Schlecker-Frauen - Eine neue Gattung ?

  • Vorgeschichte


    Schlechte Presse über Schlecker gibt es seit Jahrzehnten. Nach Eröffnung des ersten "Drogeriemarktes" 1974 wuchs das Unternehmen rasant. Trotz aller Entwicklung blieb das Konzept im Wesentlichen auf kleine Geschäfte beschränkt. Einmann- oder besser Einfrau-Betrieb sorgte im Zusammenhang mit zeitweise zahlreichen Ãœberfällen auf die Filialen für heftige Kritik. Dazu kamen Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften.
    Aber seit 1995 band sich Schlecker an Tarifverträge und es gab Betriebsräte.
    (Siehe im Einzelnen zusammenfassend Wiki dazu)

    Einige Bekanntheit erlangte die Inhaberfamilie durch die Entführung der Kinder 1987 (Ãœbersicht siehe Wiki)


    Zahllose Artikel und Sendungen prangerten gleichwohl die Kette mit den kleinen, aber erfolgreichen Läden bis heute an. Lohndumping, Preisdrückerei und Tarifflucht waren vielfach durch die Betriebsräte öffentlich gemacht worden, die ihrerseits dafür ausgezeichnet wurden (Deutscher Betriebsräte Preis 2010 in Gold).


    In der vergangenen Geschäftsjahren wurden rote Zahlen geschrieben.
    Insolvenz und eine teilweise geforderte Auffanggesellschaft 2012 rückten das Unternehmen und die Familie zurück in den Fokus. Vor allem aber rückten sie in den Fokus


    20 Jahre in Knechtschaft?
    Unsere Schlecker-Frauen


    FAZ / FAS vom 31.3.2012


    Der Artikel fasst die unterschiedlichen Wirklichkeiten, die teilweise diametral verschiedenen Wahrnehmungen über das Phänomen prägnant zusammen.

    Der Tyrann liegt im Staub

    Zitat

    „Wir haben Schlecker besiegt“, sagt eine Betriebsrätin.
    ...
    Noch 2010 geißelte die Gewerkschaft Verdi „Sozialdumping“ und „einmalige Schweinereien“ bei Schlecker, erfand Ursula von der Leyen gar eine „Lex Schlecker“ gegen Zeitarbeitsmissbrauch.
    Jetzt ist alles anders. Der Tyrann liegt im Staub, die Frauen sind frei, ausgebrochen aus der Knechtschaft. Oder nicht?
    ...


    Die Schlecker-Frauen

    Zitat

    „Schlecker war mein Leben.“ „Es bricht eine kleine Welt zusammen“, sagt Gabi Wittig, die 30 Jahre bei Schlecker war. „Ein zweites Zuhause“ sei die Drogerie-Kette für sie alle gewesen. „Ich habe es gern gemacht!! Bis zum letzten Tag!!!“, schreibt eine Filialleiterin im Schlecker-Blog.
    „Nun muss ich den Laden wieder eigenhändig schließen“, sagt die Schlecker-Frau heute. „Das hier war mein Schlecker, so etwas wie mein Baby.“
    ...
    Sind das da im Fernsehen die gleichen Frauen, die wir all die Jahre bei Panorama, Report und den unzähligen Sozialreportagen kennengelernt haben? Die bei Frank Plasberg die Sklaven von heute und bei Maybritt Illner die Unterdrückten des Kapitals zu geben hatten? Schlecht bezahlt und ausgebeutet.
    ...

    20 Jahre Knechtschaft

    Zitat

    Einen „Glücksfall“ nennen heute viele ihre Anstellung bei dem „Tyrann aus Ehingen“. Von einer „letzten Chance“ sprechen andere, da der Patriarch auch ungelernte oder ostdeutsche Kassiererinnen nahm, die zuvor nur Absagen kassiert hatten.
    ...
    Die besten Löhne für Kassierinnen zahlte nicht etwa der sanfte Anthroposoph und dm-Gründer Götz Werner oder ein Dirk Rossmann, sondern der Menschenfeind aus Ehingen. Schlecker ließ Vollzeit arbeiten, wo andere längst massenhaft Mini-Jobs schufen, und zahlte Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld. Zuletzt floss ein Drittel seines Umsatzes in Personalkosten.
    „Auch wenn man das nicht immer öffentlich gesagt hat“, sagt Schlecker-Frau Gabi Wittig öffentlich im TV: „Unsere Kolleginnen haben nicht für 6 Euro gearbeitet.“ Klar, es gebe freie Jobs auf dem Markt. „Aber ob die alle in der Bezahlung so gut sind...“


    Ihr Brutto-gehalt von 2200 Euro macht Schlecker-Frauen schwer vermittelbar.

