Wirtschaftssystem reformieren - Die Gesellschaft im Wandel

  • Prolog



    Der Kapitalismus
    Er hat uns zu unglaublichen materiellen Reichtum verholfen.
    Durch ihn besiegten wir den Hunger, verbreiteten das Auto, ermöglichten Reisen in ferne Länder, vereinfachten den Haushalt, verbreiteten das Internet, vernetzten die Welt...


    Doch über ihn haben viele auch etwas vergessen -
    Wir haben vergessen, dass wir ihn eigentlich einführten,
    weil wir glücklicher werden wollten.


    Wir haben begonnen ihn anzubeten, das Geld und das Materielle anzubeten
    - zu glauben, dass es nur dass ist, was uns glücklich macht.
    Wir machen uns mehr Gedanken um das Geld, als je zuvor...
    Werde ich in genug verdienen? Reicht das Geld für meine Rente?
    Wann kann ich mir den neuen Porsche kaufen? Wie kann ich effizienter arbeiten?
    Wird mein Mann/meine Frau auch mit weniger zufrieden sein?


    Es ist Zeit der Realität ins Auge zu schauen
    und wieder nach neuen Wegen zu suchen -
    nach Wegen, die uns glücklicher machen.


    Der materielle Wohlstand ist da! Wir haben ihn erreicht!
    Unsere grundliegenden materiellen Bedürfnisse sind gestillt - Wir leiden keinen Hunger mehr, wir haben eine Wohnung und sogar das Geld um zu verreisen.


    Doch wie steht es mit den sozialen Bedürfnissen?
    Sind wir in der Lage einander den Respekt und die Unterstützung zu geben,
    die wir für ein glückliches Leben brauen?


    Wie sieht es mit der persönlichen Verwirklichung aus?
    Haben wir den Raum und die Strukturen um uns selbst zu verwirklichen?


    Wie sieht es mit unserer Umwelt aus - dem Müll, dem Gift und den Gasen unserer Zivilisation?
    Oder wie sieht es mit unserer gefühlten Atmosphere in der Stadt und bei der Arbeit aus?


    Wir müssen wieder den effizientesten Weg finden um glücklich zu werden.
    Und dieser Weg liegt in der Erfüllung aller unserer Bedürfnisse.
    Doch wie können wir sie erfüllen?
    Und in was für Strukturen und in was für einer Gesellschaft können wir sie erfüllen?




    Vorschlag



    Ein erster Schritt zu diesen neuen Strukturen ist es eine neue Perspektive zu einwickeln,
    eine Perspektive in der das Wirtschaftssystem, das Bildungssystem, das Gesellschaftssystem
    alle unsere Bedürfnisse umfasst


    Indem wir nicht wie heute unser Wasser (soziale/persönliche Bedürfnisse)
    für Brot (materielle Bedürfnisse) weggeben und an den Folgen verdursten.


    Denn ein Wirtschaftssystem ist eben nicht erfolgreicher,
    wenn die Menschen zwar reicher,
    aber nicht zufriedener werden. *1


    Wir brauchen also keinen Wachstum der Wirtschaft,
    sondern einen Wachstum der Zufriedenheit.
    Diese ist dass eigentlich wichtige und um sie zu erreichen brauchen wir:


    Schulen, in denen nicht nur die Fähigkeiten,
    die der materiellen Bedürfnisbefriedigung dienen, gelehrt werden,
    sondern alle Fähigkeiten, die für ein glückliches Leben in unserer Gesellschaft wichtig sind.


    Unternehmen, die nicht einseitig ihre Produktivität verbessern,
    sondern den effizientesten Weg der Bedürfniserfüllung gehen und
    so auch die Arbeitsbedingungen, sowie das soziale Miteinander verbessern.


    Einen insgesamt sinnvollere Kombination aus helfen und konkurrieren, *2
    sowie mehr Anreize (Steuern/Förderung)
    für Produkte, die recyclebar sind und oder länger halten.


    und vor allem einen Wandel in der Mentalität,
    der sich bereits vollzieht


    Ich freue mich über viel Kritik und ein paar Vorschläge


    Mit freundlichen Grüßen
    Bulgur



    *1)
    Erst recht nicht,
    wenn zwar der insgesamte Reichtum zunimmt,
    aber die Kluft zwischen Arm und Reich wächst
    und somit selbst die Reichen unglücklicher werden,
    da sie Angst vor den Armen und dem Verlust ihres "Reichtums" haben.


