deine Argumentation verstehe ich nicht. Der Euro kam elf Jahre später. Die Schlange wurde elf Jahre vor der Vereinigung installiert.


    es geht nicht darum, wann der euro den weg in die bundesdeutschen geldbeutel gefunden hat, sondern wann die sache beschlossen wurde. stichwort politische weitsicht.


    die innerdeutsche währungsunion: ebenfalls heikel. die aufwertung einer währung um 400 prozent muss den stärksten in die knie gehen lassen.


    weiterer punkt: die brd selbst hatte während der 80er jahre tüchtig gepennt. verfolgt man mal, was in den jahren so war, fällt vor allem eines auf: zukunftsfähige ökonomische konzepte zu entwickeln stand ganz hinten auf bonner listen. da musste die wiedervereinigung zum drahtseilakt werden.

  • es geht nicht darum, wann der euro den weg in die bundesdeutschen geldbeutel gefunden hat, sondern wann die sache beschlossen wurde. stichwort politische weitsicht.



    1979 wurde die Schlange installiert.

  • es klappert die klapperschlang' bis die klapper schlapper klang.




    1979 wurde das EWS installiert. Davor gab es ab 1972 den Wechselkursverbund. Beides wurde im Volksmund "Währungsschlange" genannt.

  • 1979 wurde das EWS installiert. Davor gab es ab 1972 den Wechselkursverbund. Beides wurde im Volksmund "Währungsschlange" genannt.


    danke. aber du hast mir nichts neues erzählt.

  • die euroeinführung hätte herausgezögert werden müssen. zu einem späteren zeitpunkt wären die rahmenbedingungen für die währungsunion günstiger gewesen.


    Deine Argumentation verstehe ich nicht. Der Euro kam elf Jahre später. Die Schlange wurde elf Jahre vor der Vereinigung installiert.


    es geht nicht darum, wann der euro den weg in die bundesdeutschen geldbeutel gefunden hat, sondern wann die sache beschlossen wurde. stichwort politische weitsicht.


    1979 wurde das EWS installiert. Davor gab es ab 1972 den Wechselkursverbund.


    danke. aber du hast mir nichts neues erzählt.


    Dann verstehe ich nicht,worauf du hinaus willst. Wenn doch der Euro,das EWS schon 1979 eingeführt wurde,und die Wiedervereinigung 1990 passierte,dann kam doch der Euro(EWS) vor der Vereinigung. Dann kannst du doch nicht sagen,dass der Euro hätte später kommen müssen,wenn er doch schon da war. :crazy:

  • Dann verstehe ich nicht,worauf du hinaus willst. Wenn doch der Euro,das EWS schon 1979 eingeführt wurde,und die Wiedervereinigung 1990 passierte,dann kam doch der Euro(EWS) vor der Vereinigung. Dann kannst du doch nicht sagen,dass der Euro hätte später kommen müssen,wenn er doch schon da war. :crazy:


    Ersteinmal den Euro gibt es als offizielle Zahlung im Geldverkehr des Ottonormalos erst seit 2002.
    Selbst die Einführung als gesetzliche Buchungswährung erfolgte erst 1999.
    Eine der einschneidensten Ereigniissen war die Festlegung der Wechselkurse im Jahre 1998.
    1994 wurde der EWI gegründet um Vorbereitungen auf eine gemeinsame Währung zu treffen.
    Natürlich gab es vor der Wiedervereinigung schon Initiativen und der ECU ist der Vorläufer des Euros. Aber streng genommen wurde der richtige Fahrplan nach der Wiedervereinigung gesetzt. UND eine Einführung des Euros hätte nach der Wiedervereinigung immer noch nach hinten verschoben werden können.


    Deine Aussage: Der Euro war schon da ist somit nicht korrekt.

  • Aber die Börsenkurse wurden doch schon früher in Euro angegeben.


    Nein in ECU nicht in Euro. Und ob ein Land die nächste Stufe in der Währungsunion betritt oder nicht ist Sache des Staates selber.
    Und aufgrunddessen hat Toyo Recht.

  • Du,Firtina,die schreiben aber auch einen Mist bei Wikipedia.Da steht irgendwas von Börsenkursen ab 31.Dezember 1998 in Euro.Ich sage ja immer,es ist Wikifehlia.