    Boykottiert Schlecker !

    Zitat

    Dabei haben die Deutschen den Schlecker-Frauen jahrelang auf die einzige ihnen mögliche Weise geholfen: Sie boykottierten Schlecker. Jeder zweite Verbraucher machte eine Bogen um die weiß-blauen Filialen, ergab eine Marktforschung noch kurz vor der Pleite.
    65 Prozent der Befragten bezeichneten Schlecker als „schlechten“ oder „sehr schlechten Arbeitgeber“, und 80 Prozent nannten die Arbeitsbedingungen eines Geschäfts als „wichtig“ für die Kaufentscheidung.
    ...
    Die Solidarität hatte so viel Erfolg, dass die Boykotteure jetzt neu denken müssen: Solidarität, lernen sie jetzt, liegt im Erhalt von Schlecker, in der Finanzierung von Transfergesellschaften.

    __________________________________________


    Dazu kommt die spezielle Ausgestaltung solcher Transfergesellschaften, die das Personal zeitweise übernehmen, und damit dem Insolvenzverwalter mehr Möglichkeiten eröffnen (in diesem Fall wäre der Transfer mit einem Verzicht auf die Kündigungsschutzklage verbunden gewesen).


    Bedenkenswert finde ich den Zusammenhang zwischen medialer Darstellung, Boykott (-aufrufen), Niedergang und Auffanggesellschaft.
    Ebenso die merkwürdig die unterschiedlichen Darstellungen von Mitarbeitern über den Betrieb früher, und eben heute, nach der Insolvenz.


    Zumindest sollte das zum Nachdenken anregen.

  • Dazu kommt die spezielle Ausgestaltung solcher Transfergesellschaften, die das Personal zeitweise übernehmen, und damit dem Insolvenzverwalter mehr Möglichkeiten eröffnen (in diesem Fall wäre der Transfer mit einem Verzicht auf die Kündigungsschutzklage verbunden gewesen).

    Bedenkenswert finde ich den Zusammenhang zwischen medialer Darstellung, Boykott (-aufrufen), Niedergang und Auffanggesellschaft.
    Ebenso die merkwürdig die unterschiedlichen Darstellungen von Mitarbeitern über den Betrieb früher, und eben heute, nach der Insolvenz.
    Zumindest sollte das zum Nachdenken anregen.



    Nach der Entscheidung für Gauck weiß ich einmal mehr, wozu meine Stimme für die FDP bei der letzten Bundes- und Landtagswahl nützlich war.
    Eine ordnungspolitisch richtige Entscheidung soll jetzt zum Sargnagel für die FDP werden. Ich hoffe, der Bumerang kehrt zu den populistisch verkommenen Werfern zurück.

  • Zitat

    „Jetzt gilt es für die Beschäftigten - mehr als 10.000 vornehmlich Frauen, einzelne Mütter und ältere Frauen - schnellstmöglich eine Anschlussverwendung selber zu finden.â€


    Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hat den vor der Entlassung stehenden Schlecker-Frauen mit kurioser Wortwahl eine schnelle Jobsuche empfohlen.


    Zitate der Woche: „Anschlussverwendung für die Schlecker-Frauen“ - Deutschland - Politik - Handelsblatt


    Wenn sogar das ansonsten nicht gerade als wirtschaftskritisch im Verruf stehende Handelsblatt so einen Spruch als 'Zitat der Woche' aufpickt, hat "Anschlussverwendung" (oder auch -verwertung) allerbeste Chancen, zum Unwort des Jahres gekürt zu werden.


    Mir zumindest dreht sich angesichts solcher herzlosen Kaltschnäuzigkeit der Magen um.