    *2)
    Oft entsteht durch die Konkurrenz heutzutage soviel Druck, dass dieser 1. der Zufriedenheit entgegenwirkt und
    2. soviel Stress erzeugt, dass dieser die Lern-, Entwicklungs- und Revlektionsfähigkeit der Menschen behindert.


    Es gibt bei Unternehmen kaum Anreize einem anderen Unternehmen zu helfen, da Konkurrenz dem entgegenwirkt, obwohl es mit dem Blick auf die gesamte Wirtschaft Sinn machen würde.


    Andererseits ist Konkurrenz ein wichtiger Baustein für Entwicklung,
    der jedoch meiner Ansicht nach etwas zu stark geworden ist
    und so der Entwicklung wieder entgegenwirkt.

  • Interessantes Thema. Nur finde ich es würde besser unter Philosophie passen. Wirtschaftssystem ist eine Sache, Lebenseinstellung eine andere. Das unser Wirtschaftsdenken unsere Lebensphilosophie beeinflusst streite ich nicht ab. Nur muss das so sein?

  • Sorgen gab es und gibt es auch ohne Kapitalismus. Und Wohlstand haben noch viel zu wenige auf dieser Welt.
    Kinder verrecken immer noch täglich, vergesst das nicht!


    Der Kapitalismus in der jetzigen Form ist alles andere, als mein Freund.
    Aber selbst ich als linke Zecke möchte ihm nicht alles Unheil der Welt in die Schuhe schieben!


    TM, die meint, dass das Wesen des Menschen da eine erhebliche Rolle spielt


  • Für mich eine Frage der individuellen Lebenseinstellung und der persönlichen Lebengestaltung.





    Einmal editiert, zuletzt von Stillicho ()

  • Nach wie vor mein unschlagbares Lieblingswort für alle Zeiten
    Bruttonationalglück


    Die Tendenzen, die Welt anders zu sehen und weg vom rein Materiellen, hin zum Gemeinschaftlichen sind in Gang.
    Ich bin überzeugt, dass der Trend, dass sich die Menschen über das extreme Ungleichgewicht bzw. die Ungleichverteilung auflehnen, immer stärker wird.
    Das dauert wohl noch eine Weile, aber ich bin überzeugt, dass der Prozess sich nicht mehr aufhalten lässt.
    Und dann müssen sich die Geldsäcke echt warm anziehen.
    Ich habe da ja meine eigenen Theorien und Prognosen. Dem Geld geht es an den Kragen. Das dauert nicht mehr lange.
    Die Geldmächte sorgen ja die letzten Jahre ordentlich vor und investieren entsprechend in Sachwerte und Land. Die wissen warum.



    TM, da recht optimistisch

  • Zitat:
    Wir haben begonnen ihn anzubeten, das Geld und das Materielle anzubeten
    - zu glauben, dass es nur dass ist, was uns glücklich macht.


    Du vielleicht, ich nicht.


    Mit anbeten meine ich dem Geld/Materiellem einen Eigenwert zusprechen, den es nicht hat.
    Materielles und Geld hat nur den Wert, den es für unsere Bedürfnisbefriedigung hat.
    Leider scheinen jedoch sehr viele Menschen nicht mehr danach zu gucken, wie sie ihre insgesamten Bedürfnisse am besten erfüllen können, sondern gucken vor allem wie sie mehr Geld verdienen können und gehen somit einen nicht besonders effizienten Weg.


    Zitat:
    Der materielle Wohlstand ist da! Wir haben ihn erreicht!
    Unsere grundliegenden materiellen Bedürfnisse sind gestillt - Wir leiden keinen Hunger mehr, wir haben eine Wohnung und sogar das Geld um zu verreisen.


    Das ist die Basis für alles andere. Wir sollten nicht vergessen, worauf sie sich gründet.


    Eine Grundlage ja - die Basis nicht wirklich ...


    Ohne das Soziale kannst du auch das Materielle vergessen und umgekehrt...