    2 Mal editiert, zuletzt von A0067 () aus folgendem Grund: Kotzsmiley eingefügt

  • vor der Anschlussverwendung/verwertung müsssen die Frauen allerdings noch freigestellt werden..............:confused:

  • und nun im ganzen satz


    "über die anschlussverwendung des freigestellten humankapitals..."



    wunderhübsch

  • Bedenkenswert finde ich den Zusammenhang zwischen medialer Darstellung, Boykott (-aufrufen), Niedergang und Auffanggesellschaft.
    Ebenso die merkwürdig die unterschiedlichen Darstellungen von Mitarbeitern über den Betrieb früher, und eben heute, nach der Insolvenz.


    Zumindest sollte das zum Nachdenken anregen.
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    Und vor allem finde ich bedenklich das viele Verbraucher anscheinend dem Boykottaufruf folgten. Wahrscheinlich genau diese Leute die sich heute für die arbeitslos werdenden Menschen einsetzen und fordern mit Schlecker soll es weitergehen.
    Populismus halt.
    Nach den tausenden Kleinunternehmern die ihre Bude dicht machen müssen kräht kein Schwein.

  • Und vor allem finde ich bedenklich das viele Verbraucher anscheinend dem Boykottaufruf folgten.


    Gibt's wirklich noch welche, die vorzugsweise da gekauft haben..? :confused: Ich glaub, ich war seit Jahren nicht mehr bei Schlecker, weil gegenüber ein wesentlich größerer, hellerer und besser sortierter Rossmann liegt. Mit Schlecker assoziiere ich dunkle, enge, muffige Lädchen mit eingeschränkter Auswahl.


  • .............Der Artikel fasst die unterschiedlichen Wirklichkeiten, die teilweise diametral verschiedenen Wahrnehmungen über das Phänomen prägnant zusammen.






    die Wahrnehmung des Gerichts war recht eindeutig...........

    "Das Ehepaar Anton und Christa Schlecker wurde im Jahre 1998 per Strafbefehl durch das Landgericht Stuttgart zu einer Freiheitsstrafe von je zehn Monaten auf Bewährung und zu einer Geldstrafe in Höhe von einer Million Euro verurteilt, weil den Schlecker-Beschäftigten vorgetäuscht worden war, sie würden nach Tarif bezahlt werden. Tatsächlich lagen die Löhne niedriger, was das Gericht als Betrug wertete.[11]"

    Schlecker – Wikipedia

  • Gibt's wirklich noch welche, die vorzugsweise da gekauft haben..? :confused: Ich glaub, ich war seit Jahren nicht mehr bei Schlecker, weil gegenüber ein wesentlich größerer, hellerer und besser sortierter Rossmann liegt. Mit Schlecker assoziiere ich dunkle, enge, muffige Lädchen mit eingeschränkter Auswahl.


    Wohlgefühlt habe ich mich bei Schlecker auch nicht. Nur hatte ich den Laden im Kaff. In der Regel handelte ich Putzmittel und Körperpflegeartikel dort. Nicht weit von Schlecker war auch noch der "Tante Emma Laden" und der Bäcker. Also alles innerhalb weniger Minuten mit dem Rad erreichbar. So gesehen kam ein Boykott für mich nicht in frage.
    Was mich damals wunderte? Wie man mit dem Laden Geld verdienen kann.

  • Gibt's wirklich noch welche, die vorzugsweise da gekauft haben..? :confused: Ich glaub, ich war seit Jahren nicht mehr bei Schlecker, weil gegenüber ein wesentlich größerer, hellerer und besser sortierter Rossmann liegt. Mit Schlecker assoziiere ich dunkle, enge, muffige Lädchen mit eingeschränkter Auswahl.