    Zitat:
    Wie sieht es mit der persönlichen Verwirklichung aus?
    Haben wir den Raum und die Strukturen um uns selbst zu verwirklichen?


    Mehr als jede Generation vor uns.


    Hmmm da lässt sich drüber streiten.... , aber die Frage ist eher, ob wir nicht besser wäre auf ein bissl Reichtum
    (der uns laut der Glücksforschung eh seit den 70igern nicht mehr wirklich glücklicher gemacht hat ) zu verzichten und dafür mehr
    persönliche Verwirklichung zu ermöglichen.



    Zitat:
    Wie sieht es mit unserer Umwelt aus - dem Müll, dem Gift und den Gasen unserer Zivilisation?
    Oder wie sieht es mit unserer gefühlten Atmosphere in der Stadt und bei der Arbeit aus?


    Probleme, die wir genauso lösen können wie alle Probleme auf dem Weg hin zu unserem beispiellosen Massenwohlstand.


    Natürlich können wir dass und ja ich stimme dir bei deinem Massenwohlstand teilweise zu,
    auch wenn dieser etwas durch die Arm/Reich Schere gestört wird und halt noch ausbaufähig ist.


    Allerdings, ist die Tendenz des Kapitalismus, bei dem man oft eher kurzfristig guckt,
    Machtkämpfe mit weiterentwickelten Waffen führt und die Konkurrenz so hoch fährt,
    dass sie oft wieder ineffizient wird, noch zimmlich verbesserungswürdig.



    Zitat:
    Doch wie können wir sie erfüllen?
    Und in was für Strukturen und in was für einer Gesellschaft können wir sie erfüllen?


    Für mich eine Frage der individuellen Lebenseinstellung und der persönlichen Lebengestaltung.


    Klar egal welches System ob Nazionalsozialisten, Kommunisten, Kapitalisten
    - Blos nichts verändern ... Es könnte kaputt gehen ^^


    Ich glaube hier verstehe ich dich nicht so ganz...
    Klar kann man sein Leben bis zu einem gewissen Maß gestalten...
    Aber warum sollte man den Rest einfach hinnehmen und nicht versuchen ihn zu verbessern?


    Warum sollte man z.B. die Schule, in der heute nur einseitig Fähigkeiten gelehrt werden,
    die man brauch um seine materiellen Bedürfnisse zu befriedigen und die restlichen wichtigen Fähigkeiten komplett vernachlässigt werden, nicht versuchen zu verbessern?
    Oder warum sollte man nicht die Wirtschaftsstrukturen,
    in denen es oft für ein Unternehmen keinen Anreiz gibt, anderen Unternehmen der gleichen Branche zu helfen,
    obwohl dies insgesamt für die Wirtschaft sinnvoll wäre,
    in denen teilweise versucht wird den Menschen etwas zu verkaufen, was sie nicht brauchen, obwohl dies auch im Blick auf das Gesamte dumm ist,
    sowie der Anreiz, ein Produkt so zu bauen, dass es nach einer gewissen Zeit kaputt geht, obwohl es nicht schwieriger wäre es so zu bauen, dass es länger hält,
    verbessern?


    MfG Bulgur

    Einmal editiert, zuletzt von Bulgur ()

  • Die Wunschvorstellung ist rein illusionär. Nicht der Bürger ( zumindest in D ) ändert das Witschaftssystem, sondern das "Wirtschaftssystem" den Bürger, und das exakt nach seinen Vorstellungen.

  • Die Wunschvorstellung ist rein illusionär. Nicht der Bürger ( zumindest in D ) ändert das Witschaftssystem, sondern das "Wirtschaftssystem" den Bürger, und das exakt nach seinen Vorstellungen.


    Ich finde das Wirtschaftssystem nutzt nur Schwächen des Menschen aus. Man kann es Marketing nennen. Beschäftige dich mit der Psyche des Menschen und du wirst die Masse steuern können.

  • (...)
    Eine Grundlage ja - die Basis nicht wirklich ...