    Wissentlich bin ich noch nie zu Schlecker gegangen, habe erst jetzt erfahren, das Kaufland zu Schlecker gehört und die habe ich hab boykottiert, nachdem ich aus eigener Anschauung mitgekriegt habe wie dort Mitarbeiter schickaniert wurden...........
    So mussten z.B. die Kassiererinnen, wenn ein Kunde mit dem Einkaufswagen an der Kasse einlief, aufstehen, sich über das Transportband bücken um eine Nummer auf dem Fahrgestell des Einkaufswagens abzulesen. Diese Nummer mussste dann in die Kasse eingegeben werden................
    Wenn dann jemand wie ich kam, der keinen Wagen hatte, weil er nur ne Kleinigkeit gekauft hatte, dann war Stress hoch 3 angesagt. Durch diesen Stress habe ich von der Sache erfahren.
    Dann gab's noch eine 8 Teile Kasse. Ein Pärchen vor mir hatte 9 Teile. Die Verkäuferin weigerte sich strikt, das Pärchen abzukassieren, weil 9 Teile. Der Streit zog sich dann minutenlang hin. Ich machte dann den Vorschlag 2 Rechnungen zu machen, eine mit 5, die andere mit 4 Teilen..............
    Im anschließenden Gespräch mit der Verkäuferin erfuhr ich, dass die Abrechnung von mehr wie 8 Teilen an dieser Kasse eine sofortige Abmahnung zur Folge habe.......

    Seitdem war Kaufland für mich tabu............

    Ach ja, Müller Milch Produkte boykotier ich seit Jahrzehnten. Ich kann überhaupt nicht verstehen warum die jemand kauft, die sind mitunter doppelt so teuer wie Produkte der Konkurrenz.......................

  • Gibt's wirklich noch welche, die vorzugsweise da gekauft haben..? :confused: Ich glaub, ich war seit Jahren nicht mehr bei Schlecker, weil gegenüber ein wesentlich größerer, hellerer und besser sortierter Rossmann liegt. Mit Schlecker assoziiere ich dunkle, enge, muffige Lädchen mit eingeschränkter Auswahl.



    ... könnte das auch so sehen. weil es stimmt.
    fakt ist: der selbstgerechte patriarch anton schlecker hat seine probleme selbst verursacht.


    zunächst ist festzustellen, dass anton seine mitarbeiter schlecht behandelt und bezahlt, und die läden quasi verkommen lassen hat.
    letzteres wurde dadurch billigend in kauf genommen, weil eine einzelne kraft das nicht stemmen kann. ich weiss, wovon ich rede, denn ich habe mit der branche zu tun. ich muss mir, um ein bild zu bekommen, nicht wahllos irgend welche zur eigenen kampagne passenden berichte zusammen stellen...;)...


    die zustände bei schlecker gingen schon lange um...die waren kein geheimnis.
    wer sich dafür interessierte, konnte über jahre diverse und wiederkehrende berichte als informations-häppchen beachten und bewerten. selbst als aussen stehender beobachter.


    als die öffentlichen proteste aufkamen, hat sich anton erst taub gestellt, und als die proteste in boykotte übergingen, wollte er die leute betrügen - schlabund hat es gepostet. in wirklichkeit zeigte er sich erst stur, dann vorgeblich einsichtig, zumindest was die bezahlung der mitarbeiter angeht. tatsächlich kam die, heute so plakativ hier eingangs vorgetragene, faire bezahlung, erst sehr viel später - als es schon eine schlammschlacht gegeben hatte - mit entsprechenden folgen für die aussenwirkung.
    doch die läden blieben in ihrem unansehnlichen zustand - bis heute.
    erst die kinder von anton haben den ernst der lage erkannt und eine modernisierung der geschäfte mit entsprechender priorität auf die agenda gesetzt. da war es bereits zu spät.


    erst die gemengelage aus verheerender presse über mehr als ein jahrzehnt (mit absolut zutreffenden beschreibungen der lage bei schlecker) und wenig einladenden verkaufsflächen, sorgte im endeffekt dafür, dass, wer konnte, die schlecker-läden als kunde links liegen gelassen hat und zum besser aufgestellten wettbewerb ausgewichen ist.


    anton schlecker hat sich unklug und uneinsichtig verhalten und seine situation selbst herbei geführt. das ist die wahrheit.
    er hat aber vor allem kaufmännisch unklug gehandelt. die läden waren sowohl von innen als auch von aussen nicht wettbewerbsfähig und präsentabel. das hat er als sekundär eingeordnet. ein trugschluss.


    das alles jetzt den leuten anhängen zu wollen, die ihr geld vorzugsweise woanders ausgegeben haben, ist schon ein dicker hund.


    auch die threaderöffnung: das soll die angekündigte, obejektive darstellung der hintergründe sein? wohl mehr eine selbstdarstellung von pseudo-objektivismus.


    man muss schon hinter die fassade sehen, wenn die tragenden elemente erkannt werden wollen. auch etwas sachverstand ist beizeiten von vorteil...;)

    7 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: format...

  • Da habe ich immer so meine Probleme. Egal ob es irgendwelche Ketten oder Produkte aus Billiglohnländern sind. Auf der einen Seite sende ich Signale und übe einen gewissen Druck aus, auf der anderen Seite trage ich auch dazu bei kleine private Existenzen zu zerstören.
    Die Angestellten haben zwar schlechte Arbeitsbedingungen und Bezahlung, aber sie können überleben, wenn auch sehr bescheiden.
    In Deutschland gibt es soziale Programme, wenn es auch nur Alg/ H-4 ist.
    Sogenannte Billiglohnländer in der Regel nicht.

  • Wohlgefühlt habe ich mich bei Schlecker auch nicht. Nur hatte ich den Laden im Kaff. In der Regel handelte ich Putzmittel und Körperpflegeartikel dort. Nicht weit von Schlecker war auch noch der "Tante Emma Laden" und der Bäcker. Also alles innerhalb weniger Minuten mit dem Rad erreichbar. So gesehen kam ein Boykott für mich nicht in frage.
    Was mich damals wunderte? Wie man mit dem Laden Geld verdienen kann.



    .. ursprüngliche idee von schlecker war "gut".
    er wollte genau dort, wo die situation so ist, wie du es beschreibst, den markt dominieren, indem er der einzige nennenswerte anbieter ist.
    rentabilität ist im handel immer eine mischkalkulation, die sich über die gesamte kette erstreckt. auch wenn einzelne läden sich nicht als selbst-tragfähig erweisen, so wird doch umsatz generiert, der sich in der gesamtmenge als nachfragemacht auswirkt und die beschaffung vergünstigt. so lange sich das in balance halten lässt, tragen die verkaufsstarken läden die defizitären mit, resp, die mengenrabatte im einkauf gleichen das operative minus aus.


    schlecker's fehler war, dass er sich getäuscht hat, was seine kunden angeht.
    er dachte, "hauptsache billig, dann kommen die leute schon". aber durch die wettbewerber rossmann und dm gab es attraktive alternativen und die leute blieben aus.
    da brachen plötzlich auch in den "guten" läden die umsätze weg und es setzte ein domino-effekt ein.


    schlecker hätte zu dieser zeit viel geld in die läden stecken oder sich drastisch verkleinern müssen, um mit den verkaufserlösen und durch die gewonnenen freiräume wegen eingesparter kosten die cashcows wieder aufzupäppeln. doch das hat er, aus gründen, die nur er selbst kennt, nicht gemacht.


    das ende war dann unausweichlich.

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: ft...

  • Der Laden im Nachbarort hatte 2. Etagen und meist nur eine Verkäuferin. Resultat war das der Schwund durch Ladendiebstähle enorm war. Praktisch gesehen konnte man in den Laden gehen, sich bedienen und wieder gehen ohne zu bezahlen. Die Frau hatte darüber unmöglich Kontrolle.

  • ..


    schlecker hätte zu dieser zeit viel geld in die läden stecken oder sich drastisch verkleinern müssen, um mit den verkaufserlösen und durch die gewonnenen freiräume wegen eingesparter kosten die cashcows wieder aufzupäppeln. doch das hat er, aus gründen, die nur er selbst kennt, nicht gemacht.


    das ende war dann unausweichlich.


    Ein sehr wichtiger Faktor der Kalkulation ist die Umsatzhäufigkeit. Die ist für viele Produkte
    in nicht angepassten Läden nicht gegeben.

  • Der Laden im Nachbarort hatte 2. Etagen und meist nur eine Verkäuferin. Resultat war das der Schwund durch Ladendiebstähle enorm war. Praktisch gesehen konnte man in den Laden gehen, sich bedienen und wieder gehen ohne zu bezahlen. Die Frau hatte darüber unmöglich Kontrolle.