    Ohne das Soziale kannst du auch das Materielle vergessen und umgekehrt...
    (...)


    dem muss ich widersprechen.
    erst kommt das fressen, dann die moral (aus der "dreigroschenoper" von bertolt brecht (von 1928)), heisst es nicht von ungefähr...
    auch das ist "materielles"


    möglichgerweise gibt es sonderfälle, und wenn faktischer überfluss herrscht, soweit es die reine existentielle ebene betrifft, sollte das nicht mehr den ausschlag geben, doch auf eben dieser unteren existentiellen ebene steht zuerst die gesicherte existenz im fokus, dann erst kommen die sozialen aspekte....


    auch wenn das keine angenehme erkenntnis ist: das soziale gewissen muss der mensch sich erstmal "leisten können"...

    Einmal editiert, zuletzt von A0468 ()


  • erst kommt das fressen, dann die moral (aus der "dreigroschenoper" von bertolt brecht (von 1928)), heisst es nicht von ungefähr..."...


    Eine langfristige Reflexion mit dem Blick auf umfassende Zusammenhänge macht deutlich, daß es sich genau umgekehrt verhält.


    Bertold Brecht
    dichtet nicht schlecht,
    denkt aber mäßig.
    Den Spruch fress ich
    nicht, bin so lässig.

  • dem muss ich widersprechen.
    erst kommt das fressen, dann die moral (aus der "dreigroschenoper" von bertolt brecht (von 1928)), heisst es nicht von ungefähr...
    auch das ist "materielles"


    möglichgerweise gibt es sonderfälle, und wenn faktischer überfluss herrscht, soweit es die reine existentielle ebene betrifft, sollte das nicht mehr den ausschlag geben, doch auf eben dieser unteren existentiellen ebene steht zuerst die gesicherte existenz im fokus, dann erst kommen die sozialen aspekte....


    auch wenn das keine angenehme erkenntnis ist: das soziale gewissen muss der mensch sich erstmal "leisten können"...


    Hmmm zum Teil gebe ich dir ja Recht,
    aber nehmen wir erst mal einen Sonderfall.
    Wenn ein Baby beispielsweise keine Zuneigung erhält, aber bestens versorgt wird, stirbt es.
    So als ob es kein Wasser hätte...


    Ich glaube auch ein Mensch hat so vollkommen ohne Zuneigung auch nicht viel Freude am Leben...
    Vielleicht würde er auch einfach sterben oder sich umbringen...


    Allerdings verhält sich das Soziale anders als das Materielle und ist deswegen nicht so perfekt zu vergleichen.
    Ein Minimum an Anerkennung ist bereits sehr schnell und einfach zu erlangen, sobald man einen anderen Menschen trifft,
    während materielles oft entweder sehr schwer zu erlangen ist, oder im Ãœberfluss vorhanden ist.
    Dieser Ãœberfluss ist jedoch wiederum beim Sozialen sehr schwer zu erlangen.


    Also kommt es sehr auf die Situation an, ob es gerade am Materiellen oder am Sozialen mehr fehlt
    und daraus resultiert, dass man den jeweils anderen Teil/Bedürfnisstrang für diesen etwas vernachlässigen würde.


    Die Denkweise erst fressen und dann sozial sein ist also etwas zu kurz gegriffen.
    Zudem gibt es ja auch noch andere Methoden soziale Anerkennung zu erhalten,
    wie z.B. indem man sich jemanden überordnet oder indem man sich jemanden unterordnet,
    den man gut findet und ihm hilft und dafür im Gegenzug Anerkennung von diesem erhält.


    Allerdings ist die effizienteste Variante immer noch der gegenseitige Respekt auf gleicher Ebene ,
    der mit sozialem Verhalten einhergeht,da beim gegenseitigem Respekt das Verständnis für den Anderen
    am größten ist und nicht eine Distanz durch Wertunterschiede erschaffen wird.
    Durch dieses Verständnis kann die Person, als ganze Person mit all ihren Facetten Anerkennung erhalten.



    Außerdem gibt es ja auch noch die persönlichen Bedürfnisse,
    wie die z.B. Selbstverwirklichung, die kein Teil der sozialen oder materiellen Bedürfnisse ist.


    Insgesamt lässt sich aber festhalten dass es mehrere Grundlagen gibt, die eine Basis bilden.


    MfG Bulgur