    ... sind logische konsequenzen. passt ins bild.
    die umsetzung der idee ging zu lasten des personals und in der konsequenz auch zu lasten aller kaufmännischen grundelemente.
    analyse und erkenntnis hätte zu sinnvollen rückschlüssen und änderungen in der operativen umsetzung führen müssen.
    aber entweder die analyse hat nie sinnvoll statt gefunden, oder die erforderlichen konsequenzen sind nicht erwogen und daher entsprechende veränderungen versäumt worden...


    das größte problem von anton schlecker war anton schlecker....:cornut:

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: ft...

  • ...


    das größte problem von anton schlecker war anton schlecker....:cornut:


    Sehe ich auch so. Als Handwerksmeister habe ich zwar nur eine kaufmännische Grundausbildung, trotzdem kann ich über die ganze Kalkulation nur den Kopf schütteln.
    Gut fand ich die Läden in kleineren Ortschaften. Nur waren sie von der Grösse her nicht angepasst. Was will ich mit Shampoo im Regal das ich nur zweimal in der Woche verkaufe?
    Ein Laden im kleinen Ort kann sich durchaus lohnen, wenn er angepasst ist. Geringerer Umsatz kann man durch geringere Kosten, wie Miete, ausgleichen.

    Einmal editiert, zuletzt von wudi ()

  • Ich kenne das aus der Modebranche , die Idee und die Ware , der Preis waren gut , ein Laden folgte dem anderen . Der Chef war satt , aus null , Raketen artig auf 190.000 Mio gestiegen .


    Sein Fehler war bei seinem grandiosem Absturz , er konnte nicht rechtzeitig delegieren , Mitarbeiter der ersten Stunde hatte er als Leibeigene gesehen , die sind alle abgehauen . Investitionen null . Fehlentscheidungen in der Kollektion , Produktion und Vertrieb .


    Das Fiasko nahm seinen lauf , innerhalb einer Woche war seine Firma wieder da wo er angefangen hatte , .... auf null .Und 120.000 Mio Steuernachzahlung für xxxx Jahre .


    So geht das wenn man sich zu weit aus dem Fenster hängt und denkt man ist der große Zampano , unangreifbar .

  • Ein sehr wichtiger Faktor der Kalkulation ist die Umsatzhäufigkeit. Die ist für viele Produkte
    in nicht angepassten Läden nicht gegeben.


    ... ist nur ein aspekt....auch wenn schlecker groß war, so groß, dass er produkt- oder artikel-spezifische rabattstaffeln hatte, dürfte er nur in ausnahmefällen gewesen sein.


    in der regel werden rabatte nach umsätzen aus quelle berechnet.
    beispiel: ich kaufe von hersteller/importeur/großdistributor A waren im wert von 1mio , dafür bekomme ich einen preisnachlass oder eine jahresrückvergütung in höhe von....xy
    kaufe ich aus der quelle für 2mio, er höht sich mein vorteil auf die gesamtsumme nach einen bestimmeten schlüssel auf... xy + delta usw....


    ob das nun klammern, bürsten, kämme oder weiss der teufel was auch immer sind, ist dabei unerheblich.
    nur wenn ich aus einer quelle ausschließlich eine produktklasse oder einzelne, singuläre artikel beziehe, würde sich das so auswirkeln wie du es beschreibt.


    das ist der grund, warum jeder bestrebt ist, den einkauf auf so wenige wie möglich lieferanten zu konzentrieren, da dadurch der hebel maximiert werden kann - mit auch negativen, möglichen konsequenzen... die kehrseite der medaille....

    2 Mal editiert, zuletzt von A0468 () aus folgendem Grund: ft... - edit - fascher bezug

  • Sein Fehler war bei seinem grandiosem Absturz , er konnte nicht rechtzeitig delegieren , Mitarbeiter der ersten Stunde hatte er als Leibeigene gesehen , die sind alle abgehauen .


    Eigentlich nicht meine Erfahrung. Ich war ab und zu in zwei Läden. Grosse Personalveränderungen gab es eigentlich nicht. Frauen mit 40+ bis zur Rente.
    Ich vermute die meisten von ihnen waren berufliche Wiedereinsteiger. Küche und Kinder
    bis 40, danach Schlecker.